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Steht auf

gegen Rassismus

Ein Beitrag von
Aaron Mafitabar, Amani Siddig, Hannah Dunkler und Linda Molnar

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Der 21. März wurde vor über 50 Jahren von der UNO zum Inter­na­tio­na­len Tag gegen Rassis­mus erklärt. Welt­weite Orga­ni­sa­tio­nen, Vereine wie auch bestimmte Grup­pen nehmen diesen Monat als Anlass, um die Bevöl­ke­rung gegen Rassis­mus zu akti­vie­ren. Auch wir jungen Leute wollen darauf aufmerk­sam machen, dass Rassis­mus immer noch im Alltag erlebt wird. Sei es in öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln, in der Schule, am Arbeits­platz oder im öffent­li­chen Raum. Wir woll­ten wissen: Haben Menschen aus unse­rem Umfeld selbst schon Rassis­mus erfah­ren? Wie sind sie damit umge­gan­gen? Was kann man gene­rell dage­gen tun? Die Ansich­ten der unter­schied­li­chen Genera­tio­nen machen deut­lich: Das Thema ist noch längst nicht vom Tisch! Eben­falls konn­ten wir gute Lösungs­vor­schläge einho­len, wie man gegen rassis­ti­sche Diskri­mi­nie­rung vorge­hen kann.

Wir sind uns einig: Wir Menschen sind uns alle ähnli­cher als wir denken!

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Sichtweisen der Generationen. 

Aaron
16 Jahre
Wien
Aaron
16 Jahre
Wien

Was denkst du dir in Bezug auf das Thema Rassismus?

Früher habe ich mir nichts dabei gedacht, wenn ich die Haare einer schwar­zen Schul­kol­le­gin angrif­fen habe. Jedoch weiß ich heute, dass dies falsch ist und streng genom­men auch als rassis­tisch bewer­ten werden kann, obwohl dies niemals beab­sich­tigt war. Mir ist bewusst, dass wir Menschen uns durch unsere unter­schied­li­che Indi­vi­dua­li­tät unter­schei­den. Aller­dings zeich­net uns aus, dass wir alle Menschen sind! Viel­leicht schaf­fen wir es endlich nicht unsere Lebens­weise als “die voll­kom­menste” zu sehen und dafür mit und vonein­an­der zu lernen.

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Hannah
14 Jahre
Wien
Hannah
14 Jahre
Wien

Was denkst du dir in Bezug auf das Thema Rassismus?

Menschen aufklä­ren, sich mit dem Thema beschäf­ti­gen und aufste­hen, wenn man rassis­ti­sche Situa­tio­nen mitbe­kommt, sind für mich wich­tige Lösungs­vor­schläge. Ich weiß mitt­ler­weile, dass Rassis­mus jeden betref­fen kann. Oft sind Minder­hei­ten betrof­fen, die sich in den Regio­nen auf der Welt unter­schei­den. Das bedeu­tet, dass auch hell­häu­tige Menschen betrof­fen sein können. Dennoch betrifft es in vielen Ländern der Welt vor allem dunkel­häu­tige Menschen. Wich­tig ist zu erken­nen, dass Rassis­mus tief verwur­zelt ist und noch immer exis­tiert und oftmals unbe­wusst geschieht.

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Linda
14 Jahre
Wien
Linda
14 Jahre
Wien

Was denkst du dir in Bezug auf das Thema Rassismus?

Mir ist es sehr wich­tig, ande­ren Leuten klar zu machen, dass wir in einer Zeit leben, in der Rassis­mus nicht üblich ist und abso­lut vermie­den werden sollte. Ich verstehe nicht, warum man andere Leute in “Rassen” einteilt und dieje­ni­gen, zu denen man nicht gehört, so verur­tei­len kann. Ich würde auch gerne verste­hen: Warum diskri­mi­niert man Leute? Ich finde es wich­tig, die Meinung zu sagen und für die ande­ren Menschen einzu­ste­hen. Außer­dem sollte man die Leute über Rassis­mus aufklä­ren und darüber reden, wenn man die Chance dazu hat.

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Amani
14 Jahre
Wien
Amani
14 Jahre
Wien

Was kann man gegen Rassismus tun?

Was ich beson­ders wich­tig finde ist, dass man die Leute aufklärt und sich auch mal mit dem Thema beschäf­tigt, da Rassis­mus auch heute noch eine sehr große Rolle spielt. Wenn man Diskri­mi­nie­rung gegen­über Leuten, aufgrund ihrer Haut­farbe, Herkunft oder Reli­gion mitbe­kommt, muss man unbe­dingt einschrei­ten und etwas dage­gen tun und nicht nur zuse­hen. Wenn man etwas gegen Rassis­mus tun will, muss man handeln.

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junger Mann
13 Jahre
Wien
junger Mann
13 Jahre
Wien

Hast du schon mal Rassismus miterlebt?

Ja, schon. Es kam nicht zu schlim­men Über­grif­fen, aber Diskri­mi­nie­rung gegen­über Leuten mit ande­rer Haut­farbe, einer ande­ren Herkunft oder Reli­gion schon öfters. Auch ich wurde schon aufgrund meiner Haut­farbe diskri­mi­niert: Wenn ich zum Beispiel in ein Alters­heim gehe, schauen mich Leute aufgrund meiner Haut­farbe oft komisch an. Es fühlt sich abwer­tend an.

Was könnte man dagegen tun?

Ich weiß nicht, was man dage­gen tun könnte, weil man solche Einstel­lun­gen nur schwer ändern kann. Viel­leicht kann man seine Kinder schon von klein auf über Rassis­mus aufklä­ren. Am Besten man fängt schon im Kinder­gar­ten damit an. Ich persön­lich finde es sehr wich­tig, Leute darüber aufzu­klä­ren.

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Nina
12 Jahre
Wien
Nina
12 Jahre
Wien

Hast du Rassismus schon mal erlebt? Wie?

Nein, habe ich nicht. Ich bin Russin und lebe in Russ­land. Und Russen sind aus meiner Sicht sehr höflich. Ich persön­lich habe in Russ­land noch keine rassis­ti­schen Hand­lun­gen miter­lebt.

Was ist Rassismus für dich?

Rassis­mus ist eine soziale Vorein­ge­nom­men­heit gegen­über einer „Rasse“. Die Person wird nicht als gleich­wer­tig betrach­tet.

Wie würdest du Rassismus beschreiben?

Diese Einstel­lung verbinde ich nur mit schlech­ten Gefüh­len. Es ist ein so schwie­ri­ges Gefühl für mich, weil ich nicht verstehe warum Menschen andere Menschen nicht akzep­tie­ren.

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Anto­nia
14 Jahre
Wien
Anto­nia
14 Jahre
Wien

Was bedeutet Rassismus für dich?

Rassis­mus bedeu­tet für mich, wenn Menschen beispiels­weise wegen ihrer Haut­farbe, ihrer Reli­gion oder ihrer Herkunft diskri­mi­niert werden, da sie aufgrund opti­scher Merk­male “anders” ausse­hen. Beispiels­weise habe ich einen Arti­kel gele­sen, in dem stand, dass Lehrer:innen ihre Schüler:innen aufgrund der Haut­farbe rassis­tisch behan­del­ten. Sie wurden benach­tei­ligt und beka­men schlech­tere Noten. Ich bin der Meinung, dass es auf einer Schule keinen Rassis­mus geben darf! Jede:r Schüler:in muss gleich behan­delt werden!

Was kann man gegen Rassismus tun?

Es gibt mehrere Möglich­kei­ten, um gegen Rassis­mus vorzu­ge­hen: Im Alltag soll­ten rassis­ti­sche Vorfälle beispiels­weise nicht einfach igno­riert werden. Sondern man sollte sich auf die Seite des Opfers stel­len und ihn oder sie vertei­di­gen. Wich­tig wäre es auch, die Menschen, die nichts vom heuti­gen Rassis­mus mitbe­kom­men, aufzu­klä­ren. Ihnen sollte erklärt werden, dass es immer noch Menschen gibt, die heut­zu­tage rassis­tisch belei­digt werden. Dadurch könnte man einen weite­ren Schritt gegen Rassis­mus setzen!

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Fabian Dunk­ler
27 Jahre
Wien

Fabian Dunk­ler
27 Jahre
Wien

Hast du selbst schon Rassismus miterlebt?

Ja, in meiner Wohn­ge­mein­schaft hat ein Bekann­ter anstelle von „Schwar­zer“ das N‑Wort für einen Schau­spie­ler im Fern­se­her verwen­det. Aber ich kenne eigent­lich nicht viele, die von Rassis­mus betrof­fen sind.

Was kann man gegen Rassismus tun?

Ich finde, dass in jungen Jahren mehr Aufklä­rung betrie­ben werden sollte. Dem Thema muss einfach mehr Aufmerk­sam­keit geschenkt werden. Genauso wich­tig ist es darüber nach­zu­den­ken, auch wenn es immer Menschen geben wird, die rassis­tisch sind.

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Elsadig
55 Jahre
Wien
Elsadig
55 Jahre
Wien

Hast du schon Erfahrungen mit Rassismus?

Ja, ich bin Rassis­mus schon oft begeg­net, auch im Alltag. Auch im Berufs­le­ben spielt Rassis­mus eine große Rolle. Beispiels­weise haben Leute, als ich noch Taxi­fah­rer war, aufgrund meiner Haut­farbe ein ande­res Auto ausge­sucht. In der Zeit vor der Digi­ta­li­sie­rung, waren sogar Job- und Wohnungs­in­se­rate „nur für Inländer:innen“ inse­riert. Ich selbst habe in Tele­fo­na­ten miter­lebt, dass ich aufgrund meiner Ausspra­che als “Auslän­der” abge­stem­pelt wurde. Mögli­che Vermieter:innen sagten dann: Nur für „Inländer:innen“ und legten auf. Ich habe auch erlebt, wie mich Firmen abge­lehnt haben. Die Begrün­dung dafür: Sie hatten Angst, dass sie durch mich Kunden verlie­ren würden. Aber nicht nur in solchen Situa­tio­nen, auch im Alltag trifft man stän­dig auf Rassis­mus. Egal ob in den öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln, in Loka­len oder in jungen Jahren in Discos. Rassis­mus ist aber gar nicht immer direkt adres­siert, heute gibt es vor allem vermehrt versteck­ten Rassis­mus. Rassis­mus hat viele Facet­ten.

Wie hast du gehandelt ?

In den Momen­ten, in denen du Diskri­mi­nie­rung ausge­setzt bist, kannst du nicht wirk­lich etwas tun bzw. oftmals weiß man einfach auch gar nicht was man dage­gen machen kann.

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Hamid
58 Jahre
Wien
Hamid
58 Jahre
Wien

Hast du Rassismus schon einmal miterlebt? Wenn ja, wie hast du gehandelt?

Ja, ich habe schon einmal Rassis­mus miter­lebt: Als ich vor langer Zeit in Los Ange­les war, ging ich mit meinem Freund spazie­ren. Auf der Straße befan­den sich dunkel­häu­tige Jugend­li­che, die laut waren. Mein Freund machte darauf­hin eine rassis­ti­sche Bemer­kung und sagte, dass dunkel­häu­tige Menschen oft aufdring­lich und laut sind. Ich redete mit ihm darüber und erklärte ihm, dass Jugend­li­che laut sein können und dürfen und deren Beneh­men nichts mit der Haut­farbe oder Ähnli­chem zu tun hat!

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Alois Dunk­ler
60 Jahre
Wien
Alois Dunk­ler
60 Jahre
Wien

Was bedeutet für dich Rassismus? Wie kann man dagegen ankämpfen?

Für mich bedeu­tet Rassis­mus die uner­träg­li­che Spal­tung der Rassen, welche kein Thema mehr sein sollte. Um gegen Rassis­mus ankämp­fen zu können, sind Aufklä­rung und Gesprä­che sehr wich­tig. Auch in den Schu­len wären diese Punkte bedeu­tend. Ich selbst war Lehrer in einer Schule, wo es einen großen Anteil von Migrant:innen gab.

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Marga­re­tha
82 Jahre 
Wien
Marga­re­tha
82 Jahre 
Wien

Was bedeutet Rassismus für dich?

Für mich ist Rassis­mus etwas ganz Unfai­res und Unmensch­li­ches. Ich habe den zwei­ten Welt­krieg miter­lebt und dadurch schon als klei­nes Kind viel Rassis­mus, insbe­son­dere gegen Roma, mitbe­kom­men. Momen­tan flammt das Thema wieder stark auf. Leider beob­ach­tet man rassis­ti­sche Hand­lun­gen auch öfters im Alltag. Es tut mir weh, mitan­se­hen zu müssen, dass Leute aufgrund ihrer Haut­farbe oder Herkunft benach­tei­ligt und diskri­mi­niert werden.
Rassis­mus wird meist und oft in der Fami­lie weiter­ge­ge­ben. Nicht immer ganz offen­sicht­lich und viel­leicht auch nur indi­rekt. Aber bestimmte Haltun­gen, Ausdrü­cke und Einstel­lun­gen werden den Kindern mitge­ge­ben und dadurch teil­weise weiter­ge­tra­gen. Die Erzie­hung spielt bei diesem Thema eine entschei­dende Rolle und wäre die Grund­lage dafür, um Rassis­mus in der Gesell­schaft zu been­den.

Was könnte man dagegen tun?

Man könnte viel dage­gen tun. Beispiels­weise soll­ten Leute sofort einschrei­ten und etwas dage­gen machen, wenn sie rassis­ti­sche Äuße­run­gen mitbe­kom­men.

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Perspektive gewinnen, was wissen wir?

Rassis­mus bedeu­tet, wenn Menschen beispiels­weise aufgrund ihrer Haut­farbe, ihrer Reli­gion, oder ihrer Herkunft diskri­mi­niert werden. Manche unse­rer Interviewpartner:innen haben selbst schon rassis­ti­sche Diskri­mi­nie­rung erfah­ren. Der Ausschluss aufgrund der Haut­farbe oder des Namens kann sehr verlet­zend sein. Auch in den Schu­len kann es zu rassis­ti­schen Vorfäl­len gegen­über Schüler:innen kommen. Was hilft dage­gen? Viele Interviewpartner:innen sind der Meinung: Aufklä­rende Gesprä­che und Diskus­sio­nen über Rassis­mus sind von Kind auf bedeu­tend, auch in den Schu­len sollte das Thema im Unter­richt behan­delt werden. Das ist jedoch bei einem solch ernst­zu­neh­men­den Thema nicht genug: Aktiv werden und gegen Rassis­mus aufste­hen, empfin­den viele Interviewpartner:innen als abso­lute Notwen­dig­keit!

Dazu holen wir uns die Meinung eines Exper­tens ein, der selber schon rassis­ti­scher Diskri­mi­nie­rung ausge­setzt war.

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Experteninterview mit Mostafa Noori

Freizeitpädagoge mit Fluchterfahrung

Wir durf­ten mit Mostafa Noori, 25 Jahre alt, in Austausch gehen. Herr Noori ist als Frei­zeit­päd­agoge im Bereich Kinder- und Jugend­ar­beit in Wien tätig. Eben­falls arbei­tet er bei der Asyl­ko­or­di­na­tion in Wien. Seit 2015 beglei­tet er dort die Schul-Work­shops zum Thema Flucht & Asyl. Mit diesen soll das Bewusst­sein für die Situa­tion von geflüch­te­ten Menschen verstärkt werden.

Herr Noori kommt ursprüng­lich aus Afgha­ni­stan, verbrachte einige Zeit im Iran und lebt seit 2013 in Wien. Nach Öster­reich ist er als unbe­glei­te­ter, minder­jäh­ri­ger Flücht­ling gekom­men. 3 Jahre später hat er einen posi­ti­ven Asyl­be­scheid erhal­ten und ist seit­her als aner­kann­ter Geflüch­te­ter in fast allen Lebens­be­rei­chen gleich­ge­stellt mit öster­rei­chi­schen Staatsbürger:innen. Wählen darf er aller­dings nicht.

Mostafa Noori
25 Jahre
Wien
Mostafa Noori
25 Jahre
Wien

Amani: Haben Sie Tipps für junge Leute sich gegen Rassismus einzusetzen?

MN: Das ist eine sehr umfang­rei­che und schwie­rige Frage. Klar ist: Man kann in jedem Bereich aktiv werden. Wich­tig ist es, nicht zu schwei­gen, sondern seine Stimme zu erhe­ben, wenn man rassis­ti­sche Diskri­mi­nie­rung miter­lebt. Laut zu werden und die Betrof­fe­nen zu unter­stüt­zen, ist von großer Bedeu­tung. Denn die betrof­fe­nen Perso­nen trauen sich oftmals gar nicht, sich zu wehren. Das verlangt viel Mut und vor allem Soli­da­ri­tät von den ande­ren: Es ist hilf­reich, wenn Perso­nen aus dem Umfeld aufste­hen und sich dezi­diert äußern: „Das ist falsch.“ Dadurch wird auch die Person, die es betrifft, ermu­tigt sich zu wehren. Auch im öffent­li­chen Raum, im schu­li­schen Kontext oder im Freun­des­kreis können Zeichen gesetzt werden. In all diesen Berei­chen können alltäg­li­che Dialoge zum Thema helfen. Ein Beispiel dafür: Sich konkret äußern und sagen: „Dein Satz war gerade nicht poli­tisch korrekt und kann andere Menschen verlet­zen.“ Wir Menschen können einan­der auf solche Aussa­gen und Denk­wei­sen aufmerk­sam machen. Denn Diskri­mi­nie­rung kann sehr verlet­zend sein, vor allem im Schul­un­ter­richt. Noch einmal: Ihr jungen Leute müsst aktiv blei­ben und dürft euch auf keinen Fall den Mut nehmen lassen. Die Zukunft gehört uns jungen Menschen. Unsere Gesell­schaft wird immer bunter und viel­fäl­ti­ger. Somit bin ich der Über­zeu­gung, dass das Problem der rassis­ti­schen Diskri­mi­nie­rung in fünf­zig Jahren nicht mehr vorhan­den sein wird. Es liegt an uns gemein­sam, eine neue Welt zu erschaf­fen.

Aaron: Liegt Ihnen sonst noch etwas auf dem Herzen, dass Sie mit uns teilen möchten?

MN: Es ist wich­tig zu wissen, dass auch versteckte Rassis­men exis­tie­ren: Das bedeu­tet, dass diese nicht an offen­sicht­li­chen Merk­ma­len wie etwa der Haut­farbe oder der Haare fest­ge­macht werden. Deshalb ist es umso bedeu­ten­der eine Gesell­schaft gut zu kennen, um auch die versteck­ten Formen von rassis­ti­scher Diskri­mi­nie­rung zu begrei­fen. So diskri­mi­nie­ren nicht immer Hell­häu­tige, dunkel­häu­tige Menschen. Auch die Minder­hei­ten unter­ein­an­der haben teil­weise Probleme und diese müssen ange­spro­chen werden. In Öster­reich muss auch die rassis­ti­sche Diskri­mi­nie­rung zum Thema gemacht werden, die es inner­halb der einzel­nen (Volks-)Gruppen gibt. Auch hier ist es unum­gäng­lich, sich mit den Ausprä­gun­gen des Rassis­mus‘ ausein­an­der­zu­set­zen, um sie zu verste­hen. Das gilt beispiels­weise für die kurdi­sche Minder­heit in Öster­reich, die häufig Diskri­mi­nie­rung ausge­setzt ist und Unter­stüt­zung braucht. Spezi­ell in der Schule und im Unter­richt.

Ein weite­res Beispiel für Diskri­mi­nie­rung: Es gibt Menschen aus der öster­rei­chi­schen Mehr­heits­ge­sell­schaft, die behaup­ten, dass Geflüch­tete nach Öster­reich kommen und für die Hilfe, die sie erhal­ten, nicht dank­bar sind. Wenn ich jedoch mit den Menschen, die solche Behaup­tun­gen aufstel­len, in den Dialog gehe, merke ich, dass sie selbst noch nie in Kontakt mit einem geflüch­te­ten Menschen waren. Sie sind medial nega­tiv beein­flusst. Ein gemein­sa­mes Gespräch kann Augen öffnen: Schon viele haben aufgrund einer gemein­sa­men Diskus­sion reali­siert, dass sie ihre Meinung über Geflüch­tete über­den­ken müssen. Wieder wird ersicht­lich: Menschen müssen stets mitein­an­der reden. Dann können sie Argu­mente und Gegen­ar­gu­mente austau­schen und Neues erfah­ren.

Hannah: Oftmals höre ich, dass Rassismus in Österreich — im Vergleich zu anderen Ländern — nicht so präsent ist. Aber mich würde interessieren, welche persönlichen Erfahrungen Sie in Österreich mit Rassismus gemacht haben?

MN: Dieser Meinung kann ich zustim­men. In alltäg­li­chen Situa­tio­nen habe ich in ande­ren Ländern Rassis­mus viel inten­si­ver wahr­ge­nom­men. Aus persön­li­cher Erfah­rung gespro­chen: In Öster­reich tritt eine andere Form des Rassis­mus‘ zu Tage, nämlich der Hass im Inter­net. Manch­mal lese ich ganz furcht­bar diskri­mi­nie­rende und rassis­ti­sche Kommen­tare im Inter­net. Ich gebe euch ein persön­li­ches Beispiel: Vor eini­gen Jahren habe ich Inter­views zum Thema „Flucht & Inte­gra­tion und das Leben in Öster­reich“ für öster­rei­chi­sche Print­me­dien gege­ben. Die Leser­schaft des jewei­li­gen Medi­ums konnte anschlie­ßend die Arti­kel online lesen und kommen­tie­ren. Teil­weise stan­den sehr verlet­zende Kommen­tare darun­ter. Das löste bei mir großes Unver­ständ­nis und Trau­rig­keit aus, weil die Gesprä­che eigent­lich vom „Ankom­men in Öster­reich“ handel­ten. Einige Menschen haben mir über das Inter­net sogar Todes­wün­sche geschickt und meine Fami­lie verbal belei­digt. Das war eine furcht­bare Zeit für mich. Die Kommen­tare haben mich sehr verletzt. Ein Problem ist hier­bei, dass die Menschen im Inter­net anonym schrei­ben und die hinter­las­se­nen Kommen­tare können nur schwer zurück­ver­folgt werden. Das war dann auch der Grund, warum ich aufge­hört habe, den Medien Inter­views zu geben.

Bezüg­lich Wohnungs­su­che möchte ich euch noch etwas erzäh­len. Mein Name, Mostafa Noori, reichte oftmals aus, damit mich andere spüren ließen: Okay, du musst wohl „ein musli­mi­scher Esel­trei­ber“ sein. Es war für mich sehr schwie­rig, eine Wohnung zu finden. Am Ende lief es darauf hinaus, dass ein Freund von mir eine Eigen­tums­woh­nung kaufte, in der ich jetzt auch wohnen kann. Auch im Bereich der Arbeits­su­che spielte der Name eine große Rolle.

Was ich damit sagen möchte: Im Bereich der Wohnungs- und Jobsu­che merkt man den versteck­ten Rassis­mus stark. Sehr häufig wurden mir Fragen gestellt, inwie­fern ich die Spra­che beherr­sche oder ob ich mich gut inte­griert habe. Ein posi­ti­ver Effekt ist mögli­cher­weise – versteck­ter Rassis­mus kann die Betrof­fe­nen krea­tiv machen.

Linda: Es gibt ja viele rassistische Begriffe: Wurden Sie schon einmal mit rassistisch beschimpft?

MN: Ich persön­lich wurde schon viele Male aufgrund meiner Herkunft diskri­mi­niert. Nicht aber aufgrund meiner Haut­farbe. Das liegt vermut­lich daran, dass ich eher hell­häu­tig bin. Beson­ders im Iran wurde ich aufgrund meiner afgha­ni­schen Herkunft diskri­mi­niert. Manch­mal auch in Öster­reich, wobei hier viel­mehr der isla­mi­sche Hinter­grund eine Rolle spielt(e).

Ich bin zwar Athe­ist, aber mein Name ist ja Mostafa und das war oftmals Grund genug, mich als „Scheiß Moslem“ zu beschimp­fen. Beispiels­weise hat mich meine Wirt­schafts­pro­fes­so­rin an der HAK drei Semes­ter lang immer Moham­med genannt. Das habe ich ebenso als diskri­mi­nie­rend empfun­den. Sie wollte sich meinen Namen offen­sicht­lich einfach nicht merken.

Hannah: Empfindest du es auch so, dass Menschen, vor allem in unserem Alter, sehr locker mit der Sprache umgehen und beispielsweise auch das N‑Wort verwenden? Ich persönlich verstehe aber nicht, warum man es überhaupt verwenden sollte. Es gibt keinen Grund dafür. Findest du auch, dass man damit vorsichtiger umgehen sollte, oder findest du, dass es „wichtigere Probleme“ gibt?

MN: Ich vertrete zu 100 Prozent die Ansicht, dass mit solchen Wörtern vorsich­ti­ger umge­gan­gen werden muss. Denn auch unge­wollt können diese sehr verlet­zend sein. Betrof­fene Menschen sagen mögli­cher­weise, dass für sie die Verwen­dung solcher Begriffe kein Problem sind. Dennoch gibt es genug Situa­tio­nen, in denen sie sich verletzt fühlen. Meiner Meinung nach haben wir solch ein Sprach­ge­brauch Anfang der 2000er weni­ger gehabt als gegen­wär­tig. Im Deutschrap wurden nicht so viele Begriffe wie etwa Ehren­wör­ter genutzt. Mitt­ler­weile werden Begriffe wie Ehren­mann oder ehren­los häufi­ger verwen­det. Dasselbe gilt für N‑Wörter. Leider hat die „neue“ Genera­tion teil­weise frag­li­che Vorbil­der, aber auch das kann nicht verall­ge­mei­nert werden.

Bezo­gen auf diese Debatte fallen mir immer wieder die Worte meines Vaters ein, der zu sagen pflegte: “Lass dir ein Wort drei Mal durch den Kopf gehen und wende es erst dann an.” oder “Schme­cke dein Wort, wenn es gut schmeckt, dann sag es in die Welt hinaus.” In der persi­schen Spra­che gibt es sehr viele Gedichte über die Art und Weise wie Spra­che verwen­det werden sollte. Spre­chen empfinde ich als Kunst. Worte müssen gut und mit Bedacht gewählt sein, sonst könnte das Umfeld damit verletzt werden. Ich finde mit ande­ren Menschen mit Respekt zu spre­chen kann auch cool sein. So setzte ich mich viel mit jungen Leuten über ihre Spra­che ausein­an­der. Ich möchte sie verste­hen und in „ihren Schu­hen gehen“, damit wir gemein­sam einen ande­ren Weg ebnen können. Unab­ding­bar für mich ist es deshalb den Deutschrap zu hören, welchen ihr jungen Leute anhört, die sozia­len Medien zu verwen­den, die ihr jungen Leute verwen­det. Damit ich mich auskenne und ich Gesprä­che mit den jungen Leuten führen kann. Wer sich nicht auskennt, kann den heuti­gen Jugend­li­chen nichts beibrin­gen oder mit ihnen in den Dialog gehen, um Lösun­gen zu disku­tie­ren.

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Was die (sozialen) Medien dazu sagen

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Kinder bringen es auf den Punkt. 

Es gibt 1.000 Antworten auf die Flüchtlingsfrage. Die einzig wahre liefert ein 4‑Jähriger! (HipHop​.de)

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Für uns ist es sonnen­klar: Biolo­gisch gese­hen gibt es keine Rassen, darüber ist sich heut­zu­tage auch die Wissen­schaft einig. Ursprüng­lich kann der Rassis­mus auf die Kolo­nia­li­sie­rung Afri­kas und Südame­ri­kas zurück­ge­führt werden. Weiße Euro­päer dran­gen in neue Länder vor und benö­tig­ten Menschen zur Ausbeu­tung der Rohstoffe in den erober­ten Gebie­ten. So wurden jahr­hun­der­te­lang Menschen versklavt, die unter den widrigs­ten Umstän­den leben und arbei­ten muss­ten. Der Gedanke, dass weiße Europäer:innen über­le­gen sind, berech­tigte ihre Vorge­hens­weise und verfes­tigte sich in den Köpfen. Die Idee, dass bestimmte Menschen aufgrund “ihrer Rasse” etwas Besse­res seien als andere, fand seinen Höhe­punkt ganz beson­ders in der grau­sa­men Vernich­tungs­po­li­tik des NS-Regimes.

Mitt­ler­weile ist es unum­strit­ten: Menschen in Rassen zu unter­tei­len ist falsch und basiert auf keiner wissen­schaft­li­chen Grund­lage. Dennoch wissen wir und haben durch die Meinun­gen der Genera­tio­nen erfah­ren: Rassis­ti­sche Diskri­mi­nie­rung kommt auch noch heute in unter­schied­lichs­ter Gestalt vor! Gene­rell ist es wich­tig nicht zu verges­sen, dass Rassis­mus auch gegen­über hell­häu­ti­gen Menschen vorkom­men kann. Ein Beispiel: Auch Minder­hei­ten können Rassis­mus ausge­setzt sein, weil sie einer bestimm­ten (Volks-)Gruppe ange­hö­ren.

Umso mehr müssen wir jungen Leute uns gegen Rassis­mus beken­nen!

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Lösungsansätze entwickeln und sichtbar machen.

Was können wir selbst tun?

Ange­regt haben wir uns beim Walking&Talking darüber ausge­tauscht, welche Möglich­kei­ten es gibt, sich gegen Rassis­mus einzu­brin­gen. Durch das Einho­len der unter­schied­li­chen Ansich­ten und der Exper­ten­mei­nung wurden uns Lösungs­an­sätze noch­mals klar vor Augen geführt.

  • Infor­ma­tion und Aufklä­rung: Schon in den frühen Jahren, zB im Kinder­gar­ten, sollte man mit den Kindern begin­nen Rassis­mus zu thema­ti­sie­ren und aufzu­klä­ren, dass wir Menschen alle gleich sind und die glei­chen Rechte besit­zen. Je früher man damit beginnt, umso weni­ger werden rassis­ti­sche Hand­lun­gen von Kindern und Jugend­li­chen über­nom­men.
  • Nicht wegse­hen! Menschen, die nicht von rassis­ti­scher Diskri­mi­nie­rung betrof­fen sind, müssen für Betrof­fene einste­hen. Junge Leute sollen das Thema mit engen Bezugs­per­so­nen disku­tie­ren können. Beispiels­weise in der Schule mit dem Klas­sen­vor­stand oder mit der psycho­lo­gi­schen Pädago­gin. Sie können nach­fra­gen, ob Rassis­mus stär­ker im Unter­richt behan­delt werden kann.
  • Die Stimme erhe­ben, nicht schwei­gen und den Dialog suchen. Mit den Eltern und dem nahe­ste­hen­den Umfeld, wie etwa dem Freun­des­kreis, darüber spre­chen und sich austau­schen. Gut fundierte Argu­mente unter­stüt­zen die jungen Leute in der Diskus­sion gegen Rassis­mus. Ein gutes Beispiel: Rassis­mus passiert nicht nur gegen­über dunkel­häu­ti­ger Menschen.
  • Junge Leute können soziale Medien, wie etwa Insta­gram, nutzen, um gut recher­chierte Links zu Kampa­gnen und wich­ti­gen Arti­keln zu posten, die auf rassis­ti­sche Hand­lun­gen aufmerk­sam machen oder eine Anlei­tung geben, was dage­gen getan werden kann.
  • Work­shops mit Fachexpert:innen in der Schule wie etwa mit Mitarbeiter:innen vom Verein ZARA, machen das Thema für junge Leute greif­ba­rer.
  • Allge­mein gilt in allen Lebens­si­tua­tio­nen: Die Stimme erhe­ben, wenn rassis­ti­sche Hand­lun­gen miter­lebt werden, ob beispiels­weise im Alltag oder in der Schule. Grund­sätz­lich ist es wich­tig: Nicht einschrei­ten, wenn die Situa­tion zu gefähr­lich erscheint. Dann lieber einen Erwach­se­nen oder die Poli­zei zu Hilfe holen.
  • Aufste­hen und aktiv sein! Junge Leute können laut werden und demons­trie­ren. Sie können auf die Straße gehen und sich fried­lich — aber auch mal aus vollem Halse für Gleich­be­rech­ti­gun­gen von allen Menschen und Grup­pen stark machen.
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Unterstützung holen.

Anlaufstellen für Betroffene und Menschen, die rassistische Diskriminierung miterleben

ZARA

Die öster­rei­chi­sche Bera­tungs­stelle ZARA, wurde 1999 gegrün­det, um jegli­che Arten von Rassis­mus zu bekämp­fen. Menschen, die Rassis­mus erle­ben können sich an den Verein wenden. Der Verein setzt sich außer­dem gegen Hass im Netz ein. Sie bera­ten dieje­ni­gen, welche von rassis­ti­schen Vorfäl­len betrof­fen sind!

Sollte jeman­den Rassis­mus im öffent­li­chen oder priva­ten Raum aufge­fal­len sein, kann man auf der Website um Rat fragen. Im Jahre 2020 haben sie mehr rassis­ti­sche Vorfälle, als in den letz­ten Jahren notiert. Dies ist jedoch, wie sie sagen, posi­tiv zu bewer­ten, weil es nichts darüber aussagt ob es tatsäch­lich zu mehr Über­grif­fen gekom­men ist sondern, dass Menschen öfter einge­schrit­ten sind. Wie etwa Black Lives Matter.

Link: https://​www​.zara​.or​.at/de

Change

Change ist eine Website bzw. Home­page, auf der Peti­tio­nen zu unter­schied­lich gesell­schaft­lich wich­ti­gen Themen bereit­ge­legt werden. Als die “Black Lives Matter” Welle begann, setzte sich Change stark für die Bekämp­fung von Rassis­mus ein. Auf dem Insta­gram Account posten sie beispiels­weise oft kleine Berichte von rassis­ti­schen Taten, die passie­ren. Dazu passende Peti­tio­nen gibt es auf der Home­page.

Link: change​.org

Hotline gegen Diskriminierung und Intoleranz

Die im Bürger­ser­vice des Bundes­kanz­ler­am­tes veror­tete Hotline stellt eine Platt­form zur Verfü­gung, wo Betrof­fene von Diskri­mi­nie­rung aufgrund ihrer ethni­schen Zuge­hö­rig­keit, Herkunft oder Reli­gion Vorfälle melden können. Diese werden an für sie rich­tige Stel­len weiter­ge­lei­tet, die für ihre Rechte einste­hen.

Link: https://​www​.bundes​kanz​ler​amt​.gv​.at/​s​e​r​v​i​c​e​/​h​o​t​l​i​n​e​-​g​e​g​e​n​-​d​i​s​k​r​i​m​i​n​i​e​r​u​n​g​-​u​n​d​-​i​n​t​o​l​e​r​a​n​z​.​h​tml

Dokustelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus

Das Gespräch mit dem Exper­ten hat uns gezeigt, dass rassis­ti­sche Hand­lun­gen nicht nur wegen opti­schen Merk­ma­len statt­fin­det. Sondern auch aufgrund der Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit. Umso wich­ti­ger ist die Bera­tungs- und Doku­men­ta­ti­ons­stelle für Menschen, die von Islam­feind­lich­keit oder anti­mus­li­mi­schem Rassis­mus betrof­fen sind.

Link: https://​dokus​telle​.at/

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Ein Beitrag von

Aaron Mafitabar, Amani Siddig, Hannah Dunkler und Linda Molnar