Veganismus: Eine kritische Auseinandersetzung
Auf der Suche nach der Balance zwischen Tier und Mensch
ein Beitrag von Aaron Mafitabar, Amani Siddig, Hannah Dunkler und Linda Molnar
Die Anzahl der Menschen, die sich in Österreich für eine vegetarische bzw. vegane Lebensweise entscheidet, steigt. Besonders die jungen Generationen machen sich viele Gedanken darüber, was sie gegen den Klimawandel beitragen können. Ernährung spielt hierbei eine maßgebliche Rolle. Mit diesem Beitrag wollen wir mit Vorurteilen gegenüber einer veganen Ernährung aufräumen, aber auch beleuchten, was es dabei zu beachten gilt und warum Massentierhaltung keine Option mehr sein darf. Das Tierwohl und ökologisches Bewusstsein rücken immer stärker in den Fokus. So schließen wir uns der Meinung von Marco Springman des Oxford Martin Programmes on Future of Food an: “Wir erwarten nicht, dass jeder Veganer:in wird”. Es geht uns vielmehr darum, dass Menschen darauf achten, was sie essen und den Ursprung der Lebensmittel, die sie konsumieren, reflektieren. Die Fragen, die in Hinblick auf übermäßigen Fleischkonsum als sehr passend erscheinen: Können wir es uns leisten und können wir mit den Folgen leben?
Also machen wir uns — gewappnet mit gut durchdachten Fragen — auf den Weg und führen Gespräche mit Menschen aus den verschiedenen Generationen mit vielfältigen Ernährungskonzepten. Um unser Wissen anschließend mit der Ernährungsexpertin, Frau Mag.a Stadlmayr, zu vertiefen und Lösungsansätze, besonders für andere junge Leute, anbieten zu können.
Ausgangspunkt
Hannah
Hannah
Ich bin Vegetarierin. In den letzten zwei Jahre habe ich mich mit dem Thema Ernährung und so auch mit Massentierhaltung beschäftigt. Ich koche viel mehr, seit ich mich vegetarisch ernähre. Zur Sicherheit habe ich einen Bluttest gemacht, um zu schauen, ob ich einen Mangel habe: Das Vitamin B12 war zu niedrig. Ich fand es gut, ein Expertinneninterview zu führen, um mehr darüber zu erfahren, eine sichere Quelle für meine Fragen zu erhalten. In meinem Umfeld treffe ich auf Vorurteile: Viele sagen, dass Veganismus ganz schlecht ist. Das finde ich schade, weil sich die Personen nicht damit auseinandersetzen. Ich finde es ja nicht schlecht Fleisch zu essen, mich stört vielmehr der Überkonsum und die Art der Tierhaltung.
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Aaron
Aaron
Wir leben im 21. Jahrhundert und wir haben eine große Auswahl an verschiedenen Lebensmitteln. Ich frage mich manchmal: Ist es da wirklich noch notwendig tierische Produkte zu konsumieren? Ich würde mir wünschen, dass zumindest jede:r über seinen/ihren Konsum von tierischen Produkten nachdenkt!
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Linda
Linda
Ich bin mit Fleisch aufgewachsen. Vor ein paar Jahren hab ich begonnen, die Videos einer Gamerin anzuschauen. Sie war im Spiel und im echten Leben Veganerin. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch ein Kind und habe nicht gewusst, was es mit dem Ganzen auf sich hat. Das gab den Anstoß, mich näher damit auseinanderzusetzen. Ich bin weder Veganerin noch Vegetarierin und möchte auch nicht auf Fleisch verzichten. Wie gesagt, ich bin damit aufgewachsen und esse gerne Fleisch, ich versuche aber Bio-Produkte zu kaufen. Ich esse nicht viel Fleisch und habe auch nicht vor, mehr oder weniger davon zu essen. Ich möchte niemanden zwingen mit Fleisch essen aufzuhören. Meiner Meinung nach sollte sich aber jede:r mit Ernährung und Veganismus auseinandersetzen und darüber nachdenken, was effektive Lösungen sein können :).
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Wie ernährst du dich?
Kathrin
15 Jahre
Veganerin
Kathrin
15 Jahre
Veganerin
Ich habe mich mehrere Jahre vegetarisch ernährt. Seit ungefähr einem Jahr esse ich vegan. Das Leid der Tiere und die Umweltkatastrophen, die durch die Tierindustrie entstehen, will ich nicht unterstützen. Das erste Mal habe ich mit 12 Jahren von Veganismus gehört. Ich habe mich dann näher damit befasst, v.a. als eine Freundin von mir Vegetarierin wurde. Im Anschluss dazu und durch Bewegungen wie „Fridays for Future“ haben sich weitere Freund:innen und ich mich selbst dazu entschieden, auf tierische Produkte zu verzichten. Oft koche ich für meine ganze Familie vegan. Nicht alle sind Veganer:innen, mittlerweile achten sie aber mehr auf ihren Tier- und Fleischkonsum.
In Bezug auf die Gesundheit ist Veganismus zudem etwas Positives, da Tierprodukte im Vergleich zu veganem Essen oft ungesund sind. Ich nehme pro Tag 1 Kapsel B12 zu mir, um fehlende, durch Nahrung nicht gut ersetzbare Nährstoffe zu bekommen und mir geht es gut dabei!
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Wie ernährst du dich
Anja
27 Jahre
Flexitarierin
Anja
27 Jahre
Flexitarierin
Ich ernähre mich vegetarisch, allerdings esse ich den Wildfang meines Vaters, der Jäger ist. Am wichtigsten ist für mich, dass das Tier fair gehalten wird und ich weiß, woher es kommt. Da Tiere mittlerweile meist mit Medikamenten gefüttert werden, ist der Großteil des Fleisches nicht mehr gesund. Generell versuche ich tierische Produkte zumindest zu reduzieren und bewusster damit umzugehen, d.h. auf Regionalität und bio zu achten. Und ich versuche immer wieder, bei einzelnen Gerichten, komplett auf tierische Produkte zu verzichten. Vor allem wenn ich essen gehe und es ansprechende vegetarische bzw. vegane Gerichte gibt, wähle ich oft die vegetarische Variante.
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Hast du dich schonmal mit Veganismus auseinandergesetzt und könntest du dir vorstellen auf Fleisch zu verzichten?
Ilse
62 Jahre
Mischköstlerin
Ilse
62 Jahre
Mischköstlerin
Ich habe mich bisher kaum mit dem Thema befasst. Durch meine Nichte — sie ist Vegetarierin — und durch Medien habe ich öfters etwas über Vegetarismus und Veganismus gehört. Ich könnte mir gut vorstellen, bei einigen Gerichten auf Fleisch zu verzichten und ab und zu Alternativen zu verwenden. Noch habe ich allerdings nicht viele Ersatzprodukte gegessen. Ich bin aber offen für vegetarische bzw. vegane Rezepte.
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Wie ernährst du dich? Und warum?
Gina
31 Jahre
Vegetarierin
Mutter von einem Kind und ehemalige Veganerin
Gina
31 Jahre
Vegetarierin
Mutter von einem Kind und ehemalige Veganerin
Ich habe durch Dokus mehr über die Tierhaltung erfahren und mich daraufhin vegetarisch bzw. später auch vegan ernährt. Die Umstellung war für mich kein großes Problem. Ich war überrascht, dass Tierprodukte in Lebensmittel enthalten sind, bei denen man es nicht glauben würde, in manchen Chips etwa. Als ich vor knapp einem Jahr schwanger wurde, habe ich mich während der Schwangerschaft entschlossen, wieder auf vegetarische Lebensweise umzusteigen. Ärzt:innen haben es mir empfohlen und ich habe mich damit wohler gefühlt.
Wir ernähren unser Kind zuhause vegetarisch. Wenn es älter ist, soll es aber selbst entscheiden können, wie es sich ernährt.
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Du ernährst dich “flexitarisch”, warum?
Wanda
57 Jahre
Flexitarierin
Wanda
57 Jahre
Flexitarierin
Es gibt mehrere Gründe, wieso ich Flexitarierin bin. Vor einigen Jahren habe ich realisiert, dass ich durch den Verzehr von Fleisch Gelenkprobleme bekomme. Für eine vegetarische Ernährung sprach auch, dass ich davor viel Fleisch aß und es mich nach einiger Zeit richtig geekelt hat. Und ich bin auch mit der Art der Tierhaltung nicht mehr einverstanden. Mittlerweile esse ich so einmal im Monat Fleisch. Dieses kommt dann von einem Biobauernhof oder von meinem Sohn, der Jäger ist.
Könntest du dir vorstellen komplett auf tierische Produkte zu verzichten?
Ich finde, es sollte jedem selbst überlassen sein, wie er oder sie sich ernährt. Auf Produkte wie Eier, Ziegen- und Schafskäse könnte ich nicht verzichten. Ich beobachte auch, dass Menschen die alle tierischen Produkte radikal ablehnen oft in anderen Lebensbereichen eine extreme Einstellung haben. Das lehne ich ab.
Was isst du am Liebsten?
Am liebsten esse ich thailändische Gerichte (ohne Fleisch). Ich mag auch heimischen Fisch sehr gerne, wobei ich diesen maximal ein Mal pro Monat esse. Ich probiere einfach, mich so vielseitig wie möglich zu ernähren.
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Wie lange leben Sie schon vegan?
Lukas Mittelberger
Veganer
Lukas Mittelberger
Veganer
Als ich ungefähr 16 Jahre alt war, entschied ich mich dafür vegetarisch zu leben. Ich hatte Mitleid mit den Tieren. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich bei meiner Großmutter, welche mich bei meiner Entscheidung unterstützte. Mit der Zeit reduzierte sich mein Konsum von Tierprodukten stetig.
Was hat Sie dazu gebracht auf eine pflanzliche Lebensweise umzusteigen?
Während der Studienzeit wuchs mein Bewusstsein für die Umstände in der Tierindustrie. Das ist der Grund, warum ich mich schon seit etwa zehn Jahren rein pflanzlich ernähre.
Was hat sich geändert seitdem Sie vegan leben?
Wissenschaftler:innen und Bewegungen wie “Fridays for Future” machen auf das Tierleid, die Umwelt- und Klimaschäden, die durch Massentierhaltungen entstehen, aufmerksam. Ich bemerke, dass viele Menschen ihre Ernährungsweise aufgrund der Klimakrise verändern. Mittlerweile wissen viele: Eine ausgewogene vegane Ernährung ist gut für die Gesundheit. Bei der Vermarktung von veganen Produkten sollte man aufmerksam sein: Veganismus ist nicht nur Trend und auf Konsum beschränkt. Es geht darum, Tiere als Lebewesen zu sehen und nicht als Ware. So ist es nicht notwendig Tiere massenhaft zu züchten.
Achten Sie auch in anderen Lebensbereichen darauf, dass Sie keine tierischen Produkte konsumieren?
Ich achte nicht nur in meiner Ernährung darauf, auf tierische Produkte zu verzichten, sondern auch in anderen Lebensbereichen, bei denen Tierversuche eine Rolle spielen. Meine Hunde ernähre ich meist mit veganem Hundefutter. Seit ich vegan lebe, fühle ich mich körperlich besser. Ebenfalls konnte ich so eine enge Verbindung zu Tieren aufbauen und in meinem Umfeld leben nun auch einige Menschen vegan. Vegan zu leben ist für mich kein Verzicht. Es bedeutet vielmehr, ich kann das breite, vegane Angebot genießen. Das Angebot von veganen Produkten und die öffentliche Akzeptanz ist gewachsen.
Was essen Sie am liebsten?
Ich mag die italienische und asiatische Küche sehr gerne; manchmal auch vegane Ersatzprodukte, sie sind zudem länger haltbar.
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Was hältst du davon, wenn Menschen sagen, dass sie sich ausschließlich vegan ernähren?
Sebastian
Jäger
Sebastian
Jäger
Früher habe ich den veganen Lebensstil belächelt. Mittlerweile ernähre ich mich viel häufiger vegan als früher und ich habe schon einige vegane Produkte ausprobiert. Man sollte eine vegane Ernährungsweise nicht verurteilen. Jeder soll sich ernähren, wie er oder sie es für richtig hält.
Könntest du dir vorstellen dich vegetarisch zu ernähren? Oder sogar vegan?
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich mich vegetarisch oder vegan ernähre. Momentan kann ich mich noch nicht ganz auf solch eine Ernährung einlassen, ich schließe sie zukünftig aber nicht aus. Noch vor ungefähr acht Monaten war es völlig undenkbar, mir solch eine Ernährungsweise überhaupt vorzustellen, weil ich wirklich jeden Tag Fleisch gegessen habe.
Findest du es verantwortungslos wenn Eltern ihre Kinder vegan ernähren?
Ich finde es verantwortungslos, wenn Eltern ihre Kinder nur vegan ernähren. Eltern entscheiden für ihre Kinder, dass sie sich vegan bzw. vegetarisch ernähren sollen, und haben das Gefühl, dass diese noch nicht entscheidungsfähig sind. Vor allem im Wachstum finde ich Fleisch jedoch wichtig, da es viel Eisen enthält. Wenn Kinder alt genug sind, selbst entscheiden zu können und aufgeklärt sind, sollte die Entscheidung bei ihnen liegen.
Findest du Wildfleisch ist die ethisch vertretbare Lösung Fleisch zu konsumieren?
Ich esse seit Jahren mein selbst erlegtes Fleisch, ausgenommen ich bin eingeladen oder ich gehe Essen. Es ist eine bewusste Entscheidung, kein konventionelles Fleisch zu kaufen. Ich suche mir das erlegte Tier selbst aus, erschieße und selektiere es usw. Ein weiterer Vorteil ist bei dieser Vorgehensweise, dass dem Tier kein Antibiotika zugeführt und es stressfrei erlegt wird! Ich finde, wenn man Fleisch essen will, dann müsste man eigentlich das Tier selbst erlegen. Meiner Meinung nach ist man das dem Tier “schuldig”, da man ja dem Lebewesens sein Leben nimmt!
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Seit wann lebst du schon vegan und wieso hast du dich für solch eine Lebensweise entschieden?
Alexandra
Veganerin
Alexandra
Veganerin
Ich lebe seit 2011 vegan und ab 1998 habe ich mich vegetarisch ernährt. Es kam der Punkt, als ich verstanden habe, dass sich viel Leid in Tier- und Kosmetikpodukten befindet. Eigentlich widme ich mein ganzes Leben meinem veganen Lebensstil. Ich bin der Meinung, dass man Verpflichtungen und Verantwortung gegenüber anderen Menschen hat, jedoch genauso gegenüber von Tieren.
Was hat sich geändert seitdem du vegan lebst und wie hat dein Umfeld anfangs darauf reagiert?
Durch die vegane Lebensweise habe ich mehr Mitgefühl, Wertschätzung, Achtung und Respekt gegenüber Menschen, aber auch gegenüber Tieren bekommen. Für mich ist es schön, dass ich auch Bekannte, welche sich zuvor vegetarisch ernährten, von einer veganen Lebensweise überzeugen konnte. Meine Eltern finden meine Ansichten zwar ein wenig radikal, jedoch akzeptieren sie meine Lebensweise. Probleme hatte ich mit ihnen deshalb jedoch noch nie.
Welches veganes Gericht isst du am liebsten?
Am liebsten mag ich meine selbst gemachten veganen Pizzen und dass ich Äpfel esse, gehört zu meiner täglichen Routine.
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Wie lange leben Sie schon vegan?
Jaquie
Veganerin
Jaquie
Veganerin
Ich lebe seit 8 Jahren und 4 Monaten vegan. Allerdings bin ich schon seit 1986 Vegetarierin. Eine vegane Lebensweise hat mich immer schon gereizt. Eine meiner Töchter hat sich für eine Zeit lang, als sie 14 Jahre alt war, dazu entschieden vegan zu leben. Ich wollte mich ihrem Vorhaben anschließen und habe mich deshalb auch dafür entschieden vegan zu leben. Das war einer der Gründe.
Was hat Sie dazu gebracht auf eine pflanzliche Lebensweise umzusteigen?
Als ich in einer WG lebte, ernährten sich einige meiner Mitbewohner:innen auch vegetarisch und eine Sendung im Fernsehen, bei der Polizei-Pferde schlecht behandelt wurden, hat Mitleid für das Tier bei mir ausgelöst. Dann kam es zu einer Debatte innerhalb der WG und ich realisierte, dass ich kein Fleisch mehr essen will und kann. Von dem Zeitpunkt an lebte ich vegetarisch, doch dann empfand ich diese Lebensweise auch nicht mehr als richtig und ich erkannte, dass beispielsweise Kühe und Kälber für Milchprodukte leiden müssen, die wir konsumieren. Als ich unter Migräne litt, las ich, dass Milchprodukte diese verursachen können. Das war für mich ein weiterer Grund auf eine vegane Lebensweise umzustellen.
Achten Sie auch in anderen Lebensbereichen darauf, dass Sie keine tierischen Produkte konsumieren?
Ich achte auch in anderen Lebensbereichen darauf vegan zu leben, soweit ich das kann. Bei Schuhen ist es häufig schwierig, da vegane Schuhe meist teurer sind. Das Problem mit Unternehmen, die vegane Schuhe produzieren ist, dass sie oft auch normale Schuhe herstellen. Solange ich es mir leisten kann, unterstütze ich daher nur Marken, die ausschließlich vegane Produkte herstellen.
Was hat sich geändert seitdem Sie vegan leben?
Als ich begonnen habe vegan zu leben, hat sich vieles geändert: Ich habe innerhalb eines Monats sechs Kilo abgenommen. Zudem ist meine ganze Familie vegan geworden. Die Supermärkte bieten nun beispielsweise viele vegane Produkte an. Mir fällt auf, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich vegan ernähren.
Was essen Sie am liebsten?
Ich mag sehr gerne reines Gemüse! Fleischersatzprodukte esse ich auch häufig, aber ich könnte darauf verzichten. Generell schätze ich diese nämlich mehr, wenn ich sie nicht täglich konsumiere. Vegan zu leben, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens und ich wünschte ich hätte mich schon früher dafür entschieden.
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Perspektive gewinnen: Was wissen wir?
Obwohl wir viele unterschiedliche Personen interviewt haben und diese auch diverse Positionen einnehmen, sind sie sich in einem Punkt einig: Wir müssen den Fleischkonsum reduzieren! Auffallend ist: Die Interviewpartner:innen, die sich nicht vegan ernähren sind offen für neue, fleischlose Gerichte. Ersichtlich wird, dass die Interviewpartner:innen, die sich vegan ernähren mehrheitlich dieselben Gründe und Motivationen dafür haben: Das Leid der Tiere sowie die Umweltschäden, die durch Massentierhaltung entstehen, stehen im Vordergrund. Schritt für Schritt steigen diese von einer vegetarischen Ernährung auf einen veganen Lebensstil um.
Längst wissen wir, dass die Argumente für übermäßigen Fleischkonsum nicht mehr greifen: Zu viel Fleisch ist weder gut für den Menschen noch für Tiere, und erst recht nicht für den Planeten. Es ist kein Geheimnis, dass die übermäßige Erzeugung von Fleisch untragbare Auswirkungen auf Klima, Regenwaldabholzung, Gewässer und Böden nimmt. Das spiegelt sich auch im erhöhten Bewusstsein von Österreicher:innen wieder. Stetig wächst der Anteil von sich vegetarisch bzw. vegan ernährenden Menschen. Gleichzeitig steigt der weltweite Hunger nach Fleisch. Nicht zu vergessen: In bestimmten Regionen der Welt ist es schwierig, sich ohne Fleisch bzw. ohne tierische Produkte ausgewogen zu ernähren. Beispielsweise können Ziegen, welche direkt vor der Haustüre gehalten werden, wichtige Nährstofflieferanten sein, die ansonsten fehlen würden. In Österreich gibt es zahlreiche Alternativen und Möglichkeiten, die ein Leben mit wenig bis gar kein Fleisch gut ermöglichen. Besonders der Politik kommt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle zu. Es braucht gut durchdachte Regelungen, die einem Überkonsum von Tierprodukten entgegenwirken und umweltfreundlichere Alternativen fördern.
Expertinneninterview mit Frau Mag.a Stadlmayr
Gerne möchten wir unser Wissen über Veganismus, aber auch über eine gesunde Ernährung im Allgemeinen, vertiefen. Aufgrund der bereits geführten Gespräche ist es umso spannender zu überlegen: Was gilt es beim Veganismus zu beachten? Was macht eine gesunde Ernährung aus? Wir haben Fragen entwickelt und konnten kurz vor den Winterferien mit der Ernährungswissenschaftlerin Frau Mag.a Stadlmayer ein Gespräch dazu führen. Sie arbeitet am Institut für Entwicklungsforschung an der Universität für Bodenkultur. Seit 2013 ist sie auch in Forschungsprojekte mit dem „World Agroforestry Centre (ICRAF)“ in Nairobi, Kenia involviert. Dabei wird der Nutzen von Bäumen erforscht, die essbares Obst und Gemüse liefern, auf englisch „food trees“. Wir sind neugierig und fragen nach.
Wir haben in ihrem Kurzlebenslauf gelesen, dass Sie schon in unterschiedlichen Ländern geforscht haben…momentan sind Sie in eine Forschung in Kenia involviert, können Sie uns ein bisschen von ihren Tätigkeiten erzählen?
Mag.a Stadlmayr
Institut für Entwicklungsforschung
Mag.a Stadlmayr
Institut für Entwicklungsforschung
Vielen Dank für deine Frage, sehr gerne erzähle ich euch mehr über unser Projekt. Bäume, sowie Sträucher liefern eine Vielfalt von Obst, Gemüse und Nüssen und sind somit gute Quellen für zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe. Wenn diese „essbaren“ Bäume als Teil der Agroforstsysteme integriert werden, können sie erheblich zur Ernährungssicherheit der lokalen Bevölkerung beitragen — durch direkten Konsum sowie indirekt durch die Verbesserung des Einkommens. Gleichzeitig schützt der kombinierte Anbau von Bäumen und Sträucher mit Ackerkulturen oder Tierzucht den Boden vor Erosion und durch diesen vielfältigen Anbau sind die Bäuer:innen weniger abhängig von einzelnen Arten. Ihr müsst euch das so vorstellen: Wir arbeiten in ländlichen Regionen in Kenia, gemeinsam mit Kleinbauer:innen. Oft ist die Verfügbarkeit der Lebensmittel nicht das ganze Jahr über gegeben. Vor allem in den Trockenperioden sind Lebensmittel oft knapp. Die Ernährung ist dann oft sehr einseitig und besteht vorwiegend aus kohlenhydratreichen Grundnahrungsmittel wie Mais. Das Ziel des Projektes ist es, die landwirtschaftliche Produktion sowie die Ernährung zu diversifizieren um die Ernährungssicherheit zu verbessern. Gemeinsam mit Bauer:innen und Wissenschaftler:innen vor Ort wird erkundet, welche Bäume in der Region wachsen und welche Lebensmittel von diesen geerntet werden können. Forschungsfragen sind unter anderem: Zu welcher Jahreszeit können die unterschiedlichen Bäume die in der Region geerntet werden? Welche dieser Früchte eignen sich gut zur Weiterverarbeitung? Wie können diese weiterverarbeitet werden? Und welches Obst und Gemüse schmeckt? Wofür gibt es Bedarf am Markt? Im Team entwickeln wir regionale Saisonkalender. Das Ziel ist es, dass jedes Monat mindestens eine Obstsorte geerntet werden kann – auch in den Dürreperioden – um die Qualität der Ernährung zu verbessern. Weitere wichtige Aspekte sind, zum Beispiel die Verfügbarkeit von Pflanzenmaterial: Wie kommt man zu den Setzlingen um die Bäume oder Sträucher zu pflanzen? Wie sollten diese gepflegt werden, damit sie möglichst gut erhalten bleiben? Ebenfalls geht es in der Forschung um die Ernährungsbildung, so gibt es im Zuge des Projektes Workshops in Schulen mit Kindern, im Zuge derer Bäume angepflanzt werden. Der Erfahrungswert ist bedeutungsvoll, das gemeinsame pflanzen von Setzlingen, das pflegen sowie ernten der Obst und Gemüsearten und das ausprobieren von neuen oder alten Sorten spielt eine wichtige Rolle für das Lebensmittelbewusstsein. Ebenfalls beleuchten wir die weitere Verarbeitung der Produkte: Wie kann das Einkommen durch den Verkauf oder die Weiterverarbeitung von Produkten generiert werden? Dazu haben Universitäten vor Ort zusammengearbeitet und geschaut wie zum Beispiel Mangos weiterverarbeitet werden können, wie etwa durch das Trocknen der Früchte. Das ist im Großen und Ganzen das, um was es im Projekt geht.
Wir setzen uns für unseren Blogbeitrag ja näher mit Veganismus auseinander, es ist uns auch ein Anliegen mit bestimmten Vorurteilen aufzuräumen. Wir wissen: Wenn man sich für eine vegane Ernährung entscheidet, muss man bestimmte Supplemente nehmen. Unsere Frage: Welche müssen unbedingt eingenommen werden und was halten Sie generell von Supplementen?
Beim Veganismus verzichtet man nicht nur auf Fleisch und auf Fisch, sondern quasi auf alle tierischen Produkte. Damit auch auf Milch und Eier und eventuell auch auf Honig. Das führt dazu, dass auch auf bestimmte Nährstoffe verzichtet wird. Und einer der Hauptnährstoffe, der ohne den Konsum von tierischen Produkten nur sehr schwierig aufgenommen werden kann, ist das Vitamin B12. Deshalb wird bei einer veganen Ernährungsweise empfohlen, dieses Vitamin in Form von Supplementen aufzunehmen.
Natürlich geht es bei einer veganen Ernährungsweise nicht nur um Vitamin B12, sondern auch um andere Nährstoffe, die ausreichend konsumiert werden sollten, wie etwa Calcium und Eisen aber auch Zink und Omega-3-Fettsäuren. Generell wird eine vegane Ernährungsweise bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen.
In Hinblick auf Supplemente, wenn wir das Thema global und damit auch auf das weltweite Ernährungssystem betrachten, ist es wichtig, dass Lebensmittel, ausreichend, vielfältig, nachhaltig und fair produziert werden. Alle Menschen sollten Zugang zu ausreichenden vielfältigen, gesunden und nachhaltigen Lebensmitteln haben den Bedarf an Nährstoffen decken können. Im Einzelfall, z.B. wenn Personen in bestimmten Lebensphasen einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen haben, wie etwa während der Schwangerschaft oder durch eine Krankheit sind Supplemente empfohlen, um einen Mangel zu verhindern. Tatsache ist: Bei Supplementen sind Vitamin oder Mineralstoffe isoliert vorhanden. Und wenn wir Lebensmittel konsumieren, denkt an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte dann beinhalten diese vielmehr als nur ein einziges Vitamin oder einen Mineralstoff da gibt es auch sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe oder Ballaststoffe, das macht das große Ganze aus.
Wenn man sich ausgewogen vegan ernähren möchte: Auf welche Lebensmittel sollte man auf keinen Fall verzichten bzw. welche Lebensmittel sollten regelmäßig konsumiert werden? Besonders auch in Bezug auf Kinder und Jugendliche in der Wachstumsphase, was Sie schon angesprochen haben.
Ich möchte nochmals betonen, dass es nicht empfohlen wird – nicht von der Österreichischen oder der Deutschen Gesellschaft für Ernährung – dass sich Säuglinge oder Kinder vegan ernähren, weil es sehr schwierig ist bestimmte Nährstoffe mit dieser auf bestimmte Lebensmittel beschränkte Lebensweise ausreichend abzudecken. Hier muss ganz genau auf die Ernährungsweise geachtet werden. In Bezug auf die vegetarische Ernährung ist das kein Problem, weil Milchprodukte und Eier gegessen werden können, und deshalb kann diese Ernährungsweise auch für Kinder empfohlen werden.
Auch hier sollte darauf geachtet werden, dass die sogenannten kritischen Nährstoffe abgedeckt sind, wenn das der Fall ist, sehe ich hier kein Problem.
Grundsätzlich geht es um eine vielfältige Ernährungsweise: Zum Beispiel sind Hülsenfrüchte wie Erbsen, Fisolen, Kichererbsen, Bohnen oder Sojabohnen sehr ballaststoffreich und gute Proteinlieferanten und enthalten wichtige Mineralstoffe, die sonst fehlen würden. Aber es geht auch um die Kombination von Lebensmitteln. Was bedeutet das? Wenn beispielsweise pflanzliche Produkte konsumiert werden, ist es sinnvoll darauf zu achten, diese mit Vitamin-C-reichen Lebensmittel zu kombinieren, weil wir dadurch besser Eisen aufnehmen können. Nüsse wie Walnüsse enthalten viel Omega-3-Fettsäuren und Obst & Gemüse haben ganz viel Vitamine und Ballaststoffe. Aber auch Vollkornprodukte enthalten mehr Mineralstoffe wie Eisen und Vitamine (v.a. B‑vitamine) als beispielsweise Weißbrot. Gleichfalls sind pflanzliche Öle, wie das Leinsamenöl reich an Omega-3-Fettsäuren, welches man ansonsten, außerhalb der veganen oder vegetarischen Ernährung, bei Fischen findet. Ebenfalls sind bestimmte Kräuter, wie Petersilie, Kerbel oder Schnittlauch reich an Vitaminen. Nochmals: Wichtig ist es bei der Entscheidung eine vegane Ernährung zu verfolgen, dass man auf die Vielfalt der Lebensmittel achtet.
So oder so wissen wir: Österreichweit, aber auch weltweit gesehen, ist es ein Problem, dass zu viel Fleisch konsumiert wird. Es werden zu viel hochverarbeitete Lebensmittel gegessen, die reich an Salz, Fett und Zucker sind.
Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach vonseiten der Politik sinnvoll, um mehr Menschen für eine vegetarische bzw. vegane Lebensweise begeistern zu können?
Eine sehr interessante Frage. Relevant ist hier, dass es nicht nur eine Maßnahme gibt, sondern verschiedene Maßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen. Ein Bereich, der immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist das Lebensmittelumfeld. Das sind Orte, wo wir Lebensmittel konsumieren aber auch einkaufen, beispielsweise bei euch an der Schule. Die Fragen, die man sich stellen kann: Gibt es ein gesundes Schulbuffet? Gibt es andere nicht so gesunde Lebensmittel, die leichter zugänglich sind als die gesunden? Hier kann man auf alle Fälle darauf achten, dass das Umfeld mit unverarbeiteten Lebensmitteln gestaltet wird. Keine Zuckerriegel, sondern eher mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Nüsse. Bedeutungsvoll ist es auch zu reflektieren, wie die Lebensmittel angepriesen werden. Ein Beispiel: An der Kassa ist oft der Muffin mit dem Kaffee im Angebot und das Obst und Gemüse versteckt sich irgendwo hinter den Regalen.
Da bekommt man keine große Lust darauf, diese zu konsumieren. Hier könnten Veränderungen angestrebt werden. Diese Lebensmittel könnten geschmackvoller gestaltet sein. Ein anderes Beispiel: Es gibt Aktionen, die für einen fleischlosen Tag Werbung machen. Möglich wäre es aber auch, das ganze umgekehrt zu betrachten und zu sagen, vielmehr ist es die Ausnahme, dass es Fleisch gibt. Hier würde ich mir auch mehr Kreativität in den Mensen oder in den Restaurants wünschen. Und dann gibt es natürlich auch das Lebensmittelumfeld, welches Supermärkte betrifft, wo es genauso darum geht, zu reflektieren, was wird wo und wie angeboten. Ich selbst habe zwei kleine Töchter, und ich merke, wenn wir an der Kassa stehen, habe ich immer wieder eine Diskussion mit ihnen, weil gerade dort hochverarbeitete, zuckerreiche Lebensmittel zu finden sind, die sie gerne hätten. In diesem Bereich könnte man einiges verändern. Gleichfalls wichtig sind auch andere Einflüsse, beispielsweise die Werbung von Lebensmitteln. Wie oft kommen unverarbeitete Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Hülsenfrüchte in der Werbung vor? Tatsache ist: Bisher nur selten bis gar nicht. Und auch die gesellschaftliche Wahrnehmung kann hinterfragt werden. Nehmen Kinder Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse als etwas Cooles wahr oder als etwas Uncooles, dass man essen muss? Es wäre interessant zu untersuchen, wie vegetarisches Essen in der Werbung oder in Kinderbüchern dargestellt wird.
Bildung ist ebenfalls wichtig, aber nicht nur das theoretische Wissen, sondern vor allem die praktische Erfahrung. Wo Kinder selbst anpacken und z.B. Gemüsebeete anpflanzen, gemeinsam kochen oder auch Ausflüge zu Bauernhöfen machen um der Fragen nachzugehen, woher unsere Lebensmittel kommen? Somit können sie beobachten, bzw. erfahren wie die Lebensmittel wachsen, bzw. erzeugt werden und das stärkt das Lebensmittelbewusstsein.
In Bezug auf die Agrarpolitik, lag weltweit betrachtet der Fokus lange Zeit stark darauf, dass wir mehr produzieren müssen! Vor allem Lebensmittel die ausreichend Energie liefern. Wir müssen mehr produzieren, damit wir die gesamte Welt ernähren können. Das hat dazu geführt, dass nun theoretisch genügend Lebensmittel auf der Welt vorhanden sind, aber trotz alledem immer noch viele Menschen hungern müssen und gleichzeitig gibt es immer mehr übergewichtige Menschen. Weizen und Mais wurde stark subventioniert und für andere Lebensmittelgruppen, wie etwa Gemüsesorten, hat man viel weniger Forschung betrieben und diese wurden bzw. werden viel weniger produziert.
Es geht aber nicht nur darum den gesundheitlichen Aspekt zu beleuchten, sondern auch den nachhaltigen Aspekt anzusehen: Wo kommen unsere Lebensmittel her und wie werden sie produziert?
Haben Sie Konzepte im Bereich Ernährung kennengelernt, wo Sie sagen: Ja, die haben Potenzial in der Zukunft. Wenn ja, können Sie uns davon erzählen und erklären, warum?
Ich weiß, dass es in Österreich tolle Projekte gibt, auch wenn mein Forschungsschwerpunkt in anderen Ländern liegt, ich habe beispielsweise als Freiwillige bei der „City Farm“ in Schönbrunn mitgearbeitet. Die haben tolle Projekte, unter anderem wo Schüler:innen das gesamte Jahr über Gemüsebeete betreuen. Es geht dabei um die Bewusstseinsbildung für Lebensmittel: Woher kommen unsere Lebensmittel? Wie und wo werden sie angebaut? Lebensmittel werden gemeinsam gepflegt, gehegt und geerntet. Neue Sorten werden ausprobiert. Das stärkt die Lebensmittelwertschätzung und erhöht die Geschmackserlebnisse oder konnten auch unterschiedliche Gemüse- und Obstsorten ausprobiert werden, die ihnen zuvor unbekannt waren. Es stärkt darüber hinaus den Gemeinschaftssinn und fördert die soziale Integration und fördert die Motorik.
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Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Veganismus und gesunder Ernährung haben wir gemeinsam Lösungsansätze entwickelt: Wie können junge Leute mehr Informationen über das Thema erhalten? Und was können wir aktiv gegen übermäßigen Fleischkonsum machen?
Eins vorweggenommen: Die Österreichische und Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt keine vegane Ernährungsweise für Säuglinge und Kinder, weil es schwierig ist gewisse Nährstoffe mit dieser auf bestimmte Lebensmittel beschränkten Lebensweise ausreichend abzudecken. Eine kritische Auseinandersetzung, welche Nährstoffe ein Mensch, gerade in der Wachstumsphase benötigt, um sich gesund entwickeln zu können ist äußerst relevant.
Lösungen
Es braucht einen auf Wissen basierten Austausch zum Thema, um Vorurteilen entgegen zu lenken.
- (junge) Menschen benötigen gut recherchierte Argumente
- dafür gibt es unterschiedliche Methoden, wie etwa das Präsentieren von Wissen in der eigenen Klasse bzw. in anderen Schulklassen, es können Blogbeiträge dazu geschrieben oder/und interaktive Workshops abgehalten werden
-> Gemeinsam können Fragen bearbeitet werden: Sind Supplemente denn wirklich immer so schlecht? Und wie steht es um hochverarbeitete Lebensmittel? etc.
Generell gilt: Das Bewusstsein für das Thema erhöhen: Tiere sind Lebewesen und empfinden ebenfalls Leid. Was bedeutet das in Bezug auf die Massentier-(Haltung)? Welche Ernährung ist gesund für uns Menschen? Wie viel Fleisch bzw. Tier wird in Österreich im Durchschnitt konsumiert?
- Wir finden: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, sei es im Unterricht, oder mit anderen jungen Leuten, macht Sinn!
- Im (Biologie-)Unterricht soll nicht nur über Lebensmittel und deren Vitamine und Kohlenhydrate gesprochen werden, sinnvoll wäre, vertiefend auch auf Fleischkonsum einzugehen und gemeinsam Alternativen anzudenken.
-> Wichtig hier: Bio ist nicht immer gleich Bio. Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit ein Produzent/eine Produzentin sein Produkt als bio bezeichnen darf?
- Lebensmittel sind im besten Fall vielfältig, nachhaltig und fair produziert. Was bedeutet das in Bezug auf Österreich? Welche Produkte können besser und welche schwieriger in der Alpenrepublik angepflanzt werden? Wie gestalten sich die Wege der Lebensmittel? -> die Wege könnten im Unterricht miteinander betrachtet und visuell aufbereitet werden.
Durch kleine Aktionen kann Großes bewirkt werden:
- Um dem übermäßigen Fleischkonsum zu reduzieren, könnte es – anstelle eines fleischlosen Tages in der Woche – nur einmal in der Woche Fleisch in den Schulkantinen geben. Die Welt steht auf dem Kopf: Viermal in der Woche gibt es geschmackvolle vegetarische und vegane Menüs und einmal in der Woche für Mischköstler:innen ein fleischhaltiges Menü. Für die Umsetzung braucht es ein Reflexionsgespräch mit Pädagog:innen: Welche Personen müssen für eine konkrete Umsetzung noch angesprochen werden? (Direktion, Verantwortliche der Schulkantine).
- Pflanzliche, leckere Alternativen anstelle von McDonalds ausprobieren: Mittlerweile gibt es, besonders in Städten, beispielsweise sehr geschmackvolle Burger-Alternativen, die aus pflanzlichen Produkten hergestellt werden. Ein kleiner Tipp: Die Swing Kitchen in Wien.
- Workshops, im Zuge derer sich (junge) Menschen mit dem Thema Ernährung und unterschiedlichen Lebensmittel auseinandersetzen und praktische Erfahrungen sammeln. Wie etwa im Projekt „City Farm“ in Schönbrunn. Dort können Schüler:innen Gemüsebeete betreuen und unterschiedliche Gemüsesorten anpflanzen, ihnen beim wachsen zuschauen und Verantwortung übernehmen. Unterschiedliche Sorten können gepflanzt, aufgezogen und ausprobiert werden.
- „Das eigene Erfahren“ von Lebensmittel lässt Gemüse und Obst gleich anders schmecken. Eine Frage, die ihr euch hierbei immerzu stellt: Wie können Workshops so gestaltet werden, dass sie so viel Jugendliche wie möglich ansprechen? Begeisterung soll aufkommen. Momentan ist das Thema Ökologie noch für viele junge Leute nicht greifbar. Wie könnte das Bauen eines (Hügel-)Beets „lässiger“ und auch für ältere Kinder ansprechend gestaltet werden?
- Junge Leute sollten mit einem Thema wie Klimakrise oder Veganismus nicht überladen werden. Eine gute Koordination der Pädagog:innen ist dafür notwendig.
- Über soziale Medien kann schnell und leicht Wissen verbreitet werden. Durch das Erstellen von Instagram-Stories können einerseits Informationen zu Massentierhaltung und den ökologischen Auswirkungen von zu viel Fleisch und andererseits positive, wohlschmeckende und pflanzliche Alternativen gepostet werden. Die Freude soll nicht zu kurz kommen.
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18 Jahre
Wien
Auf welche Weise bist du mobil?
Ich wohne inmitten von Wien. Das heißt, ich bin eigentlich super angebunden. Ich fahre hauptsächlich mit der U‑Bahn und der S‑Bahn, um zur Schule zu kommen oder Freund:innen zu besuchen.
Du kannst alle Wege relativ schnell zurücklegen?
In Wien gibt es so viele unterschiedliche öffentliche Transportmittel, die ständig fahren. Deswegen: Wenn ich irgendwo hinfahre, muss ich nicht groß darauf achten, wann ich losgehen muss.
Was könnte man in Bezug auf Mobilität noch verbessern?
Einige meiner Freund:innen wohnen außerhalb von Wien. Dort kann öffentliche Mobilität ziemlich anstrengend sein: Am Wochenende fahren zum Beispiel nicht sonderlich viele Busse. Würde man die S‑Bahn ausbauen, könnte man von außerhalb problemlos nach Wien gelangen — auch ohne Auto. In Wien dagegen finde ich das öffentliche Verkehrsnetz super, allerdings kann man auch hier einiges verändern: Die Radwege könnten auf jeden Fall weiter ausgebaut werden. Und man sollte den Autos weniger Platz geben.
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Elena
17 Jahre
Wien
Elena
17 Jahre
Wien
Wie legst du deine Alltagswege zurück?
Um in die Schule zu kommen, verwende ich das Fahrrad bis zum Bahnhof. Ab dort nehme ich die S‑Bahn, vom Bahnhof bis zur Schule lege ich dann den Weg mit der Straßenbahn zurück. Es ist auch zu Fuß machbar. Ich wohne in Floridsdorf, dort gibt es nicht so viele Fahrradwege. Das ist ein wenig schwierig, aber bis jetzt hat es eigentlich immer gut funktioniert.
Wie wärst du künftig gerne mobil?
Am liebsten nur noch mit dem Fahrrad. Auch wenn das teilweise schwer sein wird, weil die Strecken sehr lang sind. Mittlerweile braucht man mit dem Fahrrad entweder ebenso lange wie mit Öffis oder noch weniger lang.
Was würdest du dir für die Mobilität der Zukunft wünschen?
Auf jeden Fall viel weniger Autos. Die sind im städtischen Raum doch unnötig. Die meisten Leute fahren nur fünf Minuten mit dem Auto — anstatt zu Fuß zu gehen oder mit einem Bus zu fahren! Am besten wären mehr klimaneutrale Züge. In Wien sind mittlerweile einige Züge Co2-neutral, sie werden mit grünem Strom angetrieben. Das sollte mehr ausgebaut und darauf umgestiegen werden. Ansonsten: Die Leute sollten einfach kürzere Strecken zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad oder Skateboard fahren oder ein anderes umweltfreundliches Fortbewegungsmittel verwenden.
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Amelie
14 Jahre
Graz
Amelie
14 Jahre
Graz
Wie bist du im Alltag mobil?
Ich fahre oft mit dem Fahrrad, wenn ich nicht so lange Strecken bewältigen muss, wie etwa für kurze Einkäufe. Ich fahre gerne mit dem Fahrrad, weil sehr viele Geschäfte in der Nähe und damit gut mit dem Fahrrad erreichbar sind. In die Schule fahre ich mit dem Bus. Der fährt direkt dorthin, was ich sehr praktisch finde. Und auch in die Stadt komme ich direkt mit dem Bus. Wenn ich aber auf Urlaub fahre, benutzen wir immer das Auto.
Was wünschst du dir für die Mobilität der Zukunft?
Ich finde es super, dass es in der Stadt Straßen gibt, wo tatsächlich keine Autos fahren dürfen. Davon sollte es irgendwie mehr geben, das ist dann auch angenehmer für die Menschen, weil man als Fußgänger:in mehr Bewegungsfreiheit hat.
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Adriana
16 Jahre
Wien Umgebung
Adriana
16 Jahre
Wien Umgebung
Wie bist du selbst mobil?
In die Schule komme ich hauptsächlich mit dem Auto oder mit dem Zug. Ich wohne auf dem Land. Deshalb werde ich oft mit dem Auto zum Bahnhof gebracht und fahre dann mit dem Zug, etwa eine Stunde lang, nach Wien. Und sonst habe ich einen Mopedführerschein — das heißt, ich fahre ziemlich viel mit dem Moped. Wenn das nicht geht, zum Beispiel, weil es gerade regnet, werde ich mit dem Auto hingefahren.
Und wie schaut es bei dir auf dem Land mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus?
Es gibt ein paar Dörfer hier am Land, die haben einen Bahnhof und eine Zugverbindung — aber bei uns nicht. Es fahren vielleicht so fünf Busse am Tag. Und jetzt in den Ferien zum Beispiel, wie heute an einem Sonntag, fährt gar kein Bus. Ansonsten fährt in der Früh ein Schulbus und am Nachmittag gibt es einen, der zurückfährt. — Das sind eigentlich alle Verbindungen.
Was würdest du dir gerade in deiner Umgebung für die Mobilität der Zukunft wünschen?
Es wäre cool, wenn das Verkehrsnetz mehr ausgebaut würde: Also wenn zum Beispiel am Tag mehr Busse fahren würden. Was ich natürlich auch cool fände, wäre, wenn es in mehr Dörfern eine Zugstation gäbe. Aber ich glaube, dass das ziemlich kompliziert ist. Aber wenn am Tag allein fünf Busse fahren, so alle zwei Stunden, dann wäre es schon sehr viel besser.
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Junge Leute aus der Stadt sind flexibel unterwegs: Zur Fortbewegung nutzen sie U‑Bahn, Straßenbahn, Busse und den Zug. Manche fahren auch gerne mit dem Fahrrad, um Strecken im Alltag zurückzulegen. Hingegen sind Auto und Moped für Jugendliche aus dem städtischen Raum kein großes Thema. Viel lieber sind sie mit umweltfreundlichen Alternativen unterwegs. Manchmal kommt man mit diesen sogar noch schneller ans Ziel als mit dem Auto. Das öffentliche Verkehrsnetz innerhalb der Stadt wird von allen jungen Leuten als ausschließlich positiv bewertet. Allerdings wünschen sich viele einen Ausbau der Radwege. Ein weiterer Punkt: In Zukunft sollte es aus Sicht der Jugendlichen noch mehr autofreie Zonen in den Städten geben. So bliebe mehr Platz für Fußgänger:innen und Fahrräder. Auch der Aufenthalt auf der Straße wäre entspannter, weil Abgase und Verkehrslärm wegfallen.
Ganz anders ist die Situation hingegen für junge Menschen, die in ländlichen Gebieten leben: Hier fahren nur selten Busse — und an manchen Tagen sogar gar keine. Dort ist es schwer möglich, sich gänzlich ohne Auto oder Moped fortzubewegen. Deshalb wünschen sich junge Menschen, dass auch auf dem Land der Takt der öffentlichen Verkehrsmittel verdichtet wird. Auch die Anschlussmöglichkeiten zwischen Stadt und Land sollten aus Sicht der jungen Leuten verbessert werden.
Perspektive gewinnen: Was wissen wir?
Im städtischen Bereich ist es für junge Menschen selbstverständlich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Gerade in Wien ist das öffentliche Verkehrsnetz sehr gut ausgebaut und eng getaktet. Deshalb werden die Öffis dort auch stark genutzt — die Wiener Linien geben an, dass jeden Tag rund 2,6 Millionen Fahrgäste mit Bus, Straßenbahn und U‑Bahn unterwegs sind. Die öffentlichen Verkehrsmittel legen dort täglich eine Strecke von mehr als fünf Mal rund um die Erde zurück! Auf dem Land hingegen ist das Verkehrsnetz oft noch sehr spärlich ausgebaut. Dort ist es sehr schwierig, sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen — vor allem zu Randzeiten oder am Wochenende.
Experteninterview
mit Michael Tinkhauser
Wie denken Politiker:innen über das Thema Mobilität? Um das herauszufinden, besuche ich Michael Tinkhauser. Er war lange Zeit Bürgermeister von Bludesch und arbeitet jetzt im Vorarlberger Gemeindeverband. Dort ist er in den Bereichen “Gesellschaft und Soziales”, “Integration und Migration” und “Überregionale Sozialplanung” aktiv. In diesem Interview spricht Michael Tinkhauser aus seiner Perspektive als langjähriger Regionalpolitiker — und persönlicher Nutzer des Vorarlberger Verkehrsnetzes — über Mobilität. Er erzählt, wie die Politik den Bereich “öffentlichen Verkehr” unterstützen kann.
Wie hat sich Mobilität seit Ihrer Jugend verändert?
Es gab ganz wenige Verbindungen im öffentlichen Raum zur damaligen Zeit. Die Verbindungen zwischen den Orten und Städten waren überschaubar. Somit war es unattraktiv, mit dem Bus oder dem Zug unterwegs zu sein. Darum ist die Mehrheit in den Jugendjahren Mofa und Moped gefahren. Mit der Absolvierung des Führerscheines ist man komplett aufs Auto umgestiegen. Als ich 18 Jahre alt war, wurde der öffentliche Verkehr eigentlich nur noch für weite Strecken verwendet — wie zum Beispiel nach Wien. Zum Teil ist man sogar mit dem Auto dorthin gefahren. Fahrradfahren war in der Jugend und auch später keine Alternative. Deshalb war für mich in dieser Zeit vor allem das Auto das zentrale Verkehrsmittel.
Wie kann Mobilität von der Politik gesteuert werden? Oder ist es doch eher eine persönliche Entscheidung, wie man selbst mobil ist?
Die Mobilität war in meiner politischen Arbeit im Rahmen des ÖPNV ein wichtiges Thema. Für uns war es wichtig, den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zu fördern und als Politiker:innen die notwendigen Entscheidungen herbeizuführen. Mittlerweile bin ich Besitzer einer Jahreskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel und profitiere von dieser Entscheidung. Ich merke, wie wichtig es ist, gute öffentliche Verbindungen im Land zu haben. Der öffentliche Verkehr ist eines der zentralen Themen in den Gemeinden, aber die erfolgreiche Umsetzung kann nur über die Region mit dem Land erfolgen. Es ist etwas, dass man nur gemeinsam entwickeln und entscheiden kann. Wir haben im Walgau eine sehr gute Situation geschaffen, welche weiter ausgebaut werden kann.
Ob du das Fahrrad nimmst, ins Auto einsteigst oder doch den öffentlichen Verkehr wählst — die Entscheidung liegt immer bei dir. Dennoch kann die Politik Richtungen vorgeben. Wenn man den öffentlichen Verkehr attraktiv gestaltet und den Individualverkehr einschränkt, werden mehr Leute einen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel überlegen. Diese Situation ist für die Politik sehr schwierig: Wie beeinflusse ich persönliches Verhalten? Ich glaube, dass es auch unpopuläre Maßnahmen braucht, zum Beispiel ein erhöhter Benzinpreis oder etwas Anderes in dieser Form. Diese werden den Leuten nicht immer gefallen. Einerseits kosten unpopuläre Maßnahmen in der Politik Wähler:innenstimmen, welche notwendig sind, um wiedergewählt zu werden. Aber andererseits kann so ein Umdenken in der Bevölkerung erfolgen. Es hängt sehr viel vom persönlichen Verhalten der Leute ab, doch dass es ohne einschneidende Maßnahmen gehen soll — das ist meiner Meinung nach eine Illusion.
Zu meiner aktiven politischen Zeit gab es Untersuchungen des Energieinstituts, welche besagten: Über 50 Prozent der Strecken, die mit dem Auto gefahren werden, sind unter 5 km lang. Wenn diese 50 Prozent auf alternative Verkehrsmittel umsteigen würden, dann wäre schon ein großer Schritt getan. Aber es steckt immer noch sehr viel Bequemlichkeit dahinter, das merke ich bei mir selbst: Du musst den inneren Schweinehund überwinden. Zu sagen: Ja — ich stehe jetzt halt schon um zwanzig vor sechs auf, damit ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln um dieselbe Zeit wie mit dem Auto in Dornbirn bin. Ich glaube nicht, dass es ohne gewisse Einschränkungen geht. Das ist meiner Meinung nach eine Illusion.
Hängen die Fragen der Mobilität auch mit sozialer Gerechtigkeit zusammen?
Ich bin davon überzeugt: Wenn der öffentliche Verkehr gut ausgebaut und für die breite Masse leistbar ist, trägt er zur sozialen Gerechtigkeit bei. Ich glaube, dass Vorarlberg mit dem Jahresticket auf einem sehr guten Weg ist. Wenn die Menschen wissen, dass man um 385 Euro ein ganzes Jahr lang mit allen Verkehrsmitteln in Vorarlberg fahren kann, ist das ein attraktives Angebot. Für den ländlichen Raum sollte die Taktung noch ein bisschen enger erfolgen, aber das ist eine finanzielle Frage. Für diesen Ausbau braucht es eine noch breitere Nutzung der Bevölkerung. In Wien ist die Nutzung des öffentlichen Verkehrs selbstverständlich. Wenn ich nach Wien ziehen würde, könnte ich mir nie vorstellen, mit dem Auto zu fahren. Die Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel ist dort so ausgezeichnet, dass man sich fragen kann — Ist das Auto im städtischen Raum überhaupt noch eine Alternative? Der Vergleich zwischen einer Stadt und dem ländlichen Raum sollte sehr detailliert vorgenommen werden, um keine falschen Bilder zu erzeugen.
Das Bewusstsein für Klimafragen ist bei eurer Generation viel stärker, als dies bei unserer der Fall war. In meiner Jugend war das Klima kein Thema. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass in meinem Umfeld Diskussionen über Klimagefährdung geführt wurden. Es wurden allerdings umstrittene Projekte in der Öffentlichkeit diskutiert, wie z. B. Zwentendorf oder die Hainburger Au — Da hat man festgestellt, dass Umweltthemen aktuell werden.
Wie kann eine Gemeinde, ein Land oder ein Staat nachhaltige Mobilität unterstützen?
Wichtig ist eine gute Abstimmung zwischen den Gemeinden, dem Land und dem Bund und diese ist ausbaufähig. Die stärkere Finanzierung des öffentlichen Verkehrs und die Verfolgung gemeinsamer Ziele unterstützen eine zukunftsfähige Mobilität. Zudem ist darauf zu achten, wie die E‑Mobilität im öffentlichen Verkehr ausgebaut werden kann. Sollte das Thema “autonomes Fahren” einmal kommen, noch ist das natürlich Zukunftsmusik, stellt sich auch die Frage, wie das autonome Fahren im öffentlichen Verkehr berücksichtigt werden kann. Da sind wir schon sehr in der Zukunft angekommen.
Was wünschen Sie sich Bezug auf Mobilität von den jungen Menschen?
Ich bin der Überzeugung, dass es nicht eine Dialoggruppe gibt, an die wir unsere Wünsche richten sollten. Ich kann nicht von den jungen Menschen erwarten, dass sie mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und mich selbst zurücklehnen. Ich denke, dass es die Verantwortung von uns allen ist. Es ist wichtig, dass man sich von der eigenen Bequemlichkeit verabschiedet und der Umwelt persönlich eine größere Bedeutung schenkt. Dann ändert sich auch automatisch das eigene Verhalten — das sehe ich bei mir selbst. Ich stelle fest, dass die Jugend das Thema deutlich stärker in den Fokus bringt und dieses ihnen sehr viel bedeutet. Dadurch haben auch die Diskussionen in der Bevölkerung zugenommen — was ich ganz wichtig finde! Deshalb ist es ein gemeinsamer Weg, das Mobilitätsverhalten von uns allen für unsere Umwelt zu verändern.
Danke für das Interview. Gibt es noch etwas, dass Sie gerne erzählen würden?
In Bezug auf den öffentlichen Verkehr ist man in Vorarlberg auf einem guten Weg. Diese Ausbaumaßnahmen, das stelle ich gerade als Nutzer fest, waren und sind enorm wichtig. Das Ziel wäre, dass man den Umstieg mit dem Gedanken macht: Ich entscheide mich bewusst für öffentliche Verkehrsmittel, weil sie ihre Vorzüge haben und annähernd die Bequemlichkeit bringen, wie sie der Individualverkehr mit sich bringt — und das zu einem kostengünstigen Preis. Außerdem glaube ich, dass Rechenbeispiele wie etwa “Öffentlicher Verkehr versus Individualverkehr” noch stärker vorgestellt werden müssen. Die Gegenüberstellung: Was kostet mich mein Auto Benzin, Versicherung und Reparaturen? Und was kostet mich die Nutzung des öffentlichen Verkehrs? Ich denke, dass diese Rechenbeispiele zusätzliche Anstöße sein können, damit sich Menschen für den öffentlichen Verkehr entscheiden. Die Verhaltensänderungen der Menschen und der Umstieg auf alternative Energien in der Wirtschaft sind für mich die zentralen Schlüsselaspekte in der Mobilitäts-Frage.
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Lösungsansätze
Wir haben herausgefunden: Das Thema Mobilität kann aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden — zum Beispiel unter dem Aspekt der sozialen Gerechtigkeit, dem Vergleich zwischen Stadt und Land oder natürlich ausgehend von der großen Frage, wie wir in Zukunft nachhaltig unterwegs sein können. Um Lösungen für diese Fragen zu finden, müssen wir möglichst alle Aspekte berücksichtigen und diskutieren.
Fest steht jedoch: Die Frage, wie wir uns künftig fortbewegen, kann immer von mehreren Seiten betrachtet und angepackt werden. Zum Beispiel kann einerseits die Politik Maßnahmen setzen, um ein Umdenken in der Bevölkerung anzuregen. Und andererseits kann jede:r Einzelne einen Beitrag leisten, in dem wir selbst mit nachhaltigen Verkehrsmitteln unterwegs sind und durch unsere Entscheidungen ein Zeichen setzen.
Lösungen finden
- Weg vom Individualverkehr, hin zu öffentlicher Mobilität! Mobilität spielt eine bedeutende Rolle in der Bekämpfung der Klimakrise. Umso wichtiger ist es, dass in Zukunft viel mehr Menschen das Auto stehen lassen und dafür mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz, das in engem Takt fährt, ist eine Voraussetzung dafür.
- Öffentlicher Verkehr trägt außerdem zur sozialen Gerechtigkeit bei: Wer mit Bus, Straßenbahn oder Zug zu niedrigen Preisen unterwegs sein kann und dadurch schnell von A nach B gelangt, braucht sich kein Auto zu kaufen.
- Der Ausbau von öffentlicher Mobilität kann die Lebensqualität in Städten steigern: Autos verbrauchen in Städten wertvollen Platz, erhöhen die Feinstaubbelastung und sorgen für Lärm.
- Obwohl jede:r selbst die Entscheidung trifft, wie er/sie im Alltag mobil sein möchte, kann und soll auch die Politik ihren Beitrag hin zu einer nachhaltigen Mobilität leisten! Maßnahmen können diskutiert, der öffentliche Verkehr ausgebaut und neue Konzepte entwickelt werden.
Wie wollen wir zukünftig mobil sein?
Das wünschen wir uns für die Zukunft der Mobilität:
- Mehr Anschlussmöglichkeiten zwischen Stadt und Land, sodass man kein Auto braucht, um in die Stadt zu gelangen
- Eine Verdichtung und Optimierung des Taktes im ländlichen Raum: Eine Idee wäre zum Beispiel Nachtbusse für Jugendliche am Wochenende einzuführen
- Einen Ausbau der Radwege in den Städten
- Mehr Fußgängerzonen in Städten, in denen keine Autos fahren dürfen
- Es gibt bereits Züge, die Co2-neutral fahren. Solche umweltfreundlichen Maßnahmen begrüßen wir sehr und sollen auch in Zukunft weiter ausgebaut werden!
- Die Kombination von verschiedenen Verkehrsmitteln sollte möglichst problemlos ablaufen.
Und das können wir selbst tun:
- Oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren! Wenn Bus, Bahn etc. stark genutzt werden, ist die Chance größer, dass das öffentliche Verkehrsnetz auch in Zukunft weiter ausgebaut wird.
- Selbst in die Pedale treten und Fahrradwege nutzen — oder einfach mal zu Fuß gehen.
- Fahrgemeinschaften bilden: Manchmal kann man sich zusammenschließen und Wege gemeinsam zurücklegen.
- Ein Bewusstsein für Mobilität und Umweltschutz entwickeln und sich überlegen: Ist eine Fahrt mit Auto oder Moped notwendig oder gibt es Alternativen?
Was die Medien dazu sagen
und spannende Links
Werfen wir einen Blick in die Mobilität der Zukunft: Die Medien geben Einblick in verschiedene neue Mobilitätskonzepte, die sich momentan in der Testphase befinden. Die Ideen reichen von Seilbahnen über der Stadt bis hin zu autonom fahrenden Autos. Es handelt sich hierbei vor allem um Pionierprojekte, die noch nicht in großem Maßstab umgesetzt werden. Aber auf jeden Fall ist schon mal klar: Gerade im städtischen Raum haben Fahrräder und E‑Bikes Zukunft! Einerseits ist hierbei wichtig, dass man die Radwege weiter ausbaut. Andererseits wird dem flexiblen Umstieg, also zum Beispiel vom Rad zum Bus, eine große Bedeutung beigemessen. Außerdem sollten Städte zukünftig nicht nur Fahrradfahrer:innen, sondern auch Fußgänger:innen mehr Platz bieten. Öffentliche Räume können somit besser gemeinsam erschlossen und Orte der Begegnung geschaffen werden. Gerade in Städten sollten deshalb weniger Autos fahren und parken.
Wohnen in Zukunft:
Wie soll das gehen?
Ein Beitrag von Viktoria Ganahl
Wie steht es um das Wohnen in Vorarlberg? Die Mietpreise steigen in vielen Gebieten, der verfügbare Boden wird immer knapper und die Bauweise dichter. Gleichzeitig gibt es aufgrund des Klimawandels immer heißere Tage im Sommer. Es ist klar, wir müssen uns die Frage stellen: Wie kann Wohnen in Zukunft aussehen? Tendenziell wohnen die Menschen auf immer kleinerem Raum: Viele haben wenig Platz oder keinen eigenen Garten. Deshalb reicht eine leistbare Wohnung für ein gutes Wohngefühl allein nicht aus. Es braucht zusätzlich Plätze außerhalb der eigenen vier Wände, an denen man sich gerne aufhält. Auch wir jungen Leute möchten uns konsumfrei mit Freund:innen treffen. Kurz gesagt: Es sind gute, zukunftsfähige Lösungen gefragt. Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, habe ich mit verschiedenen Menschen gesprochen. Wie hat sich das Wohnen in ihren Augen verändert und was wünschen sie sich für die Zukunft? Eines steht schon mal fest: Unsere Lebenswelt verändert sich. Dadurch entstehen aber auch viele neue, zukunftsorientierte Wohnkonzepte. Welche Baustoffe werden dabei eine Rolle spielen, und wie erreichen wir unsere Ziele im Einklang mit dem Planeten?
Max Capelli
14 Jahre
“ich wohne in einem Dorf”
Max Capelli
14 Jahre
“ich wohne in einem Dorf”
Wenn du aus deinem Fenster schaust, was siehst du?
Ein Baumhaus, einen Wald und die Stadt.
Wie wohnst du selbst?
Ich wohne in einem Haus am Hang
Wenn du ein Haus für deine Familie bauen würdest, wie würde das ausschauen?
Schlicht und einfach, mit natürlichen Baustoffen und Holz.
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Julia Domig
15 Jahre
“lebhaftes Dorf/lebhafte Gemeinde”
Julia Domig
15 Jahre
“lebhaftes Dorf/lebhafte Gemeinde”
Was wird in deiner Nachbarschaft gebaut und wie?
Hauptsächlich sind hier Ein- und Zweifamilienhäuser. Ich wohne in der Nähe vom Bahnhof, dort stehen Wohnblöcke. In unserer Straße ist es eher still. Ich sehe zwar die Hauptstraße, aber zu uns fahren recht wenig Autos. Bei uns stehen eher Familienhäuser.
Was würdest du für ein Haus für deine Familie bauen?
Ich würde darauf achten, dass wir einen großen Garten haben. Dann kann man rausgehen. Große Fenster würde ich auf jeden Fall machen. Man braucht erstens nicht so viel Strom, und Sonnenlicht ist sicher besser als das Licht von der Lampe. Ich würde schauen, dass Holz integriert ist. Das macht das Ganze wohnlicher. Ich fände es auch interessant, ein Haus aus Lehm zu bauen (wie im Workshop von Lehm Ton Erde). Das finde ich ganz spannend.
Was würdest du in deiner Gemeinde bauen, wenn du könntest?
Eventuell einen Platz, an dem sich junge Leute, egal in welchem Alter, treffen können. Und wo man vielleicht man auch Sport betreiben kann. Wir haben einen Basketballplatz und einen Fußballplatz, diese werden allerdings von den Vereinen genutzt. Ich fände es cool, wenn die jungen Leuten die Plätze jederzeit verwenden können. Man muss aber auch darauf achten, dass der Platz nicht verschmutzt wird. Jemand muss darauf schauen und Verantwortung dafür übernehmen.
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Elina Holdermann
15 Jahre
“Dorf”
Elina Holdermann
15 Jahre
“Dorf”
Wie wohnt ihr selbst?
Meine Familie und ich wohnen mit meiner Oma (im oberen Stock) in einem Haus.
Was würdest du für ein Haus für deine Familie bauen?
Ich würde darauf schauen, dass die Rohstoffe und die Heizung umweltfreundlich sind. Mir wäre viel Platz wichtig, und dass mehrere Generationen in dem Haus wohnen können. Dadurch wäre es möglich, dass auch die Kinder darin leben.
Was würdest du in deiner Gemeinde bauen, wenn du könntest?
Einen Platz, wo die Jugendlichen hingehen können. In unserem Dorf gibt es nichts Geeignetes. Wir brauchen Orte, an denen man zusammen Sport machen kann — oder vielleicht auch einen Jugendtreff.
Hat sich deine Wohngegend in den letzten Jahren verändert?
Bei uns war eigentlich alles schon bebaut. Aber als meine Oma und mein Papa selbst noch jünger waren, da war zuerst noch eine größere Wiese. Auch das Altersheim war noch nicht da. Das ist vieles dazugekommen.
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Paulina Fraisl
12 Jahre
“ein sehr kleines Dorf, aber sehr schön”
Paulina Fraisl
12 Jahre
“ein sehr kleines Dorf, aber sehr schön”
Was würdest du für ein Haus für deine Familie bauen?
Nicht mitten in der Stadt: irgendwo, wo viel Wiese und Wald ist. Was ich schön fände, wäre ein Holzhaus.
Hast du einen Lieblingsplatz in deiner Wohngegend?
Ja, im Wald haben wir einen Bach, dort ist es ziemlich schön. Es schaut aus wie im Dschungel.
Hat sich deine Wohngegend in den letzten Jahren verändert?
Ja, viele neue Wohnblöcke sind dazugekommen. Und ein paar neue Häuser, wenn ich es mir recht überlege, sind es eigentlich viele neue Häuser. Seit man hier angefangen hat, mehr zu bauen, hat man Schilder für die Autos aufgestellt: „Hilfe, ihr seid zu viele!“
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Reinhold Strieder
Architekt in Pension
Reinhold Strieder
Architekt in Pension
Wie hat sich Ihre Nachbarschaft in den letzten 20, 30 Jahren verändert?
Meine Nachbarschaft? Alle sind älter geworden. (lacht) Es wird viel mehr gebaut. Es ist alles viel dichter. Außerdem hat sich der Aktionsradius vergrößert: Die öffentlichen Verkehrsmittel sind viel besser ausgebaut.
Früher hat man größer gebaut, jetzt geht die Tendenz immer mehr Richtung Wohnung. Man ist meiner Meinung nach nicht mehr so ortsgebunden wie früher.
Wie wohnen Sie selbst?
Ich wohne sehr nachhaltig. Wir haben 1984 Reihenhäuser gebaut, das waren die ersten in Satteins. Die Häuser haben eine Grundstücksgröße von 400 Quadratmetern. Sie sind aus Holz und ohne chemische Konservierungsmittel. Wir haben damals ökologisch gebaut. Das war gar nicht so einfach, weil man das Material nicht so leicht bekommen hat. Die Nachfrage war sehr gering, weil “bio” bei den meisten Bauverantwortlichen gar kein Thema war. Heute sind wir stolz darauf.
In meiner Umgebung ziehen viele junge Familien wieder bei ihren Eltern ein. Ist das Zufall?
Das ist kein Zufall, sondern hängt sicher mit der finanziellen Situation zusammen. Es gibt erstens einmal wenig Baugrund. Ich finde, dass es eine ganz vernünftige Lösung ist, wenn mehrere Generationen unter einem Dach leben: So kann man sich die Ressourcen teilen. Auch wenn das nur heißt, dass die Oma oder der Opa einfacher aufs Kind aufpassen können. Dass jeder sein eigenes Haus baut, finde ich eigentlich nicht gut. Man sollte heute auch schon bei Neubauten ein bisschen mehr darauf schauen, ob man das Haus später einmal teilen oder man dranbauen kann?
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Brunhilde Häusle
Floristin in Pension
“ein größeres Dorf”
Brunhilde Häusle
Floristin in Pension
“ein größeres Dorf”
Wie wohnen Sie selbst?
Ich bin in Pension und lebe alleine. Meine Kinder sind Erwachsen und ich habe jetzt eine kleine Zweizimmerwohnung mit 50 Quadratmetern, mit einer ebenerdigen Terrasse.
Sind beim Wohnen für Sie andere Aspekte wichtig als früher?
Ja, natürlich: Früher hatten wir die Kinder. Da musste die Wohnung anders aussehen als jetzt. Meine jetzige Wohnung ist klein und für mich gerade recht. Ich habe nicht so viel Arbeit beim aufräumen und putzen. Und die Miete ist auch nicht so hoch. So kann ich mir nebenher auch noch was leisten.
Was ist für Sie besonders wichtig im Bereich wohnen?
Mir war es immer wichtig, dass die Wohnung möglichst ebenerdig ist und dass es eine natürliche Umgebung gibt. Eigentlich ist das für mich noch wichtiger wie die Größe der Wohnung. Ich muss ins Grüne können. Ich genieße, dass ich von meiner Wohnung schnell draußen am See und in der Natur bin.
Was würden Sie sich für die jüngere Generation in Bezug auf Wohnen wünschen?
Ich bin immer ein bisschen schockiert, dass man jetzt Wohnblöcke baut, die alle gleich ausschauen. Zehnmal dieselbe Küche, Kabinett und Balkon. Die Materialien sind oft auch nicht gesund. Ich würde mir wünschen, dass sich für die jüngere Generation das Wohnen insofern verändert, dass Grünflächen erhalten bleiben. Ich finde es wichtig, dass man an seinem Wohnort ins Grüne kann, so wie ich es kann. Ich würde mir gute Materialien und ein schönes Umfeld wünschen.
Und natürlich, dass man sich das Wohnen einfach leisten kann. Es sollte ein Menschenrecht sein, dass sich jeder eine Wohnung leisten kann. So wie das jetzt ist, dass die Leute kaum noch die Miete zahlen können und nur noch fürs Wohnen arbeiten — das ist meiner Meinung nach ganz schlimm.
Gibt es noch etwas Wichtiges, was Sie mir gerne erzählen würden?
Man verändert sich ja im Laufe der Jahre: Zum Beispiel wenn man Kinder hat, braucht man mehr Platz und ganz andere Wohnungen.
Ich konnte meine Wohnverhältnisse immer an mein Leben anpassen. Jetzt lebe ich auf wenigen Quadratmetern, aber man kann es sich schön gemütlich machen. Ich habe keinen Gemüsegarten, aber einen Gemeinschaftsgarten in Höchst. Dort kann ich Gemüse anbauen. Ich denke, ich habe alles, was ich brauche.
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Für alle Generationen ist besonders wichtig, im Grünen zu leben und die Natur vor der Haustüre zu haben. Für ihre eigene Familie würden die interviewten Jugendlichen gerne ein Haus aus nachhaltigen Baustoffen wie zum Beispiel Lehm oder Holz bauen. Ein weiterer Aspekt: Manche jungen Leute leben bereits mit der eigenen Familie und den Großeltern, in einer separaten Wohnung, unter einem Dach. Sie können sich gut vorstellen, selbst einmal ein Mehrgenerationenhaus zu bewohnen.
Alle können davon erzählen, dass in den letzten Jahren viele neue Wohnblöcke in den Dörfern gebaut wurden. Bedauert wird, dass viele der Wohnanlagen sehr gleich und monoton aussehen. Wichtig: Der Anspruch von jungen Leuten Häuser mit nachhaltige Baumaterialien zu errichten, lässt sich auch auf Wohnblöcke übertragen.
Was den jungen Leuten im Dorfbild manchmal fehlt: Jugendräume oder Sportplätze, an denen sich speziell Jugendliche treffen und aufhalten können. Auch Orte, an denen sich die Menschen generationen- und gruppenübergreifend treffen, sind vielen wichtig. Sie machen die Wohngegend lebenswerter.
Fragt man die ältere Generation, stellt sich heraus: Wenn die Kinder erwachsen und ausgezogen sind, wirkt das Einfamilienhaus plötzlich viel zu groß. Viele ältere Personen bewohnen ganz alleine ein großes Haus. Wer im Alter in eine kleinere Wohnung umzieht, ist flexibler und hat weniger Arbeit. Das frühere Haus kann jüngeren Familien überlassen werden.
Für die jüngere Generation wünschen sich die Erwachsenen, dass das Wohnen leistbar bleibt und freie Grünflächen auch in dichteren Wohngegenden erhalten bleiben. Außerdem wünschen sie sich gute, nachhaltige Materialien für die Wohnungen und Häuser der Zukunft.
Perspektive gewinnen
Die größten Herausforderungen: Insgesamt gibt es zu wenige leistbare Wohnungen, der Bedarf wächst schneller als das Angebot. Auch der Boden wird immer kostbarer und dadurch teurer. Gleichzeitig schreitet der Klimawandel weiter voran und sorgt für stetig heißere Temperaturen. Doch wie finden wir für diese großen Probleme nachhaltige Lösungen?
Expertinneninterview
mit Marina Hämmerle
Um mein Wissen zu vertiefen, habe ich mit Marina Hämmerle gesprochen. Sie ist Architektin und war von 2005 bis 2012 Direktorin des vai Vorarlberger Architektur Instituts. Seit 2013 betreibt sie in Lustenau ihr Büro für baukulturelle Anliegen. Sie ist auf kommunaler (Gemeindeebene), regionaler und internationaler Ebene in den Bereichen Architektur und Städtebau aktiv. Marina Hämmerle berät, schreibt, juriert und ist auch als Kuratorin tätig.
Sie sprach mit mir über Lösungsansätze: Beispielsweise, wenn es um die Nachverdichtung von Dörfern und Städten geht. Im Austausch erzählt sie unter anderem, welche Vorteile Begrünung in Dörfern und Städten mit sich bringt, wie man die Atmosphäre eines Ortes erhält und welche Wohnkonzepte Zukunftsperspektive haben.
Marina Hämmerle
Marina Hämmerle
Was sind die größten Herausforderungen für die Raumplanung in den ländlichen Gebieten?
Der Begriff “Ortsentwicklung” betrifft eigentlich die Innenentwicklung der Dörfer und Städte. Die “Raumplanung” hingegen bezieht sich auf die Landesebene. Es geht in der Raumplanung darum, dass die die Zusammenschau aller Dörfer gelingt und dass man über kommunale Interessen hinweg gestaltet und lenkt. Deshalb würde ich gerne auf beide Punkte eingehen.
Beispielsweise bei der Ansiedlung eines Gewerbegebiets oder ein wichtigen Schulbauprojekts: Das darf nicht Sache einer Gemeinde sein, sondern muss immer im größeren Zusammenhang gesehen werden. Wo ist denn der geeignete Standort hinsichtlich Mobilität, Anbindung an den öffentlichen Verkehr? Wie kommen die Menschen dahin? Wie kann man ermöglichen, dass die Menschen vom Auto auf den öffentlichen Verkehr umsteigen?
Dann ein wichtiger Punkt der Raumplanung in Vorarlberg: Die Sicherung der Landesgrünzone. Diese ist schon seit mehr als 40 Jahren festgeschrieben. Es geht darum, dass dieser zentrale Grünraum im Rheintal auch wirklich als solcher erhalten bleibt.
Ein weiteres Spezifikum aus Vorarlberg: Wir haben unglaublich viele Baulandreserven. Bei uns gibt es z.B. über die Erbteilung viele Flächen, die noch weitergegeben oder gekauft werden können. Dadurch entsteht ein enormer Druck von den Bauträgern auf diese Freiflächen, welche im Dorfbereich aber sehr wichtig sind. Es geht darum, dass die Dörfer nicht komplett zuwachsen. Wir müssen nachverdichten, weil der Boden knapper, kostbarer und dadurch immer teurer wird. Aber gerade deshalb müssen wir auch schauen, dass wir im Siedlungsraum auch qualitative Freiflächen erhalten, die allen zugänglich sind.
Was in Vorarlberg ebenfalls augenscheinlich ist: sehr viel an Freiraum ist privat. Auch wenn die Wiesen grün sind und die Obstbäume darauf wachsen, der Großteil des Siedlungsraumes gehört immer irgendjemandem. Dieser ist meistens in privater Hand und für die Allgemeinheit eigentlich nicht nutzbar. Hier müssen die Kommunen lenkend eingreifen und das Land Vorarlberg muss im Blick haben: Wie können räumliche Entwicklungskonzepte angelegt werden, damit genügend öffentlicher Freiraum für alle Menschen garantiert wird.
In Bezug auf die Freihaltung von Grünflächen und die Verwendung von öffentlichen Verkehrsmitteln: Hat sich in diesen Bereichen in den letzten 20 Jahren etwas verändert?
Viele Dörfer verlieren im Zuge der Nachverdichtung ihre Charakteristika. Sie werden austauschbar, weil überall die gleichen Wohnbauten entstehen. In den Nachkriegsjahrzehnten wurden zu wenige Visionen generiert: Wie könnte dieses Quartier in 20 Jahren aussehen? Wie sollte sich dieser Straßenzug entwickeln? Und so verschwinden die Eigenheiten von Straßenzügen oder Quartieren.
Nicht einmal heute haben alle Gemeinden auf dem Schirm, dass man das räumliche Entwicklungskonzept so betrachten könnte. Es geht nicht nur um die Bevölkerungsdichte oder Geschosshöhen, also um technische Werte. Es geht auch um Atmosphäre. Welche Atmosphäre möchte man in diesem oder jenem Quartier? Da wäre es wichtig, dass die Entscheidungsträger, in diesem Falle die Kommunen, Vorstellungen entwickeln, wie sich das Dorf weiter gestalten könnte. So dass wir auch fit sind für die Herausforderungen unserer Zeit, wie Klimawandel und Klimaanpassungsmaßnahmen. Das bedeutet, wir müssen Grünräume von Beginn an bei der Orts- und Stadtplanung mitdenken. Aber nicht nur als Räume, wir müssen auch an den Bauwerken und der Architektur etwas machen.
Gibt es in Rezept für einen guten Platz, der für alle Bewohner:innen funktioniert?
Ein Rezept könnte sein, dass man sich an dem orientiert, was die Menschen gerne haben, auch was die Tiere & Pflanzen brauchen. Dann hätte man schon einmal Anhaltspunkte, wo die Reise bei der Stadt- und Dorfentwicklung hingehen könnte. Das heißt: Menschen lieben Plätze, wo man sich gut aufhalten kann, wo Baumschatten da ist. Wenn Fassaden begrünt sind oder üppiger Baumschatten vorhanden ist, können die Temperaturen deutlich gesenkt werden. Wenn ich hier im Zentrum von unserer Terrasse hinunter schaue, dann sehe ich: Jedes halbe Jahr verschwinden wieder wichtige Bäume.
Als ich gestern in Zürich war mit Kolleginnen, hat uns eine befreundete Architektin ein von ihr geplantes Wohnhaus gezeigt, eine Nachverdichtung. Der Neubau liegt inmitten etlicher Altbauten, an der Straße steht vis-à-vis ein großes Bürogebäude. Das mehrgeschossige Gebäude besetzt eine kleine Lücke, ist eine gelungene Komposition die wirklich mit dem umliegenden Bestand interagiert. Es nimmt den Geist dieses Ortes auf, das nennt man genius loci: Das Gebäude erzählt und transportiert die Geschichte, die sich an diesem Ort entwickeln konnte. Und siehe da: Das neue Gebäude hat eine Selbstverständlichkeit, als ob es immer schon da gewesen wäre. Weil es mit den anderen Gebäuden in Kontakt tritt und sich auf wunderschöne Art und Weise Zwischenraum-Situationen ergeben, die Qualität haben, wie beispielsweise der Blick von den Balkonen durch zwei Gebäude hindurch bis zur nächsten Häuserzeile oder wie die Gärten ineinander spielen und das Terrain, das Gelände darin aufgenommen wird.
Oftmals nehmen die Neubauten keinen Bezug auf das, was bereits da ist. So spielt auch die Topographie eine große Rolle. Das verstehe ich unter Atmosphäre. Wenn man in der Lage ist, einen Ort zu lesen, entsteht atmosphärische Dichte. Das gelingt, wenn man es versteht den Ort zu lesen: Was sagt mir dieser Ort? Und was braucht er, damit ich ihm nichts wegnehme, sondern ihm etwas hinzugebe? Dann entsteht Atmosphäre, wird aus einer Planung gute Architektur.
Was sind denn Baumaterialien für die Zukunft, gerade hinsichtlich Vorarlberg?
Ich würde das nicht auf einzelne Materialien beschränken. Aber Holz hat die „Nase vorne“, vor allem was die Klimabilanz anbelangt. Andererseits finde ich es auch ganz wichtig, dass man historische Bauten oder die Gebäude der 60er und 70er Jahre wieder ertüchtigt. Ich bin der Meinung, dass dieser Bestand sehr wichtig ist und so viel wie möglich renoviert werden sollte. Das Motto der Stunde lautet meiner Meinung nach: Das nützen, was da ist! Das bedeutet, so viel als möglich den Altbestand verbessern und ertüchtigen, sodass er für die nächste Zeit gewappnet ist.
Was ich nicht gut finde: Polystyrolplatten sollten nicht als Wärmedämmmaterial verwendet werden. Diese sind aus Petrochemie hergestellt, verrotten kaum und sind sehr schwer trennbar vom massiven Baustoff, wie zum Beispiel Beton und Ziegel, auf diese die Platten aufgeklebt werden. Die Klimaziele rechtfertigen nicht, umweltschädliche Materialien zum Einsatz zu bringen, nur damit man den Heizwert und die Energiekosten senken kann.
Sie haben im Zuge ihrer Berufserfahrung viele unterschiedliche Wohnkonzepte kennengelernt. Gab es da für Sie ein persönliches Highlight? Ein Konzept, bei dem Sie sich gedacht haben: Das ist nachhaltig oder zukunftsfähig?
Was nachhaltige Wohnkonzepte anbelangt, hat die Schweiz eine Vorreiterrolle. Dort gibt es die genossenschaftliche Form des Wohnens: Man wird Genossenschafter:in und zahlt einen Anteil ein. Es gehört der Gemeinschaft, man kann mieten und kaufen. Diese Wohnbauten beinhalten oft auch Clusterwohnungen, d.h. man lebt wie in einer großen Wohngemeinschaft, hat aber eigene Räumlichkeiten Innerhalb der beispielsweise 300–350 Quadratmetern. Im kollektiven Wohnzimmer findet man sich dann am großen Mittagstisch ein. Oder die Wohnungen sind in normaler Größe und gegessen wird in einer Art Kantine, die von der Gemeinschaft betreut wird. Darüber hinaus regen weitere Gemeinschaftseinrichtungen zur generationenübergreifenden Geselligkeit an. Man lebt im Verband und kann sich dennoch auf seine Privatheit zurückziehen.
Es gibt dort auch viele Projekte von Frauen, die im Alter nicht mehr in ihren zu großen Häusern leben wollen. Sie schließen sich zu Baugruppen zusammen und errichten dann z.B. ein 5‑geschossiges Bauwerk mit guter Architektur. Aber dafür braucht es eine gewisse Offenheit: Dass man sein Haus loslassen kann, in dem man möglicherweise mit der Familie über Jahrzehnte gelebt hat und es nun an die Jüngeren übergibt. Und dass man sagen kann: Okay, im letzten Lebensabschnitt hätte ich es gerne ein bisschen einfacher, kommunikativer und geselliger. Man muss bereit sein, sich noch einmal zu verändern.
Ganz wichtig finde ich auch: die Qualität der Außenräume. Der Außenraum ist mindestens genauso wichtig für eine Anlage. Denn die Stadt ist eigentlich die Wohnung für alle. Die Plätze sind die Räume, der Wohnraum oder das Musikzimmer, die Gassen sind die Gänge dazwischen und die Häuser machen die Fassaden der Stadt. Arno Brandlhuber, ein Architekt aus Berlin, hat einmal gesagt: Zuerst die Stadt und dann das Haus. Die Stadt ist wichtiger als das Einzelhaus. Das sollte auch ein Grundsatz sein, wie man Dorf oder Stadt entwickelt. Dass man zuerst denkt: Was setze ich hier rein, damit dieser Platz nicht schlechter, sondern im besten Falle besser wird? Denn in der Regel bedeutet bauen ja, dass man dem Ort etwas wegnimmt. Da war im Vorfeld eine Wiese, da waren Obstbäume, vielleicht ein Bach. Wir müssen uns immer überlegen: Was ist der Ausgleich? Was geben wir zurück, damit es besser wird als zuvor – oder, wie gelingt es zumindest die bestehende Qualität zu erhalten?
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Innovative Wohnkonzepte
Dieses Gebäude wurde in den Altbestand hineingebaut. Im Erdgeschoss befindet sich eine Kinderkrippe, die sich um den biodiversen Garten kümmert. Die umliegenden Bauten haben Hochsprünge und Versätze im Dach und den Terassen. Das wurde auch bei der Planung des neuen Gebäudes miteinbezogen. Man sieht eine Verwandtschaft: Das neue Haus hat zum Beispiel ein besonderes Geländer, das an die analogen Geländer der umliegenden Bauten erinnert. Durch diese Details harmonieren die Gebäude zusammen.
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Auf der Straßenseite hat man den Blick in die Gasse. Die versetzten Wohnungen ermöglichen dies von jedem Wohnzimmer aus.
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Diese Wohnanlage steht in Zürich und wurde den Architekten Knapkiewicz & Fickert geplant. Die Stadt Zürich hat hier erschwingliche Wohnungen direkt im Seefeld für die Bürger:innen finanziert. Viele Feinheiten machen diese Wohnanlage einzigartig: farbige Fenster, zweistöckige Wohnungen oder Sitzmöglichkeiten im Innenhof. Im großen Hof steht eine zweigeschossige Fahrradgarage. Auf dem Deck gibt es einen offenen Raum für Feste, Partys oder zum Beispiel Kinder-Bastelnachmittage. Gemeinsame Flächen, um die Bewohner:innen miteinander in Begegnung zu bringen.
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Der Eingangsbereich wurde mit einem großen, außergewöhnlichem Mosaik gestaltet. Schon beim Eintreten ins Stiegenhaus weiß man: Hier bin ich zuhause.
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Was die Medien dazu sagen
und weitere Beiträge zum Thema
Die Medien machen deutlich: Wir stehen beim Thema Wohnen zukünftig vor großen Herausforderungen. Die größten davon sind einerseits der Klimawandel, der die Temperaturen immer weiter steigen lässt. Andererseits wird der Platz in Dörfern und Städten immer knapper, leistbare Wohnungen sind in vielen Regionen Mangelware.
Damit Wohnen in Zukunft funktionieren kann, müssen viele Bereiche des Wohnens neu gedacht werden. In den Medien wird bereits ein breites Spektrum an unterschiedlichsten Konzepten und Lösungen dafür vorgestellt. Das reicht von der Fassadenbegrünung über Niedrig- und Plusenergiehäuser bis hin zu Tiny Houses oder flexiblen Wandsystemen. Die Forschung beschäftigt sich außerdem mit der Frage, wie neue, umweltfreundliche Baustoffe entwickelt werden können. Laut den Medien werden uns nachhaltige Baumaterialien, begrünte Dörfer und Städte sowie mehr öffentliche Plätze auch schon in den nächsten Jahren immer häufiger begegnen. Viele andere Ideen sind hingegen noch Visionen und keine Realität. Aber je facettenreicher das Thema Wohnen in der Gegenwart überdacht wird, umso vielfältiger werden unsere zukünftigen Lösungen dafür sein.
Lösungsansätze
Wie kann Wohnen in Zukunft gehen? Um mich dieser Frage anzunähern, habe ich mit ganz unterschiedlichen Personen gesprochen. Es zeigt sich: Egal, ob man mit jungen Leuten, Erwachsenen oder Experten und Expertinnen redet — alle haben dieselben Anliegen und denken in eine sehr ähnliche Richtung.
Eines ist schon mal klar: Damit Wohnen auch in Zukunft funktionieren kann, muss berücksichtigt werden, was für die Menschen und die Natur gut ist. Wenn wir davon ausgehen, ergeben sich bereits viele Lösungsansätze:
- Plätze, an denen sich alle Menschen treffen können: Es braucht genügend öffentlichen, qualitativ hochwertigen Freiraum, der nicht privatisiert ist.
- Menschen und auch Tiere halten sich gerne im Grünen auf. Begrünte Fassaden und Bäume im Dorf schaffen nicht nur eine angenehme Atmosphäre, sondern können die Temperatur senken. Auch biodiverse Gärten und Wiesen sind Orte, an denen man gerne verweilt und die für Mensch und Natur gut sind.
- Gemeinschaftsgärten sind vor allem in dichter besiedelten Gebieten eine gute Lösung für alle, die keinen eigenen Garten haben.
- In vielen Dörfern gibt es ungenutzte Kubatur, die man renovieren und wieder wohnlich machen könnte. Dieser Lösungsansatz ist nicht nur nachhaltig, sondern spart auch wertvollen Boden, der immer kostbarer und teurer wird.
- Projekte wie zum Beispiel Schulen oder Gewerbegebiete müssen in einem größerem Zusammenhang überdacht und geplant werden. Wo ist die passende Lage für dieses Gebäude? Ist dieser Ort mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar? In solche Planungsprozesse gehören nicht nur die Entscheidungsträger:innen der Kommunen, sondern im Falle Mitglieder der Zivilbevölkerung miteinbezogen.
- Bei der Planung eines Gebäudes ist es wichtig, den Charakter bzw. die Atmosphäre eines Ortes zu berücksichtigen. Ausgehend davon kann man versuchen, das neue Gebäude möglichst gut in die Umgebung zu integrieren. Dass ein neues Haus sich in die Landschaft einfügt und mit den anderen Gebäuden harmoniert, bezeichnet man als “genius loci”.
- Wer in einem Mehrgenerationenhaus wohnt, kann sich die Ressourcen teilen. Es ist eine gute Idee, sich beim Neubau schon zu überlegen: Könnte dieses Haus später einmal ausgebaut oder geteilt werden?
- Viele Dörfer und Städte werden immer weiter verdichtet. Gerade deshalb ist es aber wichtig, dass freie Grünflächen in den Wohngegenden erhalten bleiben, die von allen genutzt werden können.
- Ein weiterer wichtiger Punkt: Wohnen flexibel zu sehen und dem jeweiligen Lebensabschnitt anzupassen. Beispielsweise ziehen viele ältere Menschen in eine kleinere Wohnung um. So haben sie weniger Arbeit und können das Haus einer jungen Familie überlassen.
- Mit Solar- und Photovoltaikanlagen kann die Energie der Sonne genutzt werden.
- Nachhaltige Baumaterialien haben Zukunft! Beispielsweise Holz hat eine viel bessere Klimabilanz als Zement, Ziegel oder Stahl. Diese Baustoffe verbrauchen schon bei der Herstellung viel mehr Energie.
- Ein besonders wichtiger Punkt ist, dass Wohnen auch in Zukunft leistbar bleibt. Es braucht eine wirksame gesetzliche Grenze für Mietpreise, damit diese nicht unkontrolliert in die Höhe steigen. Außerdem müssen genügend leistbare Wohnungen zur Verfügung gestellt werden.
- Auf der Suche nach neuen Lösungen sind bereits viele innovative Wohnkonzepte entstanden. Ein gutes Beispiel dafür sind die mobilen Tiny Houses, die Wohnen praktikabel auf kleinstem Raum ermöglichen und mit denen man von Ort zu Ort ziehen kann.
Graffiti
Vandalismus oder Kunst?
ein Beitrag von
Muhammad Kudusov
Graffiti – die rebellische Kraft. Ist es tatsächlich Kunst? Werden da lediglich Wände und öffentliche Flächen verunstaltet? Oder bringen die farbenfrohen Illustrationen mehr Leben in die graue Betonstadt? Dieses heiß umstrittene Thema löst schnell heftige Debatten aus. Die einen erfreuen sich an der kreativen Aktivität der Jugend. Andere beklagen das Sprayen lautstark als Sachbeschädigung. Doch was denken die Jugendlichen darüber? Jugendliche und aktive Sprayer:innen in der Sprayer-Community wurden nach ihrer Meinung
Cornelia Wörz
16 Jahre
Cornelia Wörz
16 Jahre
Was denkst du über illegales Graffiti?
Wenn es schön ist, finde ich es nicht schlimm, obwohl „schön“ natürlich subjektiv ist. Meist verschönert es leere Plätze wie eine graue Wand. Aber an manchen Stellen wie Kirchen sollte man das unterlassen, das empfinde ich dann als gewisse Beleidigung.
Gibt es in deiner Umgebung viele Graffitis?
In Lauterach gibt es eine Menge Plätze, an denen Graffitis gesprayt wurden, wie z.B. neben dem Bahnhof im Jugendplatz, bei der Seifenfabrik und bei der Brücke.
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Viola Vorderegger
16 Jahre
Viola Vorderegger
16 Jahre
Was ist Kunst für dich?
Schwere Frage. Für mich kann jeder Kunst machen, aber es muss nicht gleich gute Kunst sein. Da gibt es eine gewisse Grenze. Wenn ich nur einen Strich mache, ist das meiner Meinung nach, keine gute Kunst.
Erlebst du viel Kunst in deinem Alltag?
Also meine Eltern sind sehr kunstinteressiert und waren mit mir auch schon im Kunsthistorischen Museum in Wien, also bin ich mit Kunst quasi aufgewachsen. Selbst mache ich auch etwas Kunst, ich bin aber nicht direkt eine Künstlerin.
Ist Graffiti für dich Kunst?
Graffitis sind für mich künstlerischer Ausdruck. Und das auf eine sehr coole, moderne und jugendliche Art. Sie sind lebendig und auf der Straße kann sie jeder sehen.
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Umut Gür
17 Jahre
Umut Gür
17 Jahre
Was denkst du über Graffiti?
Es ist eine Art von Kunst, ich habe damit kein Problem. Es befindet sich an öffentlichen Plätzen und ist eigentlich gratis Kunst. Gemälde oder Galerien sind teuer, aber jeder Interessierte kann sich Graffitis anschauen.
Hältst du Graffiti für Vandalismus?
Ich frage mich: Warum ist das so schlimm, wenn man eine Wand besprüht? Einfach übermalen, oder wegsprühen, wenn es jemandem nicht gefällt. Ist doch nur Kunst.
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Aaron Mafitabar
16 Jahre
Aaron Mafitabar
16 Jahre
Ist Graffiti für dich nur „Geschmiere“?
Nein. Die Idee, mit Flaschen zu sprühen, ist sehr cool. Graffitis sind sehr vielfältig mit ihren verschiedenen Farben. Manchmal sind die Kunstwerke ein bisschen fragwürdig, wenn zum Beispiel Schimpfwörter oder politisch inkorrekte Wörter verwendet werden. Also wenn die Motivation nicht nur der freie Ausdruck ist und man es vielmehr deshalb macht, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Gibt es genügend Räume für Graffitis?
In Wien gibt es viele legale Orte, aber ich kenne nicht alle. Beispiele dafür wären der Schottenring oder der Donaukanal. Ich habe das Gefühl, dass es zu wenig legale Plätze gibt. Auf den legalen Wänden überschneiden sich Graffitis und werden übersprüht. Meines Wissens gibt es im Gegensatz dazu am Land keine Graffitis. Deshalb ist meine Frage: Wie wäre das am Land?
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Perspektive gewinnen
Was wissen wir?
Graffitis werden bei der Jugend weitgehend als Kunst angesehen. Doch auch diese ziehen eine Grenze, was denn nun Kunst ist und was nicht. Genau wie bei den Erwachsenen sind sich die Jugendlichen dabei nicht zu 100% einig. Doch bei einer Sache sind sie sich sicher: Illegale Sprühereien werden vermieden, wenn es an ausreichend vielen Orten erlaubt ist. Es sollen Räume für diese kreativen Aktivitäten bereitgestellt werden. So könnten beide Seiten, also Sprayer:innen und beispielsweise Behörden, zufriedengestellt werden.
Expert:innen im Gespräch
Vanessa Hänsler
35 Jahre
Vanessa Hänsler
35 Jahre
Wie bist du zum Sprayen gekommen?
Ich schreibe gerade zufällig ein Buch darüber. Es hat alles angefangen mit einer Brücke. Denn ich bin in einem Dorf groß geworden, wo es eine Brücke und einen Skaterpark gab. Dort habe ich die Tags an den Wänden gesehen und wollte das dann auch direkt mit meinen Kreiden ausprobieren. Mein Umfeld war sehr kreativ, alle meine Freund*innen haben gemalt. Dann bin ich durchgestartet, mit legalen Aufträgen und teilweise auch illegalen. Dafür kamen wir irgendwann vors Gericht und bekamen eine Anzeige wegen Sachschaden. Danach bin ich auf das Grafikdesign-Studium gekommen.
Was machst du jetzt?
Jetzt mache ich Multimedia-Grafikdesign, das bedeutet, dass ich meistens digital am Computer arbeite. Ansonsten wäre es mir zu teuer. Ab und zu spraye ich schon noch, aber nicht mehr so regelmäßig wie früher. Allgemein mache ich auch mehr in Richtung Film mit Musikvideos und produziere ebenfalls Beats und Sounds. Letztens haben wir ein echt krasses Video in Feldkirch mit einem Krankenwagen gedreht. Das war superaufwendig und kreativ.
Ganz philosophisch, was ist Kunst für dich?
Alles. Ich bin Kunst. Du bist Kunst. Es kann gut oder hässlich sein. Als Beispiel: Wenn ich eine Frau mit einem Mann sehe, ist er möglicherweise nicht mein Typ, aber ich verstehe, was sie in ihm sieht. Denn ich sehe in allem Kunst. Das ganze Leben ist Kunst. So wie die Farben und Formen. Ich habe ein Motto, das wie eine Religion für mich ist: „Schön denken, schön sprechen, schön machen“. Und danach lebe ich.
Wie siehst du illegales Sprayen?
Damit habe ich kein Problem. Aber es gibt auch Unterschiede. Wenn jemand hart für etwas gearbeitet hat, muss man es nicht beschädigen. Also nicht an das neue Auto oder an die frisch gebaute Hauswand oder an Stätten wie Kirchen sprayen. Stattdessen lieber an irgendeine leere graue Wand, die man damit verschönert. Manche Graffitis kann man sich aber echt sparen. Ich bin der Meinung, wenn man sprayt, dann mit Style und bunt.
Ich habe den Artikel in der Vol.at über dich gelesen. Hat sich seitdem viel verändert?
In Wien auf jeden Fall. Es gibt viel mehr Frauen in der Szene und es sind viele aus der Breakdance- und Tänzerszene dazugekommen. Die Szene befindet sich in einem Wandel. Auch persönlich gab es Veränderungen.
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Tom Hehne
35 Jahre
Tom Hehne
35 Jahre
Magst du dich für unsere Leser*innen kurz vorstellen?
Ich bin Tom und arbeite zurzeit in Lindau an Wandgestaltungsaufträgen und hier an einem Projekt Künstler*innen miteinander zu verbinden. Dafür hat der Verein KFL (KulturFertigLos!) von der Firma Rhomberg Gebäude zu Verfügung gestellt bekommen, um neue Ateliers zu schaffen. Dort soll durch 360°Videoprojektionen eine invasive Welt entstehen, in die man eintaucht, um eine psychedelischen Erfahrung zu erleben, ganz ohne Drogen. Aber die richtige Umsetzung des Projektes braucht eine Weile.
Was ist Kunst für dich?
Das kann ich schlecht bewerten. Das ist das Schöne beim Kunstunterricht oder Workshop. Ich kann nicht bestimmen, dass zum Beispiel ein Rad oder ein Rahmen fehlt. Ich kann nicht sagen, dass etwas keine Kunst ist. Denn Kunst ist die Sprache der Seele und deren Ausdruck. Wenn etwas mit meinem Inneren nicht stimmt, dann zeigt sich das auch in meiner Kunst.
Wenn ich nicht harmonisch mit mir selber bin, dann werde ich auch kein harmonisches Bild auf die Reihe bekommen. Es hängt von dem eigenen Zustand ab.
Wie kamst du zum Sprayen?
Ehrlich gesagt, bin ich da reingewachsen. Ich habe mir viele Bilder angeschaut und immer mehr gesketcht. Im Alter von 12 Jahren war das dann mein Leben und mit 15 habe ich angefangen auf der Straße zu sprayen und war dann voll im „Streetlife“. Das alles passierte in einem kleinen Dorf. Darüber hat man sogar eine Doku gedreht. Mit den Graffitis wollte man, im Nachhinein betrachtet, auf der Straße gesehen werden. Ich wollte besser sein als die anderen und dafür auch Anerkennung bekommen. Wenn man in der Nacht gesprayt hat und nicht mal die schwarze von der roten Farbe unterscheiden konnte, und dann am nächsten Tag gesehen hat, dass das Bild geil geworden ist, hat man sich sehr gefreut. Dann bin ich irgendwann nach Potsdam und anschließend nach Berlin umgesiedelt.
Und wie ist es jetzt?
Es gibt eben verschiedene Arten von Graffiti-Szenen: Solche, die miteinander legal sprayen wollen und sich sehr dafür interessieren und dann solche, die Graffitis machen und in illegale Spray-Aktivitäten verwickelt sind. Ich fokussiere mich mittlerweile vor allem auf die Qualität: Geile Styles, geile Farben und geile Bilder halt. Ich probiere viele Techniken aus: Öl, Acryl und mache auch schon seit langer Zeit Bodypainting. Meine neue Kunst ist gerade die Kommunikation mit Menschen. Das bedeutet: Wie spricht man sich ab und wie geht man aufeinander zu, damit am Ende keine stille Post daraus wird?
Gibt es dort ein spezielles Angebot für Jugendliche?
Wir haben Graffiti-Workshops gemacht und ich war auch einige Zeit als Kunstlehrer in Kreuzberg tätig. Kinder sind die Zukunft und wir sollten sie auf einen guten Film bringen. Mit der Botschaft „Glaub an dich“ sollen die Jugendlichen motiviert werden. Sie sollen auf ihr Herz hören können. Wir wollen Kinder mit ins Boot holen und einbinden, aber sie sollen sich auch selbst Gedanken machen. In der Schule hat man so viele Vorgaben, stattdessen bauen die Kinder bei uns selbst etwas auf. Wir machen, was die Kids wollen. Ein Beispiel: Das Kind bekommt ein Geschenk, spielt dann aber mit der Verpackung. Daran sieht man einfach, dass der Spieltrieb bei Kindern sehr groß ist.
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Rechtliche Grundlage
Wichtig zu wissen ist…
Manche Graffitis sind verboten. Doch wie genau ist das Gesetz geregelt? Und was für Strafen drohen den jungen Leuten wirklich für das Sprayen?
Natürlich ist Straftat nicht gleich Straftat. Das variiert von Fall zu Fall. Die härtesten Strafen werden gegen das Besprayen von religiösen Orten, wie Kirchen, Synagogen oder Moscheen, Denkmälern, Gräbern und Friedhöfen, von wichtigen Teilen der Infrastruktur, wie Stoppschilder, sowie von Objekten von historischem, wissenschaftlichem, volkskundlichem oder künstlerischem Wert, ausgesprochen. Dies wird als Sachbeschädigung gewertet und kann mit bis zu 2 Jahren Freiheitsstrafe einhergehen Einfachere Delikte werden mit min. 5 Euro Bußgeld abgehandelt, dies wird aber immer von der besprühten Fläche abhängig gemacht. Sollte man also ein teures Auto besprühen, kann auch die Strafe weitaus höher ausfallen. Überschreitet die Strafe 5000 Euro wird diese wieder als Sachbeschädigung gewertet.
Quellen zur rechtlichen Grundlage
Jusline: https://www.jusline.at/gesetz/stgb/paragraf/126
Ratgeber: https://www.mdr.de/ratgeber/recht/graffiti-strafrecht-gesetze-taeter-strafe-schadenssersatz-ratgeber-100.html#sprung0
Polizei-Ratgeber: https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/jugendkriminalitaet/illegale-graffiti/
Umso wichtiger sind legale Plätze…
Wer mehr über die legalen Plätze in ganz Österreich erfahren möchte, kann sich im untenstehenden Link dazu informieren. https://www.oesterreich-info.at/themen/graffiti.htm
Die Meinungen von den jungen Menschen sowie Experten und Expertinnen aus der Spray-Gemeinschaft sind facettenreich. Einige Jugendliche wollen der Kunst keine Grenze setzen, während andere sich um den Inhalt sorgen und strikt gegen Obszönitäten aller Art sind. Experten und Expertinnen verorten Graffitis mehr im Graubereich, halten sich jedoch an gewisse Regeln, welche sie nicht brechen würden. Darin inbegriffen sind Rassismus, Sexismus, Besprühung von religiösen Orten oder Privatbesitz, sowie einiges mehr.
Was die Medien dazu sagen
Doch was sagen die Medien zum Thema? Wenn man den Begriff „Graffiti“ googelt, erhält man vor allem zwei verschiedene Ergebnisse: Entweder bekommt man vonseiten der Polizei die Aufforderung einen „Vandalen“ zu schnappen. Oder man findet Einträge zu Lösungen, wie junge Leute legal ihrer Kunst Ausdruck verleihen können. Die Lösungen beinhalten meist das Bereitstellen von Graffiti-Wänden, welche legal besprüht werden dürfen. Diese Plätze werden mithilfe von Jugendlichen designt und geplant. Damit sollen Jugendliche ihre „überschüssige Kreativität“ an legalen Plätzen auslassen und sich austoben können. Dieser Vorschlag wurde beispielsweise von der Sprayer*innen-Community und der Stadtverwaltung Wien positiv aufgenommen und zur Umsetzung gebracht. Damit werden Flächen geschaffen, welche den jungen Menschen für deren kreative Gestaltung frei zur Verfügung stehen. Die Wände sind mit einer Taube markiert.
Klar ist, dass die legalen Flächen nicht alle Probleme lösen. Einige Sprayer*innen machen Graffitis für den Adrenalinkick und sehen diese als Ausdruck von Widerstand. Es ist wichtig zu beachten: Allein bei den Wiener Linien entstanden durch Graffitis schon bis zu 2,5 Millionen Euro Schäden. Da die Züge wieder gereinigt werden mussten und dadurch nicht in Betrieb genommen werden konnten, was wiederum zu Verspätungen und Ersatzzügen führte. Im Gegenzug dazu gab es auch gezielte Attacken gegen Kunstwerke, welche legal und öffentlich zur Schau gestellt wurden.
Mehr als nur Underground. Eine Szene etabliert sich.
Das Sprayen beschränkt sich jedoch längst nicht mehr nur auf die Stadt. Projekte wie Würmlas Wände bringen die urbane Kunst nun in den ländlichen Raum. Auch dort werden sie zur Touristenattraktion und die Undergroundkunst wird mit einem wirtschaftlichen Aspekt ergänzt. Mittlerweile werden Graffiti-Künstler*innen damit beauftragt, ihre Bilder zu verwirklichen. Das eröffnet eine komplett neue Marktnische für Künstler*innen und etabliert Graffiti in der Kunstszene. So wurde Banksy zu einem weltberühmten Graffiti-Künstler, dessen Wandkunstwerke sogar aus Wandmauern gestanzt werden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich einige Städte wie Wien sehr darum bemühen, freie Flächen für junge Leute zu schaffen. Jedoch ist da noch „viel Luft nach oben“, denn diese Plätze reichen für die wachsende Community an Graffiti-Sprayer*innen bald nicht mehr aus. Und die Konsequenzen von illegalem Sprayen können erheblich sein.
Von den Generationen eingebrachte Lösungsvorschläge.
- Viele Jugendliche und Erwachsene sind der Ansicht, dass es einfach zu wenige Sprühflächen gibt. Das Problem von illegalem Sprühen wäre teilweise gelöst, sofern genug legale Flächen zur Verfügung stehen würden. Das müssen nicht bloß irgendwelche Hauswände sein. Sondern könnten sogar ganze Gebäude sein, wie leerstehende Büros, welche nicht mehr genutzt werden. An solchen Flächen mangelt es nicht. Die Schwierigkeit liegt vielmehr in der Umsetzung. Einiges wird bereits von jungen Menschen und motivierten Künstler*innen organisiert. So gibt es Graffiti-Workshops und diverse andere Angebote.
- Sprühflächen ermöglichen und gleichzeitig Jugendliche und Künstler*innen involvieren. Wenn solche Flächen für junge Leute und Sprüher*innen geschaffen werden, wissen diese am besten, was sie wollen. Die jungen Menschen in die Planung einzubeziehen ist wichtig, ist wichtig, um die Bedürfnisse jener zu befriedigen. In Wien sind solche legalen Flächen mit einem Symbol, einer Taube, markiert und per Map auffindbar.
analog oder digital kommunizieren?
ein Beitrag von
Susanne Weißl
Die digitalisierte Welt nimmt seit über 30 Jahren einen immer größer werdenden Einfluss auf unsere Kommunikation und unsere Lebensweise. Besonders seit der Corona-Pandemie ist für viele das Wort Digitalisierung nicht mehr wegzudenken, um ihren Lebensalltag meistern zu können. Deshalb wollte ich wissen: Inwiefern hat sich das Kommunikationsverhalten (von jungen Leuten), vor allem durch Corona, verändert? Im privaten Leben wie auch im schulischen Kontext, aber auch zwischen den Generationen. Sind neue Hürden entstanden oder sind Erleichterungen eingetreten?
Die Corona-Pandemie geht mit einer zunehmenden Bedeutung von Digitalisierung einher. Für mich ist klar, dass Digitalisierung, vor allem in Bezug auf Kommunikation, schon lange ein Thema ist. Die Kommunikationsverhalten verändern sich und verlegen sich besonders für viele Jugendliche von persönlichen Gesprächen in das distanzierte und asynchrone Schreiben. Soziale Medien nehmen eine immer bedeutendere Rolle im Bereich der Kommunikation ein. Tools wie WhatsApp, Instagram, Snapchat und TikTok sind für die Mehrheit aller Jugendlichen ein fixer Bestandteil. Und das nicht erst seit der Corona-Pandemie. Doch stimmt das denn wirklich für alle so? Ich hole mir Meinungen der Generationen dazu ein.
Antonia
12 Jahre
Wien
Antonia
12 Jahre
Wien
Inwiefern hat sich deine Kommunikation mit deinen Freund:innen durch Corona verändert?
Ich finde, Corona hat die Kommunikationsbarrieren verringert. Sowohl zu meinen Klassenkameraden/innen, als auch zu den Lehrer/innen. Ich traue mich jetzt mehr, meine Lehrer/innen um Hilfe zu bitten und nachzufragen. Außerdem habe ich mehr Mut bekommen vor der Klasse zu sprechen, weil die Gruppen kleiner sind und ich nur nette Kinder in meiner (Gruppe) habe.
Verwendest du nun andere Kommunikationsmittel als zuvor? (Welche zum Beispiel? Nehmen diese Auswirkungen auf deine Kommunikation?)
An Kommunikationskanälen verwende ich hauptsächlich WhatsApp und Teams. WhatsApp eher für private Zwecke, Teams für die schulische, als auch die private Nutzung. Vor allem die Video-Chat Funktion nutze ich im Moment sehr häufig.
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Sofia
16 Jahre
Wien
Sofia
16 Jahre
Wien
Inwiefern hat sich deine Kommunikation mit deinen Freund:innen durch Corona verändert?
Ich habe einen großen Unterschied zwischen den verschiedenen Lockdowns gemerkt, wenn ich an meine Kommunikation denke. Anfangs wollte ich den Kontakt genauso stark halten, wie als wenn wir in der Schule wären, doch mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ein bisschen Abstand zu anderen Menschen und etwas weniger Kommunikation auch sehr gut tun kann. Kontakte aufrechtzuerhalten bedeutet auch immer viele Verpflichtungen und Zeitaufwand. Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass auch mit weniger Kontakt untereinander, Freundschaften aufrecht erhalten bleiben können. Besteht die Möglichkeit sich zu sehen, fühlt sich die gemeinsame Zeit doppelt so wertvoll an. Außerdem konnte ich zu meinem gleichaltrigen Cousin in Spanien einen Kontakt aufbauen, den es ohne Corona wahrscheinlich niemals gegeben hätte, da wir uns in den Ferien in Spanien gesehen hätten. Da diese Möglichkeit nicht gegeben war, mussten wir unsere Kommunikation digital fortführen, was sich bis heute gehalten hat. Und was ich sehr schön finde!
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Astrid
16 Jahre
Wien
Astrid
16 Jahre
Wien
Inwiefern hat sich deine Kommunikation mit deinen Freund:innen durch Corona verändert?
Der Kontakt zu meinen Verwandten hat sich, genauso wie bei Sofia, durch die Corona-Zeit verstärkt. Ich habe meine Verwandten in Mexiko zwar noch nie besucht, allerdings kommen sie normalerweise zu uns. Letztes Jahr im März sind sie sogar für die Zeit des 1. Lockdowns zu uns gezogen, was den Kontakt noch mehr verstärkt hat.
Dieser Kontakt hat sich dann gehalten. Im Schulkontext hat sich das ähnlich entwickelt. Dadurch, dass wir unsere Lehrer eher weniger fragen konnten, wenn wir etwas nicht verstanden hatten, haben wir uns untereinander noch mehr vernetzt, als früher schon. Hilfestellungen wurden voneinander und füreinander geboten sowie um Hilfe gebeten. Im distance learning habe ich mich leichter getraut meine Freund*innen/Klassenkamerad*innen um Hilfe zu fragen. Auch das hat sich dann bis in die Zeit des physischen Unterrichts gehalten. Ich kann allerdings nicht zu 100% sagen, ob diese Veränderung von Corona kommt, da ich auch älter und reifer geworden bin. Daher kann ich nicht sagen, ob die Auswirkungen mit der vergangenen Zeit oder der Zeit im Distance Learning zusammenhängen.
Verwendest du nun andere Kommunikationsmittel als zuvor? (Welche zum Beispiel? Nehmen diese Auswirkungen auf deine Kommunikation?)
Allgemein haben sich meine Kommunikationsmittel insofern geändert, dass ich schneller zum Video-Chat greife, wenn ich etwas von jemandem brauche. Die Zeit, die ich früher “normal” telefoniert hätte, die nutze ich heute für Videoanrufe. Dadurch habe ich die Möglichkeit, dass ich meine Freund*innen wenigstens sehe.
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Caro
12 Jahre
Wien
Caro
12 Jahre
Wien
Inwiefern hat sich deine Kommunikation mit deinen Freund:innen durch Corona verändert?
Ich habe vor allem gemerkt, dass die Kommunikation zu nahe wohnenden Bekannten/Freunden wieder zugenommen hat. Ehemaligen Klassenkamerad*innen aus der Volksschule, welche ich seit Jahren nicht mehr gesprochen habe, konnte ich mich wieder annähern. Jetzt sind wir gut miteinander befreundet. Zu meinen Freund*innen hat sich die Kommunikation nur in dem Sinne verändert, dass wir uns jetzt weniger treffen und dafür mehr über Video-Chat telefonieren.
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Herr Simonitsch
Lehrer BG Boerhaavegasse
50 Jahre
Wien
Herr Simonitsch
Lehrer BG Boerhaavegasse
50 Jahre
Wien
Hat sich deine Kommunikation durch Corona verändert?
Die Kommunikation zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen ist niederschwelliger geworden. Was die Beziehung zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen oftmals vereinfacht. Durch die Verwendung von MS Teams, von der ganzen Lehrer- und Schülerschaft, hat sich die Kommunikation sowohl unter Kolleg*innen als auch mit den Schüler*innen sehr vereinfacht. Für mich als Lehrer hat die Einführung von Teams als Kommunikationsmittel, viele Vorteile mit sich gebracht, weil es den Austausch leichter und schneller gemacht hat. Die verschiedenen Gruppen haben einfach mehr Verständnis füreinander, weil auf beiden Seiten z.B. im digitalen Bereich, Probleme, die nicht beeinflusst werden können, auftreten.
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Hannes Lewinski
69 Jahre
Wien
Hannes Lewinski
69 Jahre
Wien
Hat sich deine Kommunikation durch Corona verändert?
Ich habe schon vor Corona die sozialen Kanäle, Facebook und E‑Mail benutzt. Diese verwende ich auch weiterhin. Neue Kanäle, wie zB. WhatsApp nutze ich allerdings nicht. Auch in der Kommunikation zwischen den verschiedenen Generationen merke ich keinen großen Unterschied, da ich die Medien verwende, die ich davor schon genutzt habe, und alle anderen Menschen auch. Auf meine Kommunikation hatte Corona eher wenig Einfluss. Ich bin auch der Meinung, dass die Kommunikation zwischen den Generationen generell nicht vorhanden ist, weil für Viele die Zeit fehlt. Durch die Digitalisierung ist alles stressiger geworden.
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Johanna Weißl
82 Jahre
Wien
Johanna Weißl
82 Jahre
Wien
Inwiefern hat sich deine Kommunikation mit deinen Freund:innen durch Corona verändert?
Für mich hatte Corona auf mein Kommunikationsverhalten sogar eine positive Auswirkung. Durch die erzwungene Ausgangsbeschränkung habe ich beschlossen, das ganze Jahr in unserem Nebenwohnsitz in Klosterneuburg zu verbringen (Niederösterreich). Dort habe ich einen Garten und dadurch auch mehr Freiraum. Meine direkten Nachbarn sind ebenfalls in ihren Häusern in Klosterneuburg geblieben, wodurch sich mehr Kontakt zu diesen aufgrund vieler „über den Zaun- Gespräche” ergeben hat. Eine nette Abwechslung zum Alltag. Denn in Wien wäre ich ansonsten nur alleine gewesen.
Verwendest du nun andere Kommunikationsmittel als zuvor? (Welche zum Beispiel? Nehmen diese Auswirkungen auf deine Kommunikation?)
Durch einen Zufall habe ich in der Corona-Zeit WhatsApp bekommen. Viel Unterschied macht es in meinem Leben nicht, da ich nur mit meiner Familie dieses Tool nutze. Allerdings möchte ich es trotzdem nicht mehr missen, da es sehr wohl die Kommunikation vereinfacht. Allerdings würde ich die Video-Chat Funktion niemals nutzen. Sie ersetzt für mich keine „echte“ Kommunikation und bietet auch keinen Mehrwert. Entweder ich treffe mich mit Menschen persönlich oder ich telefoniere mit ihnen. Video-Chat ist irgendwie so „halb- halb“. Das mag ich nicht. Mein allgemeines Kommunikationsverhalten hat sich in der Corona-Zeit sehr wohl verändert: Nicht nur aufgrund der Nutzung von WhatsApp, sondern auch durch die Tatsache, dass ich mit meinen Nachbarn in einem viel stärkeren Austausch war und auch durch die regelmäßigen Treffen mit meinen Kindern/Enkelkindern. Diese versorgten mich wöchentlich mit Einkäufen und verbrachten gelegentlich auch mal einen Tag bei mir auf dem Land.
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Bei den meisten Interviewpartner*innen verändert sich ihr Kommunikationsverhalten während der Pandemie. Dies gilt jedoch nicht für die Kommunikation zwischen den Generationen, trotz verstärkter Digitalisierung. Die jungen Leute räumen beispielsweise dem Videotelefonieren einen größeren Stellenwert ein: Eine gute Möglichkeit mit seinen Freund*innen und Familie in Kontakt zu bleiben und sich zu sehen; wenn auch nur über den Bildschirm. Im schulischen Kontext wird die Kommunikation zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen als niederschwelliger empfunden: Die Einführung digitaler Plattformen wie etwa MS Teams erleichtert die Kommunikation und die jungen Leute trauen sich mehr zu fragen. Sowohl zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen, als auch in Bezug auf das Sprechen in und vor der Klasse. Ein Vorteil: Die Gruppen vor Ort waren kleiner und alle hatten Verständnis füreinander. Alle wussten, dass gewisse technische Probleme nicht beeinflusst werden können. Ebenfalls hat sich die Vernetzung unter den jungen Leuten verbessert. Der Austausch findet schneller und einfacher statt.
Ein bemerkenswerter Aspekt: Die Corona-Pandemie führt für einige dazu, dass sie (wieder) stärker Kontakt zu ihrem unmittelbaren Umfeld pflegen. Analoge Gespräche zu den Nachbar*innen haben sich intensiviert und Freundschaften sind entstanden. Gleichzeitig ergeben sich Beziehungen, zu ehemaligen Freund*innen oder zu Verwandten, die weit entfernt leben, welche zuvor undenkbar gewesen wären. Gut zu wissen ist: Der Kontakt zu den Freund*innen ist nicht abgebrochen. Freundschaften bleiben auch dann bestehen, wenn man sich nicht so oft sieht.
Perspektive gewinnen, was wissen wir?
Im Mai konnte ich mein Wissen im Bereich Kommunikation und Digitalisierung durch das Expert*inneninterview mit Marlena Koppendorfer vertiefen. Sie hat einen bunten Werdegang und unter anderem auch eine sehr umfangreiche Ausbildung im Bereich der Sprachwissenschaften. Mittlerweile ist Frau Koppendorfer zu ihrem Herzensthema zurückgekehrt: Der psychologischen Beratung und Psychotherapie. Sie arbeitete viele Jahre bei “147 Rat auf Draht” als psychologische Beraterin. Ebenfalls gibt sie bis heute Workshops zum Thema Safer Internet. Seit einigen Monaten ist sie im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulatorium in Wien Floridsdorf tätig sowie für den Verein Courage, für den sie im Bereich LGBTQ-Beratung aktiv ist.
Expertinneninterview mit Marlena Koppendorfer
Marlena Koppendorfer
Wien
Marlena Koppendorfer
Wien
Susanne: Vielen lieben Dank, dass Sie sich heute für das Interview Zeit genommen haben. Mein Blogbeitrag bearbeitet das Thema „Kommunikation und Digitalisierung“, vor allem in Zeiten von Covid-19. Nun würde mich interessieren, ob Sie Erfahrungen damit gemacht, dass sich der Wortschatz oder die Ausdrucksweise von den Kindern und Jugendlichen durch die Nutzung von digitalen Medien verändert.
M.K.: Sprache ist immer prozesshaft, sie befindet sich stets im Wandel. Sie wird beeinflusst durch die jeweilige Kultur, durch das Stadt- oder Landleben aber auch durch unsere Bezugspersonen sowie unseren Freundeskreis. Sprache verändert sich durch diese Komponenten ständig. Auch die Jugendsprache befindet sich aufgrund unterschiedlicher Einflüsse ständig im Wandel. Natürlich wirkt sich die Nutzung der Medien ebenfalls auf die Sprache aus. Ein Beispiel: Vermehrt werden englischsprachige Worte verwendet. Wenn ich nachfrage: Woher hast du das Wort? Kommt ganz oft: Aus Tik Tok-Videos (die sehr oft englischsprachig sind). Genauso sind auf Instagram viele Stories, Youtube-Videos oder Let‘s play-Anleitungen zum Gaming auf englisch. Sollte das der Fall sein, dann entsteht ganz oft ein “Misch-Slang” zwischen englischen, deutschen, deutsch-österreichischen Wörtern und ganz spezifischen Ausdrücken von bestimmten Szenen. Das ist spürbar.
Susanne: Weil wir gerade von Sozialen Medien und den digitalen Medien sprechen: Social Media beinhaltet ja, dass die Kommunikation nur eingeschränkt auf der nonverbalen Kommunikationsebene stattfinden kann. Denken Sie, dass sich die Fähigkeiten im Bereich “nonverbaler oder paraverbaler Kommunikation” von jungen Menschen verändert oder verschlechtert hat?
M.K.: Das ist eine sehr gute Frage, die mich schon oft zum Nachdenken gebracht hat. Ich befürchte, dass ich diese Frage nicht ganz konkret beantworten kann. Ein Wunsch von mir ist, dass wir neben der digitalen Kommunikation auch noch andere „Bühnen der Kommunikation“ haben. Unabhängig ob in der Schule, im Kindergarten, im Freundeskreis oder aber auch in der Familie. Das heißt, dass ein soziales Lernen von Mimik, Gestik und Ausdruck noch möglich ist. Denn in digitalen Medien kann die Ausdrucksweise schnell zur Verwirrung führen. Das bedeutet: Ich kann nicht immer deuten, wie mein Gegenüber das Geschriebene meint. Sprachnachrichten können jedoch unterstützend wirken: Denn die Tonlage erlaubt es, dass ein bisschen mehr herausgehört werden kann. Genauso wie Emojis: Wir alle denken, dass wir wissen, wann und für was wir sie verwenden. Aber wie diese bei einer anderen Person ankommen, ist möglicherweise nicht immer so, wie wir uns das wünschen.
Das gleiche gilt für die Bilderwelten, die eine immer größere Rolle spielen. Teilweise werden sehr unrealistische Bilder vermitteln: Wir alle versuchen im Digitalen nur unsere besten Seiten zu präsentieren. Deshalb sollte berücksichtigt werden: Diese Bilder entsprechen nicht immer dem, wie wir uns im Alltag begegnen.
Ein ernstzunehmendes Thema: „Hass im Netz“, vor allem im Bereich Mobbing. Tritt der Fall ein, dass wir kein sichtbares Gegenüber haben, trauen wir uns mehr. Das kann auch etwas Schönes sein, aber gerade, wenn es um Hass im Netz geht, auch sehr verletzend sein. Das bedeutet: Käme es dazu, dass wir so gut wie nur noch digital kommunizieren, gehe ich davon aus, dass wir uns mit der Zeit neue Fähigkeiten antrainieren würden. Momentan ist es eine gemischte Form. Oftmals ist der wichtigste Griff jener zum Telefon oder zum Videochat. Dadurch kann man sich teilweise sehen und es entstehen mehr Möglichkeiten sich gegenseitig einzuordnen.
Susanne: Glauben Sie, dass es schulische Auswirkungen haben kann, wenn Menschen schon jung sehr viel schreiben? Bzw. es sich negativ auf den Wortschatz und die Art der Kommunikation auswirken kann, wenn man viel über digitale Medien miteinander schreibt?
M.K.: Vermutlich gilt auch hier die Möglichkeit zu beidem. Die meisten haben Autokorrektur auf dem Handy. Diese setzt zwar keine Beistriche für uns, aber manchmal wird angezeigt, wie Wörter richtig geschrieben werden. Das heißt: Wir haben dadurch die Möglichkeit, uns ein bisschen selbst zu korrigieren. Dadurch geschieht eines allerdings weniger: Dass wir den Korrekturmodus in uns selbst haben! Was ich damit meine? Dass wir teilweise weniger selbstkritisch sind und unsere Fehler erkennen können. Eine Hypothese wäre deshalb: Die verstärkte Nutzung von digitalen Medien könnte dazu verführen, dass Menschen weniger sorgfältig mit ihrer Sprache umgehen. Das ist am Mix von verschiedenen Sprachen, Dialekten, einer Alltagssprache und einer schriftlichen Sprache erkennbar. Denn auch die gesprochene Sprache unterscheidet sich von der schriftlichen Sprache. Denn die Textform, die wir in der Schule kennenlernen und vor allem für unser späteres Leben sehr wichtig sein kann, ist möglicherweise eine andere, eine förmlichere Sprache als im Alltag. Zweifelsohne kann die gesprochene Sprache jedoch eine gute Option sein, in Kontakt zu kommen. Aber es ist wichtig sich im Konkreten anzuschauen, wie Sprache funktioniert: Eine Sprache, die wir in der Schule und/oder im Berufsleben brauchen, um beispielsweise ein eigenes Buch oder einen eigenen Text zu schreiben, funktioniert anders als die Alltagssprache. Ich denke, dass beides möglich ist. Generell ist es wichtig, egal in welchem Medium wir uns bewegen, dass wir bewusst mit der Sprache umgehen. Hierbei nimmt die Schule sicherlich eine bedeutende Rolle ein.
Eine weitere Entwicklung, die bedeutsam ist: Viele Kinder und Jugendliche sind nicht mehr so stark in der Handschrift verortet. Es gibt eine Hypothese, die besagt, dass irgendwann die handschriftliche Schreibweise aussterben wird, weil wir über die Tastatur und über die Sprachnachrichten so viele unterschiedliche Optionen des “in den Kontakt Tretens” haben. Der Handschrift wird dann keine so große Bedeutung mehr beigemessen. Das könnte eine mögliche Veränderung sein.
Gleichzeitig gibt es eine Gegenbewegung von Menschen, die gerne lesen, sich hinsetzen, schreiben und sich in die Materie vertiefen. Damit möchte ich sagen: Es gibt keinen generellen Trend, aber natürlich gibt es Punkte, auf die man selbst achten kann.
In Bezug auf die verschiedenen Kommunikationsformen möchte ich noch etwas einbringen: Ich hoffe folgendes Gefühl kommt nicht auf: Dass wir diese unterschiedlichen Textformen beherrschen müssen. Vielmehr würde ich mir wünschen, dass alle Menschen, ob jung oder alt, die Fragen „Wo befinden wir uns?“ sowie „Mit wem möchte ich in Kontakt treten?“ und „Wie und in welcher Form?“ in ihre Gedanken miteinbeziehen. Denn der Mensch verhält sich immer kontextbezogen. Ein Beispiel: Ich werde in diesem Interview auf eine andere Art kommunizieren, als wenn ich mich mit einer Freundin am Telefon unterhalte. Umso besser ich meine Kommunikation auf eine Person, auf eine Situation sowie auf den Kontext zuschneide, desto höher sind meine Chancen, dass ich mit anderen Menschen gut in Kontakt treten kann und auch verstanden werde. Und das ist meiner Meinung nach durchaus ein anzustrebendes Ziel.
Susanne: Sie haben kurz das Thema Cyber-Mobbing angesprochen: Denken Sie, dass das physische Mobbing aufgrund dessen abgenommen und sich ausgeglichen hat oder hat sich Mobbing generell einfach nur verstärkt?
M.K.: Cyber-Mobbing stellt eine neue Form von Mobbing dar. Das Mobbing im Miteinander wird dadurch leider nicht weniger. Wir nehmen in der Beratung und in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wahr, dass Cyber-Mobbing seinen Ursprung nicht selten im Klassenraum oder im Freundeskreis hat. Das bedeutet: Mobbing setzt sich online oder übers Handy einfach fort. Sprich über Textnachrichten, über Sprachnachrichten oder über Gruppen.
Die digitale Welt bietet noch mehr Optionen mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Es können Likes verschickt, Freundschaftsanfragen versendet und miteinander in den Austausch getreten werden. Bedauerlicherweise ist es nicht immer so, dass alle dabei etwas Gutes im Sinn haben. Es kann passieren, dass auch die nicht so guten Erfahrungen weitergegeben werden. Und in Anbetracht dessen ist Cyber-Mobbing etwas Neues: Menschen, die sich noch nie gesehen haben, treten in einer gewalttätigeren Form in Kontakt. Das hat es zuvor so nicht gegeben.
Susanne: Ich würde gerne auf die Lösungsansätze eingehen: Die momentane Zeit ist eine physisch sehr distanzierte. Das ist Fakt. Wie kann Kommunikation zwischen den Generationen – besonders auch zwischen den jungen Leuten – dennoch gut funktionieren? Haben Sie Tipps, wie diese am besten funktionieren kann?
M.K.: Alternativen wären: Online-Treffen ausmachen, um miteinander Spiele zu spielen und sich dabei zu sehen. Genauso wie Video zu telefonieren, um ins Gespräch zu kommen, um sich auszutauschen, aber auch um gemeinsam Serien zu schauen oder um miteinander Sport zu betreiben. Das kann mit einer App aufeinander abgestimmt werden. Das Gleiche gilt für Verwandte und andere Bezugspersonen: Konkrete Treffen einplanen und besprechen: Was können wir miteinander tun? Ein Vorschlag wäre: An einem Tag plant Person 1, wie die Zeit gestaltet wird und am nächsten Tag Person 2. Hierbei ist es gut zu wissen: Es ist okay, sich auf einen Vorschlag einzulassen, vor allem wenn dieser der anderen Person am Herzen liegt, auch wenn ich die Aktivität selbst nicht so gerne mache. Das heißt: Bis zu einem gewissen Grad mit der Situation zu experimentieren.
Es ist ebenfalls wichtig bei den vielen Versuchen in Kontakt zu treten, nicht zu vergessen, sich Zeit freizuhalten, in der man sich selbst begegnet. Damit ist gemeint: Zeit runterzukommen, Musik zu hören oder in die Natur zu gehen, um die Gedanken schweifen zu lassen und sich wieder im Raum orientieren zu können. Eine Frage: Kennst du das Gefühl, wenn du den ganzen Tag vor dem Bildschirm oder vor dem Handy sitzt, und irgendwann die Situation eintritt, dass deine Augen nicht mehr in die Ferne fokussieren können? Oder man auf einmal spürt, dass man den Raum anders wahrnimmt?
Damit möchte ich sagen: Nicht nur schnell bewegte und bunte Bilder in Gruppenchats oder im Gaming zu erleben, sondern auch durchzuatmen und den Blick schweifen zu lassen. Bewusst aus der Situation herauszugehen und sich selbst erleben.
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Lösungsansätze entwickeln und sichtbar machen.
Was können wir selbst tun?
Die Kommunikation von jungen Leuten verlagert sich immer mehr in den digitalen Raum, durch Corona wurde dieses Phänomen noch verstärkt. Aus den Gesprächen mit den unterschiedlichen Generationen haben sich Lösungsvorschläge, wie Kommunikation trotz zunehmender Digitalisierung gut funktionieren kann, ergeben. Auch was bei konkreten Problemen, die in der virtuellen Welt entstehen, hilfreich sein könnte.
Wie können digitale Medien unterstützend auf die Kommunikation wirken?
- in der einfachen Vernetzung: junge Leute können sich stärker vernetzen
- aufgrund der größeren Anonymität traut man sich mehr zu fragen
- bei Problemen, kann schnell Hilfe aufgesucht werden
- digitale Plattformen könnten die Kommunikation (zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen) leichter machen
- auf Corona bezogen: In einer distanzierten Zeit hilft es per Video-Chat miteinander zu kommunizieren, die anderen (jungen) Leute werden dadurch greifbarer
Was kann förderlich sein für eine gute Balance zwischen digital und analog?
- Zeiteinteilung – Reflexion: Wie lange bin ich am Tag digital unterwegs? Was macht es mit mir?
- Sich bestimmte Hobbies suchen, die immer analog bleiben
- Zeit für sich selber nehmen, wo man sich selbst begegnet. Musik hören, Sport treiben, in die Natur gehen etc.
- Ansprechpersonen haben, die nicht nur in der digitalen Welt sind. Um Mimik und Gestik gut erlernen zu können. Geschriebenes kann nicht immer richtig gedeutet werden.
Wie kann Kommunikation generell gut funktionieren?
- Es ist wichtig offen und ehrlich zu sein und zu versuchen, seine Bedürfnisse klar zu kommunizieren, ohne dabei verletzend zu sein.
- Reflexion der unterschiedlichen sprachlichen Ebenen — gesprochene und geschriebene Sprache machen einen Unterschied. An den Kontext, Situation und den/die Adressat:in die eigene Kommunikation anpassen.
- Zwischen den Generationen: Treffen ohne digitale Medien einplanen und miteinander persönlich Zeit verbringen. Auf die gegenseitigen Wünsche eingehen.
Was kann man gegen Cybermobbing tun?
- Austausch mit anderen Betroffen (dies sollte jedoch jedenfalls professionell begleitet werden)
- Beratungsstellen, wie etwa “Hass im Netz” oder “147 Rat auf Draht” aufsuchen und sich darüber informieren, was dagegen getan werden kann
- Einschreiten und den “Mund aufmachen”, wenn beobachtet wird, dass ein Mensch gemobbt wird
- Passiert (Cyber-)Mobbing in der Schule kann die Schulsozialarbeit oder der Klassenvorstand als Unterstützung angesprochen werden
Wie können (junge) Menschen mit unrealistischen Bildern aus dem Internet umgehen? (-> bearbeitet)
- Wissensvermittlung, dass es nur idealisierte Bilder sind, keine realen (möglicherweise das “Bild markieren”, wie es in Frankreich schon der Fall ist)
- Sich auch Influencer suchen, die reale Bilder posten, nicht nur die idealistischen — gibt es dafür Beispiele?
Ist unsere Schule im 21. Jahrhundert angekommen?
Ein Beitrag der 4C , AHS
Bildungszentrum Kenyongasse
Mater Salvatoris
Viele Schüler:innen sind anderer Meinung und haben das Gefühl, dass sie nicht zeitgemäß auf ihr Leben nach der Schule vorbereitet werden. Wie macht man eine Steuererklärung? Wie funktionieren Aktien oder wie sieht ein guter Mietvertrag aus? Solche Fragen kann wohl kaum ein:e Schüler:in beantworten. Aber dafür können sie berechnen, wie lange es dauert, bis ein Stein aus einer bestimmten Höhe am Boden auftrifft. Oder sie lernen darüber, wie Römer Wahlwerbung gemacht haben. Das Problem ist: Selbst wenn sie wissen, wie damals Werbung gemacht wurde, kennen sie sich nicht gut genug mit politischen Prozessen aus, um eine gute Wahlentscheidung treffen zu können. Oftmals fehlt den jungen Leuten die lebensnahe Bildung und vielen kommt es so vor, als ob ihre Interessen und Stärken im Unterricht nicht ausreichend gefördert werden können. Dies sind nur zwei Gründe, warum eine Veränderung stattfinden sollte, damit die Schule von morgen allen die bestmögliche Bildung bietet. Wir holen uns Ansichten von Schüler:innen und Pädagog:innen über das Schulsystem ein, um mehr Einblick in das Thema zu bekommen.
Sichtweisen der Generationen.
Luka
14 Jahre
Luka
14 Jahre
Fühlst du dich durch die Schule ausreichend auf dein weiteres Leben vorbereitet? Begründe deine Antwort.
Nicht wirklich, da es keine Fächer gibt, welche speziell darauf vorbereiten. Das Einzige, was einen etwas darauf vorbereitet hat, war eigentlich die Zeit während des Lockdowns, da man viel mit dem Computer arbeiten musste.
Was sollte deiner Meinung nach verändert beziehungsweise verbessert werden?
Ich finde, dass es eben ein oder mehrere Fächer geben sollte, welche auf das spätere Leben vorbereiten und dass einige Nebenfächer Wahlpflichtfächer sein sollten, damit man das lernt, was einem Spaß macht und einen interessiert.
Was braucht es, dass die individuellen Stärken und Interessen im Unterricht besser gefördert werden können?
Die Lehrer:innen könnten am Anfang des Schuljahres Themen für den Unterricht vorschlagen und die Schülerinnen und Schüler stimmen dann ab und die Themen mit den meisten Stimmen werden dann bevorzugt
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Valentina
14 Jahre
Valentina
14 Jahre
Fühlst du dich durch die Schule ausreichend auf dein weiteres Leben vorbereitet? Begründe deine Antwort.
Nein, da das Berufsleben meiner Meinung nach anders abläuft und der Tagesablauf auch nicht so geregelt ist wie in der Schule. Auch können sich viele Schülerinnen und Schüler nach einer gewissen Zeit nicht mehr an den gelernten Stoff erinnern und lernten diesen nur für einen gewissen Zeitpunkt und nicht für ihr Leben lang. Auch ist es so, dass sich das jetzige Schulsystem bis zur Matura an Noten orientiert, jedoch ist dies nicht dieselbe Beurteilung, die man nach dem Schulabschluss erhalten wird. Dies ist eine sehr große Umstellung für viele Menschen. Eines der größten Probleme ist meiner Meinung nach, dass fast alle Schüler:innen eine Vorstellung haben, wie ihr Leben nach der Absolvierung der Schule sein könnte, nur glaube ich, dass diese meistens komplett anders ist, da man fast keine Vorstellungen von diesem „realen“ Leben hat.
Was sollte deiner Meinung nach verändert beziehungsweise verbessert werden?
Meiner Meinung nach sollten mehrere Wahlpflichtfächer dazu kommen, die den Schülern z.B. Kenntnisse in Rechtswissenschaften, Politik und Wirtschaft liefern. Auch sollte man den Schüler:innen die Möglichkeit geben, gewisse Fächer, die sie als nicht mehr notwendig empfinden, abzuwählen, um dafür mehr Zeit zum Lernen der gewählten Fächer zu haben. Auch wäre es sinnvoller die Schüler:innen auf das Berufsleben vorzubereiten, indem sie die Möglichkeit erhalten, Unternehmen in Form eines Praktikums kennenzulernen.
Was braucht es, dass die individuellen Stärken und Interessen im Unterricht besser gefördert werden können?
Es ist schwierig für viele Schüler:innen, die sehr verschiedene Stärken und Interessen haben, ein neues Fach einzuführen, da man wahrscheinlich nicht alle Interessen abdecken kann. Deshalb wäre es meiner Meinung nach besser, wenn man mehr unverbindliche Übungen oder Wahlpflichtfächer anbietet. Wenn dies jedoch nicht möglich ist, sollten die Lehrpersonen weiterhin versuchen, die Interessen der meisten Schüler:innen in den Unterricht einzubinden, in dem sie das Erarbeiten in Workshops fördern.
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Niki
14 Jahre
Niki
14 Jahre
Fühlst du dich durch die Schule ausreichend auf dein weiteres Leben vorbereitet? Begründe deine Antwort.
Ich denke, dass ich diese Frage mit Nein beantworten kann. Bis zu einem gewissen Alter wird nämlich allen Schülerinnen und Schülern derselbe Lehrstoff beigebracht, bevor sie die Möglichkeit haben, einen anderen Schulzweig oder Wahlpflichtfächer zu wählen. Dadurch werden die individuellen Interessen und Stärken der einzelnen Schüler nicht ausreichend gefördert. Außerdem sind einige grundlegende Fähigkeiten, wie zum Beispiel, worauf man bei einem Mietvertrag achten sollte, gar nicht im Lehrplan vorhanden.
Was sollte deiner Meinung nach verändert beziehungsweise verbessert werden?
Ich würde Schüler:innen schon früher die Möglichkeit geben, einzelne Fächer frei zu wählen oder auch Schulfächer abzuwählen, um möglichst gut die persönlichen Stärken der Schüler:innen zu fördern. Außerdem würde ich Schularbeiten in den Hauptfächern durch schriftliche Wiederholungen ersetzen, damit Schüler:innen über das ganze Jahr hinweg den Lehrstoff mehrere Male wiederholen.
Was braucht es, dass die individuellen Stärken und Interessen im Unterricht besser gefördert werden können?
Ich glaube, dafür braucht man kleinere Lerngruppen oder mehrere Lehrkräfte in einem Klassenraum. Somit können sich die Lehrpersonen verstärkt um einzelne Schüler:innen und deren Stärken und Schwächen kümmern. Außerdem sollte es mehr freie Projektarbeiten in allen Fächern geben.
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Susanne
14 Jahre
Susanne
14 Jahre
Fühlst du dich durch die Schule ausreichend auf dein weiteres Leben vorbereitet? Begründe deine Antwort.
Nein, nicht wirklich. Generell lernen wir in sehr vielen Fächern Lernstoff, welchen wir in unserem späteren Leben nicht unbedingt benötigen werden. Vielleicht zur Matura, aber nicht später in unserem Berufsleben.
Was sollte deiner Meinung nach verändert beziehungsweise verbessert werden?
In unserem Alter weiß man, denke ich, schon ungefähr wofür man sich interessiert bzw. was man später werden möchte. Deshalb gibt es Fächer die, wie ich finde, sehr überflüssig sind. Es wäre besser, wenn nicht alle Fächer, die zurzeit Pflichtfächer sind, solche bleiben, sondern es sollten mehr Wahlpflichtfächer eingeführt werden.
Denn alle Fächer auszutauschen, wäre ein wenig zu kompliziert und so könnte man sein Wissen auf einem bestimmten Gebiet erweitern und vertiefen, ohne dass ein Fach zu kurz kommt.
Was braucht es, dass die individuellen Stärken und Interessen im Unterricht besser gefördert werden können?
Wie schon davor erwähnt, denke ich, dass Wahlpflichtfächer helfen würden, oder dass wir in gewissen Fächern mehr Themen besprechen, die wir später mal brauchen werden wie. Ein Beispiel: In Geschichte könnte dann vielleicht mehr über Politik gesprochen werden, damit wir mit 16 Jahren reif genug sind und ein breites Wissen haben, um reflektierter wählen zu können.
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Oliver Schnitzer
Lehrer für Geographie und Geschichte
Leiter des Debattierclubs
Oliver Schnitzer
Lehrer für Geographie und Geschichte
Leiter des Debattierclubs
Wie gut können Sie im Unterricht die Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Schüler:innen fördern?
Es hängt von den Schüler:innen ab, doch ein guter Weg ist immer, sehr viele verschiedene Themen zu bearbeiten und eine gewisse Methodenvielfalt zu haben.
Wie können Ihrer Meinung nach, die Stärken der Kinder und Jugendlichen besser gefördert werden?
Meiner Meinung nach müssten dafür einige Veränderungen im Schulsystem vorgenommen werden, wie zum Beispiel eine Verlängerung der Schulstunden, um mehr Projekte möglich zu machen, mehr Freiräume bei den Lehrplänen und mehr Freiheiten für SchülerInnen.
Wie soll sich Schule verändern, damit die Schüler:innen eher das Gefühl haben, auf Herausforderungen in der Zukunft vorbereitet zu sein?
Man sollte damit anfangen, Schüler:innen, aber auch Expert:innen zu befragen. Außerdem sollte in den Schulen die Digitalisierung gefördert werden, da sie in Zukunft eine große Rolle spielen wird.
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Nicole Hofer
Lehrerin für Spanisch und Geographie
Nicole Hofer
Lehrerin für Spanisch und Geographie
Wie gut können Sie im Unterricht die Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Schüler:innen fördern?
Dadurch, dass ich Geografie unterrichte, kann ich viele Themen, wie zum Beispiel Umweltschutz, Menschenrechte und Ausbeutung des Bodens, mit den Schüler:innen bearbeiten, die bei diesen auch auf Interesse stoßen. Meiner Meinung nach ist die wichtigste Fähigkeit, dass Dinge hinterfragt werden und nicht alles so hingenommen wird, wie es vorgebetet wird.
Wie können Ihrer Meinung nach, die Stärken der Kinder und Jugendlichen besser gefördert werden?
Es wäre toll, wenn man öfter Projekte mit den Schüler:innen machen würde und öfter Expert:innen von außen mit den Jugendlichen arbeiten lässt.
Wie soll sich Schule verändern, damit die Schüler:innen eher das Gefühl haben, auf Herausforderungen in der Zukunft vorbereitet zu sein?
Da ich den Vergleich zu Kindern und Jugendlichen habe, die nicht so viel Schulbildung bekommen, finde ich, dass an unserer Schule diese sehr gut auf ihr späteres Leben vorbereitet werden.
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Christina Brandstätter
Lehrerin für Englisch und Spanisch
Christina Brandstätter
Lehrerin für Englisch und Spanisch
Wie gut können Sie im Unterricht die Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Schüler:innen fördern?
In der Oberstufe gelingt es mir meistens besser als in der Unterstufe, da man als Lehrerin sehr an den Lehrplan gebunden ist. In der Oberstufe können die Schülerinnen und Schüler selber Wahlpflichtfächer wählen und daher selbst entscheiden, welche Themen bearbeitet werden. Als Englisch- und Spanisch-Lehrerin versuche ich außerdem meine SchülerInnen dazu zu motivieren, eine unverbindliche Übung zu besuchen, wenn ich merke, dass sie sprachlich besonders begabt sind.
Wie können Ihrer Meinung nach, die Stärken der Kinder und Jugendlichen besser gefördert werden?
Der erste Schritt wäre auf alle Fälle kleinere Schülergruppen und kleinere Klassen in allen Fächern und, wenn möglich, auch Teamteaching.
Wie soll sich Schule verändern, damit die Schüler:innen eher das Gefühl haben, auf Herausforderungen in der Zukunft vorbereitet zu sein?
Dies würde ich geteilt sehen. Zuerst würde ich vorschlagen, dass Lehrerinnen und Lehrer wieder weniger administrative Tätigkeiten ausüben sollen, um mehr Zeit für den Unterricht und die Vorbereitung zu haben. Außerdem sollten sie natürlich auch mehr Freiheit in der Gestaltung des Unterrichtes haben. Sicherlich sind auch die kleineren Schülergruppen förderlich, welche ich schon eingangs erwähnt habe. Für die Schüler:innen sollte es mehr Wahlmöglichkeiten in den Fächergruppen selbst und in der Oberstufe ein separates Fach geben, indem man Alltagskompetenzen, wie zum Beispiel das Abschließen eines Vertrages oder das korrekte Ausfüllen einer Steuererklärung erlernt.
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Aus den Antworten der Schüler:innen geht klar der Wunsch nach mehr Wahlmöglichkeiten hervor. Sie möchten sich aktiv für Fächer entscheiden dürfen, die sie interessieren. Sie hinterfragen auch Wissensinhalte, die sie lernen müssen, weil ihnen nicht klar ist, wofür ihnen dieses Wissen dienlich ist. Eine weitere Forderung ist eine bessere Vorbereitung auf ihr Leben nach der Schule beziehungsweise auf berufliche Herausforderungen. Aus Sicht der Pädagog:innen kann auf die Interessen der Schüler:innen gut eingegangen werden, sofern verschiedene Themen bearbeitet werden und die Unterrichtsgestaltung abwechslungsreich ist. Es sollte in diesem Sinne auch mehr Projektarbeiten geben und an die Schule sollten regelmäßig Expertinnen und Experten kommen, die mit den Schüler:innen arbeiten. Das Fördern von Stärken ist auch dann besser möglich, wenn die Gruppen kleiner sind. „Schule von morgen“ muss auf den Umgang mit digitalen Endgeräten vorbereiten.
Perspektive gewinnen, was wissen wir?
Generell ist das österreichische Schulsystem folgendermaßen aufgebaut: In den ersten Jahren wird man im besten Fall von den Eltern und im Kindergarten gefördert und gebildet. Individuelle Bildungswege können sich unterschiedlich gestalten: Man tritt – meistens im Alter von sechs Jahren – in den Schulalltag ein. Im Normalfall besucht man dann vier Jahre lang die Volksschule. Danach hat man die Möglichkeit, eine Mittelschule (MS) oder eine Allgemeinbildende Höhere Schule (AHS) zu besuchen. Dort kann man sich in der dritten Klasse für einen der vielen weiterführenden Schulzweige entscheiden. Nach Abschluss der Unterstufe hat man nun mehrere Möglichkeiten:
- einjährige polytechnische Schule ➔ Nach diesem Schuljahr kann man zum Beispiel eine Lehre machen,
- Berufsbildende Mittlere Schule ➔ Vorbereitung auf das Berufsleben
- Berufsbildende Höhere Schule ➔ Vorbereitung auf das Berufsleben und Matura
- Allgemeinbildende Höhere Schule und Matura
Wie schon erwähnt finden wir, dass Schülerinnen und Schüler auf ihrem Bildungsweg viel zu wenige Freiheiten haben, sich persönlich auf das spätere Berufsleben vorzubereiten.
Lösungsvorschläge der 4C
Die Schüler:innen der 4c haben konkrete Ideen und Wünsche, wie das österreichische Schulsystem verbessert werden könnte:
- Besonders wünschen sie sich, dass im Unterricht mehr Themen, wie etwa Aktien, Steuern und Politik, behandelt werden. Dadurch würden sie sich besser auf ihr späteres Leben nach der Schule vorbereitet fühlen. Ein Leben, das auf Selbstständigkeit und Verantwortungsübernahme beruht.
- Vielen fehlt die Auseinandersetzung mit politischen Themen, sie möchten in der Schule mehr politische Bildung erfahren, damit sie Wahlentscheidungen treffen können, die auf gut informierten Grundlagen basieren.
- Um Themen besser nachvollziehen zu können, hilft auch ein stärkerer praktischer Bezug. Sie sollen „greifbarer“ werden.
Ein großer Wunsch: Fächer einführen, die die jungen Leute auf die Zukunft vorbereiten, ihre Fähigkeiten mehr in den Fokus nehmen und Raum dafür geben, Themen langfristig zu lernen und zu verstehen. - Um sich besser konzentrieren zu können, wäre es hilfreich, wenn die Pausenzeiten besser auf den Tag verteilt wären.
- Ein konkreter Wunsch ist das Angebot mehrerer Fremdsprachen, die je nach Interesse frei gewählt werden können.
- Jede*r hat einmal einen schlechten Tag! Mehrere kleine Tests anstelle von wenigen umfangreichen Schularbeiten würde es den jungen Leuten leichter machen, ihr Können immer wieder unter Beweis zu stellen.
- Nicht-Schularbeitsfächer als Wahlfächer auslegen, damit die jungen Leute, abhängig von ihren Interessen, selbst entscheiden können, in welche Themen sie sich vertiefen wollen.
- Fächer, die die Schüler:innen für das weitere Leben als „unwichtig“ empfinden, würden sie gerne abschaffen. Doch wer bestimmt, welche Fächer abgeschafft gehören? Eine sehr komplexe Frage mit keiner einfachen Antwort.
- Es gibt Diskussionsbedarf, inwiefern Schule und Religion nicht getrennt voneinander sein sollten? Ab dem Alter von 10 Jahren Ethikunterricht für alle Schüler:innen einführen, um wichtige Fragen miteinander behandeln zu können.
Weiterführende Links
Empfohlen von Welt der Kinder
Ein Beitrag der 4C , AHS
Bildungszentrum Kenyongasse
Mater Salvatoris
Steht auf
gegen Rassismus
Ein Beitrag von
Aaron Mafitabar, Amani Siddig, Hannah Dunkler und Linda Molnar
Der 21. März wurde vor über 50 Jahren von der UNO zum Internationalen Tag gegen Rassismus erklärt. Weltweite Organisationen, Vereine wie auch bestimmte Gruppen nehmen diesen Monat als Anlass, um die Bevölkerung gegen Rassismus zu aktivieren. Auch wir jungen Leute wollen darauf aufmerksam machen, dass Rassismus immer noch im Alltag erlebt wird. Sei es in öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Schule, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum. Wir wollten wissen: Haben Menschen aus unserem Umfeld selbst schon Rassismus erfahren? Wie sind sie damit umgegangen? Was kann man generell dagegen tun? Die Ansichten der unterschiedlichen Generationen machen deutlich: Das Thema ist noch längst nicht vom Tisch! Ebenfalls konnten wir gute Lösungsvorschläge einholen, wie man gegen rassistische Diskriminierung vorgehen kann.
Wir sind uns einig: Wir Menschen sind uns alle ähnlicher als wir denken!
Sichtweisen der Generationen.
Aaron
16 Jahre
Wien
Aaron
16 Jahre
Wien
Was denkst du dir in Bezug auf das Thema Rassismus?
Früher habe ich mir nichts dabei gedacht, wenn ich die Haare einer schwarzen Schulkollegin angriffen habe. Jedoch weiß ich heute, dass dies falsch ist und streng genommen auch als rassistisch bewerten werden kann, obwohl dies niemals beabsichtigt war. Mir ist bewusst, dass wir Menschen uns durch unsere unterschiedliche Individualität unterscheiden. Allerdings zeichnet uns aus, dass wir alle Menschen sind! Vielleicht schaffen wir es endlich nicht unsere Lebensweise als “die vollkommenste” zu sehen und dafür mit und voneinander zu lernen.
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Hannah
14 Jahre
Wien
Hannah
14 Jahre
Wien
Was denkst du dir in Bezug auf das Thema Rassismus?
Menschen aufklären, sich mit dem Thema beschäftigen und aufstehen, wenn man rassistische Situationen mitbekommt, sind für mich wichtige Lösungsvorschläge. Ich weiß mittlerweile, dass Rassismus jeden betreffen kann. Oft sind Minderheiten betroffen, die sich in den Regionen auf der Welt unterscheiden. Das bedeutet, dass auch hellhäutige Menschen betroffen sein können. Dennoch betrifft es in vielen Ländern der Welt vor allem dunkelhäutige Menschen. Wichtig ist zu erkennen, dass Rassismus tief verwurzelt ist und noch immer existiert und oftmals unbewusst geschieht.
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Linda
14 Jahre
Wien
Linda
14 Jahre
Wien
Was denkst du dir in Bezug auf das Thema Rassismus?
Mir ist es sehr wichtig, anderen Leuten klar zu machen, dass wir in einer Zeit leben, in der Rassismus nicht üblich ist und absolut vermieden werden sollte. Ich verstehe nicht, warum man andere Leute in “Rassen” einteilt und diejenigen, zu denen man nicht gehört, so verurteilen kann. Ich würde auch gerne verstehen: Warum diskriminiert man Leute? Ich finde es wichtig, die Meinung zu sagen und für die anderen Menschen einzustehen. Außerdem sollte man die Leute über Rassismus aufklären und darüber reden, wenn man die Chance dazu hat.
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Amani
14 Jahre
Wien
Amani
14 Jahre
Wien
Was kann man gegen Rassismus tun?
Was ich besonders wichtig finde ist, dass man die Leute aufklärt und sich auch mal mit dem Thema beschäftigt, da Rassismus auch heute noch eine sehr große Rolle spielt. Wenn man Diskriminierung gegenüber Leuten, aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Religion mitbekommt, muss man unbedingt einschreiten und etwas dagegen tun und nicht nur zusehen. Wenn man etwas gegen Rassismus tun will, muss man handeln.
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junger Mann
13 Jahre
Wien
junger Mann
13 Jahre
Wien
Hast du schon mal Rassismus miterlebt?
Ja, schon. Es kam nicht zu schlimmen Übergriffen, aber Diskriminierung gegenüber Leuten mit anderer Hautfarbe, einer anderen Herkunft oder Religion schon öfters. Auch ich wurde schon aufgrund meiner Hautfarbe diskriminiert: Wenn ich zum Beispiel in ein Altersheim gehe, schauen mich Leute aufgrund meiner Hautfarbe oft komisch an. Es fühlt sich abwertend an.
Was könnte man dagegen tun?
Ich weiß nicht, was man dagegen tun könnte, weil man solche Einstellungen nur schwer ändern kann. Vielleicht kann man seine Kinder schon von klein auf über Rassismus aufklären. Am Besten man fängt schon im Kindergarten damit an. Ich persönlich finde es sehr wichtig, Leute darüber aufzuklären.
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Nina
12 Jahre
Wien
Nina
12 Jahre
Wien
Hast du Rassismus schon mal erlebt? Wie?
Nein, habe ich nicht. Ich bin Russin und lebe in Russland. Und Russen sind aus meiner Sicht sehr höflich. Ich persönlich habe in Russland noch keine rassistischen Handlungen miterlebt.
Was ist Rassismus für dich?
Rassismus ist eine soziale Voreingenommenheit gegenüber einer „Rasse“. Die Person wird nicht als gleichwertig betrachtet.
Wie würdest du Rassismus beschreiben?
Diese Einstellung verbinde ich nur mit schlechten Gefühlen. Es ist ein so schwieriges Gefühl für mich, weil ich nicht verstehe warum Menschen andere Menschen nicht akzeptieren.
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Antonia
14 Jahre
Wien
Antonia
14 Jahre
Wien
Was bedeutet Rassismus für dich?
Rassismus bedeutet für mich, wenn Menschen beispielsweise wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihrer Herkunft diskriminiert werden, da sie aufgrund optischer Merkmale “anders” aussehen. Beispielsweise habe ich einen Artikel gelesen, in dem stand, dass Lehrer:innen ihre Schüler:innen aufgrund der Hautfarbe rassistisch behandelten. Sie wurden benachteiligt und bekamen schlechtere Noten. Ich bin der Meinung, dass es auf einer Schule keinen Rassismus geben darf! Jede:r Schüler:in muss gleich behandelt werden!
Was kann man gegen Rassismus tun?
Es gibt mehrere Möglichkeiten, um gegen Rassismus vorzugehen: Im Alltag sollten rassistische Vorfälle beispielsweise nicht einfach ignoriert werden. Sondern man sollte sich auf die Seite des Opfers stellen und ihn oder sie verteidigen. Wichtig wäre es auch, die Menschen, die nichts vom heutigen Rassismus mitbekommen, aufzuklären. Ihnen sollte erklärt werden, dass es immer noch Menschen gibt, die heutzutage rassistisch beleidigt werden. Dadurch könnte man einen weiteren Schritt gegen Rassismus setzen!
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Fabian Dunkler
27 Jahre
Wien
Fabian Dunkler
27 Jahre
Wien
Hast du selbst schon Rassismus miterlebt?
Ja, in meiner Wohngemeinschaft hat ein Bekannter anstelle von „Schwarzer“ das N‑Wort für einen Schauspieler im Fernseher verwendet. Aber ich kenne eigentlich nicht viele, die von Rassismus betroffen sind.
Was kann man gegen Rassismus tun?
Ich finde, dass in jungen Jahren mehr Aufklärung betrieben werden sollte. Dem Thema muss einfach mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Genauso wichtig ist es darüber nachzudenken, auch wenn es immer Menschen geben wird, die rassistisch sind.
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Elsadig
55 Jahre
Wien
Elsadig
55 Jahre
Wien
Hast du schon Erfahrungen mit Rassismus?
Ja, ich bin Rassismus schon oft begegnet, auch im Alltag. Auch im Berufsleben spielt Rassismus eine große Rolle. Beispielsweise haben Leute, als ich noch Taxifahrer war, aufgrund meiner Hautfarbe ein anderes Auto ausgesucht. In der Zeit vor der Digitalisierung, waren sogar Job- und Wohnungsinserate „nur für Inländer:innen“ inseriert. Ich selbst habe in Telefonaten miterlebt, dass ich aufgrund meiner Aussprache als “Ausländer” abgestempelt wurde. Mögliche Vermieter:innen sagten dann: Nur für „Inländer:innen“ und legten auf. Ich habe auch erlebt, wie mich Firmen abgelehnt haben. Die Begründung dafür: Sie hatten Angst, dass sie durch mich Kunden verlieren würden. Aber nicht nur in solchen Situationen, auch im Alltag trifft man ständig auf Rassismus. Egal ob in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in Lokalen oder in jungen Jahren in Discos. Rassismus ist aber gar nicht immer direkt adressiert, heute gibt es vor allem vermehrt versteckten Rassismus. Rassismus hat viele Facetten.
Wie hast du gehandelt ?
In den Momenten, in denen du Diskriminierung ausgesetzt bist, kannst du nicht wirklich etwas tun bzw. oftmals weiß man einfach auch gar nicht was man dagegen machen kann.
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Hamid
58 Jahre
Wien
Hamid
58 Jahre
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Hast du Rassismus schon einmal miterlebt? Wenn ja, wie hast du gehandelt?
Ja, ich habe schon einmal Rassismus miterlebt: Als ich vor langer Zeit in Los Angeles war, ging ich mit meinem Freund spazieren. Auf der Straße befanden sich dunkelhäutige Jugendliche, die laut waren. Mein Freund machte daraufhin eine rassistische Bemerkung und sagte, dass dunkelhäutige Menschen oft aufdringlich und laut sind. Ich redete mit ihm darüber und erklärte ihm, dass Jugendliche laut sein können und dürfen und deren Benehmen nichts mit der Hautfarbe oder Ähnlichem zu tun hat!
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Alois Dunkler
60 Jahre
Wien
Alois Dunkler
60 Jahre
Wien
Was bedeutet für dich Rassismus? Wie kann man dagegen ankämpfen?
Für mich bedeutet Rassismus die unerträgliche Spaltung der Rassen, welche kein Thema mehr sein sollte. Um gegen Rassismus ankämpfen zu können, sind Aufklärung und Gespräche sehr wichtig. Auch in den Schulen wären diese Punkte bedeutend. Ich selbst war Lehrer in einer Schule, wo es einen großen Anteil von Migrant:innen gab.
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Margaretha
82 Jahre
Wien
Margaretha
82 Jahre
Wien
Was bedeutet Rassismus für dich?
Für mich ist Rassismus etwas ganz Unfaires und Unmenschliches. Ich habe den zweiten Weltkrieg miterlebt und dadurch schon als kleines Kind viel Rassismus, insbesondere gegen Roma, mitbekommen. Momentan flammt das Thema wieder stark auf. Leider beobachtet man rassistische Handlungen auch öfters im Alltag. Es tut mir weh, mitansehen zu müssen, dass Leute aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft benachteiligt und diskriminiert werden.
Rassismus wird meist und oft in der Familie weitergegeben. Nicht immer ganz offensichtlich und vielleicht auch nur indirekt. Aber bestimmte Haltungen, Ausdrücke und Einstellungen werden den Kindern mitgegeben und dadurch teilweise weitergetragen. Die Erziehung spielt bei diesem Thema eine entscheidende Rolle und wäre die Grundlage dafür, um Rassismus in der Gesellschaft zu beenden.
Was könnte man dagegen tun?
Man könnte viel dagegen tun. Beispielsweise sollten Leute sofort einschreiten und etwas dagegen machen, wenn sie rassistische Äußerungen mitbekommen.
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Perspektive gewinnen, was wissen wir?
Rassismus bedeutet, wenn Menschen beispielsweise aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, oder ihrer Herkunft diskriminiert werden. Manche unserer Interviewpartner:innen haben selbst schon rassistische Diskriminierung erfahren. Der Ausschluss aufgrund der Hautfarbe oder des Namens kann sehr verletzend sein. Auch in den Schulen kann es zu rassistischen Vorfällen gegenüber Schüler:innen kommen. Was hilft dagegen? Viele Interviewpartner:innen sind der Meinung: Aufklärende Gespräche und Diskussionen über Rassismus sind von Kind auf bedeutend, auch in den Schulen sollte das Thema im Unterricht behandelt werden. Das ist jedoch bei einem solch ernstzunehmenden Thema nicht genug: Aktiv werden und gegen Rassismus aufstehen, empfinden viele Interviewpartner:innen als absolute Notwendigkeit!
Dazu holen wir uns die Meinung eines Expertens ein, der selber schon rassistischer Diskriminierung ausgesetzt war.
Experteninterview mit Mostafa Noori
Freizeitpädagoge mit Fluchterfahrung
Wir durften mit Mostafa Noori, 25 Jahre alt, in Austausch gehen. Herr Noori ist als Freizeitpädagoge im Bereich Kinder- und Jugendarbeit in Wien tätig. Ebenfalls arbeitet er bei der Asylkoordination in Wien. Seit 2015 begleitet er dort die Schul-Workshops zum Thema Flucht & Asyl. Mit diesen soll das Bewusstsein für die Situation von geflüchteten Menschen verstärkt werden.
Herr Noori kommt ursprünglich aus Afghanistan, verbrachte einige Zeit im Iran und lebt seit 2013 in Wien. Nach Österreich ist er als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling gekommen. 3 Jahre später hat er einen positiven Asylbescheid erhalten und ist seither als anerkannter Geflüchteter in fast allen Lebensbereichen gleichgestellt mit österreichischen Staatsbürger:innen. Wählen darf er allerdings nicht.
Mostafa Noori
25 Jahre
Wien
Mostafa Noori
25 Jahre
Wien
Amani: Haben Sie Tipps für junge Leute sich gegen Rassismus einzusetzen?
MN: Das ist eine sehr umfangreiche und schwierige Frage. Klar ist: Man kann in jedem Bereich aktiv werden. Wichtig ist es, nicht zu schweigen, sondern seine Stimme zu erheben, wenn man rassistische Diskriminierung miterlebt. Laut zu werden und die Betroffenen zu unterstützen, ist von großer Bedeutung. Denn die betroffenen Personen trauen sich oftmals gar nicht, sich zu wehren. Das verlangt viel Mut und vor allem Solidarität von den anderen: Es ist hilfreich, wenn Personen aus dem Umfeld aufstehen und sich dezidiert äußern: „Das ist falsch.“ Dadurch wird auch die Person, die es betrifft, ermutigt sich zu wehren. Auch im öffentlichen Raum, im schulischen Kontext oder im Freundeskreis können Zeichen gesetzt werden. In all diesen Bereichen können alltägliche Dialoge zum Thema helfen. Ein Beispiel dafür: Sich konkret äußern und sagen: „Dein Satz war gerade nicht politisch korrekt und kann andere Menschen verletzen.“ Wir Menschen können einander auf solche Aussagen und Denkweisen aufmerksam machen. Denn Diskriminierung kann sehr verletzend sein, vor allem im Schulunterricht. Noch einmal: Ihr jungen Leute müsst aktiv bleiben und dürft euch auf keinen Fall den Mut nehmen lassen. Die Zukunft gehört uns jungen Menschen. Unsere Gesellschaft wird immer bunter und vielfältiger. Somit bin ich der Überzeugung, dass das Problem der rassistischen Diskriminierung in fünfzig Jahren nicht mehr vorhanden sein wird. Es liegt an uns gemeinsam, eine neue Welt zu erschaffen.
Aaron: Liegt Ihnen sonst noch etwas auf dem Herzen, dass Sie mit uns teilen möchten?
MN: Es ist wichtig zu wissen, dass auch versteckte Rassismen existieren: Das bedeutet, dass diese nicht an offensichtlichen Merkmalen wie etwa der Hautfarbe oder der Haare festgemacht werden. Deshalb ist es umso bedeutender eine Gesellschaft gut zu kennen, um auch die versteckten Formen von rassistischer Diskriminierung zu begreifen. So diskriminieren nicht immer Hellhäutige, dunkelhäutige Menschen. Auch die Minderheiten untereinander haben teilweise Probleme und diese müssen angesprochen werden. In Österreich muss auch die rassistische Diskriminierung zum Thema gemacht werden, die es innerhalb der einzelnen (Volks-)Gruppen gibt. Auch hier ist es unumgänglich, sich mit den Ausprägungen des Rassismus‘ auseinanderzusetzen, um sie zu verstehen. Das gilt beispielsweise für die kurdische Minderheit in Österreich, die häufig Diskriminierung ausgesetzt ist und Unterstützung braucht. Speziell in der Schule und im Unterricht.
Ein weiteres Beispiel für Diskriminierung: Es gibt Menschen aus der österreichischen Mehrheitsgesellschaft, die behaupten, dass Geflüchtete nach Österreich kommen und für die Hilfe, die sie erhalten, nicht dankbar sind. Wenn ich jedoch mit den Menschen, die solche Behauptungen aufstellen, in den Dialog gehe, merke ich, dass sie selbst noch nie in Kontakt mit einem geflüchteten Menschen waren. Sie sind medial negativ beeinflusst. Ein gemeinsames Gespräch kann Augen öffnen: Schon viele haben aufgrund einer gemeinsamen Diskussion realisiert, dass sie ihre Meinung über Geflüchtete überdenken müssen. Wieder wird ersichtlich: Menschen müssen stets miteinander reden. Dann können sie Argumente und Gegenargumente austauschen und Neues erfahren.
Hannah: Oftmals höre ich, dass Rassismus in Österreich — im Vergleich zu anderen Ländern — nicht so präsent ist. Aber mich würde interessieren, welche persönlichen Erfahrungen Sie in Österreich mit Rassismus gemacht haben?
MN: Dieser Meinung kann ich zustimmen. In alltäglichen Situationen habe ich in anderen Ländern Rassismus viel intensiver wahrgenommen. Aus persönlicher Erfahrung gesprochen: In Österreich tritt eine andere Form des Rassismus‘ zu Tage, nämlich der Hass im Internet. Manchmal lese ich ganz furchtbar diskriminierende und rassistische Kommentare im Internet. Ich gebe euch ein persönliches Beispiel: Vor einigen Jahren habe ich Interviews zum Thema „Flucht & Integration und das Leben in Österreich“ für österreichische Printmedien gegeben. Die Leserschaft des jeweiligen Mediums konnte anschließend die Artikel online lesen und kommentieren. Teilweise standen sehr verletzende Kommentare darunter. Das löste bei mir großes Unverständnis und Traurigkeit aus, weil die Gespräche eigentlich vom „Ankommen in Österreich“ handelten. Einige Menschen haben mir über das Internet sogar Todeswünsche geschickt und meine Familie verbal beleidigt. Das war eine furchtbare Zeit für mich. Die Kommentare haben mich sehr verletzt. Ein Problem ist hierbei, dass die Menschen im Internet anonym schreiben und die hinterlassenen Kommentare können nur schwer zurückverfolgt werden. Das war dann auch der Grund, warum ich aufgehört habe, den Medien Interviews zu geben.
Bezüglich Wohnungssuche möchte ich euch noch etwas erzählen. Mein Name, Mostafa Noori, reichte oftmals aus, damit mich andere spüren ließen: Okay, du musst wohl „ein muslimischer Eseltreiber“ sein. Es war für mich sehr schwierig, eine Wohnung zu finden. Am Ende lief es darauf hinaus, dass ein Freund von mir eine Eigentumswohnung kaufte, in der ich jetzt auch wohnen kann. Auch im Bereich der Arbeitssuche spielte der Name eine große Rolle.
Was ich damit sagen möchte: Im Bereich der Wohnungs- und Jobsuche merkt man den versteckten Rassismus stark. Sehr häufig wurden mir Fragen gestellt, inwiefern ich die Sprache beherrsche oder ob ich mich gut integriert habe. Ein positiver Effekt ist möglicherweise – versteckter Rassismus kann die Betroffenen kreativ machen.
Linda: Es gibt ja viele rassistische Begriffe: Wurden Sie schon einmal mit rassistisch beschimpft?
MN: Ich persönlich wurde schon viele Male aufgrund meiner Herkunft diskriminiert. Nicht aber aufgrund meiner Hautfarbe. Das liegt vermutlich daran, dass ich eher hellhäutig bin. Besonders im Iran wurde ich aufgrund meiner afghanischen Herkunft diskriminiert. Manchmal auch in Österreich, wobei hier vielmehr der islamische Hintergrund eine Rolle spielt(e).
Ich bin zwar Atheist, aber mein Name ist ja Mostafa und das war oftmals Grund genug, mich als „Scheiß Moslem“ zu beschimpfen. Beispielsweise hat mich meine Wirtschaftsprofessorin an der HAK drei Semester lang immer Mohammed genannt. Das habe ich ebenso als diskriminierend empfunden. Sie wollte sich meinen Namen offensichtlich einfach nicht merken.
Hannah: Empfindest du es auch so, dass Menschen, vor allem in unserem Alter, sehr locker mit der Sprache umgehen und beispielsweise auch das N‑Wort verwenden? Ich persönlich verstehe aber nicht, warum man es überhaupt verwenden sollte. Es gibt keinen Grund dafür. Findest du auch, dass man damit vorsichtiger umgehen sollte, oder findest du, dass es „wichtigere Probleme“ gibt?
MN: Ich vertrete zu 100 Prozent die Ansicht, dass mit solchen Wörtern vorsichtiger umgegangen werden muss. Denn auch ungewollt können diese sehr verletzend sein. Betroffene Menschen sagen möglicherweise, dass für sie die Verwendung solcher Begriffe kein Problem sind. Dennoch gibt es genug Situationen, in denen sie sich verletzt fühlen. Meiner Meinung nach haben wir solch ein Sprachgebrauch Anfang der 2000er weniger gehabt als gegenwärtig. Im Deutschrap wurden nicht so viele Begriffe wie etwa Ehrenwörter genutzt. Mittlerweile werden Begriffe wie Ehrenmann oder ehrenlos häufiger verwendet. Dasselbe gilt für N‑Wörter. Leider hat die „neue“ Generation teilweise fragliche Vorbilder, aber auch das kann nicht verallgemeinert werden.
Bezogen auf diese Debatte fallen mir immer wieder die Worte meines Vaters ein, der zu sagen pflegte: “Lass dir ein Wort drei Mal durch den Kopf gehen und wende es erst dann an.” oder “Schmecke dein Wort, wenn es gut schmeckt, dann sag es in die Welt hinaus.” In der persischen Sprache gibt es sehr viele Gedichte über die Art und Weise wie Sprache verwendet werden sollte. Sprechen empfinde ich als Kunst. Worte müssen gut und mit Bedacht gewählt sein, sonst könnte das Umfeld damit verletzt werden. Ich finde mit anderen Menschen mit Respekt zu sprechen kann auch cool sein. So setzte ich mich viel mit jungen Leuten über ihre Sprache auseinander. Ich möchte sie verstehen und in „ihren Schuhen gehen“, damit wir gemeinsam einen anderen Weg ebnen können. Unabdingbar für mich ist es deshalb den Deutschrap zu hören, welchen ihr jungen Leute anhört, die sozialen Medien zu verwenden, die ihr jungen Leute verwendet. Damit ich mich auskenne und ich Gespräche mit den jungen Leuten führen kann. Wer sich nicht auskennt, kann den heutigen Jugendlichen nichts beibringen oder mit ihnen in den Dialog gehen, um Lösungen zu diskutieren.
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Kinder bringen es auf den Punkt.
Es gibt 1.000 Antworten auf die Flüchtlingsfrage. Die einzig wahre liefert ein 4‑Jähriger! (HipHop.de)
Für uns ist es sonnenklar: Biologisch gesehen gibt es keine Rassen, darüber ist sich heutzutage auch die Wissenschaft einig. Ursprünglich kann der Rassismus auf die Kolonialisierung Afrikas und Südamerikas zurückgeführt werden. Weiße Europäer drangen in neue Länder vor und benötigten Menschen zur Ausbeutung der Rohstoffe in den eroberten Gebieten. So wurden jahrhundertelang Menschen versklavt, die unter den widrigsten Umständen leben und arbeiten mussten. Der Gedanke, dass weiße Europäer:innen überlegen sind, berechtigte ihre Vorgehensweise und verfestigte sich in den Köpfen. Die Idee, dass bestimmte Menschen aufgrund “ihrer Rasse” etwas Besseres seien als andere, fand seinen Höhepunkt ganz besonders in der grausamen Vernichtungspolitik des NS-Regimes.
Mittlerweile ist es unumstritten: Menschen in Rassen zu unterteilen ist falsch und basiert auf keiner wissenschaftlichen Grundlage. Dennoch wissen wir und haben durch die Meinungen der Generationen erfahren: Rassistische Diskriminierung kommt auch noch heute in unterschiedlichster Gestalt vor! Generell ist es wichtig nicht zu vergessen, dass Rassismus auch gegenüber hellhäutigen Menschen vorkommen kann. Ein Beispiel: Auch Minderheiten können Rassismus ausgesetzt sein, weil sie einer bestimmten (Volks-)Gruppe angehören.
Umso mehr müssen wir jungen Leute uns gegen Rassismus bekennen!
Lösungsansätze entwickeln und sichtbar machen.
Was können wir selbst tun?
Angeregt haben wir uns beim Walking&Talking darüber ausgetauscht, welche Möglichkeiten es gibt, sich gegen Rassismus einzubringen. Durch das Einholen der unterschiedlichen Ansichten und der Expertenmeinung wurden uns Lösungsansätze nochmals klar vor Augen geführt.
- Information und Aufklärung: Schon in den frühen Jahren, zB im Kindergarten, sollte man mit den Kindern beginnen Rassismus zu thematisieren und aufzuklären, dass wir Menschen alle gleich sind und die gleichen Rechte besitzen. Je früher man damit beginnt, umso weniger werden rassistische Handlungen von Kindern und Jugendlichen übernommen.
- Nicht wegsehen! Menschen, die nicht von rassistischer Diskriminierung betroffen sind, müssen für Betroffene einstehen. Junge Leute sollen das Thema mit engen Bezugspersonen diskutieren können. Beispielsweise in der Schule mit dem Klassenvorstand oder mit der psychologischen Pädagogin. Sie können nachfragen, ob Rassismus stärker im Unterricht behandelt werden kann.
- Die Stimme erheben, nicht schweigen und den Dialog suchen. Mit den Eltern und dem nahestehenden Umfeld, wie etwa dem Freundeskreis, darüber sprechen und sich austauschen. Gut fundierte Argumente unterstützen die jungen Leute in der Diskussion gegen Rassismus. Ein gutes Beispiel: Rassismus passiert nicht nur gegenüber dunkelhäutiger Menschen.
- Junge Leute können soziale Medien, wie etwa Instagram, nutzen, um gut recherchierte Links zu Kampagnen und wichtigen Artikeln zu posten, die auf rassistische Handlungen aufmerksam machen oder eine Anleitung geben, was dagegen getan werden kann.
- Workshops mit Fachexpert:innen in der Schule wie etwa mit Mitarbeiter:innen vom Verein ZARA, machen das Thema für junge Leute greifbarer.
- Allgemein gilt in allen Lebenssituationen: Die Stimme erheben, wenn rassistische Handlungen miterlebt werden, ob beispielsweise im Alltag oder in der Schule. Grundsätzlich ist es wichtig: Nicht einschreiten, wenn die Situation zu gefährlich erscheint. Dann lieber einen Erwachsenen oder die Polizei zu Hilfe holen.
- Aufstehen und aktiv sein! Junge Leute können laut werden und demonstrieren. Sie können auf die Straße gehen und sich friedlich — aber auch mal aus vollem Halse für Gleichberechtigungen von allen Menschen und Gruppen stark machen.
Unterstützung holen.
Anlaufstellen für Betroffene und Menschen, die rassistische Diskriminierung miterleben
ZARA
Die österreichische Beratungsstelle ZARA, wurde 1999 gegründet, um jegliche Arten von Rassismus zu bekämpfen. Menschen, die Rassismus erleben können sich an den Verein wenden. Der Verein setzt sich außerdem gegen Hass im Netz ein. Sie beraten diejenigen, welche von rassistischen Vorfällen betroffen sind!
Sollte jemanden Rassismus im öffentlichen oder privaten Raum aufgefallen sein, kann man auf der Website um Rat fragen. Im Jahre 2020 haben sie mehr rassistische Vorfälle, als in den letzten Jahren notiert. Dies ist jedoch, wie sie sagen, positiv zu bewerten, weil es nichts darüber aussagt ob es tatsächlich zu mehr Übergriffen gekommen ist sondern, dass Menschen öfter eingeschritten sind. Wie etwa Black Lives Matter.
Link: https://www.zara.or.at/de
Change
Change ist eine Website bzw. Homepage, auf der Petitionen zu unterschiedlich gesellschaftlich wichtigen Themen bereitgelegt werden. Als die “Black Lives Matter” Welle begann, setzte sich Change stark für die Bekämpfung von Rassismus ein. Auf dem Instagram Account posten sie beispielsweise oft kleine Berichte von rassistischen Taten, die passieren. Dazu passende Petitionen gibt es auf der Homepage.
Link: change.org
Hotline gegen Diskriminierung und Intoleranz
Die im Bürgerservice des Bundeskanzleramtes verortete Hotline stellt eine Plattform zur Verfügung, wo Betroffene von Diskriminierung aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Herkunft oder Religion Vorfälle melden können. Diese werden an für sie richtige Stellen weitergeleitet, die für ihre Rechte einstehen.
Dokustelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus
Das Gespräch mit dem Experten hat uns gezeigt, dass rassistische Handlungen nicht nur wegen optischen Merkmalen stattfindet. Sondern auch aufgrund der Religionszugehörigkeit. Umso wichtiger ist die Beratungs- und Dokumentationsstelle für Menschen, die von Islamfeindlichkeit oder antimuslimischem Rassismus betroffen sind.
Link: https://dokustelle.at/
Ein Beitrag von
Aaron Mafitabar, Amani Siddig, Hannah Dunkler und Linda Molnar
Kinderarbeit — laut Kinderrechten nicht erlaubt
und jetzt?
Ein Beitrag von
Aaron Mafitabar und Hannah Dunkler
218 Millionen Kinder und Jugendliche arbeiten auf der Welt. Ungefähr 152 Millionen darunter, arbeiten unter schlechten Arbeitsbedingungen und/oder ohne schulische Bildung. Die meisten arbeiten, um Geld zu verdienen. Der Gehalt ist, im Vergleich zu dem was die Menschen dort vollbringen, oft viel zu gering.
Oft unterstützen Kinder ihre Familie, um zu überleben, weswegen viele von ihnen arbeiten müssen. Wenn dies notwendig ist, sollten sie aber nicht solch unzumutbaren, gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt sein. Oft sind die arbeitenden Kinder viel zu jung, um solch einem Alltag zu bewältigen und haben noch dazu keinen Zugang zu schulischer Bildung. Wir glauben, glücklich ist dabei kein Kind.
Auf der Suche nach Lösungen und Antworten haben wir Menschen unterschiedlicher Altersgruppen dazu befragt:
Gehört Kinderarbeit abgeschafft?
Wenn ja, warum?
Esther
13 Jahre
Wien
Esther
13 Jahre
Wien
Kinderarbeit gehört meiner Meinung nach dann abgeschafft, wenn Betriebe schlechte Bedingungen bieten. Teilweise werden nicht einmal Krankenversicherungen zur Verfügung gestellt.
Was sind faire Arbeitsbedingungen?
Bedeutsam finde ich ist es, dass die Arbeitsatmosphäre angenehm ist. Genug Pausen, Schlaf und Essen muss auch vorhanden sein. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass die Kinder freiwillig arbeiten.
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Teni
16 Jahre
Wien
Teni
16 Jahre
Wien
Wenn man unter Kinderarbeit versteht, dass man ab 15 Jahren Erfahrungen im Berufsleben sammelt, dann bin ich gegen eine Abschaffung. Aber Kinderarbeit wie sie in vielen 2. bzw. 3. Weltländern existiert, ist keine angemessene Situation für Kinder.
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Angela
17 Jahre
Wien
Angela
17 Jahre
Wien
Viele Kinder arbeiten in Bergwerken, damit sie ihre Familien weiterhin unterstützen können. Doch meist sind die Arbeitsbedingungen auf den Arbeitsplätzen schlecht. Ich bin davon überzeugt, dass das Mithelfen zum Beispiel im Haushalt keine Kinderarbeit ist, da die Kinder in diesem Fall nicht um ihr Leben arbeiten. Ich denke, dass Kinder mit 15 Jahren beginnen können zu arbeiten, solange die Verrichtung, die sie leisten, sie nicht zu überanstrengt. Außerdem dürfen Kinder nicht wie Tiere oder wie einfache Arbeitskräfte behandelt werden.
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Hannah
14 Jahre
Wien
Hannah
14 Jahre
Wien
Ich habe viel über das Thema nachgedacht und mir Meinungen von anderen Menschen angehört. Mittlerweile bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es eigentlich katastrophal ist, dass Kinder arbeiten müssen, um ihre Familien zu unterstützen und dann noch so schlimme und anstrengende Arbeit. Alle Kinder sollten das Recht haben sich komplett auf ihre Bildung zu konzentrieren und eine freie Kindheit ohne schwere Arbeit, die normalerweise Erwachsene leisten zu haben.
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Aaron Mafitabar
15 Jahre
Wien
Aaron Mafitabar
15 Jahre
Wien
Wenn ich länger darüber nachdenke, denke ich, dass Kinderarbeit abgeschafft werden sollte, da die Kindheit der Kinder dadurch negativ und stark beeinflusst wird. Jedoch arbeiten diese Kinder, damit sie ihre Familien unterstützen! Ich finde man sollte die Länder, in denen Kinderarbeit existiert, so gut wie möglich unterstützen, um Kinderarbeit zu stoppen.
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Lui
Vater von 3 Kindern
Wien
Lui
Vater von 3 Kindern
Wien
Kinderarbeit gehört abgeschafft! Jedoch ist die Frage welche Arbeiten zur Kinderarbeit zählen. Ich denke es kommt darauf an, ob die Kinder in ihrer Freizeit arbeiten und ob die Arbeit die Kinder dadurch mental und physisch beeinflusst.
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Magdalena
Mutter von 2 Kindern
Wien
Magdalena
Mutter von 2 Kindern
Wien
Grundsätzlich finde ich das Kinderarbeit abgeschafft gehört, da die Kindheit ein wichtiger Abschnitt im Leben ist. Die Kindheit sollte einen geschützten Rahmen haben! Ich denke, dass es gut ist, wenn ein Kind im Haushalt etwas beiträgt. Ich finde jedoch, dass etwas grundlegendes im System geändert werden muss, damit es gar nicht erst zu Kinderarbeit kommt.
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Margarita
Mutter von 3 Kindern
Wien
Margarita
Mutter von 3 Kindern
Wien
Ich finde schon, dass Kinderarbeit abgeschafft werden sollte, da es nicht den Menschenrechten entspricht. Kinder befinden sich in einer Wachstumsphase, in der sie geistig sowohl wie körperlich sich entwickeln und Kinderarbeit diese verhindert.
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Hertha (70+)
Wien
Hertha (70+)
Wien
Für Kinder ist es meiner Meinung nach, keine richtige Option zu arbeiten! Selbst wenn es gute Arbeitsbedingungen geben sollte. Ich bin davon überzeugt, dass Kinder bis 18 Jahren nicht arbeiten sollten.
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Wir finden Kinderarbeit gehört abgeschafft, da man in solch jungen Jahren das Recht haben sollte sich vollkommen auf die Bildung und allgemein auf die eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren. Außerdem erlebt man eine Entwicklungsphase, in der Kinderarbeit einfach unvorteilhaft und unpassend ist. Dazu noch so schwere Arbeit. Jedes Kind sollte eine freie Kindheit haben. Uns ist bewusst, dass die Familien trotzdem Geld brauchen, weswegen wir es in Ordnung finden, wenn Jugendliche ab 15/16 mit fairen Arbeitsbedingungen und mit einer weiteren schulischen Bildung arbeiten können, solange es sie nicht überanstrengt oder mental beeinträchtigt.
Perspektive gewinnen, was wissen wir?
In Bangladesch zum Beispiel arbeiten viele Menschen in Lederfabriken, auch Kinder. Es kommen viele Chemikalien für die Bearbeitung des Leders zum Einsatz, welche ohne Schutzkleidung sehr aggressiv auf die Haut reagieren. Die Arbeiter und Arbeiterinnen verbringen mehrere Stunden täglich in solchen Zuständen, für einen inakzeptabel Lohn. Solche Ungerechtigkeiten gibt es aber leider nicht nur in der Arbeit in Lederfabriken. Im Norden Indiens arbeiten Kinder in der Gewinnung und Herstellung von Ziegelsteinen, in der prallen Sonne und das ohne Pausen. Kinderarbeit existiert an sehr vielen Orten. Großteils ins Asien und Afrika, aber auch in Teilen von Südamerika. Die meisten Kinder arbeiten in der Landwirtschaft. Viele aber auch in Modebranchen und in Goldmienen oder Bergwerken. Allgemein existiert Kinderarbeit vor allem in großen Firmen, also in Massenproduktionen. Es gibt sehr viele Reportagen, die einem das Thema Kinderarbeit näherbringen. Auf manchen Websites finden man auch Spendenaktionen, die die Familien in ärmeren Ländern unterstützen sollen.
Wieviele Kinder arbeiten auf der Welt?
Ungefähr 218 Millionen arbeiten,152 Millionen unter sehr schlechten Bedingungen.
Wo auf der Welt gibt es Kinderarbeit?
Genau kann man es nie sagen, aber hauptsächlich in Afrika und Asien (stark in Bangladesch und Indien) und in Teilen von Südamerika
In welchen Branchen gibt es besonders viel Kinderarbeit?
Oft in z.B. Goldminen, weil man da kleinere Menschen braucht mit guter Ausdauer, dann großteils in der Landwirtschaft, aber auch in der Modeindustrie.
Gibt es in Österreich Kinderarbeit?
Kann man nicht immer genau sagen, aber Kinderarbeit wie sie in Bangladesh existiert, gibt es in Österreich nicht.
Was wird dagegen getan?
Menschen von Hilfsorganisationen wie Kindernothilfe helfen oft in ärmeren Gebieten und unterrichten Kinder, die Öffentlichkeit wird über Reportagen informiert, mit Spendenaktionen soll geholfen werden.
Experteninterview mit Herrn Dr. Krappmann
interviewt von Aaron und Hannah
Kinderrecht; Soziologie; Pädagogik; Theologie; Soziale und moralische Entwicklung von Kindern
Lothar Krappmann wurde 2003 als eines von 18 Mitgliedern in den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes gewählt.
Lothar Krappmann, Deutschland
Lothar Krappmann, Deutschland
Aaron: Wir wollen Sie fragen, ob es Ihrer Meinung nach das Recht auf Arbeit für Kinder unter bestimmten Umständen geben sollte? Wenn ja, unter welchen?
Das ist ein sehr kompliziertes Thema. Es hat viele unterschiedliche Aspekte: Es geht um Arbeit, um Schule & Bildung, um Armut sowie um Ausbeutung der Kinder. Die Kinderrechtskonvention lässt Kinderarbeit zu. In Artikel 32 steht: Die Staaten sollen festlegen, ab welchem Alter Kinder arbeiten dürfen. Damit ist eine Erwerbsbeschäftigung gemeint, nicht das Mithelfen zu Hause oder kleinere Beschäftigungen, mit denen ein bisschen Taschengeld verdient wird. Die zweite Bestimmung besagt, Kinder müssen immer vor ausbeuterischer und unzumutbarer Arbeit geschützt werden, weil sie ungerecht ist und ihrer Entwicklung schadet. Die Staaten entscheiden, welches Alter sie hierbei ansetzen. Die Weltarbeitsorganisation hat dafür Regeln ausgearbeitet. Erwerbsarbeit nicht unter fünfzehn Jahren. Leichtere Beschäftigungen können schon ab dem dreizehnten oder sogar zwölften Lebensjahr zugelassen werden.
Nach allgemeiner Meinung sollte die Vollzeiterwerbstätigkeit mit dem Ende der Schulpflicht abgestimmt werden. Schulbildung wird in unserer komplizierten Welt immer wichtiger. Sowohl im Bereich der Arbeit steigen die Anforderungen, und auch für die demokratische Beteiligung als Bürger muss man viel wissen und können. Aber – und jetzt kommt das aber – man muss auch (über)leben können. Kinderarbeit ist vor allem eine Folge von Armut. Familien brauchen Einkommen und Auskommen. Diese zwei Aspekte klaffen oftmals weit auseinander. Gute Schulbildung ist nötig, aber die Menschen brauchen auch Geld zum Überleben. In vielen Ländern dieser Welt ist es schwer, dies in einen befriedigenden Ausgleich zu bringen.
Zum einen sollen also Kinder so lange wie möglich in die Schule gehen, um gut auf die Arbeitswelt und auf ihre aktive Bürgerschaft vorbereitet zu werden. Zum anderen suchen Familien Auswege, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Und so kommt es, dass auch Kinder oft unter sehr schlimmen Bedingungen arbeiten müssen.
Manche Staaten stehen unter besonders massivem Druck, wie etwa Bolivien. Dort erlaubte man Kindern lange Zeit, schon ab zehn Jahren voll zu arbeiten. Man wollte damit erreichen, dass Kinder eine zugelassene Möglichkeit haben, einen erträglichen, kontrollierten Arbeitsplatz zu finden und nicht in schlimmen Verhältnissen ausgebeutet werden. Generell bemühen sich viele Staaten darum, Kontrolle im Arbeitsbereich von Kindern auszuüben, allerdings oft auch nachlässig. Es gibt dennoch viele Graubereiche und üble Arbeitsverhältnisse, in denen Kinder auf keinen Fall landen sollten. Daher meinte man, mit zugelassener Arbeit ab 10 Schlimmeres verhindern zu können. Noch einmal: Es ist dringend, dass Kinder so lange wie möglich in die Schule gehen. Die Politik muss dieses Ziel verfolgen, auch wenn das in bestimmten Staaten sehr schwierig ist.
Ein ganz wichtiger Grundsatz ist, dass über alle Maßnahmen mit den betroffenen Kindern gesprochen wird. Das verlangt mit Nachdruck die Kinderrechtskonvention. Sie verlangt, dass die Meinung der Kinder eingeholt wird. Kinder stehen unter Druck, sie wollen in die Schule gehen, sie wünschen sich sicher auch Kinderleben. Aber sie wollen auch Verantwortung für ihren Familien mitübernehmen. Die Kinder haben Vorstellungen darüber, welche Art von Arbeit sie leisten können. Sie können Missstände nennen und haben auch Ideen, welche besseren Möglichkeiten es für sie geben könnte. Bürokratische Maßnahmen oder Gerichtsentscheidungen liegen oft daneben. Wenn die Probleme nicht mit den Kindern gemeinsam gelöst werden, kann das großen Schaden anrichten.
Hannah: Erachten Sie Spendenaktionen gegen Kinderarbeit als sinnvoll? Und falls nicht, können Sie uns dann begründen warum?
Die Probleme lassen sich nicht mit Spendenaktionen beheben. Familien- und Kinderarmut kann nicht durch Spenden beseitigt werden. Da spielen viele Aspekte eine Rolle, die nicht mit Spendengeldern behoben werden können. Es geht um Wirtschaftspolitik und soziale Ungleichheit, um den Ausbau des Bildungswesens und eine unterstützende Familienpolitik. Für all das sind Gesetze, Arbeitsplätze, Kontrollen, Gerichte erforderlich, nicht Spendengelder.
In manchen Situationen können Spenden schnell helfen. Eine Reihe von Organisationen haben große Erfahrung, in Notsituationen oder Katastrophen schnell das Nötigste herbeizuschaffen, etwa bei Erdbeben, Dürre, Krieg oder Vertreibung. Arme Staaten sind da oft überfordert. In diesen Notlagen ist es dringend, gerade auch Kinder und ihre Familien zu unterstützen. Kinder sollten auch möglichst bald wieder in die Schule gehen können. Einige dieser Organisation sagen, Ausrüstungen für Schulen und nicht nur Zelte, Wolldecken und Lebensmittel sollten zur ersten Hilfe gehören. für grundlegende Probleme sind Spenden nicht das geeignete Mittel.
Ich möchte jedoch noch auf etwas anderes aufmerksam machen: Kinder arbeiten oftmals mit einem gewissen Stolz. Sie beweisen, dass sie sich selber und ihren Familien helfen können. Manchmal leben Kinder auf der Straße, weil sie ihre Eltern entlasten wollen, die es nicht schaffen, für sie zu sorgen. Sie übernehmen es selbst. Manchmal unter schlimmen Bedingungen. Es kann aber durchaus sein, dass sie durch diese Tätigkeiten manches Lernen, was sie fürs Leben gebrauchen können, was aber die Schule nicht hätte vermitteln können. Manchmal sind diese Kinder sogar froh, einen guten Grund zu haben, die Schule zu verlassen, denn in vielen Ländern, wo die Armut groß ist, bieten auch die Schulen nicht viel, schlecht ausgebildete Lehrer, prügelnde Lehrer, kein Unterrichtsmaterial, manchmal kein Wasser, keine Toiletten.
Noch einmal: Kinder und ihre Arbeit: Da spielen so viele Dinge mit. Unumstritten bleibt, dass es wirklich wichtig ist, dass alle Kinder lange genug in die Schule gehen können, um notwendiges Wissen zu erwerben. Aber dieses Ziel darf nicht zu irgendeiner Form der Abwertung dessen führen, was Kinder leisten, die zu einer Zeit, in der wir sie lieber in einer guten Schule sähen, mithelfen, eigenes Überleben und oft auch das ihrer Familie zu sichern. Das muss anerkannt und wertgeschätzt werden. Manchmal denke ich, man sollte nicht nur Kinder oder Jugendliche auszeichnen, die bemerkenswerte Schulleistungen bringen, sondern auch junge Menschen, die es trotz schwieriger Umstände schaffen, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Das darf für die Politik allerdings keine Ausrede werden. Die Regierungen stehen in der Verantwortung, den Kindern und Jugendlichen einen Entwicklungs- und Lebensweg zu eröffnen, der ihnen einen guten Platz in ihrer Gesellschaft sichert.
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00:09
Welche Maßnahmen sollten gegen Kinderarbeit gesetzt werden?
05:15
Kinderarbeit und Fastfashion
08:50
Der UN Kinderrechtsausschuss weist darauf hin: Man muss mit den Kindern reden. Mit ihnen zusammen muss nach Lösungen gesucht werden.
Medienberichte / Videobeiträge zeigen unterschiedliche Perspektiven auf
Wie ist es nun mit der Kinderarbeit auf dieser Welt?
Es gibt viele Meinungen und Perspektiven. In Bolivien hat man ein Recht auf Arbeit für Kinder beschlossen und begründet dies damit, dass die arbeitenden Kinder so bei der Arbeit geschützt wären. Aber ist das wirklich so? Und wie geht es den arbeitenden Kindern in anderen Ländern?
Kinderarbeit | Fragestunde | ARTE Junior
Was können wir selbst tun?
Esther
13 Jahre
Wien
Esther
13 Jahre
Wien
Wir könnten an Organisationen Geld spenden, damit die nötigen Arbeitsbedingungen eingeführt werden und Kinder nicht mehr arbeiten müssen.
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Hannah
14 Jahre
Wien
Hannah
14 Jahre
Wien
Ich finde, dass der Staat mit eventuell sogar gespendetem Geld ärmere Familien, die auf das Geld angewiesen sind, unterstützen sollte. Illegale, unfaire Kinderarbeit kann ich in meiner Position nicht abschaffen, aber ich kann mich näher mit dem Thema auseinandersetzen und andere Leute über dieses Thema aufklären. Auch können wir unser Konsumverhalten anpassen, um Betriebe die Kinderarbeit zulassen nicht mehr zu unterstützen.
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Aaron
15 Jahre
Wien
Aaron
15 Jahre
Wien
Spannend wäre es, wenn verschiedene Organisationen sich zusammenschließen und sich mit dem Thema Kinderarbeit beschäftigen würden. Demonstrationen gegen Kinderarbeit, denke ich, könnten auch helfen.
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Lui
Vater von 3 Kindern
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Lui
Vater von 3 Kindern
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Die Europäische Union sollte ernste und hohe Strafen einführen, wenn in Firmen Kinderarbeit existiert.
Magdalena
Mutter von 2 Kindern
Wien
Magdalena
Mutter von 2 Kindern
Wien
Um die Umstände unter diesen Kinder arbeiten zu ändern, müsste man meiner Meinung nach, die Leute zu dem Thema erstmal aufklären und ihnen die nötigen Informationen geben.
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Margarita
Mutter von 3 Kindern
Wien
Margarita
Mutter von 3 Kindern
Wien
Um Kinderarbeit zu stoppen, die Kinder daran hindert ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen, müsste man eine verpflichtende Bildung und den Kindern eine gesicherte Existenz geben.
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Wie leben Familien auf dieser Welt? Auf dieser Seite bekommen wir einen Einblick in die Lebenswelten. Was haben Familien zur Verfügung und wie leben sie zusammen?
Wie kann lernen künftig gehen?
Sich selbst organisieren, in digitales Lernen eintauchen und niemanden zurücklassen.
Nach mehreren Wochen Lockdown sind die meisten Schüler*innen wieder in ihre Klassen zurückgekehrt. Endlich. Klar ist, wer unterrichtet, lernt oder zu Hause unterstützt: Schule online ist ein enormer Mehraufwand. Nun dürfen die jungen Leute wieder ihrem Schulalltag nachgehen. Neue Regeln stehen auf der Tagesordnung, wie etwa das Desinfizieren der Hände oder das Abstandhalten von mindestens einem Meter. Unzweifelhaft ist, dass digitale Kompetenzen in Zukunft stärker in den Fokus rücken werden. Wir haben nachgefragt. Die jungen Leute und die Erwachsenenwelt berichten, wie sie die Zeit im Homeschooling erlebt haben.
Was hat ihnen Kopfzerbrechen bereitet und wo sehen sie Lösungen
für Herausforderungen, die durch das Online-Lernen entstanden sind?
Viktoria Ganahl, 14 Jahre
Walgau
Viktoria Ganahl, 14 Jahre
Walgau
Die größte Veränderung bei uns zu Hause ist, dass ich und meine kleine Schwester nicht mehr zur Schule gehen. Ich lerne in meinem Zimmer, teile mir meine Aufgaben selbst ein – habe aber nicht unbedingt weniger zu tun als sonst. Ich vermisse manchmal die Schule, meine Freunde und meinen Geigenunterricht, der nur noch sehr eingeschränkt stattfindet. Mir ist bewusst geworden, dass es Luxus ist, zur Schule gehen zu können.
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Eldin Causevic, 15 Jahre
Bregenz
Eldin Causevic, 15 Jahre
Bregenz
Das E‑learning ist einfach eine große Herausforderung, weil das ganz neu für mich ist. Meiner Meinung nach geben auch die LehrerInnen mehr Aufgaben als davor. Wir müssen das alle noch lernen.
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Marie Perterer, 15 Jahre
Bregenz
Marie Perterer, 15 Jahre
Bregenz
Ich werde das wohl nie wieder sagen, aber ich vermisse die Schule und meine Freunde. Der Onlineunterricht ist sehr herausfordernd, weil es viel schwerer ist, sich zu motivieren und an den Dingen dran zu bleiben. Die Umstellung auf digitalen Unterricht ist für einige Schüler*innen eine Hürde.Viele von uns können den Laptop der Eltern verwenden. Die, die aber die technische Ausrüstung zu Hause nicht haben, sind nicht erreichbar und verpassen den Unterricht. Das muss man lösen und die jungen Leute vor dem Durchfallen schützen.
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Noelia, 13 Jahre
Graz
Noelia, 13 Jahre
Graz
Ich wollte zuerst immer alles gleich machen: wenn ich eine Hausaufgabe bekommen habe, habe ich sie immer direkt erledigt. Das ist am Anfang auch gut gegangen. Bloß als dann viele Hausaufgaben gleichzeitig waren, war ich einfach gestresst und habe angefangen, mir die Sachen einzuteilen. Wir hatten dann das Problem, dass ich die ganze Zeit über auf dem alten Computer arbeiten musste. Das ist leider nicht so gut gegangen, alles war immer so langsam.
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Simon Canaval
Lehrer BORG Hegelgasse
Wien
Simon Canaval
Lehrer BORG Hegelgasse
Wien
Die Umstellung vom regulären Unterricht auf e‑learning birgt meiner Meinung nach Chancen und Risiken. Gerade SuS aus bildungsfernen, einkommensschwachen Familien sind im Moment kaum oder gar nicht erreichbar und fallen Woche für Woche weiter zurück. Am schwersten für mich als Lehrkraft ist via e‑learning den realen Lernfortschritt zu überprüfen. Was mich positiv stimmt sind die Stimmen der Schülerinnen, die die Schule vermissen und die sich schon wieder auf einen regulären Schulbetrieb und das soziale Miteinander freuen.
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Susanne Himmelbauer
Lehrerin AHS Kenyongasse
Wien
Susanne Himmelbauer
Lehrerin AHS Kenyongasse
Wien
In der Phase des „Homeschooling“ ist mir besonders klar geworden, wie wichtig für mich als Pädagogin der direkte Kontakt und das gemeinsame Arbeiten in der Schule ist. Was ich beim Erstellen und Korrigieren der Aufgaben am Bildschirm und auch beim virtuellen Zusammentreffen mit meinen Schüler*innen am meisten vermisse, ist das unmittelbare und direkte Feedback. An der Haltung, am Blick, lässt sich kontinuierlich Über- oder Unterforderung, Langeweile, Energielosigkeit genauso wie Lust, Verstehen und Motivation ablesen.
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Für über zwei Monate wurde der gesamte Unterricht in die virtuelle Welt verlagert. Den jungen Leuten entfällt die Schule als Lern‑, Austausch– und Lebensraum. Von ihnen wird Eigenständigkeit und Selbstorganisation gefordert. Sorge bereitet vielen: wenn Schüler*innen über lange Zeit nicht mehr erreichbar sind. Die Lernfortschritte können nicht mehr richtig überprüft werden und das persönliche Feedback bleibt aus.
Perspektive gewinnen: Was wissen wir?
Im Gespräch mit der Bildungspsychologin, Frau Prof. Dr. Spiel
1. Welche Auswirkungen hat Homeschooling auf die jungen Leute? Welche Hürden werden sichtbar? Welche Chancen tun sich auf?
2. Welche Maßnahmen sollten sofort umgesetzt werden, um auf eine weitere Phase des Online-Lernens gut vorbereitet zu sein?
3. War die Wiedereröffnung der Schulen, kurz vor den Sommerferien, eine gute Entscheidung?
4. Schüler*innen, die während der Corona-Zeit zurückgefallen sind: Wie können sie konkret unterstützt werden?
Was die Medien dazu sagen
Erkenntnisse
Deutlich wird: Wir müssen uns weiterhin an Regeln wie an den Mindestabstand halten. Warum? Um sich selbst und die Menschen im Umfeld zu schützen. Deshalb gelten auch jetzt noch strengere Auflagen an den Schulen. Der Schichtbetrieb an den Schulen wird eingeführt.
Die Krise zeigt, dass junge Leute in ihrer Selbstorganisation, im regulären Schulbetrieb schon, unterstützt werden müssen. Wichtig ist auch, dass digitale Fähigkeiten der Beteiligten gestärkt werden.
Es steht außer Frage: die Schule bleibt unersetzbar. Sie gibt Raum für Struktur, Teamarbeit und direkte Resonanz.
Auf der Suche nach Lösungen
Nun müssen Wege gefunden werden, wie wir über einen längeren Zeitraum hinweg gut mit dem Virus leben können. Das betrifft auch die Schule und die Art des Lernens. Junge Leute erzählen was sie bei einem weiteren Mal Homeschooling verändern würden und auch die Erwachsenenwelt hält einige Lösungen bereit.
Julia Domig, 14 Jahre
Walgau
Julia Domig, 14 Jahre
Walgau
Wenn Homeschooling wieder notwendig wäre, dann sollte von Anfang an die Möglichkeit bestehen, einen Laptop der Schule auszuleihen um den Onlineunterricht abzuhalten. Wenn das gut vorbereitet ist, dann funktioniert es eigentlich ziemlich gut.
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Lene Gruber, 11 Jahre
Bregenz
Lene Gruber, 11 Jahre
Bregenz
Also eigentlich sollten wir den Lehrer*innen, wenn wir wieder mal Zuhause sind, unsere Mathebücher und Hefte schicken können, damit sie sie dann kontrollieren können, damit nicht alles online stattfinden muss.
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Paulina Fraisl, 11 Jahre
Walgau
Paulina Fraisl, 11 Jahre
Walgau
Was mich persönlich etwas gestört hat, war, dass man unzählige Blätter ausdrucken musste, einscannen und wieder verschicken. Danach landeten sie im Müll.
Die Lehrer sollten uns Schülern Lernpakete gesammelt schicken und einen Abgabetermin vereinbaren, sodass wir uns die Zeit gut einteilen können. Die Online Stunden würde ich mir in regelmäßigen Abständen vorstellen.
Auch wäre toll, wenn Schulen hier zusammen arbeiten würden, um das Homeschooling zu vereinfachen. Zum Beispiel einheitliche Plattformen für alle. Das ist nicht so verwirrend.
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Noelia, 13 Jahre
Graz
Noelia, 13 Jahre
Graz
Normalerweise gehe ich zur Stunde hin und dann haben wir dort den Unterricht. Und jetzt, daheim, hat mir niemand gesagt: „Du musst jetzt das machen“. Ich glaube, ich brauche mehr den Druck von außen. Ich hab probiert, mich selber aufzuraffen für solche Sachen. Ich glaube, das hat sich bei mir in der Coronakrise gebessert.
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Christian Höpperger
Direktor NMS Mittelweiherburg
Hard
Christian Höpperger
Direktor NMS Mittelweiherburg
Hard
Wollen wir künftig das Thema Homeschooling im regulären Unterricht nutzen, dann müssen wir gewährleisten, dass alle Kinder die Vorsetzungen haben. Dann sind Land und Bund auch zuständig, dass Kinder funktionierende Geräte verfügbar haben. Die Form des Lernens ist eine völlig andere in diesem Bereich.
Das heißt auch: An den Schulen muss das selbstorganisierende Lernen viel stärker in den Fokus rücken. Wenn Kinder das nicht gelernt haben, dann schaffen sie das zu Hause nicht.
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Susanne Himmelbauer
Lehrerin AHS Kenyongasse
Wien
Susanne Himmelbauer
Lehrerin AHS Kenyongasse
Wien
Wir müssen auch sicherstellen, dass Kinder eigenverantwortliches Lernen IN der Schule lernen, dass in unseren Schulen die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler*innen ebenso wichtig ist wie die Vermittlung des Stoffs und Schüler*innen von uns Lehrenden als Personen in ihrer gesamten Lebenswirklichkeit wahrgenommen werden. So können wir dafür sorgen, dass unsere Schüler*innen sich selbst motivieren können. Sie sollen lernen, dass Lernen ihre ganz persönliche Zukunft entscheidend prägt.
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Welche Schritte sind dafür notwendig?
Lösungen
Eine technische Ausstattung, der darauf angewiesenen Schüler*innen, sollte von der Schule, Bund und Land bereit gestellt werden.
Im Austausch zwischen jungen Leuten und Pädagog*innen sollten die Online-Programme für die Schulen verbessert werden. Dabei können sich benutzerfreundliche und für alle verständliche Formate entwickeln. Gemeinsam mit IT Expert*innen könnte man alle Anliegen gemeinsam umsetzen.
Eine Begleitung der jungen Leute hin zum selbstorganisierten Lernen ist unumgänglich. Schüler*innen, die leichter für die Schule lernen, können diejenigen unterstützen, denen es schwieriger fällt. Die Zusammenarbeit von Schüler*innen ermöglicht den Pädagog*innen den Fokus auf einzelne Schüler*innen.
Wie wirkt sich die Pandemie auf meine Rechte aus?
Ein Beitrag von
Muhammad Kudusov und Viktoria Ganahl
Am 20. November wurde der UN-Kinderrechtetag gefeiert. Doch wie steht es mit den Kinderrechten während einer weltweiten Pandemie? Geschlossene Freizeitbetriebe, abgesagte Veranstaltungen und Ausgangssperren wirken sich auf jede Altersgruppe unterschiedlich aus. Wir alle wissen: Der massive Anstieg von Corona-Infektionen machte auch in Österreich einen zweiten Lockdown nötig. Die strengen Maßnahmen dienen zur Eindämmung des Virus. Und sie schränken die Freiheiten der Menschen enorm ein. Besonders betroffen von diesen Maßnahmen sind Kinder und Jugendliche. Statt im gemeinsamen Spiel und bei Partys mit Freund*innen in Lebensfreude und Spaß einen Ausgleich zum Lernen zu schaffen, sitzen die jungen Leute im Homeschooling isoliert vor dem Bildschirm. Viele fühlen sich einsam und vermissen den Austausch mit Gleichaltrigen sehr. Bei Erwachsenen stoßen diese Gefühle mitunter auf Unverständnis oder werden überhaupt nicht wahrgenommen. Was denken Jugendliche über die Einschränkung ihrer Rechte und Freiheiten?
Noelia Gutschi
13 Jahre
Graz
Noelia Gutschi
13 Jahre
Graz
Ist es schwierig, mit Freund*innen in Kontakt zu bleiben?
Im ersten Lockdown habe ich sehr viele Briefe geschrieben. Da die Leute mehr Zeit hatten und daheim waren, haben sie auch geantwortet. Wenn Freunde in Quarantäne waren, habe ich zum Beispiel eine Schokolade verpackt. Dann bin ich mit dem Fahrrad zu ihnen hingefahren und habe sie in den Postkasten geworfen. Man freut sich über solche kleinen Gesten mehr als über eine Nachricht auf WhatsApp – so kommt es mir vor. Mit den meisten habe ich aber einfach nur telefoniert oder digital geredet.
Findest du, dass deine Rechte durch Covid-19 eingeschränkt werden?
Ich finde, dass Kinder in der Corona-Krise ein bisschen vernachlässigt werden. Baumärkte zum Beispiel haben vor den Schulen und Spielplätzen aufgemacht. Bei uns haben die meisten aber keinen Garten. Außerdem haben Kinder weniger Kontakt mit Gleichaltrigen und Freunden. Ich finde, Freunde sehen zu dürfen ist schon ein Recht. Eine Schülerin aus meiner Klasse hat kein Handy und keinen Computer. Ich habe sie ein halbes Jahr lang nicht gesehen! Das ist dann traurig. Ich glaube schon, dass meine Rechte ein bisschen eingeschränkt werden. Aber in einer Pandemie muss wohl, glaube ich, zuerst an Patienten gedacht werden und erst an zweiter Stelle an Rechte.
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Julian Ganahl
17 Jahre
Walgau
Julian Ganahl
17 Jahre
Walgau
Kannst du deine Hobbys weiterhin ausführen?
Meine Hobbys sind hauptsächlich drei Bands. Mit einer Band sind wir auf Discord umgestiegen. Das heißt, wir versuchen, an unserem eigenen Zeug zu basteln, und jeden Sonntag treffen wir uns in einem Anruf. Jemand teilt das Audioprogramm, dann können wir es uns gemeinsam anhören und Veränderungen vorschlagen. Es funktioniert aber zeitlich nicht so gut. Normalerweise haben Schulen und Proben einen Zeitplan, jetzt vermischt sich alles.
Auf welche Rechte könntest du längerfristig kaum verzichten?
Eindeutig darauf, dass sich nicht mehr als zwei Personen treffen dürfen. Als Jugendlicher gehört es dazu, dass man in Gruppen unterwegs ist. Man kann sich nicht gesund entwickeln, wenn man ständig abgeschottet und isoliert ist. Es ist nicht natürlich. Längerfristig würde es auch nicht klappen, wenn ich auf die Schule verzichten müsste. Mein Tagesplan kommt durcheinander. Bisher musste ich mich nicht um einen strukturierten Tagesablauf kümmern. Das ist jetzt anders.
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Susanne Weissl
15 Jahre
Schülervertreterin
Wien
Susanne Weissl
15 Jahre
Schülervertreterin
Wien
Am 20. November war der Tag der Kinderrechte. Werden diese während der Pandemie beachtet?
Natürlich, denn unsere Rechte werden vom Bundesministerium nicht einschränkt. Es gibt kein Recht darauf, direkt in die Schule zu gehen, sondern ein Recht auf Bildung. Es gibt ein Recht, nicht in Abgeschiedenheit zu leben. Aber unsere sozialen Kontakte werden uns nicht komplett genommen. Man muss mitdenken, das ist wichtig. Die Regierung versucht, uns so viel Rechte wie möglich zu einzuräumen, aber es ist nun mal eine Krisensituation.
Wie ist das als SV (Schülervertreter) in dieser Krise?
Gestern gab es eine Umfrage für die Oberstufe. Dort sollen Schüler*innen Feedback geben und von den Problemen berichten. Sind die Aufgaben vielleicht zu viel? Wir machen das auch bald für die Unterstufe. Unsere Schule hat auch dieses Jahr einen Instagram Account, wo neue Infos gepostet werden. Dann sind alle auf dem gleichen Stand. Wir haben auch eine Plattform für Fragen. Manche Fragen erhalten wir auch per WhatsApp oder Instagram. Damit sind wir ein Teil des Krisenteams, welches vom Direktor gegründet wurde. Wie das mit Lernen funktioniert, ob es Schichtbetrieb oder E‑Learning geben wird, wurde und wird mit uns besprochen. Wir geben auch Feedback.
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Max Ben Romdhane
13 Jahre
Bregenz
Max Ben Romdhane
13 Jahre
Bregenz
Hast du Stress wegen dem E‑Learning?
Ich finde es anstrengend. Vor dem Computer zu sitzen macht nicht so viel Spaß. Es macht richtig müde. Manchmal telefoniere ich mit der Schulklasse. Das ist aber nicht dasselbe, wie gemeinsam an einem Tisch zu sitzen. Es ist stressig, wenn die Internetverbindung spinnt oder es Probleme mit dem Link gibt. Was passiert, wenn ich zu spät reinkomme? Wir machen eher neuen Stoff und jeden Montag zu einer bestimmten Zeit bekommen wir ein Arbeitspaket, welches man später wieder abgeben muss. Dann gibt es ein paar Aufgaben für mehrere Fächer, auch Partnerarbeit in Break-Out-Rooms auf Zoom. Das sind eigene Räume für Meetings, von denen man aber wieder ins Hauptmeeting zurückkehren kann. Mit dem Stundenplan ist es jetzt besser. Davor wusste man von einem Tag auf den anderen nichts Genaues. Aber nun ist alles besser. Man wird auch entspannter, denn man hat nicht so viele Verpflichtungen wie sonst.
Wie steht es mit euren Freiheiten? Werden diese eingeschränkt?
Es ist ein bisschen blöd, dass man sein Hobby nicht ausüben darf. Meine Schwester darf zum Beispiel nicht mehr zum Turnen und auch Profisportler brauchen eine Berechtigung. Ich kenne eine Sportlerin aus dem Ort, die mit dem Bürgermeister Briefe hin und her schickt. Ich hatte davor im Verein 7 Jahre Klettern und bin zurzeit in einem Skiverein. Aber da können wir nicht trainieren, obwohl ich so gerne fahre. Ich werde aber zur Jugendfeuerwehr gehen, das wird interessant.
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E‑Learning und keine Freunde treffen – beides große Herausforderungen für die Jugend. Die jungen Leute aber finden neue Wege, um in Kontakt zu bleiben: Sei es per Videochat oder nur zu zweit unter Einhaltung der Abstandsregeln. Man vermisst dennoch seine Vereine und Aktivitäten mit mehr als einer Person. Die Jugendlichen und Kinder sind sich auch ihrer Pflicht bewusst und halten sich an die Maßnahmen. Sie denken an die Betroffenen und erkennen, dass die Maßnahmen und der Lockdown gute Gründe haben. Sie verzichten auf ihre Freiheiten, um die betroffenen Menschen zu schützen.
Perspektive gewinnen, was wissen wir?
Expert*innen im Interview
Wie wirkt sich die Pandemie auf die Psyche der Jugendlichen aus?
Hedwig Wölfl
Fachliche Leitung
Die Möwe
Hedwig Wölfl
Fachliche Leitung
Die Möwe
Heute wissen wir aus Daten von Studien, dass Kinder, welche vorbelastet sind, ganz besonders leiden. Wir haben viel gelernt und die Kinder auch. Sie bilden bereits Resilienz, also Widerstandskraft, um besser mit den Umständen umzugehen, aber es ist dennoch eine Ausnahmesituation. Sie können ihre FreundInnen und Peers nicht mehr treffen, obwohl es im Sommer in einer Unterbrechung noch möglich war. Kinder aus bildungsärmeren Schichten verlieren den Anschluss bei der Bildung. Sie kommen oft in der Schule nicht gut mit oder bekommen schwerer eine Lehrstelle. Gewalt in der Familie, psychische Probleme und Stress durch die Eltern sind typische Probleme für viele Kinder. Wenn die Eltern ein Video-Meeting haben, dann müssen sie leise sein. Gewalt im Haushalt hat um 10 bis 20 Prozent zugenommen, ebenso Ängste. Man hat vor vielem Angst, das ist auch nichts Schlechtes und muss nicht direkt zur Suizidalität führen. Wenn die Ängste den Alltag beeinträchtigen, braucht man psychologische Hilfe. Für viele fällt auch eine normale Versorgung weg, z. B. beim Zahnarzt, mit dem Mutter-Kind-Besuchen oder die Behandlung bei einem Sprachfehler. Es gibt darüber einen Bericht von der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit (Bericht zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich 2020)
Man spricht über den Lockdown als ein traumatisierendes Event für Kinder und Jugendliche. Wie sehen Sie das?
Man sollte aufpassen mit dem Begriff Trauma. Für manche kann dies der Fall sein. Psychologisch gesehen ist ein Trauma ein unerwartetes Ereignis, welches über uns hereinbricht und wofür wir keine Bewältigungsformen lernen können. Das ist auch für viele passiert, da Kinder mit einer neuen Situation konfrontiert waren. Viele haben eine Resilienz, also eine psychische Widerstandsfähigkeit, gebildet. Das Auskennen von vorher war nicht da, was auch zu einem Trauma führen kann. Allerdings führt nicht alles zu einem Trauma. Für die einen ist die Pandemie gefährlich, sie fühlen sich hilflos und ohne Schutz. Die anderen nehmen die Situation aber als sehr normal auf. Kinder mit einer guten Widerstandskraft (Resilienz) und wenig Vulnerabilität (Verletzlichkeit) sind diejenigen, die gut zurechtkommen. Es hängt von diesen zwei Faktoren ab. Womöglich sind sie in der Vergangenheit schon mit dem Tod der Oma konfrontiert worden und haben es gut überstanden. Aber es gibt auch verletzliche Kinder, welche traurig sind wegen des Auszugs der Schwester, keine Freunde haben wegen eines Schulwechsels, keine Lehrstelle finden, die belastet sind, weil die Eltern streiten, oder frustriert sind, weil der Sportverein ausfällt. Diese Kinder sind verletzlich und dann kommt der Lockdown und die Kinder sind überfordert.
Was halten Sie von E‑Learning und dessen Umsetzung?
Prinzipiell ist es super, dass es die Möglichkeit gibt, dass wir miteinander in Kontakt bleiben können. Das ist viel einfacher als früher. Aber man muss auch wissen, wie man damit umgeht. Wenn man zu viel Zeit virtuell kommuniziert und nicht im echten Leben, dann ist es was anderes. Man kann das normale Gespräch nicht ersetzen und sollte das auch nicht. In unserer Konsumgesellschaft ist es nicht gesund für Kinder, so viel Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen. Es gibt 7‑Jährige, die Fortnite spielen, und das ist nicht gesund. Wir leben alle mit technischen Geräten, aber man muss Kinder und Jugendliche darüber aufklären, was erlaubt ist und was nicht. Ein Junge verschickt aus Rache die Nacktbilder seiner Freundin und wundert sich dann über die Vorstrafe in seinem Register.
Wird sich der zweite Lockdown vom ersten unterscheiden?
Es ist eine politische Entscheidung. Aber bevor unser aller Gesundheit gefährdet ist, weil die
Spitäler überfüllt sind, müssen wir zusammenhelfen. Vor allem jetzt, wo Kindergärten und Schulen zu sind. Kinder, welche Probleme und Stress haben, sollten trotzdem gut von LehrerInnen betreut werden. Das Kind soll nicht nur den Laptop eingeschaltet haben. Es soll nicht nur in die Einrichtung gebracht werden. Dort soll nicht nur auf die Leistung geschaut werden, sondern auch, ob es den Kindern gut geht, emotional oder mental. Und sie sollen fragen können. Vielleicht haben sie kein stabiles Zuhause, haben Sorgen, oder sie werden geschlagen. Sie brauchen Bezugspersonen. Vor allem jetzt, da sie keine anderen Kinder oder Freunde treffen können.
Am 20. November ist der Tag der Kinderrechte. Werden diese während der Pandemie beachtet?
Ich hoffe schon. Es ist eine Herausforderung. Kinder haben ein Recht auf Freizeit, ein Recht auf Bildung, ein Recht auf ein Aufwachsen ohne Gewalt etc. Jugendliche sollen nachfragen, sich selbst einbringen, wie bei „Mund auf, Ohren auf, Kinder sprechen selbst“. Wie geht es ihnen wirklich? Nicht nur ich rede für die Kinder, sondern ihr selbst sagt, wie die Dinge sind: „Ich habe Angst, Wut oder Trauer.“ Das macht Mut, dass es Jugendliche gibt, die das in die Hand nehmen. Sie müssen hier in 50 Jahren noch leben und da sind alle Initiativen direkt von Jugendlichen äußerst hilfreich.
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Wie beeinflusst die Pandemie Kinderrechte in Österreich?
Dr. Helmut Sax
Forscher am Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte
Dr. Helmut Sax
Forscher am Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte
Alles, was mit der Pandemie zu tun hat, hat letztlich auch mit den Kindern zu tun und damit auch Auswirkungen auf ihre Rechte. Ich glaube, es ist sehr deutlich geworden, dass Covid-19 nicht nur eine Krankheit ist, sondern dass die Auswirkungen letztlich uns als ganze Gesellschaft betreffen. Die getroffenen Maßnahmen greifen zum Teil sehr stark in unser Privatleben ein. Man kann nicht mehr jeden Tag rausgehen, keine Freunde mehr treffen, und der Unterricht funktioniert weitgehend über Distance Learning. Das sind massive Auswirkungen, die es so noch nie gegeben hat.
Ganz generell würde ich sagen: Die Auswirkungen der Pandemie hat alle Kinder und Jugendlichen betroffen, und zwar in vielen Bereichen: Kinderrechte, Gesundheit, Bildung, im sozialen Zusammenleben, bis hin zu Konflikten und möglicher Gewalt.
Wie beurteilen Sie die Schließungen der Schulen mit Umstieg ins Distance Learning?
Ich war selbst dagegen, dass man Schulen einfach zusperrt. Letztendlich ist es so auch nicht gekommen, aber stattdessen haben wir eine „halbgute“ Lösung. Das Grundproblem war, dass Schule für Kinder und Jugendliche viele Funktionen hat. Natürlich geht es darum, dass man etwas lernt. Man geht aber auch hin, weil man Gleichaltrige trifft. Es ist erwiesen, dass man in Gruppen viele Dinge besser lernen kann. Schule hat viele Dimensionen, die für junge Leute sehr wichtig sind — auch dass man einmal raus kann von zuhause. Aus meiner Sicht hat man vorher zu wenig überlegt, wie man verhindern kann, dass es zu solchen Schulschließungen überhaupt kommt. Es ist sehr unterschiedlich, wie die Schulen mit der Situation umgehen und wie sich dies auf die Kinder auswirkt. Man überlässt mehr oder weniger den Schulen, wie die Lehrer damit zurecht kommen sollen. Das ist eine ziemliche Anforderung, würde ich sagen.
Könnten die aktuellen Einschränkungen der Kinderrechte auch längerfristige Folgen haben?
Wenn schon längerfristige Folgen, dann hoffe ich, dass etwas Positives übrig bleibt. Das fängt auf einer ganz einfachen Ebene an: Gerade die Schulen haben jetzt gesehen, dass sie sich mit Technik, Internet und digitalen Medien beschäftigen müssen. Wenn es bisher um Handys in der Schule ging, war die einfachste Lösung immer: Am besten verbieten. Jetzt sieht man, wie extrem wichtig digitale Medien sind und wie kurzsichtig bisher eigentlich gedacht wurde.
Die andere Frage ist: Wer kann sich ein Handy oder ein Tablet leisten? Im Distance Learning hat im Idealfall jedes Kind einen eigenen Computer. Den können sich viele nicht leisten. Kinder mit guten Rahmenbedingungen können auch ganz gut von zu Hause aus für die Schule lernen. Aber wie geht es Kindern, die nicht solche Grundvoraussetzungen haben?
Ich habe in der Diskussion bis jetzt ganz wenig gehört, dass man sich Gedanken macht, wie es ärmeren Familien mit weniger Geld in Österreich geht. Oder anderes Thema: Integration und Inklusion von Kindern mit Behinderungen, nicht nur auf die Bildung selber bezogen. Alle jene, die es extraschwer haben, darf man jetzt nicht vergessen und zurücklassen. Dass das nicht so sein soll, sagt sich schnell. Aber man wird sich in Zukunft sehr genau anschauen müssen: Was hat diese Pandemie mit verschiedenen Gruppen, gerade mit Kindern, Jugendlichen und Familien, gemacht? Welche neuen Risiken sind entstanden und wie kann man darauf reagieren?
Kinder spielen in dieser Pandemie keine Hauptrolle, sie sind keine Risikogruppe. Finden Sie dennoch, dass man mehr Rücksicht auf Kinder in der Pandemie nehmen sollte?
Ja, definitiv. Junge Leute sind Teil unserer Gesellschaft. Bis jetzt wurde zu wenig auf sie gehört. Es gibt zwar an sich ExpertInnen, die auch die Regierung beraten, aber das sind alles letztlich Erwachsene. Mir ist nicht bekannt, dass man in Österreich eine Umfrage gestartet hätte: Wie geht es den Kindern und Jugendlichen mit den Auswirkungen mit der Pandemie? Darum finde ich es auch super von euch, dass ihr über den Blog von jung&weise die Möglichkeit schafft, dass junge Leute, aber auch ältere wie ich (lacht), gehört werden.
Wenn es irgendein Wirtschaftsthema gibt, dann setzen sich auch die Erwachsenen zusammen, die in dem Bereich arbeiten. Sie besprechen und organisieren sich, melden sich zu Wort und stellen Forderungen. Genauso sollte es bei jungen Leuten sein, wenn es um Fragen wie Bildung, Kinderkultur oder Freizeiteinrichtungen geht.
Was würden Sie konkret für Kinder und Jugendliche verändern?
Wenn es um den Umgang mit der Pandemie geht, sollten junge Leute miteinbezogen werden und zu Wort kommen. Ganz generell finde ich auch, es wäre eine Gelegenheit, das Thema „Was heißt Gesundheit?“ noch einmal etwas breiter zu diskutieren. Es geht nicht nur darum, dass man schwere Lungenkrankheiten bekommen kann. Dass Leute zuhause bleiben, sich isolieren, und gerade auch die jungen Leute davon betroffen sind: Das sind auch alles Gesundheitsthemen. Auch die Internationale Weltgesundheitsorganisation sagt: Gesundheit definiert sich nicht nur durch das Fehlen einer Krankheit. Man kann sich nicht krank fühlen und trotzdem nicht gesund sein, weil man sich einfach nicht wohlfühlt. Gesundheit hängt auch damit zusammen, dass man sich mit anderen Menschen trifft und sich austauscht.
Ich denke trotzdem: Die Erfahrungen, die wir alle jetzt machen, sind auch etwas Einzigartiges. Hoffentlich kann man sie auch für etwas Positives nutzen. Alle Leute, die diese Krise bewältigt haben, können auch darauf stolz sein. Das ist nichts, was normal ist, nichts Selbstverständliches. Es freuen sich eh schon wieder alle auf die Zeit danach, wenn das normale Leben wieder weitergeht. – Aber hoffentlich mit ein paar Erfahrungen, die man in der Krise gemacht hat: Was gut funktioniert hat, und was nicht gut funktioniert hat. Dass wir halt „gscheiter“ werden, als ganze Gesellschaft, inklusive der jungen Leute.
Dr. Helmut Sax ist Forscher am Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte.
Er arbeitet zu den Bereichen Frauen- und Kinderrechte, Menschenhandel,
Menschenwürde und öffentliche Sicherheit und ist im Vorstand des Netzwerks
Kinderrechte Österreich.
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Eingeschränkte Kinderrechte in der Pandemie
Was sagen die Medien dazu?
Die Medien zeichnen ein recht klares und einheitliches Bild: Viele Kinderrechte werden momentan eingeschränkt. Das betrifft nicht nur das Recht auf Bildung. Kontaktverbote und geschlossene Freizeitbetriebe verletzen darüber hinaus die Rechte auf Spiel, Freizeit und gesellschaftliche Teilhabe. In den Medien wird allerdings besonders das Recht auf Bildung betont. Unterschiedlichste Voraussetzungen im Homeschooling führen dazu, dass vor allem Schüler*innen mit Lernschwächen noch weiter zurückfallen werden. Eine weitere Folge des Lockdowns, die Kinder trifft, ist die Zunahme psychischer und physischer Gewalt. Wenn Familien viel Zeit auf engem Raum verbringen müssen, können Konflikte schneller eskalieren. Gleichzeitig ist es für Außenstehende während des Lockdowns oft schwierig, Probleme dieser Art zu bemerken.
In den Medien wird eines klar: Kinder und Jugendliche gehören zwar keiner Risikogruppe an, leiden aber besonders unter den Folgen des Lockdowns. Selbst in einer Pandemie darf man Kinderrechte nicht aus den Augen verlieren. Auch wenn viele aktuelle Einschränkungen notwendig sind: Ein wacher und kritischer Blick auf die getroffenen Maßnahmen bleibt unverzichtbar.
selbst gezogen
Gemüse aus Satteins
Nachdem wir den Film „Tomorrow“ gesehen haben, kam uns die Idee, selbst Gemüse und Früchte anzubauen und einen Beitrag für eine gesunde Ernährung zu leisten. Wenn man sich selbst um das Aufwachsen der Pflanzen kümmert, lernt man Lebensmittel mehr zu schätzen. Uns ist auch bewusst geworden, dass durch den eigenen Anbau keine (Plastik)verpackungen anfallen. Somit leisten wir auch einen Beitrag zur Klimaneutralität.
Unser erstes Treffen galt vielen Fragen: Wo bauen wir an? Was bauen wir an? Welche Pflanzen vertragen sich? Was tun wir mit der Ernte? Wie vermitteln wir die Botschaft?
Am 12. April 2019 informierten uns Andreas Weratschnig (Landwirtschaftskammer) und Heribert Insam (Uniprofessor für Mikrobiologie) über Kreisläufe und das Zusammenspiel von Pflanzen, Tieren und Menschen in der Landwirtschaft. Dann wurde es konkret: Im Pfarrgarten und auf einem Stück Acker, das uns die Familie Biedermann in der Au überließ. Im Pfarrgarten setzten wir wetterbedingt eher spät Salate, Pastinaken, Brokkoli, Kräuter und Erdbeeren, im Acker Kartoffeln, Weißkohl, Zucchini, Kürbis und Lauch. Am 08. Juni setzten wir im Pfarrgarten nochmals Kohlrabi, Sprossenkohl und Mangold.
Bei der Pflege wechseln wir uns ab. Das Anpflanzen von Gemüse und Früchten ist nicht schwer, man muss aber regelmäßig gießen und das Jäten ist harte Arbeit. Es lohnt sich jedoch (hoffen wir). Das Gemüse wird nach der Ernte (plastikfrei) bei der Bibliothek zur Entnahme angeboten.
Wir empfehlen
TOMORROW — DIE WELT IST VOLLER LÖSUNGEN
Die reichliche Ernte wurde von Ende Juni bis Ende September zur freien Entnahmen angeboten: Mitten im Ort, bei der Bibliothek in Satteins bauten die jungen Leute ihren schmucken Stand auf. Über eine Spendenbox wurde darum gebeten, die Deckung der Kosten für Setzlinge mitzutragen. Am Ende der zwei Gartensaisonen fehlte es nicht am Spendengeld!
Nicht nur die Ernte, auch die Freude über das gelungene Projekt sollte geteilt werden.
Zum Abschluss bereiteten die Generationen*innen gemeinsam die letzten Kartoffeln und Kürbisse zu, woraus sich eine fröhliche Feier entwickelt.
Jugendbeteiligung Satteins – Gemüse vom eigenen Feld
»Wir finden das Gartenprojekt sehr gut, weil die Jugendlichen spüren, mit welchem Aufwand – einmal mehr einmal weniger – wunderbares Gemüse geerntet werden kann.
Damit die Jugendlichen gerade jetzt zur Zeit des Corona-Virus, wieder Kontakte knüpfen können, finden wir das gemeinsame Projekt „Garten unter Gleichaltrigen“, wichtig.«
Nicole Rhomberg (Mutter einer Jugendlichen)
Ein Beitrag von
Dilet Maringele und Norea Nenning
Wie engagieren sich Jugendliche in der Politik?
Ein Beitrag von
Muhammad Kudusov
Seit den „Fridays for Future“-Demos stehen engagierte Jugendliche im Fokus der Medienaufmerksamkeit. Auch die „Black Lives Matter“-Proteste werden eher von jungen Leuten angetrieben. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf kontroverse, seriöse Themen, die aus ihrer Sicht nicht ausreichend ernst genommen werden. Ich wollte wissen: Wie bewerten junge Leute in meinem Umfeld diese Bewegungen? Was denken sie über Politik? Was sagen erfahrene Erwachsene dazu? Dazu konnte ich Interviews führen. Bgm. Georg Bucher (Ansprechpartner für Jugendliche / Regio ImWalgau), Landesrätin Veronika Marte und die Journalistin Jutta Berger haben sich Zeit genommen.
Svenja Walser
16 Jahre
Bregenz
Svenja Walser
16 Jahre
Bregenz
Wie findest du Jugendliche, die sich in der Politik engagieren?
Ohne Politik gäbe es Chaos, siehe die Corona-Maßnahmen. Jugendliche sind die Generation von morgen. Sie haben auch eine Stimme. Österreich ist eine Demokratie, die Bevölkerung soll entscheiden und dazu gehören auch Jugendliche. Das ist super.
Was erreichen junge Leute etwa von Fridays for Future?
Sie haben viel Aufsehen in den Medien bekommen und sind zum wichtigen Thema geworden, auch aktuell. Man redet mehr über das Klima, auch im eigenen Umfeld. Zum Beispiel essen meine Schwester und ich öfters vegetarisch, kaufen mehr regional und saisonal und sparen Strom und gehen mehr zu Fuß oder benutzen Öffis. Und im Frühjahr haben wir sogar ein Kräuterbeet angelegt im Garten.
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Joachim Stöckeler
16 Jahre
Bregenz
Joachim Stöckeler
16 Jahre
Bregenz
Wie ist der politische Einfluss von jugendlichen Lehrlingen?
Sehr gut. Es gibt ‚Lehrlingsparteien‘, politische Gruppen die sich für Themen der Lehrlinge einsetzen. Sie schauen z.B., dass Essen in der Kantine zu reduzierten Preisen ausgegeben wird. Sie kommunizieren gut mit der Gewerkschaft. Es gibt Lehrlingsvertreter und wenn man einen Vorschlag oder ein Problem hat, kann man dort auch anonym in Kontakt treten. Alle zwei Jahre gibt es Neuwahlen.
Was wünscht du dir von den Politiker*innen?
Dass man sich nicht immer gegen die Ideen der anderen stellt oder gute Ideen ‚klaut‘. Das ist so richtig kriegerisch. Besser ist es, die Idee zu übernehmen und Respekt zu geben dafür. Die Politik dreht sich zu sehr um die Parteien, statt um die Lösungen.
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Alima Bonenkamp Furtado
16 Jahre
Bregenz
Alima Bonenkamp Furtado
16 Jahre
Bregenz
Worum ging es bei „BlackLivesMatter“?
Gegen Polizeigewalt und Rassismus generell. In den USA begann die Bewegung wegen der Diskriminierung. Hier in Österreich gibt es zwar nicht viele Menschen mit dunkler Hautfarbe, aber die Demo war allgemein gegen Rassismus. Egal welche Hautfarbe, das ist nicht das Thema. Ich habe Familie in Amerika, sie haben Angst. Ich bin Mixed. Ich will die Leute beschützen und meine Familie beschützen. Viele meinten, dass das Demonstrieren unnötig war. Aber es geht um Solidarität und es ist nicht okay, vor allem wenn die Gewalt von jenen ausgeht, die die Bevölkerung schützen sollen. Da hat man nur noch Angst.
Wirst du ernstgenommen?
Viele tun nur so, als würde sie uns ernst nehmen, weil sie die Wählerstimme brauchen. Vertreter*innen einer Partei haben Snacks zu den „Fridays for Future“- Demos gebracht. Aber es geht darum, dass die ganze Bevölkerung und Regierung zusammenarbeitet und nicht nur die eine Partei allein. Die Probleme der Gegenwart kann man nur zusammen lösen. Wenn sich die Parteien bekämpfen, kommen keine Lösungen raus dabei. Wenn die Partei das nur als Werbung benutzt, nützt es nichts.
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Jugendliche engagieren sich in den verschiedensten Weisen. Manche organisieren etwas auf eigene Faust und veranstalten eine Demonstration auf der Straße. Andere bewirken im nahen Umfeld etwas und überreden die Schwester weniger Fleisch zu essen oder selbst mehr zu Fuß zu laufen. Und manche machen bei Initiativen wie jung&weise mit und schreiben im Blog darüber und interviewen Politiker. Engagement zeigt sich auf viele Arten und Weisen. Was alle Jugendlichen verbindet: Sie wollen gehört und verstanden werden. Man soll sie ernst nehmen und mit Respekt behandeln. Auch sie sind ein Teil der Bevölkerung und wollen mitbestimmen.
Perspektive gewinnen, was wissen wir?
Expert*innen im Interview
Was sind die Voraussetzungen dafür, dass Kommunikation zwischen den Generationen stattfindet?
Georg Bucher
Bürgermeister Bürs
Georg Bucher
Bürgermeister Bürs
Zuerst einmal ist es wichtig auf welcher Ebene miteinander gesprochen wird. Es braucht Akzeptanz und Ernst, dann gibt es mal eine wichtige Basis und alles andere kommt dazu. Da gibt es viele Spektren. Es ist wichtig, dass die Kommunikationsregeln eingehalten werden, dass man auf Augenhöhe mit Erwachsenen redet und sie auch kritisieren darf, dann passiert es auch im großen Umkreis.
Beeinflusst die Meinung der Kinder ihre Entscheidung innerhalb der Politik? Also wird sie berücksichtigt?
Wir haben ein Kinderbeteiligungsprojekt in der Gemeinde und auch Jugendbeteiligungsprojekte wie jung&weise. Jetzt gerade in den letzten Jahren verstärkt, dass wir einen kontinuierlichen Lernprozess für Jugendbeteiligung haben. Bis jetzt haben wir immer kurzfristige Projekte gehabt, die aber bereits meist nach 2 Monaten abgeschlossen waren. Aber es sollte ein laufender, natürlicher Prozess sein, der fachlich begleitet wird. Einem Jugendparlament gegenüber bin ich aber skeptisch: Soll es dann auch ein Senior*innenparlament geben? Oder ein Mittelklasseparlament? Ich bezweifle, dass dies das richtige Format ist. Sie sollten lieber eine gemeinsame Stimme sein. Zusammen Projekte schaffen und präsentieren wie bei jung&weise. Die Jugend soll man nicht abkapseln, sondern aktiv beteiligen.
Sie wünschen sich, dass Kinder- und Jugendbeteiligung ein Fixpunkt in der Politik wird. Wie sehen sie die Umsetzung davon?
Ein wichtiger Punkt sind offene Schulen. Ein wichtiger Weg ist es, auf Schülerinnen und Schüler zuzugehen. Wenn ich die jungen Leute bis zum Pflichtschulalter beteilige, erwische ich einen Großteil der Jugendlichen. Wenn ich Klassen einbinde, dann profitieren alle von der politischen Bildung.
Wie sehen Sie die politische Bildung bei den Kindern und Jugendlichen?
Demokratie ist ein ewiger Lernprozess. Ein Klassenverband macht Themenfindung und Prioritätensetzung. Wenn ich meine Meinung vertreten will, muss ich mich durchsetzen können z.B. bei der Frage: „Gehen wir ins Schwimmbad oder wandern?“ Dafür muss ich Argumente finden und bereits das ist politische Bildung. Klassische politische Bildung ist eher historisch mit Daten und Zahlen. Im Schulablauf wäre der Beteiligungsprozess sehr wichtig. Der Kontrast zu aktuellen Themen muss auch da sein.
Was würden Sie gerne bei den Jugendlichen sehen?
Ich wünsche mir, dass die Jugendlichen nicht nur einen Wunschzettel schreiben, sondern auch Pflichten übernehmen, indem sie Vorschläge machen und auch gewisse Dinge organisieren und bei Initiativen wie zum Beispiel jung&weise mitmachen.
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Sie setzen sich stark für politische Bildung bei jungen Menschen ein. Was sind Ihre Visionen?
Veronika Marte
Landesrätin
Veronika Marte
Landesrätin
Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, indem man immer diskutiert hat und wo es wichtig war, dass man sich eine Meinung bilden konnte. Im Beruf bin ich Lehrerin und habe viel mit Jugendlichen zu tun, ich habe auch politische Bildung unterrichtet. Im Grunde passiert Politik in ganz vielen Bereichen. Und doch hört man oft: „Nein, nein, ich will politisch nichts machen.“ Obwohl man doch längst dabei ist, etwa wenn man sich im Verein engagiert oder mit der Entscheidung, wo man einkauft. Das sind auch politische Entscheidungen. Eine Vision von mir ist, dass man junge Menschen befähigt, sich selbst ein Bild von gewissen Dingen zu machen, statt vorgesagt zu bekommen: „So ist es.“ Wir können nicht einfach das Wahlalter ab 16 Jahren einführen, aber keine politische Bildung anbieten. Es wäre eine Grundbildung nötig in Form eines Faches.
Wie stellen Sie sich so ein Fach vor?
Ich war selbst Lehrerin. Meine Schüler*innen wussten nicht, dass ich bei einer Partei bin. Ich stimme zwar nicht allem zu, was die ÖVP macht, doch sie vertritt meine Interessen am besten. Mir war aber wichtig, dass die jungen Leute auch andere Parteien kennenlernen und den historischen Hintergrund dazu: Wie sind diese Parteien entstanden, welche Geschichte haben sie miteinander. Das wichtigste als Lehrperson ist, unabhängig zu unterrichten. Man muss alle Schüler*innen fair behandeln. Egal welches Thema behandelt wird, man muss unabhängig bleiben und den Jugendlichen die Chance geben, sich selbst ein Bild zu machen.
Was können junge Menschen in der Politik bewirken?
In der Politik muss man versuchen alle Gruppen einzubeziehen. Man versucht seniorenfreundlich und familienfreundlich vorzugehen, aber man muss Politik auch jugendfreundlich machen. In der Stadt Leben verschiedene Generationen und je mehr man einbezieht, ein umso differenzierteres Bild entsteht. Ich kann zwar versuchen für Jugendliche zu sprechen, aber Ich bin erwachsen und meine Bedürfnisse sind heute anders als die euren. Ausgleich bewirkt man, indem man junge Kandidaten auf die Listen holt und mit Jugendorganisationen zusammenarbeitet.
Wie involviere ich Jugendliche als Politikerin?
In Bregenz arbeiten wir schon lange mit Carmen Feuchtner von Welt der Kinder und jung&weise zusammen. Das Wichtigste ist es, die Hemmschwelle abzubauen
Was würden Sie gerne bei der Jugend sehen?
Es gibt gewisse Regeln des Zusammenlebens, Gesetze. Man hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Jeder kann auch einen Beitrag leisten und unsere Jugendliche leisten besonders viel. Wir haben viele Vereine mit guter Jugendbeteiligung, das YoungArt zum Beispiel oder die Stofftaschen im Walgau, die anstelle von Plastiksäcken verkauft wurden, die Organisation von ZeroWaste Picknicks. Das YoungArt wird überwiegend von jungen Menschen organisiert. Das ist lässig und gut und es freut mich, so etwas zu sehen.
Finden Sie, dass ein Wahlrecht ab 16 Jahren zu früh ist?
Das ist ein schwieriges Thema. Man darf zwar mit 16 wählen, aber auf keiner Liste kandidieren. Da gibt es sicher noch Verbesserungsbedarf. Wenn man das Wahlalter senkt, ist es auch wichtig, politische Bildung mit einzubeziehen. Das Wahlalter mit 16 Jahren ist ausreichend jung, auch 18 Jahre würde passen. Ich finde es schade, weil auch viele 16-Jährige sehr politisch engagiert sind, aber viele junge Leute unter 18 Jahren setzen sich mit dem Fach Politik nicht konkret auseinander: Man hat zwar das Wahlalter gesenkt, aber keine politische Bildung eingeführt. Ich würde sagen, das ist ein Versäumnis.
Sie waren auch bei jung&weise dabei, was haben sie von dort mitgenommen?
Ich war zweimal bei jung&weise dabei, einmal in einer größeren Runde, einmal in einer kleineren Runde. Ich finde es interessant, wie sich junge Leute ausdrücken und ihre Standpunkte mit Argumenten verteidigen. Es ist einfach ein anderer Blickwinkel. Vor jung&weise war meine Einstellung anders. Ich habe viel mit Jugendlichen zu tun und denke, dass viele Jugendliche ein unglaubliches Potential haben, dass sie bestimmt sind und auch etwas frech. Das Frechsein ist natürlich das Vorrecht der Jugend.
Welches sind die aktuellen Schritte der Jugendpolitik in Bregenz?
Das aktuellen Jugendprojekte sind die Zusammenführung von Between und Westend, daran wird gearbeitet. In den letzten 3 Jahren gingen es darum, beide Organisationen unter einer Leitung zusammenzuführen, mit einem Vorstand, und daraus schließlich einen Verein zu machen. Hinter der Idee steht immer die Frage: „Was braucht die Jugend in Bregenz?“ Ein kleineres Projekt, das wir umgesetzt haben, ist der Spielplatz neben dem Riedenburger Bahnhof. Bei solchen Prozessen ist es immer wichtig eine Gruppe Jugendliche dabei zu haben, die mitreden.
„BlackLivesMatter“ ist ein brisantes und wichtiges Thema bei jungen Menschen. Von Seiten der Politik kam es kaum Reaktionen. Wieso?
Ich habe zwar die ganzen Ausschreitungen über die Medien mitverfolgt. Es ist wichtig, die Diskussion über strukturellen Rassismus zu führen. Den gibt es auch hier. Man muss sich immer wieder selbst überlegen, wie man redet, wie man anderen begegnet. Ich weiß, dass es Demonstrationen auch während der Hochphase von Corona gab. Da finde ich es generell grenzwertig, solche Veranstaltungen zu machen. Es ist schwierig. den Sicherheitsabstand und die erforderlichen Maßnahmen einzuhalten. Auf Bundesebene hat man sich sehr wohl vom strukturellem Rassismus distanziert, aber nicht unter dem Namen „BlackLivesMatter“. Das war vielleicht für Jugendliche nicht nachvollziehbar? Für mich ist es unverständlich, wie Menschen in der Lage sind, rassistisch vorzugehen. Es ist doch völlig unbedeutend, welche Hautfarbe oder welchen Hintergrund man hat. Wir sind alle gleich. Grundsätzlich sollte man einen großen Bogen spannen und allgemein gegen Intoleranz angehen.
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Sie waren im Landtag. Sind ihnen dabei Organisationen mit Jugendlichen aufgefallen?
Jutta Berger
Journalistin
Jutta Berger
Journalistin
Es gab ein Jugendlandtag, welcher aus Schülern und Schülerinnen von verschiedenen Schulen bestand. Mir gefiel dieser Landtag nicht, er wirkte mehr wie eine Karikatur der echten Parteien war. Er war durchorganisiert und die Jugendlichen vertraten eher die Meinung der Parteien als ihre eigenen.
Sehen sie einen Nutzen vom Diskurs mit Kindern und Jugendlichen über Politik?
Ich halte das für ganz wichtig, sowohl wirtschaftlich wie auch politisch und für die, welche sich für die Zukunft schlau machen. Die Politik ist nicht die Politik für heute, sondern eine Politik mit Folgen für mehrere Generationen. Es liegen Welten zwischen der Perspektive von Erwachsenen und einem Kind.
Wie können sich Kinder und Jugendliche engagieren?
Jeder kann sich engagieren. Bei Initiativen, Kommunen, Schulen, uva.
Wie kann man als Politikerin Kinder und Jugendliche involvieren?
Man muss das Gespräch suchen, sie ernst nehmen, Vorschläge aufnehmen und umsetzen. Falls man mit Jugendlichen Projekte startet, soll man diese nicht nachher in Schubladen stecken, sondern durchziehen. Sonst besteht die Gefahr, dass die Jugendlichen beziehungsweise Kinder kein Interesse mehr an der Politik haben könnten.
Gibt es genug politische Bildung für Kinder und Jugendliche?
Bereits damit, eigene Aktivitäten im Kindergarten zu entwickeln, mit der Möglichkeit, seine Meinung laut zu äußern und sich zutrauen, diese zu äußern, fängt die politische Bildung an. Da findet ein Umdenken statt.
Was würden sie gerne bei der Jugend sehen?
Engagement und dass die Jugendlichen für ihre Ideen eintreten und laute, aktive und mutige Jugendliche sind.
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Berichte zum Thema – junge Stimmen im Young Corner (WANN & WO)
Wie wirkt sich Sport auf das Selbstbewusstsein aus?
Ein Beitrag von
Muhammad Kudusov
Sport – für den einen heißt das Bankdrücken im Fitnessstudio, für den anderen ist es eine Leidenschaft oder sogar ein Lebensstil und so manchem graust es regelrecht davor. Das Spektrum der Meinungen ist breit und in Interviews haben Jugendliche ihre Meinung kundgetan und erzählen uns aus verschiedenen Perspektiven, was Sport für sie bedeutet. Diese Meinungen stehen im Kontrast zu den Aussagen von Fachexperten und recherchierten Fakten. Die Frage ist nun: Was bewirkt Sport bei Jugendlichen und deren Selbstbewusstsein? Wie sehen das die Jugendlichen? Und was ist die Meinung der Experten dazu?
Chiara Hubner
17 Jahre
Chiara Hubner
17 Jahre
Wieso machst du Sport?
Ich habe es von daheim stark mitbekommen, meine Familie ist sehr sportlich, und es gibt sozusagen eine gewisse Konkurrenz. Und ich mache es hauptsächlich für mich selbst. Früher galten dünne Frauen als schön, aber das Schönheitsideal wandelt sich auch zugunsten muskulöseren Frauen. Und das will ich auch erreichen.
Wie beeinflusst Sport dein Selbstbewusstsein?
Man fühlt sich in seinem Körper wohl und es pusht das eigene Ego natürlich.
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Eva Egle
18 Jahre
Eva Egle
18 Jahre
Wann machst du Sport?
Eher zur Fortbewegung wie Fahrrad fahren. Meist mache ich Sport bei Familienaktivitäten wie Wandern oder Schwimmen mit Freunden, also als Freizeitbeschäftigung.
Macht Sport einen Unterschied für dein Leben?
Es ist besser fürs Selbstbewusstsein, aber eigentlich hat es keine starke Auswirkung, weil Sport kein fester Bestandteil im Leben für mich ist. Es ist nicht meine Leidenschaft, deswegen bin ich davon nicht abhängig.
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David Angerer
16 Jahre
David Angerer
16 Jahre
Was ist deine Motivation für Sport?
Sehr unterschiedlich. Der Grund zum Anfangen war mein schiefer Rücken und die Rückenübungen dafür und danach kam die Frage: Wieso nicht die anderen Körperteile auch trainieren? Es ist gesundheitlich eine große Hilfe, hält fit, man kann Energie freisetzen, man arbeitet an sich, es ändert den Lebensstil und man hat Spaß.
Würdest du Sport anderen empfehlen?
Ja, ich empfehle es, weil es nicht nur gesund, sondern auch natürlich für uns ist, da wir früher in der Steinzeit Jäger und Sammler waren und Sport sozusagen etwas Selbstverständliches ist. Und bei richtiger Anwendung hat es keinen Nachteil.
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Arthur Potura
16 Jahre
Arthur Potura
16 Jahre
Wie fühlst du dich nach Sport?
Ausgelaugt, aber auf eine positive Art und Weise oder motivierter noch etwas zu tun.
Was interessiert dich am meisten beim Sport?
Die Ästhetik, die Körperkontrolle, was eine gewisse Körperkraft voraussetzt, und die Präzision des Sportes spornt an diesen zu machen.
Was bringt dir Sport?
Sport bereichert mein Leben, sowohl psychisch als auch physisch, ermöglicht es mir an meine Grenzen zu kommen und zu überkommen. Mein Selbstbewusstsein ist positiv beeinflusst, da ich mit Leistung gewisse Erfolge erziele und meinen Körper verändere.
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Wie schon gesagt sind die Meinungen der Jugendlichen unterschiedlich. Sport wird als Möglichkeit angesehen, sich zu entwickeln und sich zu verbessern. Man fühlt sich wohl in seinem Körper, da man ihn zu einem gewissen Grad selbst gestaltet. Für andere ist Sport einfach ein Zeitvertreib, eine spaßige Aktivität mit Freunden und Familie. Aber alle sind sich einig, dass Sport fit hält und gesund ist. Alles darüber hinaus ist individuell.
Perspektive gewinnen, was wissen wir?
Expert*innen im Interview
Ivo Bösch
Trainer
Judoclub Bregenz
Ivo Bösch
Trainer
Judoclub Bregenz
Persönliche Frage: Welche Sportart machen Sie denn und warum?
Ich mache Judo, seit ich 4 Jahre alt bin. Für mich ist es ein Lebensweg, es hilft dabei nach schweren Situationen wieder aufzustehen, was immer wieder im Leben geschieht.
Wie beeinflusst Sport dein Leben?
Zu 95 Prozent. Umgang, Körperbeherrschung und Respekt habe ich durch den Sport erfahren. Es steigert mein Selbstbewusstsein, verleiht einem eine gewisse Stärke und spiegelt sich im Verhalten, sowie im Leben allgemein wider und es ist jedem zu empfehlen.
Macht Sport für Kinder/Jugendliche einen Unterschied als für Erwachsene?
Es gibt eigentlich keinen Unterschied. Beispielsweise ist bei Judo das Miteinander wichtiger als pure Kraft, und wir stärken uns gegenseitig.
Sport für Freizeit oder als Beruf?
Ich mache Sport als Ergänzung und Ausgleich zum Job. Ich habe dadurch viel mitbekommen und trainiere und gebe diesen Weg an Heranwachsende weiter. Wir machen Sport international, jeder miteinander, und das erfüllt mich sehr. Es gibt immer Tage, die besser und schlechter sind, aber wenn man dran ist und den Weg der Kinder sieht, freut man sich umso mehr.
Wie ist das ein Vorbild zu sein?
Jeder Jugendliche, Erwachsener und jedes Kind haben Vorbilder, gemeinsam erleben. Du selbst hast nie die höchste Vorbildfunktion. Man lernt von klein und groß und man sieht sich nie als den Schwächsten oder Stärksten. Ich will den Heranwachsenden etwas beibringen und sie weiterbringen. Die Kulturform 睦み合う, auf Deutsch „gemeinsam gedeihen“, ist die höchste Art von Judo, alle sind gleichgesinnt und nur so kann man stärker werden.
Was hat es für Vorteile (Fakten)?
Jeder Sport hat Vorteile und es ist wichtig für die heutige Jugend, um sich zu entwickeln und zu lernen sich durchzusetzen. Was ich aber oft kritisieren muss, ist der Leistungsdruck, der nicht immer positiv ist. Eltern machen sich mehr Kopf darüber, dass ihre Kinder stärker, schneller und besser als sie werden und nicht das Prinzip des Sportes verstehen. Die Kinder können diesen Leistungsdruck nicht lange standhalten. Jeder muss besser werden, aber nicht so.
Sport im Verein oder alleine?
Zum Beispiel alleine joggen oder Judo hat einen Unterschied. Im Verein lernt man miteinander aus Fehlern, dafür stehen die 10 Regeln aus Judo. Man hat das beim alleinigen Joggen nicht, man hat nicht die Möglichkeit mit anderen zu lernen. Alleine Sport zu machen ist gut, wenn man für sich etwas versuchen will, aber mit dem Verein lernt man mit allen. Man lernt von den anderen und die anderen lernen von einem und man geht mit einander den Weg des Lebens.
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Was die Medien dazu sagen
Was sagen die Medien dazu? Wenn man nach gesundheitlichen Themen googelt, sollte man immer kritisch mit den Informationen umgehen, denn es gibt keine Wahrheitsgarantie für diese. Jedoch stimmen die meisten Artikel dem Fakt zu, dass Sport gesundheitliche Vorteile hat. Bei nicht ausreichender Bewegung wird Muskelmasse abgebaut und dann können im hohen Alter schwerwiegende Probleme auftreten, wie Gelenkbeschwerden und Herzprobleme. Als Prävention wird einstimmig Sport verschrieben. Und wie hilfst das den Jugendlichen? Die Pubertät ist die Zeit der größten Veränderung und das bringt auch Herausforderungen mit sich. Sport hilft da nicht nur körperlich, sondern stärkt auch das Selbstbewusstsein, das während der Teenagerjahre sehr fragil sein kann. Man knüpft Sozialkontakte und lernt miteinander umzugehen. Entgegen der Meinung vieler praktizieren äußerst viele Jugendliche Sport und das regelmäßig.
Zeit der Krise ist auch eine Chance!
Erfahrungen aus der Zeit von COVID 19.
Wir werden uns bewußt, wie wir gelebt haben; was bleiben und was anders werden soll.
Wir geben besonders acht auf ältere und gesundheitlich belastete Menschen. Für Viele hat sich das Leben verlangsamt, andere haben in dieser Zeit besonders viel zu tun. Es verstärken sich die Unterschiede zwischen den sozialen Gruppen. Unser Miteinander ist hohem Stress ausgesetzt. Gleichzeitig wächst an vielen Orten die Hilfsbereitschaft.
Ausgehend von ihren Hoffnungen, Wünschen und konkreten Vorstellungen fragen wir die Menschen:
Wie soll es weitergehen? Welche Schritte möchten wir setzen, für eine Zukunft, die wir uns MITEINANDER wünschen?
Anna Dingler, 12 Jahre
Walgau
Anna Dingler, 12 Jahre
Walgau
Ich glaube, dass die Erwachsenen in dieser Zeit sehen, dass die Kinder in der Lage sind, Eigenverantwortung für ihr Tun und ihr Nicht-Tun zu übernehmen und sehr viel mehr Zeit zum Spielen brauchen als angenommen und dass es wunderbar ist, Kinder begeistert beim Lernen zu erleben und Homeschooling auch viel Freude bereitet kann. Ich finde, dass die Erwachsenen in Zukunft, besser auf die Umwelt achten sollten, dass man nicht immer alles und zu jeder Zeit kaufen kann und mit dem Vorhandenen zurechtkommen kann und sie sollten sich wieder viel mehr Zeit für ihre Kinder nehmen.
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Jakob Dobler, 16 Jahre
Walgau
Jakob Dobler, 16 Jahre
Walgau
In den letzten Wochen war sehr viel auf die Innenräume verlegt und in den Öffis war fast nichts los, das war schon komisch. Mit der Familie hatte man aber mehr Zeit und man konnte die Zeit zuhause sinnvoll nutzen, da man nicht fortgehen „musste“. Ich bin der Meinung, dass wir auf andere Personen Rücksicht nehmen, verstärkt mehr aufeinander aufpassen und mit offenen Augen durchs Leben gehen, sollten wir beibehalten. Doch auch mir stellt sich die Frage, wann hört das Chaos wieder auf.
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Julian Gebhart, 16 Jahre
Walgau
Julian Gebhart, 16 Jahre
Walgau
Als IT-Lehrling hatte ich es in den letzten Wochen sehr stressig , da jeder ins Home-Office umsteigen musste. Auch ich war dann selber einige Tage im Home-Office. Obwohl die Berufsschule geschlossen war, habe ich trotzdem an diesen Tagen gearbeitet. Ich finde für die ältere Generation war die Situation nicht einfach, da sie nicht selber einkaufen sollten und nur eingeschränkt spazieren durften. Wir sollten aus der Situation lernen, dass wir die Natur respektieren und in Zukunft weniger mit Schiffen und Flugzeugen unterwegs sein sollten.
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Lilly Rhomberg, 14 Jahre
Walgau
Lilly Rhomberg, 14 Jahre
Walgau
Ich habe in den letzten Wochen meine Freunde sehr vermisst. Um Kontakt zu halten, habe ich mehr Zeit am Handy verbracht und um mir die Zeit zu vertreiben, bin ich alleine spazieren gegangen. Mich hat die Frage beschäftigt, wie es in der Schule weitergeht, da ich einen Schulwechsel im Herbst habe. Können wir da einfach weitermachen, wie vor der Pause? Dass alle gleichzeitig zuhause waren, war zwar nicht immer einfach, aber die gemeinsamen Mahlzeiten sind schon schön. In Zukunft sollte sich jeder gut überlegen, dass man weniger mit Autos und Flugzeuge unterwegs ist, da das der Umwelt gut tut.
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Patrick Pasqualini, 16 Jahre
Bludenz
Patrick Pasqualini, 16 Jahre
Bludenz
Es war schon langweilig, die letzten Wochen daheim zu sein und die Kollegen nicht zu treffen. In der Schule sind wir auf Live-Unterricht umgestiegen, das war eine neue Erfahrung. Außerdem muss ich mich gut organisieren und mir alles selber einteilen. Ich finde das gar nicht so schlecht. Persönlich beschäftigt mich aber, ob ich eine gute Lehrstelle in dieser Zeit bekomme, da auch Bewerbungen teilweise nur online ablaufen. Mich erstaunt, dass die Menschen gut zusammenhalten und ich finde viele Menschen sind spürbarer freundlicher geworden, das sollte man aus der Krise lernen.
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Paulina Fraisl, 11 Jahre
Walgau
Paulina Fraisl, 11 Jahre
Walgau
Ich stelle mir die Frage, ob man wirklich so viele Sachen braucht. Mir macht es Angst, dass sich viele Menschen anzeigen, nichts hinterfragen und alles blind machen, was man ihnen sagt. Die Angst, die verbreitet wird, macht krank und ich finde, viele reagieren zu panisch. Die Leute weichen sogar mir aus. Zuhause sind wir vier Kinder und wir brauchen viel Unterstützung, dadurch kam die Arbeit unserer Mama zu kurz. Bleiben sollte die Zeit, die wir gewonnen haben, um mit der Familie zu spielen. Ich möchte nicht, dass aufgrund der vielen Auflagen, der Plastikmüll vermehrt wird.
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Alina Stark, 19 Jahre
Innsbruck
Alina Stark, 19 Jahre
Innsbruck
Man muss sich im Moment viel selbst strukturieren, die Zeit einteilen. Die Kontakte sind nicht selbstverständlich, man muss sich um die Kontakte kümmern. Man ist mehr online, mehr am Handy und am PC. Günstig erlebe ich, dass ich neue Sachen ausprobiere (wie z.B. Workout, Yoga, beim Kochen), achtsamer bin und relaxter. Mich beschäftigt: Wie man die Spannung zwischen dem Gemeinsamen und den persönlichen Freiräumen als Familie und im Weiteren als Gesellschaft hinbekommen kann.
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Leander Stark, 23 Jahre
Innsbruck
Leander Stark, 23 Jahre
Innsbruck
Der Alltag ist nicht so vielschichtig im Moment. Die Herausforderung ist, es nicht eintönig werden zu lassen. Der Alltag muss strukturiert werden, die Alltagskontakte sind reduzierte, aber auch konzentrierter. Mich beschäftigt: wie kann man überhaupt und gerade in diesen Zeiten offen und mutig bleiben.
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Pauline Biedermann, 15 Jahre
Satteins
Pauline Biedermann, 15 Jahre
Satteins
Ich hatte in den letzten Wochen endlich Zeit meine vielen Ideen umzusetzen. Ich habe einen Hühnerstall, eine Schaukel und einen Tisch gebaut und habe immer neue Ideen. Die Dinge für die Schule erledige ich am Vormittag und am Nachmittag bin ich draußen bei den Tieren am Hof. Da ich einen Schulwechsel vor mir habe, stelle ich mir die Frage, ob ich mich schulisch noch verbessern kann. Außerdem habe ich nicht wirklich verstanden, warum die Menschen am Höhepunkt der Krise so viele Hamsterkäufe machten, obwohl es genug Nahrung gab. Positiv fand ich, dass die Leute mehr zusammen halten und wie gut das funktioniert.