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Veganismus: Eine kritische Auseinandersetzung

Auf der Suche nach der Balance zwischen Tier und Mensch

ein Beitrag von Aaron Mafitabar, Amani Siddig, Hannah Dunkler und Linda Molnar

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Die Anzahl der Menschen, die sich in Öster­reich für eine vege­ta­ri­sche bzw. vegane Lebens­weise entschei­det, steigt. Beson­ders die jungen Gene­ra­tio­nen machen sich viele Gedan­ken darüber, was sie gegen den Klima­wan­del beitra­gen können. Ernäh­rung spielt hier­bei eine maßgeb­li­che Rolle. Mit diesem Beitrag wollen wir mit Vorur­tei­len gegen­über einer vega­nen Ernäh­rung aufräu­men, aber auch beleuch­ten, was es dabei zu beach­ten gilt und warum Massen­tier­hal­tung keine Option mehr sein darf. Das Tier­wohl und ökolo­gi­sches Bewusst­sein rücken immer stär­ker in den Fokus. So schlie­ßen wir uns der Meinung von Marco Spring­man des Oxford Martin Program­mes on Future of Food an: “Wir erwar­ten nicht, dass jeder Veganer:in wird”. Es geht uns viel­mehr darum, dass Menschen darauf achten, was sie essen und den Ursprung der Lebens­mit­tel, die sie konsu­mie­ren, reflek­tie­ren. Die Fragen, die in Hinblick auf über­mä­ßi­gen Fleisch­kon­sum als sehr passend erschei­nen: Können wir es uns leis­ten und können wir mit den Folgen leben?

Also machen wir uns — gewapp­net mit gut durch­dach­ten Fragen — auf den Weg und führen Gesprä­che mit Menschen aus den verschie­de­nen Gene­ra­tio­nen mit viel­fäl­ti­gen Ernäh­rungs­kon­zep­ten. Um unser Wissen anschlie­ßend mit der Ernäh­rungs­exper­tin, Frau Mag.a Stadl­mayr, zu vertie­fen und Lösungs­an­sätze, beson­ders für andere junge Leute, anbie­ten zu können.

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Ausgangspunkt

Hannah
Hannah

Ich bin Vege­ta­rie­rin. In den letz­ten zwei Jahre habe ich mich mit dem Thema Ernäh­rung und so auch mit Massen­tier­hal­tung beschäf­tigt. Ich koche viel mehr, seit ich mich vege­ta­risch ernähre. Zur Sicher­heit habe ich einen Blut­test gemacht, um zu schauen, ob ich einen Mangel habe: Das Vitamin B12 war zu nied­rig. Ich fand es gut, ein Exper­tin­nen­in­ter­view zu führen, um mehr darüber zu erfah­ren, eine sichere Quelle für meine Fragen zu erhal­ten. In meinem Umfeld treffe ich auf Vorur­teile: Viele sagen, dass Vega­nis­mus ganz schlecht ist. Das finde ich schade, weil sich die Perso­nen nicht damit ausein­an­der­set­zen. Ich finde es ja nicht schlecht Fleisch zu essen, mich stört viel­mehr der Über­kon­sum und die Art der Tierhaltung.

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Aaron
Aaron

Wir leben im 21. Jahr­hun­dert und wir haben eine große Auswahl an verschie­de­nen Lebens­mit­teln. Ich frage mich manch­mal: Ist es da wirk­lich noch notwen­dig tieri­sche Produkte zu konsu­mie­ren? Ich würde mir wünschen, dass zumin­dest jede:r über seinen/​ihren Konsum von tieri­schen Produk­ten nachdenkt!

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Linda
Linda

Ich bin mit Fleisch aufge­wach­sen. Vor ein paar Jahren hab ich begon­nen, die Videos einer Game­rin anzu­schauen. Sie war im Spiel und im echten Leben Vega­ne­rin. Zu diesem Zeit­punkt war ich noch ein Kind und habe nicht gewusst, was es mit dem Ganzen auf sich hat. Das gab den Anstoß, mich näher damit ausein­an­der­zu­set­zen. Ich bin weder Vega­ne­rin noch Vege­ta­rie­rin und möchte auch nicht auf Fleisch verzich­ten. Wie gesagt, ich bin damit aufge­wach­sen und esse gerne Fleisch, ich versu­che aber Bio-Produkte zu kaufen. Ich esse nicht viel Fleisch und habe auch nicht vor, mehr oder weni­ger davon zu essen. Ich möchte nieman­den zwin­gen mit Fleisch essen aufzu­hö­ren. Meiner Meinung nach sollte sich aber jede:r mit Ernäh­rung und Vega­nis­mus ausein­an­der­set­zen und darüber nach­den­ken, was effek­tive Lösun­gen sein können :).

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Wie ernährst du dich? 

Kath­rin
15 Jahre
Veganerin
Kath­rin
15 Jahre
Veganerin

Ich habe mich mehrere Jahre vege­ta­risch ernährt. Seit unge­fähr einem Jahr esse ich vegan. Das Leid der Tiere und die Umwelt­ka­ta­stro­phen, die durch die Tier­in­dus­trie entste­hen, will ich nicht unter­stüt­zen. Das erste Mal habe ich mit 12 Jahren von Vega­nis­mus gehört. Ich habe mich dann näher damit befasst, v.a. als eine Freun­din von mir Vege­ta­rie­rin wurde. Im Anschluss dazu und durch Bewe­gun­gen wie „Fridays for Future“ haben sich weitere Freund:innen und ich mich selbst dazu entschie­den, auf tieri­sche Produkte zu verzich­ten. Oft koche ich für meine ganze Fami­lie vegan. Nicht alle sind Veganer:innen, mitt­ler­weile achten sie aber mehr auf ihren Tier- und Fleischkonsum.

In Bezug auf die Gesund­heit ist Vega­nis­mus zudem etwas Posi­ti­ves, da Tier­pro­dukte im Vergleich zu vega­nem Essen oft unge­sund sind. Ich nehme pro Tag 1 Kapsel B12 zu mir, um fehlende, durch Nahrung nicht gut ersetz­bare Nähr­stoffe zu bekom­men und mir geht es gut dabei!

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Wie ernährst du dich 

Anja
27 Jahre 
Flexitarierin
Anja
27 Jahre 
Flexitarierin

Ich ernähre mich vege­ta­risch, aller­dings esse ich den Wild­fang meines Vaters, der Jäger ist. Am wich­tigs­ten ist für mich, dass das Tier fair gehal­ten wird und ich weiß, woher es kommt. Da Tiere mitt­ler­weile meist mit Medi­ka­men­ten gefüt­tert werden, ist der Groß­teil des Flei­sches nicht mehr gesund. Gene­rell versu­che ich tieri­sche Produkte zumin­dest zu redu­zie­ren und bewuss­ter damit umzu­ge­hen, d.h. auf Regio­na­li­tät und bio zu achten. Und ich versu­che immer wieder, bei einzel­nen Gerich­ten, komplett auf tieri­sche Produkte zu verzich­ten. Vor allem wenn ich essen gehe und es anspre­chende vege­ta­ri­sche bzw. vegane Gerichte gibt, wähle ich oft die vege­ta­ri­sche Variante.

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Hast du dich schonmal mit Veganismus auseinandergesetzt und könntest du dir vorstellen auf Fleisch zu verzichten? 

Ilse
62 Jahre
Mischköstlerin
Ilse
62 Jahre
Mischköstlerin

Ich habe mich bisher kaum mit dem Thema befasst. Durch meine Nichte — sie ist Vege­ta­rie­rin — und durch Medien habe ich öfters etwas über Vege­ta­ris­mus und Vega­nis­mus gehört. Ich könnte mir gut vorstel­len, bei eini­gen Gerich­ten auf Fleisch zu verzich­ten und ab und zu Alter­na­ti­ven zu verwen­den. Noch habe ich aller­dings nicht viele Ersatz­pro­dukte geges­sen. Ich bin aber offen für vege­ta­ri­sche bzw. vegane Rezepte.

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Wie ernährst du dich? Und warum? 

Gina
31 Jahre
Vegetarierin
Mutter von einem Kind und ehema­lige Veganerin
Gina
31 Jahre
Vegetarierin
Mutter von einem Kind und ehema­lige Veganerin

Ich habe durch Dokus mehr über die Tier­hal­tung erfah­ren und mich darauf­hin vege­ta­risch bzw. später auch vegan ernährt. Die Umstel­lung war für mich kein großes Problem. Ich war über­rascht, dass Tier­pro­dukte in Lebens­mit­tel enthal­ten sind, bei denen man es nicht glau­ben würde, in manchen Chips etwa. Als ich vor knapp einem Jahr schwan­ger wurde, habe ich mich während der Schwan­ger­schaft entschlos­sen, wieder auf vege­ta­ri­sche Lebens­weise umzu­stei­gen. Ärzt:innen haben es mir empfoh­len und ich habe mich damit wohler gefühlt.

Wir ernäh­ren unser Kind zuhause vege­ta­risch. Wenn es älter ist, soll es aber selbst entschei­den können, wie es sich ernährt.

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Du ernährst dich “flexitarisch”, warum? 

Wanda
57 Jahre
Flexitarierin
Wanda
57 Jahre
Flexitarierin

Es gibt mehrere Gründe, wieso ich Flexi­ta­rie­rin bin. Vor eini­gen Jahren habe ich reali­siert, dass ich durch den Verzehr von Fleisch Gelenk­pro­bleme bekomme. Für eine vege­ta­ri­sche Ernäh­rung sprach auch, dass ich davor viel Fleisch aß und es mich nach eini­ger Zeit rich­tig geekelt hat. Und ich bin auch mit der Art der Tier­hal­tung nicht mehr einver­stan­den. Mitt­ler­weile esse ich so einmal im Monat Fleisch. Dieses kommt dann von einem Biobau­ern­hof oder von meinem Sohn, der Jäger ist.

Könntest du dir vorstellen komplett auf tierische Produkte zu verzichten?

Ich finde, es sollte jedem selbst über­las­sen sein, wie er oder sie sich ernährt. Auf Produkte wie Eier, Ziegen- und Schafs­käse könnte ich nicht verzich­ten. Ich beob­achte auch, dass Menschen die alle tieri­schen Produkte radi­kal ableh­nen oft in ande­ren Lebens­be­rei­chen eine extreme Einstel­lung haben. Das lehne ich ab.

Was isst du am Liebsten?

Am liebs­ten esse ich thai­län­di­sche Gerichte (ohne Fleisch). Ich mag auch heimi­schen Fisch sehr gerne, wobei ich diesen maxi­mal ein Mal pro Monat esse. Ich probiere einfach, mich so viel­sei­tig wie möglich zu ernähren.

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Wie lange leben Sie schon vegan? 

Lukas Mittel­ber­ger
Veganer
Lukas Mittel­ber­ger
Veganer

Als ich unge­fähr 16 Jahre alt war, entschied ich mich dafür vege­ta­risch zu leben. Ich hatte Mitleid mit den Tieren. Zu diesem Zeit­punkt lebte ich bei meiner Groß­mutter, welche mich bei meiner Entschei­dung unter­stützte. Mit der Zeit redu­zierte sich mein Konsum von Tier­pro­duk­ten stetig.

Was hat Sie dazu gebracht auf eine pflanzliche Lebensweise umzusteigen?

Während der Studi­en­zeit wuchs mein Bewusst­sein für die Umstände in der Tier­in­dus­trie. Das ist der Grund, warum ich mich schon seit etwa zehn Jahren rein pflanz­lich ernähre.

Was hat sich geändert seitdem Sie vegan leben?

Wissenschaftler:innen und Bewe­gun­gen wie “Fridays for Future” machen auf das Tier­leid, die Umwelt- und Klima­schä­den, die durch Massen­tier­hal­tun­gen entste­hen, aufmerk­sam. Ich bemerke, dass viele Menschen ihre Ernäh­rungs­weise aufgrund der Klima­krise verän­dern. Mitt­ler­weile wissen viele: Eine ausge­wo­gene vegane Ernäh­rung ist gut für die Gesund­heit. Bei der Vermark­tung von vega­nen Produk­ten sollte man aufmerk­sam sein: Vega­nis­mus ist nicht nur Trend und auf Konsum beschränkt. Es geht darum, Tiere als Lebe­we­sen zu sehen und nicht als Ware. So ist es nicht notwen­dig Tiere massen­haft zu züchten.

Achten Sie auch in anderen Lebensbereichen darauf, dass Sie keine tierischen Produkte konsumieren?

Ich achte nicht nur in meiner Ernäh­rung darauf, auf tieri­sche Produkte zu verzich­ten, sondern auch in ande­ren Lebens­be­rei­chen, bei denen Tier­ver­su­che eine Rolle spie­len. Meine Hunde ernähre ich meist mit vega­nem Hunde­fut­ter. Seit ich vegan lebe, fühle ich mich körper­lich besser. Eben­falls konnte ich so eine enge Verbin­dung zu Tieren aufbauen und in meinem Umfeld leben nun auch einige Menschen vegan. Vegan zu leben ist für mich kein Verzicht. Es bedeu­tet viel­mehr, ich kann das breite, vegane Ange­bot genie­ßen. Das Ange­bot von vega­nen Produk­ten und die öffent­li­che Akzep­tanz ist gewachsen.

Was essen Sie am liebsten?

Ich mag die italie­ni­sche und asia­ti­sche Küche sehr gerne; manch­mal auch vegane Ersatz­pro­dukte, sie sind zudem länger haltbar.

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Was hältst du davon, wenn Menschen sagen, dass sie sich ausschließlich vegan ernähren? 

Sebas­tian
Jäger
Sebas­tian
Jäger

Früher habe ich den vega­nen Lebens­stil belä­chelt. Mitt­ler­weile ernähre ich mich viel häufi­ger vegan als früher und ich habe schon einige vegane Produkte auspro­biert. Man sollte eine vegane Ernäh­rungs­weise nicht verur­tei­len. Jeder soll sich ernäh­ren, wie er oder sie es für rich­tig hält.

Könntest du dir vorstellen dich vegetarisch zu ernähren? Oder sogar vegan?

Ich kann mir durch­aus vorstel­len, dass ich mich vege­ta­risch oder vegan ernähre. Momen­tan kann ich mich noch nicht ganz auf solch eine Ernäh­rung einlas­sen, ich schließe sie zukünf­tig aber nicht aus. Noch vor unge­fähr acht Mona­ten war es völlig undenk­bar, mir solch eine Ernäh­rungs­weise über­haupt vorzu­stel­len, weil ich wirk­lich jeden Tag Fleisch geges­sen habe.

Findest du es verantwortungslos wenn Eltern ihre Kinder vegan ernähren?

Ich finde es verant­wor­tungs­los, wenn Eltern ihre Kinder nur vegan ernäh­ren. Eltern entschei­den für ihre Kinder, dass sie sich vegan bzw. vege­ta­risch ernäh­ren sollen, und haben das Gefühl, dass diese noch nicht entschei­dungs­fä­hig sind. Vor allem im Wachs­tum finde ich Fleisch jedoch wich­tig, da es viel Eisen enthält. Wenn Kinder alt genug sind, selbst entschei­den zu können und aufge­klärt sind, sollte die Entschei­dung bei ihnen liegen.

Findest du Wildfleisch ist die ethisch vertretbare Lösung Fleisch zu konsumieren?

Ich esse seit Jahren mein selbst erleg­tes Fleisch, ausge­nom­men ich bin einge­la­den oder ich gehe Essen. Es ist eine bewusste Entschei­dung, kein konven­tio­nel­les Fleisch zu kaufen. Ich suche mir das erlegte Tier selbst aus, erschieße und selek­tiere es usw. Ein weite­rer Vorteil ist bei dieser Vorge­hens­weise, dass dem Tier kein Anti­bio­tika zuge­führt und es stress­frei erlegt wird! Ich finde, wenn man Fleisch essen will, dann müsste man eigent­lich das Tier selbst erle­gen. Meiner Meinung nach ist man das dem Tier “schul­dig”, da man ja dem Lebe­we­sens sein Leben nimmt!

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Seit wann lebst du schon vegan und wieso hast du dich für solch eine Lebensweise entschieden? 

Alex­an­dra
Veganerin
Alex­an­dra
Veganerin

Ich lebe seit 2011 vegan und ab 1998 habe ich mich vege­ta­risch ernährt. Es kam der Punkt, als ich verstan­den habe, dass sich viel Leid in Tier- und Kosme­tik­po­duk­ten befin­det. Eigent­lich widme ich mein ganzes Leben meinem vega­nen Lebens­stil. Ich bin der Meinung, dass man Verpflich­tun­gen und Verant­wor­tung gegen­über ande­ren Menschen hat, jedoch genauso gegen­über von Tieren.

Was hat sich geändert seitdem du vegan lebst und wie hat dein Umfeld anfangs darauf reagiert?

Durch die vegane Lebens­weise habe ich mehr Mitge­fühl, Wert­schät­zung, Achtung und Respekt gegen­über Menschen, aber auch gegen­über Tieren bekom­men. Für mich ist es schön, dass ich auch Bekannte, welche sich zuvor vege­ta­risch ernähr­ten, von einer vega­nen Lebens­weise über­zeu­gen konnte. Meine Eltern finden meine Ansich­ten zwar ein wenig radi­kal, jedoch akzep­tie­ren sie meine Lebens­weise. Probleme hatte ich mit ihnen deshalb jedoch noch nie.

Welches veganes Gericht isst du am liebsten?

Am liebs­ten mag ich meine selbst gemach­ten vega­nen Pizzen und dass ich Äpfel esse, gehört zu meiner tägli­chen Routine.

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Wie lange leben Sie schon vegan? 

Jaquie
Veganerin
Jaquie
Veganerin

Ich lebe seit 8 Jahren und 4 Mona­ten vegan. Aller­dings bin ich schon seit 1986 Vege­ta­rie­rin. Eine vegane Lebens­weise hat mich immer schon gereizt. Eine meiner Töch­ter hat sich für eine Zeit lang, als sie 14 Jahre alt war, dazu entschie­den vegan zu leben. Ich wollte mich ihrem Vorha­ben anschlie­ßen und habe mich deshalb auch dafür entschie­den vegan zu leben. Das war einer der Gründe.

Was hat Sie dazu gebracht auf eine pflanzliche Lebensweise umzusteigen?

Als ich in einer WG lebte, ernähr­ten sich einige meiner Mitbewohner:innen auch vege­ta­risch und eine Sendung im Fern­se­hen, bei der Poli­­zei-Pferde schlecht behan­delt wurden, hat Mitleid für das Tier bei mir ausge­löst. Dann kam es zu einer Debatte inner­halb der WG und ich reali­sierte, dass ich kein Fleisch mehr essen will und kann. Von dem Zeit­punkt an lebte ich vege­ta­risch, doch dann empfand ich diese Lebens­weise auch nicht mehr als rich­tig und ich erkannte, dass beispiels­weise Kühe und Kälber für Milch­pro­dukte leiden müssen, die wir konsu­mie­ren. Als ich unter Migräne litt, las ich, dass Milch­pro­dukte diese verur­sa­chen können. Das war für mich ein weite­rer Grund auf eine vegane Lebens­weise umzustellen.

Achten Sie auch in anderen Lebensbereichen darauf, dass Sie keine tierischen Produkte konsumieren?

Ich achte auch in ande­ren Lebens­be­rei­chen darauf vegan zu leben, soweit ich das kann. Bei Schu­hen ist es häufig schwie­rig, da vegane Schuhe meist teurer sind. Das Problem mit Unter­neh­men, die vegane Schuhe produ­zie­ren ist, dass sie oft auch normale Schuhe herstel­len. Solange ich es mir leis­ten kann, unter­stütze ich daher nur Marken, die ausschließ­lich vegane Produkte herstellen.

Was hat sich geändert seitdem Sie vegan leben?

Als ich begon­nen habe vegan zu leben, hat sich vieles geän­dert: Ich habe inner­halb eines Monats sechs Kilo abge­nom­men. Zudem ist meine ganze Fami­lie vegan gewor­den. Die Super­märkte bieten nun beispiels­weise viele vegane Produkte an. Mir fällt auf, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich vegan ernähren.

Was essen Sie am liebsten?

Ich mag sehr gerne reines Gemüse! Flei­scher­satz­pro­dukte esse ich auch häufig, aber ich könnte darauf verzich­ten. Gene­rell schätze ich diese nämlich mehr, wenn ich sie nicht täglich konsu­miere. Vegan zu leben, war eine der besten Entschei­dun­gen meines Lebens und ich wünschte ich hätte mich schon früher dafür entschieden.

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Perspektive gewinnen: Was wissen wir?

Obwohl wir viele unter­schied­li­che Perso­nen inter­viewt haben und diese auch diverse Posi­tio­nen einneh­men, sind sie sich in einem Punkt einig: Wir müssen den Fleisch­kon­sum redu­zie­ren! Auffal­lend ist: Die Interviewpartner:innen, die sich nicht vegan ernäh­ren sind offen für neue, fleisch­lose Gerichte. Ersicht­lich wird, dass die Interviewpartner:innen, die sich vegan ernäh­ren mehr­heit­lich diesel­ben Gründe und Moti­va­tio­nen dafür haben: Das Leid der Tiere sowie die Umwelt­schä­den, die durch Massen­tier­hal­tung entste­hen, stehen im Vorder­grund. Schritt für Schritt stei­gen diese von einer vege­ta­ri­schen Ernäh­rung auf einen vega­nen Lebens­stil um.

Längst wissen wir, dass die Argu­mente für über­mä­ßi­gen Fleisch­kon­sum nicht mehr grei­fen: Zu viel Fleisch ist weder gut für den Menschen noch für Tiere, und erst recht nicht für den Plane­ten. Es ist kein Geheim­nis, dass die über­mä­ßige Erzeu­gung von Fleisch untrag­bare Auswir­kun­gen auf Klima, Regen­wald­ab­hol­zung, Gewäs­ser und Böden nimmt. Das spie­gelt sich auch im erhöh­ten Bewusst­sein von Österreicher:innen wieder. Stetig wächst der Anteil von sich vege­ta­risch bzw. vegan ernäh­ren­den Menschen. Gleich­zei­tig steigt der welt­weite Hunger nach Fleisch. Nicht zu verges­sen: In bestimm­ten Regio­nen der Welt ist es schwie­rig, sich ohne Fleisch bzw. ohne tieri­sche Produkte ausge­wo­gen zu ernäh­ren. Beispiels­weise können Ziegen, welche direkt vor der Haus­türe gehal­ten werden, wich­tige Nähr­stoff­lie­fe­ran­ten sein, die ansons­ten fehlen würden. In Öster­reich gibt es zahl­rei­che Alter­na­ti­ven und Möglich­kei­ten, die ein Leben mit wenig bis gar kein Fleisch gut ermög­li­chen. Beson­ders der Poli­tik kommt hier eine nicht zu unter­schät­zende Rolle zu. Es braucht gut durch­dachte Rege­lun­gen, die einem Über­kon­sum von Tier­pro­duk­ten entge­gen­wir­ken und umwelt­freund­li­chere Alter­na­ti­ven fördern.

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Expertinneninterview mit Frau Mag.a Stadlmayr

Gerne möch­ten wir unser Wissen über Vega­nis­mus, aber auch über eine gesunde Ernäh­rung im Allge­mei­nen, vertie­fen. Aufgrund der bereits geführ­ten Gesprä­che ist es umso span­nen­der zu über­le­gen: Was gilt es beim Vega­nis­mus zu beach­ten? Was macht eine gesunde Ernäh­rung aus? Wir haben Fragen entwi­ckelt und konn­ten kurz vor den Winter­fe­rien mit der Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­le­rin Frau Mag.a Stadl­mayer ein Gespräch dazu führen. Sie arbei­tet am Insti­tut für Entwick­lungs­for­schung an der Univer­si­tät für Boden­kul­tur. Seit 2013 ist sie auch in Forschungs­pro­jekte mit dem „World Agro­fo­restry Centre (ICRAF)“ in Nairobi, Kenia invol­viert. Dabei wird der Nutzen von Bäumen erforscht, die essba­res Obst und Gemüse liefern, auf englisch „food trees“. Wir sind neugie­rig und fragen nach.

Wir haben in ihrem Kurzlebenslauf gelesen, dass Sie schon in unterschiedlichen Ländern geforscht haben…momentan sind Sie in eine Forschung in Kenia involviert, können Sie uns ein bisschen von ihren Tätigkeiten erzählen? 

Mag.a Stadl­mayr
Insti­tut für Entwicklungsforschung
Mag.a Stadl­mayr
Insti­tut für Entwicklungsforschung

Vielen Dank für deine Frage, sehr gerne erzähle ich euch mehr über unser Projekt. Bäume, sowie Sträu­cher liefern eine Viel­falt von Obst, Gemüse und Nüssen und sind somit gute Quel­len für zahl­rei­che Vitamine und Mine­ral­stoffe. Wenn diese „essba­ren“ Bäume als Teil der Agro­forst­sys­teme inte­griert werden, können sie erheb­lich zur Ernäh­rungs­si­cher­heit der loka­len Bevöl­ke­rung beitra­gen — durch direk­ten Konsum sowie indi­rekt durch die Verbes­se­rung des Einkom­mens. Gleich­zei­tig schützt der kombi­nierte Anbau von Bäumen und Sträu­cher mit Acker­kul­tu­ren oder Tier­zucht den Boden vor Erosion und durch diesen viel­fäl­ti­gen Anbau sind die Bäuer:innen weni­ger abhän­gig von einzel­nen Arten. Ihr müsst euch das so vorstel­len: Wir arbei­ten in länd­li­chen Regio­nen in Kenia, gemein­sam mit Kleinbauer:innen. Oft ist die Verfüg­bar­keit der Lebens­mit­tel nicht das ganze Jahr über gege­ben. Vor allem in den Trocken­pe­ri­oden sind Lebens­mit­tel oft knapp. Die Ernäh­rung ist dann oft sehr einsei­tig und besteht vorwie­gend aus kohlen­hy­dratrei­chen Grund­nah­rungs­mit­tel wie Mais. Das Ziel des Projek­tes ist es, die land­wirt­schaft­li­che Produk­tion sowie die Ernäh­rung zu diver­si­fi­zie­ren um die Ernäh­rungs­si­cher­heit zu verbes­sern. Gemein­sam mit Bauer:innen und Wissenschaftler:innen vor Ort wird erkun­det, welche Bäume in der Region wach­sen und welche Lebens­mit­tel von diesen geern­tet werden können. Forschungs­fra­gen sind unter ande­rem: Zu welcher Jahres­zeit können die unter­schied­li­chen Bäume die in der Region geern­tet werden? Welche dieser Früchte eignen sich gut zur Weiter­ver­ar­bei­tung? Wie können diese weiter­ver­ar­bei­tet werden? Und welches Obst und Gemüse schmeckt? Wofür gibt es Bedarf am Markt? Im Team entwi­ckeln wir regio­nale Saison­ka­len­der. Das Ziel ist es, dass jedes Monat mindes­tens eine Obst­sorte geern­tet werden kann – auch in den Dürre­pe­ri­oden – um die Quali­tät der Ernäh­rung zu verbes­sern. Weitere wich­tige Aspekte sind, zum Beispiel die Verfüg­bar­keit von Pflan­zen­ma­te­rial: Wie kommt man zu den Setz­lin­gen um die Bäume oder Sträu­cher zu pflan­zen? Wie soll­ten diese gepflegt werden, damit sie möglichst gut erhal­ten blei­ben? Eben­falls geht es in der Forschung um die Ernäh­rungs­bil­dung, so gibt es im Zuge des Projek­tes Work­shops in Schu­len mit Kindern, im Zuge derer Bäume ange­pflanzt werden. Der Erfah­rungs­wert ist bedeu­tungs­voll, das gemein­same pflan­zen von Setz­lin­gen, das pfle­gen sowie ernten der Obst und Gemü­se­ar­ten und das auspro­bie­ren von neuen oder alten Sorten spielt eine wich­tige Rolle für das Lebens­mit­tel­be­wusst­sein. Eben­falls beleuch­ten wir die weitere Verar­bei­tung der Produkte: Wie kann das Einkom­men durch den Verkauf oder die Weiter­ver­ar­bei­tung von Produk­ten gene­riert werden? Dazu haben Univer­si­tä­ten vor Ort zusam­men­ge­ar­bei­tet und geschaut wie zum Beispiel Mangos weiter­ver­ar­bei­tet werden können, wie etwa durch das Trock­nen der Früchte. Das ist im Großen und Ganzen das, um was es im Projekt geht.

Wir setzen uns für unseren Blogbeitrag ja näher mit Veganismus auseinander, es ist uns auch ein Anliegen mit bestimmten Vorurteilen aufzuräumen. Wir wissen: Wenn man sich für eine vegane Ernährung entscheidet, muss man bestimmte Supplemente nehmen. Unsere Frage: Welche müssen unbedingt eingenommen werden und was halten Sie generell von Supplementen?

Beim Vega­nis­mus verzich­tet man nicht nur auf Fleisch und auf Fisch, sondern quasi auf alle tieri­schen Produkte. Damit auch auf Milch und Eier und even­tu­ell auch auf Honig. Das führt dazu, dass auch auf bestimmte Nähr­stoffe verzich­tet wird. Und einer der Haupt­nähr­stoffe, der ohne den Konsum von tieri­schen Produk­ten nur sehr schwie­rig aufge­nom­men werden kann, ist das Vitamin B12. Deshalb wird bei einer vega­nen Ernäh­rungs­weise empfoh­len, dieses Vitamin in Form von Supple­men­ten aufzunehmen.

Natür­lich geht es bei einer vega­nen Ernäh­rungs­weise nicht nur um Vitamin B12, sondern auch um andere Nähr­stoffe, die ausrei­chend konsu­miert werden soll­ten, wie etwa Calcium und Eisen aber auch Zink und Omega-3-Fett­­säu­­ren. Gene­rell wird eine vegane Ernäh­rungs­weise bei Kindern und Jugend­li­chen nicht empfohlen.

In Hinblick auf Supple­mente, wenn wir das Thema global und damit auch auf das welt­weite Ernäh­rungs­sys­tem betrach­ten, ist es wich­tig, dass Lebens­mit­tel, ausrei­chend, viel­fäl­tig, nach­hal­tig und fair produ­ziert werden. Alle Menschen soll­ten Zugang zu ausrei­chen­den viel­fäl­ti­gen, gesun­den und nach­hal­ti­gen Lebens­mit­teln haben den Bedarf an Nähr­stof­fen decken können. Im Einzel­fall, z.B. wenn Perso­nen in bestimm­ten Lebens­pha­sen einen erhöh­ten Bedarf an Nähr­stof­fen haben, wie etwa während der Schwan­ger­schaft oder durch eine Krank­heit sind Supple­mente empfoh­len, um einen Mangel zu verhin­dern. Tatsa­che ist: Bei Supple­men­ten sind Vitamin oder Mine­ral­stoffe isoliert vorhan­den. Und wenn wir Lebens­mit­tel konsu­mie­ren, denkt an Obst, Gemüse, Hülsen­früchte dann beinhal­ten diese viel­mehr als nur ein einzi­ges Vitamin oder einen Mine­ral­stoff da gibt es auch sekun­däre Pflan­zen­in­halts­stoffe oder Ballast­stoffe, das macht das große Ganze aus.

Wenn man sich ausgewogen vegan ernähren möchte: Auf welche Lebensmittel sollte man auf keinen Fall verzichten bzw. welche Lebensmittel sollten regelmäßig konsumiert werden? Besonders auch in Bezug auf Kinder und Jugendliche in der Wachstumsphase, was Sie schon angesprochen haben.

Ich möchte noch­mals beto­nen, dass es nicht empfoh­len wird – nicht von der Öster­rei­chi­schen oder der Deut­schen Gesell­schaft für Ernäh­rung – dass sich Säug­linge oder Kinder vegan ernäh­ren, weil es sehr schwie­rig ist bestimmte Nähr­stoffe mit dieser auf bestimmte Lebens­mit­tel beschränkte Lebens­weise ausrei­chend abzu­de­cken. Hier muss ganz genau auf die Ernäh­rungs­weise geach­tet werden. In Bezug auf die vege­ta­ri­sche Ernäh­rung ist das kein Problem, weil Milch­pro­dukte und Eier geges­sen werden können, und deshalb kann diese Ernäh­rungs­weise auch für Kinder empfoh­len werden.

Auch hier sollte darauf geach­tet werden, dass die soge­nann­ten kriti­schen Nähr­stoffe abge­deckt sind, wenn das der Fall ist, sehe ich hier kein Problem.

Grund­sätz­lich geht es um eine viel­fäl­tige Ernäh­rungs­weise: Zum Beispiel sind Hülsen­früchte wie Erbsen, Fiso­len, Kicher­erb­sen, Bohnen oder Soja­boh­nen sehr ballast­stoff­reich und gute Prote­in­lie­fe­ran­ten und enthal­ten wich­tige Mine­ral­stoffe, die sonst fehlen würden. Aber es geht auch um die Kombi­na­tion von Lebens­mit­teln. Was bedeu­tet das? Wenn beispiels­weise pflanz­li­che Produkte konsu­miert werden, ist es sinn­voll darauf zu achten, diese mit Vitamin-C-reichen Lebens­mit­tel zu kombi­nie­ren, weil wir dadurch besser Eisen aufneh­men können. Nüsse wie Walnüsse enthal­ten viel Omega-3-Fett­­säu­­ren und Obst & Gemüse haben ganz viel Vitamine und Ballast­stoffe. Aber auch Voll­korn­pro­dukte enthal­ten mehr Mine­ral­stoffe wie Eisen und Vitamine (v.a. B‑vitamine) als beispiels­weise Weiß­brot. Gleich­falls sind pflanz­li­che Öle, wie das Lein­sa­menöl reich an Omega-3-Fett­­säu­­ren, welches man ansons­ten, außer­halb der vega­nen oder vege­ta­ri­schen Ernäh­rung, bei Fischen findet. Eben­falls sind bestimmte Kräu­ter, wie Peter­si­lie, Kerbel oder Schnitt­lauch reich an Vitami­nen. Noch­mals: Wich­tig ist es bei der Entschei­dung eine vegane Ernäh­rung zu verfol­gen, dass man auf die Viel­falt der Lebens­mit­tel achtet.

So oder so wissen wir: Öster­reich­weit, aber auch welt­weit gese­hen, ist es ein Problem, dass zu viel Fleisch konsu­miert wird. Es werden zu viel hoch­ver­ar­bei­tete Lebens­mit­tel geges­sen, die reich an Salz, Fett und Zucker sind.

Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach vonseiten der Politik sinnvoll, um mehr Menschen für eine vegetarische bzw. vegane Lebensweise begeistern zu können?

Eine sehr inter­es­sante Frage. Rele­vant ist hier, dass es nicht nur eine Maßnahme gibt, sondern verschie­dene Maßnah­men auf unter­schied­li­chen Ebenen. Ein Bereich, der immer mehr an Bedeu­tung gewinnt, ist das Lebens­mit­tel­um­feld. Das sind Orte, wo wir Lebens­mit­tel konsu­mie­ren aber auch einkau­fen, beispiels­weise bei euch an der Schule. Die Fragen, die man sich stel­len kann: Gibt es ein gesun­des Schul­buf­fet? Gibt es andere nicht so gesunde Lebens­mit­tel, die leich­ter zugäng­lich sind als die gesun­den? Hier kann man auf alle Fälle darauf achten, dass das Umfeld mit unver­ar­bei­te­ten Lebens­mit­teln gestal­tet wird. Keine Zucker­rie­gel, sondern eher mit Obst, Gemüse, Voll­korn­pro­dukte und Nüsse. Bedeu­tungs­voll ist es auch zu reflek­tie­ren, wie die Lebens­mit­tel ange­prie­sen werden. Ein Beispiel: An der Kassa ist oft der Muffin mit dem Kaffee im Ange­bot und das Obst und Gemüse versteckt sich irgendwo hinter den Regalen.

Da bekommt man keine große Lust darauf, diese zu konsu­mie­ren. Hier könn­ten Verän­de­run­gen ange­strebt werden. Diese Lebens­mit­tel könn­ten geschmack­vol­ler gestal­tet sein. Ein ande­res Beispiel: Es gibt Aktio­nen, die für einen fleisch­lo­sen Tag Werbung machen. Möglich wäre es aber auch, das ganze umge­kehrt zu betrach­ten und zu sagen, viel­mehr ist es die Ausnahme, dass es Fleisch gibt. Hier würde ich mir auch mehr Krea­ti­vi­tät in den Mensen oder in den Restau­rants wünschen. Und dann gibt es natür­lich auch das Lebens­mit­tel­um­feld, welches Super­märkte betrifft, wo es genauso darum geht, zu reflek­tie­ren, was wird wo und wie ange­bo­ten. Ich selbst habe zwei kleine Töch­ter, und ich merke, wenn wir an der Kassa stehen, habe ich immer wieder eine Diskus­sion mit ihnen, weil gerade dort hoch­ver­ar­bei­tete, zucker­rei­che Lebens­mit­tel zu finden sind, die sie gerne hätten. In diesem Bereich könnte man eini­ges verän­dern. Gleich­falls wich­tig sind auch andere Einflüsse, beispiels­weise die Werbung von Lebens­mit­teln. Wie oft kommen unver­ar­bei­tete Lebens­mit­tel wie Obst, Gemüse oder Hülsen­früchte in der Werbung vor? Tatsa­che ist: Bisher nur selten bis gar nicht. Und auch die gesell­schaft­li­che Wahr­neh­mung kann hinter­fragt werden. Nehmen Kinder Hülsen­früchte, Obst und Gemüse als etwas Cooles wahr oder als etwas Uncoo­les, dass man essen muss? Es wäre inter­es­sant zu unter­su­chen, wie vege­ta­ri­sches Essen in der Werbung oder in Kinder­bü­chern darge­stellt wird.

Bildung ist eben­falls wich­tig, aber nicht nur das theo­re­ti­sche Wissen, sondern vor allem die prak­ti­sche Erfah­rung. Wo Kinder selbst anpa­cken und z.B. Gemü­se­beete anpflan­zen, gemein­sam kochen oder auch Ausflüge zu Bauern­hö­fen machen um der Fragen nach­zu­ge­hen, woher unsere Lebens­mit­tel kommen? Somit können sie beob­ach­ten, bzw. erfah­ren wie die Lebens­mit­tel wach­sen, bzw. erzeugt werden und das stärkt das Lebensmittelbewusstsein.

In Bezug auf die Agrar­po­li­tik, lag welt­weit betrach­tet der Fokus lange Zeit stark darauf, dass wir mehr produ­zie­ren müssen! Vor allem Lebens­mit­tel die ausrei­chend Ener­gie liefern. Wir müssen mehr produ­zie­ren, damit wir die gesamte Welt ernäh­ren können. Das hat dazu geführt, dass nun theo­re­tisch genü­gend Lebens­mit­tel auf der Welt vorhan­den sind, aber trotz alle­dem immer noch viele Menschen hungern müssen und gleich­zei­tig gibt es immer mehr über­ge­wich­tige Menschen. Weizen und Mais wurde stark subven­tio­niert und für andere Lebens­mit­tel­grup­pen, wie etwa Gemü­se­sor­ten, hat man viel weni­ger Forschung betrie­ben und diese wurden bzw. werden viel weni­ger produziert.

Es geht aber nicht nur darum den gesund­heit­li­chen Aspekt zu beleuch­ten, sondern auch den nach­hal­ti­gen Aspekt anzu­se­hen: Wo kommen unsere Lebens­mit­tel her und wie werden sie produziert?

Haben Sie Konzepte im Bereich Ernährung kennengelernt, wo Sie sagen: Ja, die haben Potenzial in der Zukunft. Wenn ja, können Sie uns davon erzählen und erklären, warum?

Ich weiß, dass es in Öster­reich tolle Projekte gibt, auch wenn mein Forschungs­schwer­punkt in ande­ren Ländern liegt, ich habe beispiels­weise als Frei­wil­lige bei der „City Farm“ in Schön­brunn mitge­ar­bei­tet. Die haben tolle Projekte, unter ande­rem wo Schüler:innen das gesamte Jahr über Gemü­se­beete betreuen. Es geht dabei um die Bewusst­seins­bil­dung für Lebens­mit­tel: Woher kommen unsere Lebens­mit­tel? Wie und wo werden sie ange­baut? Lebens­mit­tel werden gemein­sam gepflegt, gehegt und geern­tet. Neue Sorten werden auspro­biert. Das stärkt die Lebens­mit­tel­wert­schät­zung und erhöht die Geschmacks­er­leb­nisse oder konn­ten auch unter­schied­li­che Gemüse- und Obst­sor­ten auspro­biert werden, die ihnen zuvor unbe­kannt waren. Es stärkt darüber hinaus den Gemein­schafts­sinn und fördert die soziale Inte­gra­tion und fördert die Motorik.

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Nach einer inten­si­ven Ausein­an­der­set­zung mit dem Thema Vega­nis­mus und gesun­der Ernäh­rung haben wir gemein­sam Lösungs­an­sätze entwi­ckelt: Wie können junge Leute mehr Infor­ma­tio­nen über das Thema erhal­ten? Und was können wir aktiv gegen über­mä­ßi­gen Fleisch­kon­sum machen?

Eins vorweg­ge­nom­men: Die Öster­rei­chi­sche und Deut­sche Gesell­schaft für Ernäh­rung empfiehlt keine vegane Ernäh­rungs­weise für Säug­linge und Kinder, weil es schwie­rig ist gewisse Nähr­stoffe mit dieser auf bestimmte Lebens­mit­tel beschränk­ten Lebens­weise ausrei­chend abzu­de­cken. Eine kriti­sche Ausein­an­der­set­zung, welche Nähr­stoffe ein Mensch, gerade in der Wachs­tums­phase benö­tigt, um sich gesund entwi­ckeln zu können ist äußerst relevant.

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Lösungen

Es braucht einen auf Wissen basier­ten Austausch zum Thema, um Vorur­tei­len entge­gen zu lenken.

  • (junge) Menschen benö­ti­gen gut recher­chierte Argumente
  • dafür gibt es unter­schied­li­che Metho­den, wie etwa das Präsen­tie­ren von Wissen in der eige­nen Klasse bzw. in ande­ren Schul­klas­sen, es können Blog­bei­träge dazu geschrie­ben oder/​und inter­ak­tive Work­shops abge­hal­ten werden

    -> Gemein­sam können Fragen bear­bei­tet werden: Sind Supple­mente denn wirk­lich immer so schlecht? Und wie steht es um hoch­ver­ar­bei­tete Lebens­mit­tel? etc.

Gene­rell gilt: Das Bewusst­sein für das Thema erhö­hen: Tiere sind Lebe­we­sen und empfin­den eben­falls Leid. Was bedeu­tet das in Bezug auf die Massentier-(Haltung)? Welche Ernäh­rung ist gesund für uns Menschen? Wie viel Fleisch bzw. Tier wird in Öster­reich im Durch­schnitt konsumiert?

  • Wir finden: Eine kriti­sche Ausein­an­der­set­zung mit dem Thema, sei es im Unter­richt, oder mit ande­ren jungen Leuten, macht Sinn!
  • Im (Biologie-)Unterricht soll nicht nur über Lebens­mit­tel und deren Vitamine und Kohlen­hy­drate gespro­chen werden, sinn­voll wäre, vertie­fend auch auf Fleisch­kon­sum einzu­ge­hen und gemein­sam Alter­na­ti­ven anzu­den­ken.

    -> Wich­tig hier: Bio ist nicht immer gleich Bio. Welche Bedin­gun­gen müssen erfüllt sein, damit ein Produzent/​eine Produ­zen­tin sein Produkt als bio bezeich­nen darf?

  • Lebens­mit­tel sind im besten Fall viel­fäl­tig, nach­hal­tig und fair produ­ziert. Was bedeu­tet das in Bezug auf Öster­reich? Welche Produkte können besser und welche schwie­ri­ger in der Alpen­re­pu­blik ange­pflanzt werden? Wie gestal­ten sich die Wege der Lebens­mit­tel? -> die Wege könn­ten im Unter­richt mitein­an­der betrach­tet und visu­ell aufbe­rei­tet werden.

Durch kleine Aktio­nen kann Großes bewirkt werden:

  • Um dem über­mä­ßi­gen Fleisch­kon­sum zu redu­zie­ren, könnte es – anstelle eines fleisch­lo­sen Tages in der Woche – nur einmal in der Woche Fleisch in den Schul­kan­ti­nen geben. Die Welt steht auf dem Kopf: Vier­mal in der Woche gibt es geschmack­volle vege­ta­ri­sche und vegane Menüs und einmal in der Woche für Mischköstler:innen ein fleisch­hal­ti­ges Menü. Für die Umset­zung braucht es ein Refle­xi­ons­ge­spräch mit Pädagog:innen: Welche Perso­nen müssen für eine konkrete Umset­zung noch ange­spro­chen werden? (Direk­tion, Verant­wort­li­che der Schulkantine).
  • Pflanz­li­che, leckere Alter­na­ti­ven anstelle von McDo­nalds auspro­bie­ren: Mitt­ler­weile gibt es, beson­ders in Städ­ten, beispiels­weise sehr geschmack­volle Burger-Alter­na­ti­ven, die aus pflanz­li­chen Produk­ten herge­stellt werden. Ein klei­ner Tipp: Die Swing Kitchen in Wien.
  • Work­shops, im Zuge derer sich (junge) Menschen mit dem Thema Ernäh­rung und unter­schied­li­chen Lebens­mit­tel ausein­an­der­set­zen und prak­ti­sche Erfah­run­gen sammeln. Wie etwa im Projekt „City Farm“ in Schön­brunn. Dort können Schüler:innen Gemü­se­beete betreuen und unter­schied­li­che Gemü­se­sor­ten anpflan­zen, ihnen beim wach­sen zuschauen und Verant­wor­tung über­neh­men. Unter­schied­li­che Sorten können gepflanzt, aufge­zo­gen und auspro­biert werden.
  • „Das eigene Erfah­ren“ von Lebens­mit­tel lässt Gemüse und Obst gleich anders schme­cken. Eine Frage, die ihr euch hier­bei immerzu stellt: Wie können Work­shops so gestal­tet werden, dass sie so viel Jugend­li­che wie möglich anspre­chen? Begeis­te­rung soll aufkom­men. Momen­tan ist das Thema Ökolo­gie noch für viele junge Leute nicht greif­bar. Wie könnte das Bauen eines (Hügel-)Beets „lässi­ger“ und auch für ältere Kinder anspre­chend gestal­tet werden?
  • Junge Leute soll­ten mit einem Thema wie Klima­krise oder Vega­nis­mus nicht über­la­den werden. Eine gute Koor­di­na­tion der Pädagog:innen ist dafür notwendig.
  • Über soziale Medien kann schnell und leicht Wissen verbrei­tet werden. Durch das Erstel­len von Insta­gram-Stories können einer­seits Infor­ma­tio­nen zu Massen­tier­hal­tung und den ökolo­gi­schen Auswir­kun­gen von zu viel Fleisch und ande­rer­seits posi­tive, wohl­schme­ckende und pflanz­li­che Alter­na­ti­ven gepos­tet werden. Die Freude soll nicht zu kurz kommen.
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Zu Fuß, per Fahrrad, Auto, Bahn und Flugzeug … wie wollen junge Leute künftig mobil sein?

ein Beitrag von Viktoria Ganahl

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Zu Fuß, mit Fahr­rad, Bus, U‑Bahn, Moped oder Auto? Mobi­li­tät kann sehr viel­fäl­tig sein — und ohne sie wäre unser Leben kaum denk­bar: Egal, ob es darum geht, zur Schule zu fahren, einzu­kau­fen, Freund:innen zu besu­chen oder zu Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten zu gelan­gen. Gleich­zei­tig betrifft die Frage, wie wir uns fort­be­we­gen, auch unsere Einstel­lung zu Klima und Umwelt. Fahr­rad oder Moped? Ich befrage junge Leute aus dem städ­ti­schen Raum selbst, wie sie in ihrem Alltag unter­wegs sind und was sie sich für die Mobi­li­tät der Zukunft wünschen.

Wie sind junge Leute in ihrem Alltag mobil?
Was ist ihnen dabei wichtig?
Und wie können wir nach­hal­tig unter­wegs sein?

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Esra
17 Jahre
Alberschwende
Esra
17 Jahre
Alberschwende

Bist du in der Freizeit auch oft mit dem Bus unterwegs?

Ja. Ich versu­che, so oft wie möglich mit dem Bus zu fahren. Ich habe kein Moped, aber nächs­tes Jahr werde ich 18, da werde ich schon den Auto­füh­rer­schein machen.

Was wünschst du dir für die Mobilität der Zukunft?

Ich wünsche mir, dass es künf­tig sehr viele Elek­­tro-Autos und Elek­­tro-Mopeds gibt, die umwelt­freund­lich sind — auch die Batte­rien. Ich würde mir auch ein E‑Auto kaufen, wenn ich dann einen Job habe und selb­stän­dig wohne. Das würde ich mir wünschen.

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Matthias
18 Jahre
Wien 
Matthias
18 Jahre
Wien 

Auf welche Weise bist du mobil?

Ich wohne inmit­ten von Wien. Das heißt, ich bin eigent­lich super ange­bun­den. Ich fahre haupt­säch­lich mit der U‑Bahn und der S‑Bahn, um zur Schule zu kommen oder Freund:innen zu besuchen.

Du kannst alle Wege relativ schnell zurücklegen?

In Wien gibt es so viele unter­schied­li­che öffent­li­che Trans­port­mit­tel, die stän­dig fahren. Deswe­gen: Wenn ich irgendwo hinfahre, muss ich nicht groß darauf achten, wann ich losge­hen muss.

Was könnte man in Bezug auf Mobilität noch verbessern?

Einige meiner Freund:innen wohnen außer­halb von Wien. Dort kann öffent­li­che Mobi­li­tät ziem­lich anstren­gend sein: Am Wochen­ende fahren zum Beispiel nicht sonder­lich viele Busse. Würde man die S‑Bahn ausbauen, könnte man von außer­halb problem­los nach Wien gelan­gen — auch ohne Auto. In Wien dage­gen finde ich das öffent­li­che Verkehrs­netz super, aller­dings kann man auch hier eini­ges verän­dern: Die Radwege könn­ten auf jeden Fall weiter ausge­baut werden. Und man sollte den Autos weni­ger Platz geben.

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Elena
17 Jahre
Wien
Elena
17 Jahre
Wien

Wie legst du deine Alltagswege zurück?

Um in die Schule zu kommen, verwende ich das Fahr­rad bis zum Bahn­hof. Ab dort nehme ich die S‑Bahn, vom Bahn­hof bis zur Schule lege ich dann den Weg mit der Stra­ßen­bahn zurück. Es ist auch zu Fuß mach­bar. Ich wohne in Florids­dorf, dort gibt es nicht so viele Fahr­rad­wege. Das ist ein wenig schwie­rig, aber bis jetzt hat es eigent­lich immer gut funktioniert.

Wie wärst du künftig gerne mobil?

Am liebs­ten nur noch mit dem Fahr­rad. Auch wenn das teil­weise schwer sein wird, weil die Stre­cken sehr lang sind. Mitt­ler­weile braucht man mit dem Fahr­rad entwe­der ebenso lange wie mit Öffis oder noch weni­ger lang.

Was würdest du dir für die Mobilität der Zukunft wünschen?

Auf jeden Fall viel weni­ger Autos. Die sind im städ­ti­schen Raum doch unnö­tig. Die meis­ten Leute fahren nur fünf Minu­ten mit dem Auto — anstatt zu Fuß zu gehen oder mit einem Bus zu fahren! Am besten wären mehr klima­neu­trale Züge. In Wien sind mitt­ler­weile einige Züge Co2-neutral, sie werden mit grünem Strom ange­trie­ben. Das sollte mehr ausge­baut und darauf umge­stie­gen werden. Ansons­ten: Die Leute soll­ten einfach kürzere Stre­cken zu Fuß gehen, mit dem Fahr­rad oder Skate­board fahren oder ein ande­res umwelt­freund­li­ches Fort­be­we­gungs­mit­tel verwenden.

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Amelie
14 Jahre
Graz
Amelie
14 Jahre
Graz

Wie bist du im Alltag mobil?

Ich fahre oft mit dem Fahr­rad, wenn ich nicht so lange Stre­cken bewäl­ti­gen muss, wie etwa für kurze Einkäufe. Ich fahre gerne mit dem Fahr­rad, weil sehr viele Geschäfte in der Nähe und damit gut mit dem Fahr­rad erreich­bar sind. In die Schule fahre ich mit dem Bus. Der fährt direkt dort­hin, was ich sehr prak­tisch finde. Und auch in die Stadt komme ich direkt mit dem Bus. Wenn ich aber auf Urlaub fahre, benut­zen wir immer das Auto.

Was wünschst du dir für die Mobilität der Zukunft?

Ich finde es super, dass es in der Stadt Stra­ßen gibt, wo tatsäch­lich keine Autos fahren dürfen. Davon sollte es irgend­wie mehr geben, das ist dann auch ange­neh­mer für die Menschen, weil man als Fußgänger:in mehr Bewe­gungs­frei­heit hat.

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Adriana
16 Jahre
Wien Umgebung
Adriana
16 Jahre
Wien Umgebung

Wie bist du selbst mobil?

In die Schule komme ich haupt­säch­lich mit dem Auto oder mit dem Zug. Ich wohne auf dem Land. Deshalb werde ich oft mit dem Auto zum Bahn­hof gebracht und fahre dann mit dem Zug, etwa eine Stunde lang, nach Wien. Und sonst habe ich einen Moped­füh­rer­schein — das heißt, ich fahre ziem­lich viel mit dem Moped. Wenn das nicht geht, zum Beispiel, weil es gerade regnet, werde ich mit dem Auto hingefahren.

Und wie schaut es bei dir auf dem Land mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus?

Es gibt ein paar Dörfer hier am Land, die haben einen Bahn­hof und eine Zugver­bin­dung — aber bei uns nicht. Es fahren viel­leicht so fünf Busse am Tag. Und jetzt in den Ferien zum Beispiel, wie heute an einem Sonn­tag, fährt gar kein Bus. Ansons­ten fährt in der Früh ein Schul­bus und am Nach­mit­tag gibt es einen, der zurück­fährt. — Das sind eigent­lich alle Verbindungen.

Was würdest du dir gerade in deiner Umgebung für die Mobilität der Zukunft wünschen?

Es wäre cool, wenn das Verkehrs­netz mehr ausge­baut würde: Also wenn zum Beispiel am Tag mehr Busse fahren würden. Was ich natür­lich auch cool fände, wäre, wenn es in mehr Dörfern eine Zugsta­tion gäbe. Aber ich glaube, dass das ziem­lich kompli­ziert ist. Aber wenn am Tag allein fünf Busse fahren, so alle zwei Stun­den, dann wäre es schon sehr viel besser.

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Junge Leute aus der Stadt sind flexi­bel unter­wegs: Zur Fort­be­we­gung nutzen sie U‑Bahn, Stra­ßen­bahn, Busse und den Zug. Manche fahren auch gerne mit dem Fahr­rad, um Stre­cken im Alltag zurück­zu­le­gen. Hinge­gen sind Auto und Moped für Jugend­li­che aus dem städ­ti­schen Raum kein großes Thema. Viel lieber sind sie mit umwelt­freund­li­chen Alter­na­ti­ven unter­wegs. Manch­mal kommt man mit diesen sogar noch schnel­ler ans Ziel als mit dem Auto. Das öffent­li­che Verkehrs­netz inner­halb der Stadt wird von allen jungen Leuten als ausschließ­lich posi­tiv bewer­tet. Aller­dings wünschen sich viele einen Ausbau der Radwege. Ein weite­rer Punkt: In Zukunft sollte es aus Sicht der Jugend­li­chen noch mehr auto­freie Zonen in den Städ­ten geben. So bliebe mehr Platz für Fußgänger:innen und Fahr­rä­der. Auch der Aufent­halt auf der Straße wäre entspann­ter, weil Abgase und Verkehrs­lärm wegfallen.

Ganz anders ist die Situa­tion hinge­gen für junge Menschen, die in länd­li­chen Gebie­ten leben: Hier fahren nur selten Busse — und an manchen Tagen sogar gar keine. Dort ist es schwer möglich, sich gänz­lich ohne Auto oder Moped fort­zu­be­we­gen. Deshalb wünschen sich junge Menschen, dass auch auf dem Land der Takt der öffent­li­chen Verkehrs­mit­tel verdich­tet wird. Auch die Anschluss­mög­lich­kei­ten zwischen Stadt und Land soll­ten aus Sicht der jungen Leuten verbes­sert werden.

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Perspektive gewinnen: Was wissen wir?

Im städ­ti­schen Bereich ist es für junge Menschen selbst­ver­ständ­lich, mit öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln zu fahren. Gerade in Wien ist das öffent­li­che Verkehrs­netz sehr gut ausge­baut und eng getak­tet. Deshalb werden die Öffis dort auch stark genutzt — die Wiener Linien geben an, dass jeden Tag rund 2,6 Millio­nen Fahr­gäste mit Bus, Stra­ßen­bahn und U‑Bahn unter­wegs sind. Die öffent­li­chen Verkehrs­mit­tel legen dort täglich eine Stre­cke von mehr als fünf Mal rund um die Erde zurück! Auf dem Land hinge­gen ist das Verkehrs­netz oft noch sehr spär­lich ausge­baut. Dort ist es sehr schwie­rig, sich mit öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln fort­zu­be­we­gen — vor allem zu Rand­zei­ten oder am Wochenende.

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Experteninterview

mit Michael Tinkhauser

Wie denken Politiker:innen über das Thema Mobi­li­tät? Um das heraus­zu­fin­den, besu­che ich Michael Tink­hau­ser. Er war lange Zeit Bürger­meis­ter von Bludesch und arbei­tet jetzt im Vorarl­ber­ger Gemein­de­ver­band. Dort ist er in den Berei­chen “Gesell­schaft und Sozia­les”, “Inte­gra­tion und Migra­tion” und “Über­re­gio­nale Sozi­al­pla­nung” aktiv. In diesem Inter­view spricht Michael Tink­hau­ser aus seiner Perspek­tive als lang­jäh­ri­ger Regio­nal­po­li­ti­ker — und persön­li­cher Nutzer des Vorarl­ber­ger Verkehrs­net­zes — über Mobi­li­tät. Er erzählt, wie die Poli­tik den Bereich “öffent­li­chen Verkehr” unter­stüt­zen kann.

Wie hat sich Mobilität seit Ihrer Jugend verändert?

Es gab ganz wenige Verbin­dun­gen im öffent­li­chen Raum zur dama­li­gen Zeit. Die Verbin­dun­gen zwischen den Orten und Städ­ten waren über­schau­bar. Somit war es unat­trak­tiv, mit dem Bus oder dem Zug unter­wegs zu sein. Darum ist die Mehr­heit in den Jugend­jah­ren Mofa und Moped gefah­ren. Mit der Absol­vie­rung des Führer­schei­nes ist man komplett aufs Auto umge­stie­gen. Als ich 18 Jahre alt war, wurde der öffent­li­che Verkehr eigent­lich nur noch für weite Stre­cken verwen­det — wie zum Beispiel nach Wien. Zum Teil ist man sogar mit dem Auto dort­hin gefah­ren. Fahr­rad­fah­ren war in der Jugend und auch später keine Alter­na­tive. Deshalb war für mich in dieser Zeit vor allem das Auto das zentrale Verkehrsmittel.

Wie kann Mobilität von der Politik gesteuert werden? Oder ist es doch eher eine persönliche Entscheidung, wie man selbst mobil ist?

Die Mobi­li­tät war in meiner poli­ti­schen Arbeit im Rahmen des ÖPNV ein wich­ti­ges Thema. Für uns war es wich­tig, den Ausbau des öffent­li­chen Verkehrs zu fördern und als Politiker:innen die notwen­di­gen Entschei­dun­gen herbei­zu­füh­ren. Mitt­ler­weile bin ich Besit­zer einer Jahres­karte für die öffent­li­chen Verkehrs­mit­tel und profi­tiere von dieser Entschei­dung. Ich merke, wie wich­tig es ist, gute öffent­li­che Verbin­dun­gen im Land zu haben. Der öffent­li­che Verkehr ist eines der zentra­len Themen in den Gemein­den, aber die erfolg­rei­che Umset­zung kann nur über die Region mit dem Land erfol­gen. Es ist etwas, dass man nur gemein­sam entwi­ckeln und entschei­den kann. Wir haben im Walgau eine sehr gute Situa­tion geschaf­fen, welche weiter ausge­baut werden kann.

Ob du das Fahr­rad nimmst, ins Auto einsteigst oder doch den öffent­li­chen Verkehr wählst — die Entschei­dung liegt immer bei dir. Dennoch kann die Poli­tik Rich­tun­gen vorge­ben. Wenn man den öffent­li­chen Verkehr attrak­tiv gestal­tet und den Indi­vi­du­al­ver­kehr einschränkt, werden mehr Leute einen Umstieg auf öffent­li­che Verkehrs­mit­tel über­le­gen. Diese Situa­tion ist für die Poli­tik sehr schwie­rig: Wie beein­flusse ich persön­li­ches Verhal­ten? Ich glaube, dass es auch unpo­pu­läre Maßnah­men braucht, zum Beispiel ein erhöh­ter Benzin­preis oder etwas Ande­res in dieser Form. Diese werden den Leuten nicht immer gefal­len. Einer­seits kosten unpo­pu­läre Maßnah­men in der Poli­tik Wähler:innenstimmen, welche notwen­dig sind, um wieder­ge­wählt zu werden. Aber ande­rer­seits kann so ein Umden­ken in der Bevöl­ke­rung erfol­gen. Es hängt sehr viel vom persön­li­chen Verhal­ten der Leute ab, doch dass es ohne einschnei­dende Maßnah­men gehen soll — das ist meiner Meinung nach eine Illusion.

Zu meiner akti­ven poli­ti­schen Zeit gab es Unter­su­chun­gen des Ener­gie­in­sti­tuts, welche besag­ten: Über 50 Prozent der Stre­cken, die mit dem Auto gefah­ren werden, sind unter 5 km lang. Wenn diese 50 Prozent auf alter­na­tive Verkehrs­mit­tel umstei­gen würden, dann wäre schon ein großer Schritt getan. Aber es steckt immer noch sehr viel Bequem­lich­keit dahin­ter, das merke ich bei mir selbst: Du musst den inne­ren Schwei­ne­hund über­win­den. Zu sagen: Ja — ich stehe jetzt halt schon um zwan­zig vor sechs auf, damit ich mit öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln um dieselbe Zeit wie mit dem Auto in Dorn­birn bin. Ich glaube nicht, dass es ohne gewisse Einschrän­kun­gen geht. Das ist meiner Meinung nach eine Illusion.

Hängen die Fragen der Mobilität auch mit sozialer Gerechtigkeit zusammen?

Ich bin davon über­zeugt: Wenn der öffent­li­che Verkehr gut ausge­baut und für die breite Masse leist­bar ist, trägt er zur sozia­len Gerech­tig­keit bei. Ich glaube, dass Vorarl­berg mit dem Jahres­ti­cket auf einem sehr guten Weg ist. Wenn die Menschen wissen, dass man um 385 Euro ein ganzes Jahr lang mit allen Verkehrs­mit­teln in Vorarl­berg fahren kann, ist das ein attrak­ti­ves Ange­bot. Für den länd­li­chen Raum sollte die Taktung noch ein biss­chen enger erfol­gen, aber das ist eine finan­zi­elle Frage. Für diesen Ausbau braucht es eine noch brei­tere Nutzung der Bevöl­ke­rung. In Wien ist die Nutzung des öffent­li­chen Verkehrs selbst­ver­ständ­lich. Wenn ich nach Wien ziehen würde, könnte ich mir nie vorstel­len, mit dem Auto zu fahren. Die Taktung der öffent­li­chen Verkehrs­mit­tel ist dort so ausge­zeich­net, dass man sich fragen kann — Ist das Auto im städ­ti­schen Raum über­haupt noch eine Alter­na­tive? Der Vergleich zwischen einer Stadt und dem länd­li­chen Raum sollte sehr detail­liert vorge­nom­men werden, um keine falschen Bilder zu erzeugen.

Das Bewusst­sein für Klima­fra­gen ist bei eurer Gene­ra­tion viel stär­ker, als dies bei unse­rer der Fall war. In meiner Jugend war das Klima kein Thema. Ich kann mich nicht daran erin­nern, dass in meinem Umfeld Diskus­sio­nen über Klima­ge­fähr­dung geführt wurden. Es wurden aller­dings umstrit­tene Projekte in der Öffent­lich­keit disku­tiert, wie z. B. Zwen­ten­dorf oder die Hain­bur­ger Au — Da hat man fest­ge­stellt, dass Umwelt­the­men aktu­ell werden.

Wie kann eine Gemeinde, ein Land oder ein Staat nachhaltige Mobilität unterstützen?

Wich­tig ist eine gute Abstim­mung zwischen den Gemein­den, dem Land und dem Bund und diese ist ausbau­fä­hig. Die stär­kere Finan­zie­rung des öffent­li­chen Verkehrs und die Verfol­gung gemein­sa­mer Ziele unter­stüt­zen eine zukunfts­fä­hige Mobi­li­tät. Zudem ist darauf zu achten, wie die E‑Mobilität im öffent­li­chen Verkehr ausge­baut werden kann. Sollte das Thema “auto­no­mes Fahren” einmal kommen, noch ist das natür­lich Zukunfts­mu­sik, stellt sich auch die Frage, wie das auto­nome Fahren im öffent­li­chen Verkehr berück­sich­tigt werden kann. Da sind wir schon sehr in der Zukunft angekommen.

Was wünschen Sie sich Bezug auf Mobilität von den jungen Menschen?

Ich bin der Über­zeu­gung, dass es nicht eine Dialog­gruppe gibt, an die wir unsere Wünsche rich­ten soll­ten. Ich kann nicht von den jungen Menschen erwar­ten, dass sie mehr mit öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln fahren und mich selbst zurück­leh­nen. Ich denke, dass es die Verant­wor­tung von uns allen ist. Es ist wich­tig, dass man sich von der eige­nen Bequem­lich­keit verab­schie­det und der Umwelt persön­lich eine größere Bedeu­tung schenkt. Dann ändert sich auch auto­ma­tisch das eigene Verhal­ten — das sehe ich bei mir selbst. Ich stelle fest, dass die Jugend das Thema deut­lich stär­ker in den Fokus bringt und dieses ihnen sehr viel bedeu­tet. Dadurch haben auch die Diskus­sio­nen in der Bevöl­ke­rung zuge­nom­men — was ich ganz wich­tig finde! Deshalb ist es ein gemein­sa­mer Weg, das Mobi­li­täts­ver­hal­ten von uns allen für unsere Umwelt zu verändern.

Danke für das Interview. Gibt es noch etwas, dass Sie gerne erzählen würden?

In Bezug auf den öffent­li­chen Verkehr ist man in Vorarl­berg auf einem guten Weg. Diese Ausbau­maß­nah­men, das stelle ich gerade als Nutzer fest, waren und sind enorm wich­tig. Das Ziel wäre, dass man den Umstieg mit dem Gedan­ken macht: Ich entscheide mich bewusst für öffent­li­che Verkehrs­mit­tel, weil sie ihre Vorzüge haben und annä­hernd die Bequem­lich­keit brin­gen, wie sie der Indi­vi­du­al­ver­kehr mit sich bringt — und das zu einem kosten­güns­ti­gen Preis. Außer­dem glaube ich, dass Rechen­bei­spiele wie etwa “Öffent­li­cher Verkehr versus Indi­vi­du­al­ver­kehr” noch stär­ker vorge­stellt werden müssen. Die Gegen­über­stel­lung: Was kostet mich mein Auto Benzin, Versi­che­rung und Repa­ra­tu­ren? Und was kostet mich die Nutzung des öffent­li­chen Verkehrs? Ich denke, dass diese Rechen­bei­spiele zusätz­li­che Anstöße sein können, damit sich Menschen für den öffent­li­chen Verkehr entschei­den. Die Verhal­tens­än­de­run­gen der Menschen und der Umstieg auf alter­na­tive Ener­gien in der Wirt­schaft sind für mich die zentra­len Schlüs­sel­aspekte in der Mobilitäts-Frage.

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Lösungsansätze

Wir haben heraus­ge­fun­den: Das Thema Mobi­li­tät kann aus verschie­de­nen Blick­win­keln beleuch­tet werden — zum Beispiel unter dem Aspekt der sozia­len Gerech­tig­keit, dem Vergleich zwischen Stadt und Land oder natür­lich ausge­hend von der großen Frage, wie wir in Zukunft nach­hal­tig unter­wegs sein können. Um Lösun­gen für diese Fragen zu finden, müssen wir möglichst alle Aspekte berück­sich­ti­gen und diskutieren.

Fest steht jedoch: Die Frage, wie wir uns künf­tig fort­be­we­gen, kann immer von mehre­ren Seiten betrach­tet und ange­packt werden. Zum Beispiel kann einer­seits die Poli­tik Maßnah­men setzen, um ein Umden­ken in der Bevöl­ke­rung anzu­re­gen. Und ande­rer­seits kann jede:r Einzelne einen Beitrag leis­ten, in dem wir selbst mit nach­hal­ti­gen Verkehrs­mit­teln unter­wegs sind und durch unsere Entschei­dun­gen ein Zeichen setzen.

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Lösungen finden

  • Weg vom Indi­vi­du­al­ver­kehr, hin zu öffent­li­cher Mobi­li­tät! Mobi­li­tät spielt eine bedeu­tende Rolle in der Bekämp­fung der Klima­krise. Umso wich­ti­ger ist es, dass in Zukunft viel mehr Menschen das Auto stehen lassen und dafür mit öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln fahren. Ein gut ausge­bau­tes öffent­li­ches Verkehrs­netz, das in engem Takt fährt, ist eine Voraus­set­zung dafür.
  • Öffent­li­cher Verkehr trägt außer­dem zur sozia­len Gerech­tig­keit bei: Wer mit Bus, Stra­ßen­bahn oder Zug zu nied­ri­gen Prei­sen unter­wegs sein kann und dadurch schnell von A nach B gelangt, braucht sich kein Auto zu kaufen.
  • Der Ausbau von öffent­li­cher Mobi­li­tät kann die Lebens­qua­li­tät in Städ­ten stei­gern: Autos verbrau­chen in Städ­ten wert­vol­len Platz, erhö­hen die Fein­staub­be­las­tung und sorgen für Lärm.
  • Obwohl jede:r selbst die Entschei­dung trifft, wie er/​sie im Alltag mobil sein möchte, kann und soll auch die Poli­tik ihren Beitrag hin zu einer nach­hal­ti­gen Mobi­li­tät leis­ten! Maßnah­men können disku­tiert, der öffent­li­che Verkehr ausge­baut und neue Konzepte entwi­ckelt werden.

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Wie wollen wir zukünftig mobil sein?

Das wünschen wir uns für die Zukunft der Mobilität:

  • Mehr Anschluss­mög­lich­kei­ten zwischen Stadt und Land, sodass man kein Auto braucht, um in die Stadt zu gelangen
  • Eine Verdich­tung und Opti­mie­rung des Taktes im länd­li­chen Raum: Eine Idee wäre zum Beispiel Nacht­busse für Jugend­li­che am Wochen­ende einzuführen
  • Einen Ausbau der Radwege in den Städten
  • Mehr Fußgän­ger­zo­nen in Städ­ten, in denen keine Autos fahren dürfen
  • Es gibt bereits Züge, die Co2-neutral fahren. Solche umwelt­freund­li­chen Maßnah­men begrü­ßen wir sehr und sollen auch in Zukunft weiter ausge­baut werden!
  • Die Kombi­na­tion von verschie­de­nen Verkehrs­mit­teln sollte möglichst problem­los ablaufen.
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Und das können wir selbst tun:

  • Oft mit öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln fahren! Wenn Bus, Bahn etc. stark genutzt werden, ist die Chance größer, dass das öffent­li­che Verkehrs­netz auch in Zukunft weiter ausge­baut wird.
  • Selbst in die Pedale treten und Fahr­rad­wege nutzen — oder einfach mal zu Fuß gehen.
  • Fahr­ge­mein­schaf­ten bilden: Manch­mal kann man sich zusam­men­schlie­ßen und Wege gemein­sam zurücklegen.
  • Ein Bewusst­sein für Mobi­li­tät und Umwelt­schutz entwi­ckeln und sich über­le­gen: Ist eine Fahrt mit Auto oder Moped notwen­dig oder gibt es Alternativen?
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Was die Medien dazu sagen 

und spannende Links

Werfen wir einen Blick in die Mobi­li­tät der Zukunft: Die Medien geben Einblick in verschie­dene neue Mobi­li­täts­kon­zepte, die sich momen­tan in der Test­phase befin­den. Die Ideen reichen von Seil­bah­nen über der Stadt bis hin zu auto­nom fahren­den Autos. Es handelt sich hier­bei vor allem um Pionier­pro­jekte, die noch nicht in großem Maßstab umge­setzt werden. Aber auf jeden Fall ist schon mal klar: Gerade im städ­ti­schen Raum haben Fahr­rä­der und E‑Bikes Zukunft! Einer­seits ist hier­bei wich­tig, dass man die Radwege weiter ausbaut. Ande­rer­seits wird dem flexi­blen Umstieg, also zum Beispiel vom Rad zum Bus, eine große Bedeu­tung beigemes­sen. Außer­dem soll­ten Städte zukünf­tig nicht nur Fahrradfahrer:innen, sondern auch Fußgänger:innen mehr Platz bieten. Öffent­li­che Räume können somit besser gemein­sam erschlos­sen und Orte der Begeg­nung geschaf­fen werden. Gerade in Städ­ten soll­ten deshalb weni­ger Autos fahren und parken.

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Wohnen in Zukunft: 

Wie soll das gehen?

Ein Beitrag von Viktoria Ganahl

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Wie steht es um das Wohnen in Vorarl­berg? Die Miet­preise stei­gen in vielen Gebie­ten, der verfüg­bare Boden wird immer knap­per und die Bauweise dich­ter. Gleich­zei­tig gibt es aufgrund des Klima­wan­dels immer heißere Tage im Sommer. Es ist klar, wir müssen uns die Frage stel­len: Wie kann Wohnen in Zukunft ausse­hen? Tenden­zi­ell wohnen die Menschen auf immer klei­ne­rem Raum: Viele haben wenig Platz oder keinen eige­nen Garten. Deshalb reicht eine leist­bare Wohnung für ein gutes Wohn­ge­fühl allein nicht aus. Es braucht zusätz­lich Plätze außer­halb der eige­nen vier Wände, an denen man sich gerne aufhält. Auch wir jungen Leute möch­ten uns konsum­frei mit Freund:innen tref­fen. Kurz gesagt: Es sind gute, zukunfts­fä­hige Lösun­gen gefragt. Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, habe ich mit verschie­de­nen Menschen gespro­chen. Wie hat sich das Wohnen in ihren Augen verän­dert und was wünschen sie sich für die Zukunft? Eines steht schon mal fest: Unsere Lebens­welt verän­dert sich. Dadurch entste­hen aber auch viele neue, zukunfts­ori­en­tierte Wohn­kon­zepte. Welche Baustoffe werden dabei eine Rolle spie­len, und wie errei­chen wir unsere Ziele im Einklang mit dem Planeten?

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Max Capelli
14 Jahre
“ich wohne in einem Dorf”
Max Capelli
14 Jahre
“ich wohne in einem Dorf”

Wenn du aus deinem Fenster schaust, was siehst du?

Ein Baum­haus, einen Wald und die Stadt.

Wie wohnst du selbst?

Ich wohne in einem Haus am Hang

Wenn du ein Haus für deine Familie bauen würdest, wie würde das ausschauen?

Schlicht und einfach, mit natür­li­chen Baustof­fen und Holz.

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Julia Domig
15 Jahre 
“lebhaf­tes Dorf/​lebhafte Gemeinde”
Julia Domig
15 Jahre 
“lebhaf­tes Dorf/​lebhafte Gemeinde”

Was wird in deiner Nachbarschaft gebaut und wie?

Haupt­säch­lich sind hier Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser. Ich wohne in der Nähe vom Bahn­hof, dort stehen Wohn­blö­cke. In unse­rer Straße ist es eher still. Ich sehe zwar die Haupt­straße, aber zu uns fahren recht wenig Autos. Bei uns stehen eher Familienhäuser.

Was würdest du für ein Haus für deine Familie bauen?

Ich würde darauf achten, dass wir einen großen Garten haben. Dann kann man raus­ge­hen. Große Fens­ter würde ich auf jeden Fall machen. Man braucht erstens nicht so viel Strom, und Sonnen­licht ist sicher besser als das Licht von der Lampe. Ich würde schauen, dass Holz inte­griert ist. Das macht das Ganze wohn­li­cher. Ich fände es auch inter­es­sant, ein Haus aus Lehm zu bauen (wie im Work­shop von Lehm Ton Erde). Das finde ich ganz spannend.

Was würdest du in deiner Gemeinde bauen, wenn du könntest?

Even­tu­ell einen Platz, an dem sich junge Leute, egal in welchem Alter, tref­fen können. Und wo man viel­leicht man auch Sport betrei­ben kann. Wir haben einen Basket­ball­platz und einen Fußball­platz, diese werden aller­dings von den Verei­nen genutzt. Ich fände es cool, wenn die jungen Leuten die Plätze jeder­zeit verwen­den können. Man muss aber auch darauf achten, dass der Platz nicht verschmutzt wird. Jemand muss darauf schauen und Verant­wor­tung dafür übernehmen.

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Elina Holder­mann
15 Jahre
“Dorf”
Elina Holder­mann
15 Jahre
“Dorf”

Wie wohnt ihr selbst?

Meine Fami­lie und ich wohnen mit meiner Oma (im oberen Stock) in einem Haus.

Was würdest du für ein Haus für deine Familie bauen?

Ich würde darauf schauen, dass die Rohstoffe und die Heizung umwelt­freund­lich sind. Mir wäre viel Platz wich­tig, und dass mehrere Gene­ra­tio­nen in dem Haus wohnen können. Dadurch wäre es möglich, dass auch die Kinder darin leben.

Was würdest du in deiner Gemeinde bauen, wenn du könntest?

Einen Platz, wo die Jugend­li­chen hinge­hen können. In unse­rem Dorf gibt es nichts Geeig­ne­tes. Wir brau­chen Orte, an denen man zusam­men Sport machen kann — oder viel­leicht auch einen Jugendtreff.

Hat sich deine Wohngegend in den letzten Jahren verändert?

Bei uns war eigent­lich alles schon bebaut. Aber als meine Oma und mein Papa selbst noch jünger waren, da war zuerst noch eine größere Wiese. Auch das Alters­heim war noch nicht da. Das ist vieles dazugekommen.

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Paulina Fraisl
12 Jahre
“ein sehr klei­nes Dorf, aber sehr schön”
Paulina Fraisl
12 Jahre
“ein sehr klei­nes Dorf, aber sehr schön”

Was würdest du für ein Haus für deine Familie bauen?

Nicht mitten in der Stadt: irgendwo, wo viel Wiese und Wald ist. Was ich schön fände, wäre ein Holzhaus.

Hast du einen Lieblingsplatz in deiner Wohngegend?

Ja, im Wald haben wir einen Bach, dort ist es ziem­lich schön. Es schaut aus wie im Dschungel.

Hat sich deine Wohngegend in den letzten Jahren verändert?

Ja, viele neue Wohn­blö­cke sind dazu­ge­kom­men. Und ein paar neue Häuser, wenn ich es mir recht über­lege, sind es eigent­lich viele neue Häuser. Seit man hier ange­fan­gen hat, mehr zu bauen, hat man Schil­der für die Autos aufge­stellt: „Hilfe, ihr seid zu viele!“

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Rein­hold Strieder
Archi­tekt in Pension 
Rein­hold Strieder
Archi­tekt in Pension 

Wie hat sich Ihre Nachbarschaft in den letzten 20, 30 Jahren verändert?

Meine Nach­bar­schaft? Alle sind älter gewor­den. (lacht) Es wird viel mehr gebaut. Es ist alles viel dich­ter. Außer­dem hat sich der Akti­ons­ra­dius vergrö­ßert: Die öffent­li­chen Verkehrs­mit­tel sind viel besser ausgebaut.

Früher hat man größer gebaut, jetzt geht die Tendenz immer mehr Rich­tung Wohnung. Man ist meiner Meinung nach nicht mehr so orts­ge­bun­den wie früher.

Wie wohnen Sie selbst?

Ich wohne sehr nach­hal­tig. Wir haben 1984 Reihen­häu­ser gebaut, das waren die ersten in Satt­eins. Die Häuser haben eine Grund­stücks­größe von 400 Quadrat­me­tern. Sie sind aus Holz und ohne chemi­sche Konser­vie­rungs­mit­tel. Wir haben damals ökolo­gisch gebaut. Das war gar nicht so einfach, weil man das Mate­rial nicht so leicht bekom­men hat. Die Nach­frage war sehr gering, weil “bio” bei den meis­ten Bauver­ant­wort­li­chen gar kein Thema war. Heute sind wir stolz darauf.

In meiner Umgebung ziehen viele junge Familien wieder bei ihren Eltern ein. Ist das Zufall?

Das ist kein Zufall, sondern hängt sicher mit der finan­zi­el­len Situa­tion zusam­men. Es gibt erstens einmal wenig Baugrund. Ich finde, dass es eine ganz vernünf­tige Lösung ist, wenn mehrere Gene­ra­tio­nen unter einem Dach leben: So kann man sich die Ressour­cen teilen. Auch wenn das nur heißt, dass die Oma oder der Opa einfa­cher aufs Kind aufpas­sen können. Dass jeder sein eige­nes Haus baut, finde ich eigent­lich nicht gut. Man sollte heute auch schon bei Neubau­ten ein biss­chen mehr darauf schauen, ob man das Haus später einmal teilen oder man dran­bauen kann?

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Brun­hilde Häusle 
Floris­tin in Pension
“ein größe­res Dorf”

Brun­hilde Häusle 
Floris­tin in Pension
“ein größe­res Dorf”

Wie wohnen Sie selbst?

Ich bin in Pension und lebe alleine. Meine Kinder sind Erwach­sen und ich habe jetzt eine kleine Zwei­zim­mer­woh­nung mit 50 Quadrat­me­tern, mit einer eben­erdi­gen Terrasse.

Sind beim Wohnen für Sie andere Aspekte wichtig als früher?

Ja, natür­lich: Früher hatten wir die Kinder. Da musste die Wohnung anders ausse­hen als jetzt. Meine jetzige Wohnung ist klein und für mich gerade recht. Ich habe nicht so viel Arbeit beim aufräu­men und putzen. Und die Miete ist auch nicht so hoch. So kann ich mir neben­her auch noch was leisten.

Was ist für Sie besonders wichtig im Bereich wohnen?

Mir war es immer wich­tig, dass die Wohnung möglichst eben­erdig ist und dass es eine natür­li­che Umge­bung gibt. Eigent­lich ist das für mich noch wich­ti­ger wie die Größe der Wohnung. Ich muss ins Grüne können. Ich genieße, dass ich von meiner Wohnung schnell drau­ßen am See und in der Natur bin.

Was würden Sie sich für die jüngere Generation in Bezug auf Wohnen wünschen?

Ich bin immer ein biss­chen scho­ckiert, dass man jetzt Wohn­blö­cke baut, die alle gleich ausschauen. Zehn­mal dieselbe Küche, Kabi­nett und Balkon. Die Mate­ria­lien sind oft auch nicht gesund. Ich würde mir wünschen, dass sich für die jüngere Gene­ra­tion das Wohnen inso­fern verän­dert, dass Grün­flä­chen erhal­ten blei­ben. Ich finde es wich­tig, dass man an seinem Wohn­ort ins Grüne kann, so wie ich es kann. Ich würde mir gute Mate­ria­lien und ein schö­nes Umfeld wünschen.

Und natür­lich, dass man sich das Wohnen einfach leis­ten kann. Es sollte ein Menschen­recht sein, dass sich jeder eine Wohnung leis­ten kann. So wie das jetzt ist, dass die Leute kaum noch die Miete zahlen können und nur noch fürs Wohnen arbei­ten — das ist meiner Meinung nach ganz schlimm.

Gibt es noch etwas Wichtiges, was Sie mir gerne erzählen würden?

Man verän­dert sich ja im Laufe der Jahre: Zum Beispiel wenn man Kinder hat, braucht man mehr Platz und ganz andere Wohnungen.

Ich konnte meine Wohn­ver­hält­nisse immer an mein Leben anpas­sen. Jetzt lebe ich auf weni­gen Quadrat­me­tern, aber man kann es sich schön gemüt­lich machen. Ich habe keinen Gemü­se­gar­ten, aber einen Gemein­schafts­gar­ten in Höchst. Dort kann ich Gemüse anbauen. Ich denke, ich habe alles, was ich brauche.

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Für alle Gene­ra­tio­nen ist beson­ders wich­tig, im Grünen zu leben und die Natur vor der Haus­türe zu haben. Für ihre eigene Fami­lie würden die inter­view­ten Jugend­li­chen gerne ein Haus aus nach­hal­ti­gen Baustof­fen wie zum Beispiel Lehm oder Holz bauen. Ein weite­rer Aspekt: Manche jungen Leute leben bereits mit der eige­nen Fami­lie und den Groß­el­tern, in einer sepa­ra­ten Wohnung, unter einem Dach. Sie können sich gut vorstel­len, selbst einmal ein Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­haus zu bewohnen.

Alle können davon erzäh­len, dass in den letz­ten Jahren viele neue Wohn­blö­cke in den Dörfern gebaut wurden. Bedau­ert wird, dass viele der Wohn­an­la­gen sehr gleich und mono­ton ausse­hen. Wich­tig: Der Anspruch von jungen Leuten Häuser mit nach­hal­tige Bauma­te­ria­lien zu errich­ten, lässt sich auch auf Wohn­blö­cke übertragen.

Was den jungen Leuten im Dorf­bild manch­mal fehlt: Jugend­räume oder Sport­plätze, an denen sich spezi­ell Jugend­li­che tref­fen und aufhal­ten können. Auch Orte, an denen sich die Menschen gene­ra­tio­nen- und grup­pen­über­grei­fend tref­fen, sind vielen wich­tig. Sie machen die Wohn­ge­gend lebenswerter.

Fragt man die ältere Gene­ra­tion, stellt sich heraus: Wenn die Kinder erwach­sen und ausge­zo­gen sind, wirkt das Einfa­mi­li­en­haus plötz­lich viel zu groß. Viele ältere Perso­nen bewoh­nen ganz alleine ein großes Haus. Wer im Alter in eine klei­nere Wohnung umzieht, ist flexi­bler und hat weni­ger Arbeit. Das frühere Haus kann jünge­ren Fami­lien über­las­sen werden.

Für die jüngere Gene­ra­tion wünschen sich die Erwach­se­nen, dass das Wohnen leist­bar bleibt und freie Grün­flä­chen auch in dich­te­ren Wohn­ge­gen­den erhal­ten blei­ben. Außer­dem wünschen sie sich gute, nach­hal­tige Mate­ria­lien für die Wohnun­gen und Häuser der Zukunft.

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Perspektive gewinnen

Die größ­ten Heraus­for­de­run­gen: Insge­samt gibt es zu wenige leist­bare Wohnun­gen, der Bedarf wächst schnel­ler als das Ange­bot. Auch der Boden wird immer kost­ba­rer und dadurch teurer. Gleich­zei­tig schrei­tet der Klima­wan­del weiter voran und sorgt für stetig heißere Tempe­ra­tu­ren. Doch wie finden wir für diese großen Probleme nach­hal­tige Lösungen?

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Expertinneninterview

mit Marina Hämmerle

Um mein Wissen zu vertie­fen, habe ich mit Marina Hämmerle gespro­chen. Sie ist Archi­tek­tin und war von 2005 bis 2012 Direk­to­rin des vai Vorarl­ber­ger Archi­tek­tur Insti­tuts. Seit 2013 betreibt sie in Lust­enau ihr Büro für baukul­tu­relle Anlie­gen. Sie ist auf kommu­na­ler (Gemein­de­ebene), regio­na­ler und inter­na­tio­na­ler Ebene in den Berei­chen Archi­tek­tur und Städ­te­bau aktiv. Marina Hämmerle berät, schreibt, juriert und ist auch als Kura­to­rin tätig.

Sie sprach mit mir über Lösungs­an­sätze: Beispiels­weise, wenn es um die Nach­ver­dich­tung von Dörfern und Städ­ten geht. Im Austausch erzählt sie unter ande­rem, welche Vorteile Begrü­nung in Dörfern und Städ­ten mit sich bringt, wie man die Atmo­sphäre eines Ortes erhält und welche Wohn­kon­zepte Zukunfts­per­spek­tive haben.

Marina Hämmerle
Marina Hämmerle

Was sind die größten Herausforderungen für die Raumplanung in den ländlichen Gebieten?

Der Begriff “Orts­ent­wick­lung” betrifft eigent­lich die Innen­ent­wick­lung der Dörfer und Städte. Die “Raum­pla­nung” hinge­gen bezieht sich auf die Landes­ebene. Es geht in der Raum­pla­nung darum, dass die die Zusam­men­schau aller Dörfer gelingt und dass man über kommu­nale Inter­es­sen hinweg gestal­tet und lenkt. Deshalb würde ich gerne auf beide Punkte eingehen.

Beispiels­weise bei der Ansied­lung eines Gewer­be­ge­biets oder ein wich­ti­gen Schul­bau­pro­jekts: Das darf nicht Sache einer Gemeinde sein, sondern muss immer im größe­ren Zusam­men­hang gese­hen werden. Wo ist denn der geeig­nete Stand­ort hinsicht­lich Mobi­li­tät, Anbin­dung an den öffent­li­chen Verkehr? Wie kommen die Menschen dahin? Wie kann man ermög­li­chen, dass die Menschen vom Auto auf den öffent­li­chen Verkehr umsteigen?

Dann ein wich­ti­ger Punkt der Raum­pla­nung in Vorarl­berg: Die Siche­rung der Landes­grün­zone. Diese ist schon seit mehr als 40 Jahren fest­ge­schrie­ben. Es geht darum, dass dieser zentrale Grün­raum im Rhein­tal auch wirk­lich als solcher erhal­ten bleibt.

Ein weite­res Spezi­fi­kum aus Vorarl­berg: Wir haben unglaub­lich viele Bauland­re­ser­ven. Bei uns gibt es z.B. über die Erbtei­lung viele Flächen, die noch weiter­ge­ge­ben oder gekauft werden können. Dadurch entsteht ein enor­mer Druck von den Bauträ­gern auf diese Frei­flä­chen, welche im Dorf­be­reich aber sehr wich­tig sind. Es geht darum, dass die Dörfer nicht komplett zuwach­sen. Wir müssen nach­ver­dich­ten, weil der Boden knap­per, kost­ba­rer und dadurch immer teurer wird. Aber gerade deshalb müssen wir auch schauen, dass wir im Sied­lungs­raum auch quali­ta­tive Frei­flä­chen erhal­ten, die allen zugäng­lich sind.

Was in Vorarl­berg eben­falls augen­schein­lich ist: sehr viel an Frei­raum ist privat. Auch wenn die Wiesen grün sind und die Obst­bäume darauf wach­sen, der Groß­teil des Sied­lungs­rau­mes gehört immer irgend­je­man­dem. Dieser ist meis­tens in priva­ter Hand und für die Allge­mein­heit eigent­lich nicht nutz­bar. Hier müssen die Kommu­nen lenkend eingrei­fen und das Land Vorarl­berg muss im Blick haben: Wie können räum­li­che Entwick­lungs­kon­zepte ange­legt werden, damit genü­gend öffent­li­cher Frei­raum für alle Menschen garan­tiert wird.

In Bezug auf die Freihaltung von Grünflächen und die Verwendung von öffentlichen Verkehrsmitteln: Hat sich in diesen Bereichen in den letzten 20 Jahren etwas verändert?

Viele Dörfer verlie­ren im Zuge der Nach­ver­dich­tung ihre Charak­te­ris­tika. Sie werden austausch­bar, weil über­all die glei­chen Wohn­bau­ten entste­hen. In den Nach­kriegs­jahr­zehn­ten wurden zu wenige Visio­nen gene­riert: Wie könnte dieses Quar­tier in 20 Jahren ausse­hen? Wie sollte sich dieser Stra­ßen­zug entwi­ckeln? Und so verschwin­den die Eigen­hei­ten von Stra­ßen­zü­gen oder Quartieren.

Nicht einmal heute haben alle Gemein­den auf dem Schirm, dass man das räum­li­che Entwick­lungs­kon­zept so betrach­ten könnte. Es geht nicht nur um die Bevöl­ke­rungs­dichte oder Geschoss­hö­hen, also um tech­ni­sche Werte. Es geht auch um Atmo­sphäre. Welche Atmo­sphäre möchte man in diesem oder jenem Quar­tier? Da wäre es wich­tig, dass die Entschei­dungs­trä­ger, in diesem Falle die Kommu­nen, Vorstel­lun­gen entwi­ckeln, wie sich das Dorf weiter gestal­ten könnte. So dass wir auch fit sind für die Heraus­for­de­run­gen unse­rer Zeit, wie Klima­wan­del und Klima­an­pas­sungs­maß­nah­men. Das bedeu­tet, wir müssen Grün­räume von Beginn an bei der Orts- und Stadt­pla­nung mitden­ken. Aber nicht nur als Räume, wir müssen auch an den Bauwer­ken und der Archi­tek­tur etwas machen.

Gibt es in Rezept für einen guten Platz, der für alle Bewohner:innen funktioniert?

Ein Rezept könnte sein, dass man sich an dem orien­tiert, was die Menschen gerne haben, auch was die Tiere & Pflan­zen brau­chen. Dann hätte man schon einmal Anhalts­punkte, wo die Reise bei der Stadt- und Dorf­ent­wick­lung hinge­hen könnte. Das heißt: Menschen lieben Plätze, wo man sich gut aufhal­ten kann, wo Baum­schat­ten da ist. Wenn Fassa­den begrünt sind oder üppi­ger Baum­schat­ten vorhan­den ist, können die Tempe­ra­tu­ren deut­lich gesenkt werden. Wenn ich hier im Zentrum von unse­rer Terrasse hinun­ter schaue, dann sehe ich: Jedes halbe Jahr verschwin­den wieder wich­tige Bäume.

Als ich gestern in Zürich war mit Kolle­gin­nen, hat uns eine befreun­dete Archi­tek­tin ein von ihr geplan­tes Wohn­haus gezeigt, eine Nach­ver­dich­tung. Der Neubau liegt inmit­ten etli­cher Altbau­ten, an der Straße steht vis-à-vis ein großes Büro­ge­bäude. Das mehr­ge­schos­sige Gebäude besetzt eine kleine Lücke, ist eine gelun­gene Kompo­si­tion die wirk­lich mit dem umlie­gen­den Bestand inter­agiert. Es nimmt den Geist dieses Ortes auf, das nennt man genius loci: Das Gebäude erzählt und trans­por­tiert die Geschichte, die sich an diesem Ort entwi­ckeln konnte. Und siehe da: Das neue Gebäude hat eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, als ob es immer schon da gewe­sen wäre. Weil es mit den ande­ren Gebäu­den in Kontakt tritt und sich auf wunder­schöne Art und Weise Zwischen­raum-Situa­­tio­­nen erge­ben, die Quali­tät haben, wie beispiels­weise der Blick von den Balko­nen durch zwei Gebäude hindurch bis zur nächs­ten Häuser­zeile oder wie die Gärten inein­an­der spie­len und das Terrain, das Gelände darin aufge­nom­men wird.

Oftmals nehmen die Neubau­ten keinen Bezug auf das, was bereits da ist. So spielt auch die Topo­gra­phie eine große Rolle. Das verstehe ich unter Atmo­sphäre. Wenn man in der Lage ist, einen Ort zu lesen, entsteht atmo­sphä­ri­sche Dichte. Das gelingt, wenn man es versteht den Ort zu lesen: Was sagt mir dieser Ort? Und was braucht er, damit ich ihm nichts wegnehme, sondern ihm etwas hinzu­gebe? Dann entsteht Atmo­sphäre, wird aus einer Planung gute Architektur.

Was sind denn Baumaterialien für die Zukunft, gerade hinsichtlich Vorarlberg?

Ich würde das nicht auf einzelne Mate­ria­lien beschrän­ken. Aber Holz hat die „Nase vorne“, vor allem was die Klima­bi­lanz anbe­langt. Ande­rer­seits finde ich es auch ganz wich­tig, dass man histo­ri­sche Bauten oder die Gebäude der 60er und 70er Jahre wieder ertüch­tigt. Ich bin der Meinung, dass dieser Bestand sehr wich­tig ist und so viel wie möglich reno­viert werden sollte. Das Motto der Stunde lautet meiner Meinung nach: Das nützen, was da ist! Das bedeu­tet, so viel als möglich den Altbe­stand verbes­sern und ertüch­ti­gen, sodass er für die nächste Zeit gewapp­net ist.

Was ich nicht gut finde: Poly­sty­rol­plat­ten soll­ten nicht als Wärme­dämm­ma­te­rial verwen­det werden. Diese sind aus Petro­che­mie herge­stellt, verrot­ten kaum und sind sehr schwer trenn­bar vom massi­ven Baustoff, wie zum Beispiel Beton und Ziegel, auf diese die Plat­ten aufge­klebt werden. Die Klima­ziele recht­fer­ti­gen nicht, umwelt­schäd­li­che Mate­ria­lien zum Einsatz zu brin­gen, nur damit man den Heiz­wert und die Ener­gie­kos­ten senken kann.

Sie haben im Zuge ihrer Berufserfahrung viele unterschiedliche Wohnkonzepte kennengelernt. Gab es da für Sie ein persönliches Highlight? Ein Konzept, bei dem Sie sich gedacht haben: Das ist nachhaltig oder zukunftsfähig?

Was nach­hal­tige Wohn­kon­zepte anbe­langt, hat die Schweiz eine Vorrei­ter­rolle. Dort gibt es die genos­sen­schaft­li­che Form des Wohnens: Man wird Genossenschafter:in und zahlt einen Anteil ein. Es gehört der Gemein­schaft, man kann mieten und kaufen. Diese Wohn­bau­ten beinhal­ten oft auch Clus­ter­woh­nun­gen, d.h. man lebt wie in einer großen Wohn­ge­mein­schaft, hat aber eigene Räum­lich­kei­ten Inner­halb der beispiels­weise 300–350 Quadrat­me­tern. Im kollek­ti­ven Wohn­zim­mer findet man sich dann am großen Mittags­tisch ein. Oder die Wohnun­gen sind in norma­ler Größe und geges­sen wird in einer Art Kantine, die von der Gemein­schaft betreut wird. Darüber hinaus regen weitere Gemein­schafts­ein­rich­tun­gen zur gene­ra­tio­nen­über­grei­fen­den Gesel­lig­keit an. Man lebt im Verband und kann sich dennoch auf seine Privat­heit zurückziehen.

Es gibt dort auch viele Projekte von Frauen, die im Alter nicht mehr in ihren zu großen Häusern leben wollen. Sie schlie­ßen sich zu Baugrup­pen zusam­men und errich­ten dann z.B. ein 5‑geschossiges Bauwerk mit guter Archi­tek­tur. Aber dafür braucht es eine gewisse Offen­heit: Dass man sein Haus loslas­sen kann, in dem man mögli­cher­weise mit der Fami­lie über Jahr­zehnte gelebt hat und es nun an die Jünge­ren über­gibt. Und dass man sagen kann: Okay, im letz­ten Lebens­ab­schnitt hätte ich es gerne ein biss­chen einfa­cher, kommu­ni­ka­ti­ver und gesel­li­ger. Man muss bereit sein, sich noch einmal zu verändern.

Ganz wich­tig finde ich auch: die Quali­tät der Außen­räume. Der Außen­raum ist mindes­tens genauso wich­tig für eine Anlage. Denn die Stadt ist eigent­lich die Wohnung für alle. Die Plätze sind die Räume, der Wohn­raum oder das Musik­zim­mer, die Gassen sind die Gänge dazwi­schen und die Häuser machen die Fassa­den der Stadt. Arno Brandl­hu­ber, ein Archi­tekt aus Berlin, hat einmal gesagt: Zuerst die Stadt und dann das Haus. Die Stadt ist wich­ti­ger als das Einzel­haus. Das sollte auch ein Grund­satz sein, wie man Dorf oder Stadt entwi­ckelt. Dass man zuerst denkt: Was setze ich hier rein, damit dieser Platz nicht schlech­ter, sondern im besten Falle besser wird? Denn in der Regel bedeu­tet bauen ja, dass man dem Ort etwas wegnimmt. Da war im Vorfeld eine Wiese, da waren Obst­bäume, viel­leicht ein Bach. Wir müssen uns immer über­le­gen: Was ist der Ausgleich? Was geben wir zurück, damit es besser wird als zuvor – oder, wie gelingt es zumin­dest die bestehende Quali­tät zu erhalten?

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Innovative Wohnkonzepte

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Dieses Gebäude wurde in den Altbe­stand hinein­ge­baut. Im Erdge­schoss befin­det sich eine Kinder­krippe, die sich um den biodi­ver­sen Garten kümmert. Die umlie­gen­den Bauten haben Hoch­sprünge und Versätze im Dach und den Teras­sen. Das wurde auch bei der Planung des neuen Gebäu­des mitein­be­zo­gen. Man sieht eine Verwandt­schaft: Das neue Haus hat zum Beispiel ein beson­de­res Gelän­der, das an die analo­gen Gelän­der der umlie­gen­den Bauten erin­nert. Durch diese Details harmo­nie­ren die Gebäude zusammen.

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Auf der Stra­ßen­seite hat man den Blick in die Gasse. Die versetz­ten Wohnun­gen ermög­li­chen dies von jedem Wohn­zim­mer aus.

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Diese Wohn­an­lage steht in Zürich und wurde den Archi­tek­ten Knap­kie­wicz & Fickert geplant. Die Stadt Zürich hat hier erschwing­li­che Wohnun­gen direkt im Seefeld für die Bürger:innen finan­ziert. Viele Fein­hei­ten machen diese Wohn­an­lage einzig­ar­tig: farbige Fens­ter, zwei­stö­ckige Wohnun­gen oder Sitz­mög­lich­kei­ten im Innen­hof. Im großen Hof steht eine zwei­ge­schos­sige Fahr­rad­ga­rage. Auf dem Deck gibt es einen offe­nen Raum für Feste, Partys oder zum Beispiel Kinder-Bastel­nach­­mi­t­­tage. Gemein­same Flächen, um die Bewohner:innen mitein­an­der in Begeg­nung zu bringen.

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Der Eingangs­be­reich wurde mit einem großen, außer­ge­wöhn­li­chem Mosaik gestal­tet. Schon beim Eintre­ten ins Stie­gen­haus weiß man: Hier bin ich zuhause.

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Was die Medien dazu sagen

und weitere Beiträge zum Thema

Die Medien machen deut­lich: Wir stehen beim Thema Wohnen zukünf­tig vor großen Heraus­for­de­run­gen. Die größ­ten davon sind einer­seits der Klima­wan­del, der die Tempe­ra­tu­ren immer weiter stei­gen lässt. Ande­rer­seits wird der Platz in Dörfern und Städ­ten immer knap­per, leist­bare Wohnun­gen sind in vielen Regio­nen Mangelware.

Damit Wohnen in Zukunft funk­tio­nie­ren kann, müssen viele Berei­che des Wohnens neu gedacht werden. In den Medien wird bereits ein brei­tes Spek­trum an unter­schied­lichs­ten Konzep­ten und Lösun­gen dafür vorge­stellt. Das reicht von der Fassa­den­be­grü­nung über Nied­­rig- und Plus­ener­gie­häu­ser bis hin zu Tiny Houses oder flexi­blen Wand­sys­te­men. Die Forschung beschäf­tigt sich außer­dem mit der Frage, wie neue, umwelt­freund­li­che Baustoffe entwi­ckelt werden können. Laut den Medien werden uns nach­hal­tige Bauma­te­ria­lien, begrünte Dörfer und Städte sowie mehr öffent­li­che Plätze auch schon in den nächs­ten Jahren immer häufi­ger begeg­nen. Viele andere Ideen sind hinge­gen noch Visio­nen und keine Reali­tät. Aber je facet­ten­rei­cher das Thema Wohnen in der Gegen­wart über­dacht wird, umso viel­fäl­ti­ger werden unsere zukünf­ti­gen Lösun­gen dafür sein.

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Lösungsansätze

Wie kann Wohnen in Zukunft gehen? Um mich dieser Frage anzu­nä­hern, habe ich mit ganz unter­schied­li­chen Perso­nen gespro­chen. Es zeigt sich: Egal, ob man mit jungen Leuten, Erwach­se­nen oder Exper­ten und Exper­tin­nen redet — alle haben diesel­ben Anlie­gen und denken in eine sehr ähnli­che Richtung.

Eines ist schon mal klar: Damit Wohnen auch in Zukunft funk­tio­nie­ren kann, muss berück­sich­tigt werden, was für die Menschen und die Natur gut ist. Wenn wir davon ausge­hen, erge­ben sich bereits viele Lösungsansätze:

  • Plätze, an denen sich alle Menschen tref­fen können: Es braucht genü­gend öffent­li­chen, quali­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Frei­raum, der nicht priva­ti­siert ist.
  • Menschen und auch Tiere halten sich gerne im Grünen auf. Begrünte Fassa­den und Bäume im Dorf schaf­fen nicht nur eine ange­nehme Atmo­sphäre, sondern können die Tempe­ra­tur senken. Auch biodi­verse Gärten und Wiesen sind Orte, an denen man gerne verweilt und die für Mensch und Natur gut sind.
  • Gemein­schafts­gär­ten sind vor allem in dich­ter besie­del­ten Gebie­ten eine gute Lösung für alle, die keinen eige­nen Garten haben.
  • In vielen Dörfern gibt es unge­nutzte Kuba­tur, die man reno­vie­ren und wieder wohn­lich machen könnte. Dieser Lösungs­an­satz ist nicht nur nach­hal­tig, sondern spart auch wert­vol­len Boden, der immer kost­ba­rer und teurer wird.
  • Projekte wie zum Beispiel Schu­len oder Gewer­be­ge­biete müssen in einem größe­rem Zusam­men­hang über­dacht und geplant werden. Wo ist die passende Lage für dieses Gebäude? Ist dieser Ort mit den öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln gut erreich­bar? In solche Planungs­pro­zesse gehö­ren nicht nur die Entscheidungsträger:innen der Kommu­nen, sondern im Falle Mitglie­der der Zivil­be­völ­ke­rung miteinbezogen.
  • Bei der Planung eines Gebäu­des ist es wich­tig, den Charak­ter bzw. die Atmo­sphäre eines Ortes zu berück­sich­ti­gen. Ausge­hend davon kann man versu­chen, das neue Gebäude möglichst gut in die Umge­bung zu inte­grie­ren. Dass ein neues Haus sich in die Land­schaft einfügt und mit den ande­ren Gebäu­den harmo­niert, bezeich­net man als “genius loci”.
  • Wer in einem Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­haus wohnt, kann sich die Ressour­cen teilen. Es ist eine gute Idee, sich beim Neubau schon zu über­le­gen: Könnte dieses Haus später einmal ausge­baut oder geteilt werden?
  • Viele Dörfer und Städte werden immer weiter verdich­tet. Gerade deshalb ist es aber wich­tig, dass freie Grün­flä­chen in den Wohn­ge­gen­den erhal­ten blei­ben, die von allen genutzt werden können.
  • Ein weite­rer wich­ti­ger Punkt: Wohnen flexi­bel zu sehen und dem jewei­li­gen Lebens­ab­schnitt anzu­pas­sen. Beispiels­weise ziehen viele ältere Menschen in eine klei­nere Wohnung um. So haben sie weni­ger Arbeit und können das Haus einer jungen Fami­lie überlassen.
  • Mit Solar- und Photo­vol­ta­ik­an­la­gen kann die Ener­gie der Sonne genutzt werden.
  • Nach­hal­tige Bauma­te­ria­lien haben Zukunft! Beispiels­weise Holz hat eine viel bessere Klima­bi­lanz als Zement, Ziegel oder Stahl. Diese Baustoffe verbrau­chen schon bei der Herstel­lung viel mehr Energie.
  • Ein beson­ders wich­ti­ger Punkt ist, dass Wohnen auch in Zukunft leist­bar bleibt. Es braucht eine wirk­same gesetz­li­che Grenze für Miet­preise, damit diese nicht unkon­trol­liert in die Höhe stei­gen. Außer­dem müssen genü­gend leist­bare Wohnun­gen zur Verfü­gung gestellt werden.
  • Auf der Suche nach neuen Lösun­gen sind bereits viele inno­va­tive Wohn­kon­zepte entstan­den. Ein gutes Beispiel dafür sind die mobi­len Tiny Houses, die Wohnen prak­ti­ka­bel auf kleins­tem Raum ermög­li­chen und mit denen man von Ort zu Ort ziehen kann.
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Graffiti

Vandalismus oder Kunst?

ein Beitrag von
Muhammad Kudusov

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Graf­fiti – die rebel­li­sche Kraft. Ist es tatsäch­lich Kunst? Werden da ledig­lich Wände und öffent­li­che Flächen verun­stal­tet? Oder brin­gen die farben­fro­hen Illus­tra­tio­nen mehr Leben in die graue Beton­stadt? Dieses heiß umstrit­tene Thema löst schnell heftige Debat­ten aus. Die einen erfreuen sich an der krea­ti­ven Akti­vi­tät der Jugend. Andere bekla­gen das Sprayen laut­stark als Sach­be­schä­di­gung. Doch was denken die Jugend­li­chen darüber? Jugend­li­che und aktive Sprayer:innen in der Sprayer-Commu­nity wurden nach ihrer Meinung

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Corne­lia Wörz 
16 Jahre
Corne­lia Wörz 
16 Jahre

Was denkst du über illegales Graffiti?

Wenn es schön ist, finde ich es nicht schlimm, obwohl „schön“ natür­lich subjek­tiv ist. Meist verschö­nert es leere Plätze wie eine graue Wand. Aber an manchen Stel­len wie Kirchen sollte man das unter­las­sen, das empfinde ich dann als gewisse Beleidigung.

Gibt es in deiner Umgebung viele Graffitis?

In Lauter­ach gibt es eine Menge Plätze, an denen Graf­fi­tis gesprayt wurden, wie z.B. neben dem Bahn­hof im Jugend­platz, bei der Seifen­fa­brik und bei der Brücke.

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Viola Vorder­eg­ger
16 Jahre
Viola Vorder­eg­ger
16 Jahre

Was ist Kunst für dich?

Schwere Frage. Für mich kann jeder Kunst machen, aber es muss nicht gleich gute Kunst sein. Da gibt es eine gewisse Grenze. Wenn ich nur einen Strich mache, ist das meiner Meinung nach, keine gute Kunst.

Erlebst du viel Kunst in deinem Alltag?

Also meine Eltern sind sehr kunst­in­ter­es­siert und waren mit mir auch schon im Kunst­his­to­ri­schen Museum in Wien, also bin ich mit Kunst quasi aufge­wach­sen. Selbst mache ich auch etwas Kunst, ich bin aber nicht direkt eine Künstlerin.

Ist Graffiti für dich Kunst?

Graf­fi­tis sind für mich künst­le­ri­scher Ausdruck. Und das auf eine sehr coole, moderne und jugend­li­che Art. Sie sind leben­dig und auf der Straße kann sie jeder sehen.

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Umut Gür
17 Jahre
Umut Gür
17 Jahre

Was denkst du über Graffiti?

Es ist eine Art von Kunst, ich habe damit kein Problem. Es befin­det sich an öffent­li­chen Plät­zen und ist eigent­lich gratis Kunst. Gemälde oder Gale­rien sind teuer, aber jeder Inter­es­sierte kann sich Graf­fi­tis anschauen.

Hältst du Graffiti für Vandalismus?

Ich frage mich: Warum ist das so schlimm, wenn man eine Wand besprüht? Einfach über­ma­len, oder wegsprü­hen, wenn es jeman­dem nicht gefällt. Ist doch nur Kunst.

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Aaron Mafita­bar
16 Jahre
Aaron Mafita­bar
16 Jahre

Ist Graffiti für dich nur „Geschmiere“?

Nein. Die Idee, mit Flaschen zu sprü­hen, ist sehr cool. Graf­fi­tis sind sehr viel­fäl­tig mit ihren verschie­de­nen Farben. Manch­mal sind die Kunst­werke ein biss­chen frag­wür­dig, wenn zum Beispiel Schimpf­wör­ter oder poli­tisch inkor­rekte Wörter verwen­det werden. Also wenn die Moti­va­tion nicht nur der freie Ausdruck ist und man es viel­mehr deshalb macht, um Aufmerk­sam­keit zu bekommen.

Gibt es genügend Räume für Graffitis?

In Wien gibt es viele legale Orte, aber ich kenne nicht alle. Beispiele dafür wären der Schot­ten­ring oder der Donau­ka­nal. Ich habe das Gefühl, dass es zu wenig legale Plätze gibt. Auf den lega­len Wänden über­schnei­den sich Graf­fi­tis und werden über­sprüht. Meines Wissens gibt es im Gegen­satz dazu am Land keine Graf­fi­tis. Deshalb ist meine Frage: Wie wäre das am Land?

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Perspektive gewinnen

Was wissen wir?

Graf­fi­tis werden bei der Jugend weit­ge­hend als Kunst ange­se­hen. Doch auch diese ziehen eine Grenze, was denn nun Kunst ist und was nicht. Genau wie bei den Erwach­se­nen sind sich die Jugend­li­chen dabei nicht zu 100% einig. Doch bei einer Sache sind sie sich sicher: Ille­gale Sprü­he­reien werden vermie­den, wenn es an ausrei­chend vielen Orten erlaubt ist. Es sollen Räume für diese krea­ti­ven Akti­vi­tä­ten bereit­ge­stellt werden. So könn­ten beide Seiten, also Sprayer:innen und beispiels­weise Behör­den, zufrie­den­ge­stellt werden.

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Expert:innen im Gespräch

Vanessa Häns­ler
35 Jahre
Vanessa Häns­ler
35 Jahre

Wie bist du zum Sprayen gekommen?

Ich schreibe gerade zufäl­lig ein Buch darüber. Es hat alles ange­fan­gen mit einer Brücke. Denn ich bin in einem Dorf groß gewor­den, wo es eine Brücke und einen Skater­park gab. Dort habe ich die Tags an den Wänden gese­hen und wollte das dann auch direkt mit meinen Krei­den auspro­bie­ren. Mein Umfeld war sehr krea­tiv, alle meine Freund*innen haben gemalt. Dann bin ich durch­ge­star­tet, mit lega­len Aufträ­gen und teil­weise auch ille­ga­len. Dafür kamen wir irgend­wann vors Gericht und beka­men eine Anzeige wegen Sach­scha­den. Danach bin ich auf das Grafi­k­­de­­sign-Studium gekommen.

Was machst du jetzt?

Jetzt mache ich Multi­­me­­dia-Grafi­k­­de­­sign, das bedeu­tet, dass ich meis­tens digi­tal am Compu­ter arbeite. Ansons­ten wäre es mir zu teuer. Ab und zu spraye ich schon noch, aber nicht mehr so regel­mä­ßig wie früher. Allge­mein mache ich auch mehr in Rich­tung Film mit Musik­vi­deos und produ­ziere eben­falls Beats und Sounds. Letz­tens haben wir ein echt kras­ses Video in Feld­kirch mit einem Kran­ken­wa­gen gedreht. Das war super­auf­wen­dig und kreativ.

Ganz philosophisch, was ist Kunst für dich?

Alles. Ich bin Kunst. Du bist Kunst. Es kann gut oder häss­lich sein. Als Beispiel: Wenn ich eine Frau mit einem Mann sehe, ist er mögli­cher­weise nicht mein Typ, aber ich verstehe, was sie in ihm sieht. Denn ich sehe in allem Kunst. Das ganze Leben ist Kunst. So wie die Farben und Formen. Ich habe ein Motto, das wie eine Reli­gion für mich ist: „Schön denken, schön spre­chen, schön machen“. Und danach lebe ich.

Wie siehst du illegales Sprayen?

Damit habe ich kein Problem. Aber es gibt auch Unter­schiede. Wenn jemand hart für etwas gear­bei­tet hat, muss man es nicht beschä­di­gen. Also nicht an das neue Auto oder an die frisch gebaute Haus­wand oder an Stät­ten wie Kirchen sprayen. Statt­des­sen lieber an irgend­eine leere graue Wand, die man damit verschö­nert. Manche Graf­fi­tis kann man sich aber echt sparen. Ich bin der Meinung, wenn man sprayt, dann mit Style und bunt.

Ich habe den Artikel in der Vol​.at über dich gelesen. Hat sich seitdem viel verändert?

In Wien auf jeden Fall. Es gibt viel mehr Frauen in der Szene und es sind viele aus der Break­­dance- und Tänzer­szene dazu­ge­kom­men. Die Szene befin­det sich in einem Wandel. Auch persön­lich gab es Veränderungen.

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Tom Hehne
35 Jahre
Tom Hehne
35 Jahre

Magst du dich für unsere Leser*innen kurz vorstellen?

Ich bin Tom und arbeite zurzeit in Lindau an Wand­ge­stal­tungs­auf­trä­gen und hier an einem Projekt Künstler*innen mitein­an­der zu verbin­den. Dafür hat der Verein KFL (Kultur­Fer­tig­Los!) von der Firma Rhom­berg Gebäude zu Verfü­gung gestellt bekom­men, um neue Ateliers zu schaf­fen. Dort soll durch 360°Videoprojektionen eine inva­sive Welt entste­hen, in die man eintaucht, um eine psyche­de­li­schen Erfah­rung zu erle­ben, ganz ohne Drogen. Aber die rich­tige Umset­zung des Projek­tes braucht eine Weile.

Was ist Kunst für dich?

Das kann ich schlecht bewer­ten. Das ist das Schöne beim Kunst­un­ter­richt oder Work­shop. Ich kann nicht bestim­men, dass zum Beispiel ein Rad oder ein Rahmen fehlt. Ich kann nicht sagen, dass etwas keine Kunst ist. Denn Kunst ist die Spra­che der Seele und deren Ausdruck. Wenn etwas mit meinem Inne­ren nicht stimmt, dann zeigt sich das auch in meiner Kunst.

Wenn ich nicht harmo­nisch mit mir selber bin, dann werde ich auch kein harmo­ni­sches Bild auf die Reihe bekom­men. Es hängt von dem eige­nen Zustand ab.

Wie kamst du zum Sprayen?

Ehrlich gesagt, bin ich da rein­ge­wach­sen. Ich habe mir viele Bilder ange­schaut und immer mehr gesketcht. Im Alter von 12 Jahren war das dann mein Leben und mit 15 habe ich ange­fan­gen auf der Straße zu sprayen und war dann voll im „Street­life“. Das alles passierte in einem klei­nen Dorf. Darüber hat man sogar eine Doku gedreht. Mit den Graf­fi­tis wollte man, im Nach­hin­ein betrach­tet, auf der Straße gese­hen werden. Ich wollte besser sein als die ande­ren und dafür auch Aner­ken­nung bekom­men. Wenn man in der Nacht gesprayt hat und nicht mal die schwarze von der roten Farbe unter­schei­den konnte, und dann am nächs­ten Tag gese­hen hat, dass das Bild geil gewor­den ist, hat man sich sehr gefreut. Dann bin ich irgend­wann nach Pots­dam und anschlie­ßend nach Berlin umgesiedelt.

Und wie ist es jetzt?

Es gibt eben verschie­dene Arten von Graf­­fiti-Szenen: Solche, die mitein­an­der legal sprayen wollen und sich sehr dafür inter­es­sie­ren und dann solche, die Graf­fi­tis machen und in ille­gale Spray-Akti­­vi­­tä­­ten verwi­ckelt sind. Ich fokus­siere mich mitt­ler­weile vor allem auf die Quali­tät: Geile Styles, geile Farben und geile Bilder halt. Ich probiere viele Tech­ni­ken aus: Öl, Acryl und mache auch schon seit langer Zeit Body­pain­ting. Meine neue Kunst ist gerade die Kommu­ni­ka­tion mit Menschen. Das bedeu­tet: Wie spricht man sich ab und wie geht man aufein­an­der zu, damit am Ende keine stille Post daraus wird?

Gibt es dort ein spezielles Angebot für Jugendliche?

Wir haben Graf­­fiti-Work­­shops gemacht und ich war auch einige Zeit als Kunst­leh­rer in Kreuz­berg tätig. Kinder sind die Zukunft und wir soll­ten sie auf einen guten Film brin­gen. Mit der Botschaft „Glaub an dich“ sollen die Jugend­li­chen moti­viert werden. Sie sollen auf ihr Herz hören können. Wir wollen Kinder mit ins Boot holen und einbin­den, aber sie sollen sich auch selbst Gedan­ken machen. In der Schule hat man so viele Vorga­ben, statt­des­sen bauen die Kinder bei uns selbst etwas auf. Wir machen, was die Kids wollen. Ein Beispiel: Das Kind bekommt ein Geschenk, spielt dann aber mit der Verpa­ckung. Daran sieht man einfach, dass der Spiel­trieb bei Kindern sehr groß ist.

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Graffiti Workshop (Tom Hehne)

Graffiti Workshop (Tom Hehne)

Graffiti Workshop (Tom Hehne)

Graffiti Workshop (Tom Hehne)

Graffiti Workshop (Tom Hehne)

Graffiti Workshop (Tom Hehne)

Graffiti Workshop (Tom Hehne)

Graffiti Workshop (Tom Hehne)

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Rechtliche Grundlage

Wichtig zu wissen ist…

Manche Graf­fi­tis sind verbo­ten. Doch wie genau ist das Gesetz gere­gelt? Und was für Stra­fen drohen den jungen Leuten wirk­lich für das Sprayen?

Natür­lich ist Straf­tat nicht gleich Straf­tat. Das vari­iert von Fall zu Fall. Die härtes­ten Stra­fen werden gegen das Besprayen von reli­giö­sen Orten, wie Kirchen, Synago­gen oder Moscheen, Denk­mä­lern, Gräbern und Fried­hö­fen, von wich­ti­gen Teilen der Infra­struk­tur, wie Stopp­schil­der, sowie von Objek­ten von histo­ri­schem, wissen­schaft­li­chem, volks­kund­li­chem oder künst­le­ri­schem Wert, ausge­spro­chen. Dies wird als Sach­be­schä­di­gung gewer­tet und kann mit bis zu 2 Jahren Frei­heits­strafe einher­ge­hen Einfa­chere Delikte werden mit min. 5 Euro Bußgeld abge­han­delt, dies wird aber immer von der besprüh­ten Fläche abhän­gig gemacht. Sollte man also ein teures Auto besprü­hen, kann auch die Strafe weit­aus höher ausfal­len. Über­schrei­tet die Strafe 5000 Euro wird diese wieder als Sach­be­schä­di­gung gewertet.

Quellen zur rechtlichen Grundlage

Jusline: https://​www​.jusline​.at/​g​e​s​e​t​z​/​s​t​g​b​/​p​a​r​a​g​r​a​f​/​126 
Ratge­ber: https://​www​.mdr​.de/​r​a​t​g​e​b​e​r​/​r​e​c​h​t​/​g​r​a​f​f​i​t​i​-​s​t​r​a​f​r​e​c​h​t​-​g​e​s​e​t​z​e​-​t​a​e​t​e​r​-​s​t​r​a​f​e​-​s​c​h​a​d​e​n​s​s​e​r​s​a​t​z​-​r​a​t​g​e​b​e​r​-​1​0​0​.​h​t​m​l​#​s​p​r​u​ng0 
Poli­zei-Ratge­ber: https://​www​.poli​zei​-bera​tung​.de/​t​h​e​m​e​n​-​u​n​d​-​t​i​p​p​s​/​j​u​g​e​n​d​k​r​i​m​i​n​a​l​i​t​a​e​t​/​i​l​l​e​g​a​l​e​-​g​r​a​f​f​i​ti/

Umso wichtiger sind legale Plätze…

Wer mehr über die lega­len Plätze in ganz Öster­reich erfah­ren möchte, kann sich im unten­ste­hen­den Link dazu infor­mie­ren. https://​www​.oester​reich​-info​.at/​t​h​e​m​e​n​/​g​r​a​f​f​i​t​i​.​htm 

Die Meinun­gen von den jungen Menschen sowie Exper­ten und Exper­tin­nen aus der Spray-Gemein­schaft sind facet­ten­reich. Einige Jugend­li­che wollen der Kunst keine Grenze setzen, während andere sich um den Inhalt sorgen und strikt gegen Obszö­ni­tä­ten aller Art sind. Exper­ten und Exper­tin­nen veror­ten Graf­fi­tis mehr im Grau­be­reich, halten sich jedoch an gewisse Regeln, welche sie nicht brechen würden. Darin inbe­grif­fen sind Rassis­mus, Sexis­mus, Besprü­hung von reli­giö­sen Orten oder Privat­be­sitz, sowie eini­ges mehr.

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Was die Medien dazu sagen

Doch was sagen die Medien zum Thema? Wenn man den Begriff „Graf­fiti“ googelt, erhält man vor allem zwei verschie­dene Ergeb­nisse: Entwe­der bekommt man vonsei­ten der Poli­zei die Auffor­de­rung einen „Vanda­len“ zu schnap­pen. Oder man findet Einträge zu Lösun­gen, wie junge Leute legal ihrer Kunst Ausdruck verlei­hen können. Die Lösun­gen beinhal­ten meist das Bereit­stel­len von Graf­fiti-Wänden, welche legal besprüht werden dürfen. Diese Plätze werden mithilfe von Jugend­li­chen designt und geplant. Damit sollen Jugend­li­che ihre „über­schüs­sige Krea­ti­vi­tät“ an lega­len Plät­zen auslas­sen und sich austo­ben können. Dieser Vorschlag wurde beispiels­weise von der Sprayer*innen-Community und der Stadt­ver­wal­tung Wien posi­tiv aufge­nom­men und zur Umset­zung gebracht. Damit werden Flächen geschaf­fen, welche den jungen Menschen für deren krea­tive Gestal­tung frei zur Verfü­gung stehen. Die Wände sind mit einer Taube markiert.

Klar ist, dass die lega­len Flächen nicht alle Probleme lösen. Einige Sprayer*innen machen Graf­fi­tis für den Adre­na­lin­kick und sehen diese als Ausdruck von Wider­stand. Es ist wich­tig zu beach­ten: Allein bei den Wiener Linien entstan­den durch Graf­fi­tis schon bis zu 2,5 Millio­nen Euro Schä­den. Da die Züge wieder gerei­nigt werden muss­ten und dadurch nicht in Betrieb genom­men werden konn­ten, was wiederum zu Verspä­tun­gen und Ersatz­zü­gen führte. Im Gegen­zug dazu gab es auch gezielte Atta­cken gegen Kunst­werke, welche legal und öffent­lich zur Schau gestellt wurden.

Mehr als nur Underground. Eine Szene etabliert sich.

Das Sprayen beschränkt sich jedoch längst nicht mehr nur auf die Stadt. Projekte wie Würm­las Wände brin­gen die urbane Kunst nun in den länd­li­chen Raum. Auch dort werden sie zur Touris­ten­at­trak­tion und die Under­ground­kunst wird mit einem wirt­schaft­li­chen Aspekt ergänzt. Mitt­ler­weile werden Graffiti-Künstler*innen damit beauf­tragt, ihre Bilder zu verwirk­li­chen. Das eröff­net eine komplett neue Markt­ni­sche für Künstler*innen und etabliert Graf­fiti in der Kunst­szene. So wurde Banksy zu einem welt­be­rühm­ten Graf­fiti-Künst­ler, dessen Wand­kunst­werke sogar aus Wand­mau­ern gestanzt werden.

Zusam­men­fas­send kann gesagt werden, dass sich einige Städte wie Wien sehr darum bemü­hen, freie Flächen für junge Leute zu schaf­fen. Jedoch ist da noch „viel Luft nach oben“, denn diese Plätze reichen für die wach­sende Commu­nity an Graffiti-Sprayer*innen bald nicht mehr aus. Und die Konse­quen­zen von ille­ga­lem Sprayen können erheb­lich sein.

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Von den Generationen eingebrachte Lösungsvorschläge.

  • Viele Jugend­li­che und Erwach­sene sind der Ansicht, dass es einfach zu wenige Sprüh­flä­chen gibt. Das Problem von ille­ga­lem Sprü­hen wäre teil­weise gelöst, sofern genug legale Flächen zur Verfü­gung stehen würden. Das müssen nicht bloß irgend­wel­che Haus­wände sein. Sondern könn­ten sogar ganze Gebäude sein, wie leer­ste­hende Büros, welche nicht mehr genutzt werden. An solchen Flächen mangelt es nicht. Die Schwie­rig­keit liegt viel­mehr in der Umset­zung. Eini­ges wird bereits von jungen Menschen und moti­vier­ten Künstler*innen orga­ni­siert. So gibt es Graf­fiti-Work­shops und diverse andere Angebote.
  • Sprüh­flä­chen ermög­li­chen und gleich­zei­tig Jugend­li­che und Künstler*innen invol­vie­ren. Wenn solche Flächen für junge Leute und Sprüher*innen geschaf­fen werden, wissen diese am besten, was sie wollen. Die jungen Menschen in die Planung einzu­be­zie­hen ist wich­tig, ist wich­tig, um die Bedürf­nisse jener zu befrie­di­gen. In Wien sind solche lega­len Flächen mit einem Symbol, einer Taube, markiert und per Map auffindbar.
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analog oder digital kommunizieren?

ein Beitrag von
Susanne Weißl

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Die digi­ta­li­sierte Welt nimmt seit über 30 Jahren einen immer größer werden­den Einfluss auf unsere Kommu­ni­ka­tion und unsere Lebens­weise. Beson­ders seit der Corona-Pande­mie ist für viele das Wort Digi­ta­li­sie­rung nicht mehr wegzu­den­ken, um ihren Lebens­all­tag meis­tern zu können. Deshalb wollte ich wissen: Inwie­fern hat sich das Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten (von jungen Leuten), vor allem durch Corona, verän­dert? Im priva­ten Leben wie auch im schu­li­schen Kontext, aber auch zwischen den Gene­ra­tio­nen. Sind neue Hürden entstan­den oder sind Erleich­te­run­gen eingetreten?

Die Corona-Pande­mie geht mit einer zuneh­men­den Bedeu­tung von Digi­ta­li­sie­rung einher. Für mich ist klar, dass Digi­ta­li­sie­rung, vor allem in Bezug auf Kommu­ni­ka­tion, schon lange ein Thema ist. Die Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten verän­dern sich und verle­gen sich beson­ders für viele Jugend­li­che von persön­li­chen Gesprä­chen in das distan­zierte und asyn­chrone Schrei­ben. Soziale Medien nehmen eine immer bedeu­ten­dere Rolle im Bereich der Kommu­ni­ka­tion ein. Tools wie Whats­App, Insta­gram, Snap­chat und TikTok sind für die Mehr­heit aller Jugend­li­chen ein fixer Bestand­teil. Und das nicht erst seit der Corona-Pande­mie. Doch stimmt das denn wirk­lich für alle so? Ich hole mir Meinun­gen der Gene­ra­tio­nen dazu ein.

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Anto­nia
12 Jahre 
Wien
Anto­nia
12 Jahre 
Wien

Inwiefern hat sich deine Kommunikation mit deinen Freund:innen durch Corona verändert?

Ich finde, Corona hat die Kommu­ni­ka­ti­ons­bar­rie­ren verrin­gert. Sowohl zu meinen Klassenkameraden/​innen, als auch zu den Lehrer/​innen. Ich traue mich jetzt mehr, meine Lehrer/​innen um Hilfe zu bitten und nach­zu­fra­gen. Außer­dem habe ich mehr Mut bekom­men vor der Klasse zu spre­chen, weil die Grup­pen klei­ner sind und ich nur nette Kinder in meiner (Gruppe) habe.

Verwendest du nun andere Kommunikationsmittel als zuvor? (Welche zum Beispiel? Nehmen diese Auswirkungen auf deine Kommunikation?)

An Kommu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­len verwende ich haupt­säch­lich Whats­App und Teams. Whats­App eher für private Zwecke, Teams für die schu­li­sche, als auch die private Nutzung. Vor allem die Video-Chat Funk­tion nutze ich im Moment sehr häufig.

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Sofia
16 Jahre 
Wien
Sofia
16 Jahre 
Wien

Inwiefern hat sich deine Kommunikation mit deinen Freund:innen durch Corona verändert?

Ich habe einen großen Unter­schied zwischen den verschie­de­nen Lock­downs gemerkt, wenn ich an meine Kommu­ni­ka­tion denke. Anfangs wollte ich den Kontakt genauso stark halten, wie als wenn wir in der Schule wären, doch mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ein biss­chen Abstand zu ande­ren Menschen und etwas weni­ger Kommu­ni­ka­tion auch sehr gut tun kann. Kontakte aufrecht­zu­er­hal­ten bedeu­tet auch immer viele Verpflich­tun­gen und Zeit­auf­wand. Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass auch mit weni­ger Kontakt unter­ein­an­der, Freund­schaf­ten aufrecht erhal­ten blei­ben können. Besteht die Möglich­keit sich zu sehen, fühlt sich die gemein­same Zeit doppelt so wert­voll an. Außer­dem konnte ich zu meinem gleich­alt­ri­gen Cousin in Spanien einen Kontakt aufbauen, den es ohne Corona wahr­schein­lich niemals gege­ben hätte, da wir uns in den Ferien in Spanien gese­hen hätten. Da diese Möglich­keit nicht gege­ben war, muss­ten wir unsere Kommu­ni­ka­tion digi­tal fort­füh­ren, was sich bis heute gehal­ten hat. Und was ich sehr schön finde!

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Astrid
16 Jahre 
Wien
Astrid
16 Jahre 
Wien

Inwiefern hat sich deine Kommunikation mit deinen Freund:innen durch Corona verändert?

Der Kontakt zu meinen Verwand­ten hat sich, genauso wie bei Sofia, durch die Corona-Zeit verstärkt. Ich habe meine Verwand­ten in Mexiko zwar noch nie besucht, aller­dings kommen sie norma­ler­weise zu uns. Letz­tes Jahr im März sind sie sogar für die Zeit des 1. Lock­downs zu uns gezo­gen, was den Kontakt noch mehr verstärkt hat.

Dieser Kontakt hat sich dann gehal­ten. Im Schul­kon­text hat sich das ähnlich entwi­ckelt. Dadurch, dass wir unsere Lehrer eher weni­ger fragen konn­ten, wenn wir etwas nicht verstan­den hatten, haben wir uns unter­ein­an­der noch mehr vernetzt, als früher schon. Hilfe­stel­lun­gen wurden vonein­an­der und fürein­an­der gebo­ten sowie um Hilfe gebe­ten. Im distance lear­ning habe ich mich leich­ter getraut meine Freund*innen/Klassenkamerad*innen um Hilfe zu fragen. Auch das hat sich dann bis in die Zeit des physi­schen Unter­richts gehal­ten. Ich kann aller­dings nicht zu 100% sagen, ob diese Verän­de­rung von Corona kommt, da ich auch älter und reifer gewor­den bin. Daher kann ich nicht sagen, ob die Auswir­kun­gen mit der vergan­ge­nen Zeit oder der Zeit im Distance Lear­ning zusammenhängen.

Verwendest du nun andere Kommunikationsmittel als zuvor? (Welche zum Beispiel? Nehmen diese Auswirkungen auf deine Kommunikation?)

Allge­mein haben sich meine Kommu­ni­ka­ti­ons­mit­tel inso­fern geän­dert, dass ich schnel­ler zum Video-Chat greife, wenn ich etwas von jeman­dem brau­che. Die Zeit, die ich früher “normal” tele­fo­niert hätte, die nutze ich heute für Video­an­rufe. Dadurch habe ich die Möglich­keit, dass ich meine Freund*innen wenigs­tens sehe.

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Caro
12 Jahre
Wien
Caro
12 Jahre
Wien

Inwiefern hat sich deine Kommunikation mit deinen Freund:innen durch Corona verändert?

Ich habe vor allem gemerkt, dass die Kommu­ni­ka­tion zu nahe wohnen­den Bekannten/​Freunden wieder zuge­nom­men hat. Ehema­li­gen Klassenkamerad*innen aus der Volks­schule, welche ich seit Jahren nicht mehr gespro­chen habe, konnte ich mich wieder annä­hern. Jetzt sind wir gut mitein­an­der befreun­det. Zu meinen Freund*innen hat sich die Kommu­ni­ka­tion nur in dem Sinne verän­dert, dass wir uns jetzt weni­ger tref­fen und dafür mehr über Video-Chat telefonieren.

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Herr Simo­nit­sch
Lehrer BG Boerhaavegasse
50 Jahre
Wien
Herr Simo­nit­sch
Lehrer BG Boerhaavegasse
50 Jahre
Wien

Hat sich deine Kommunikation durch Corona verändert?

Die Kommu­ni­ka­tion zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen ist nieder­schwel­li­ger gewor­den. Was die Bezie­hung zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen oftmals verein­facht. Durch die Verwen­dung von MS Teams, von der ganzen Lehrer- und Schü­ler­schaft, hat sich die Kommu­ni­ka­tion sowohl unter Kolleg*innen als auch mit den Schüler*innen sehr verein­facht. Für mich als Lehrer hat die Einfüh­rung von Teams als Kommu­ni­ka­ti­ons­mit­tel, viele Vorteile mit sich gebracht, weil es den Austausch leich­ter und schnel­ler gemacht hat. Die verschie­de­nen Grup­pen haben einfach mehr Verständ­nis fürein­an­der, weil auf beiden Seiten z.B. im digi­ta­len Bereich, Probleme, die nicht beein­flusst werden können, auftreten.

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Hannes Lewin­ski
69 Jahre 
Wien
Hannes Lewin­ski
69 Jahre 
Wien

Hat sich deine Kommunikation durch Corona verändert?

Ich habe schon vor Corona die sozia­len Kanäle, Face­book und E‑Mail benutzt. Diese verwende ich auch weiter­hin. Neue Kanäle, wie zB. Whats­App nutze ich aller­dings nicht. Auch in der Kommu­ni­ka­tion zwischen den verschie­de­nen Gene­ra­tio­nen merke ich keinen großen Unter­schied, da ich die Medien verwende, die ich davor schon genutzt habe, und alle ande­ren Menschen auch. Auf meine Kommu­ni­ka­tion hatte Corona eher wenig Einfluss. Ich bin auch der Meinung, dass die Kommu­ni­ka­tion zwischen den Gene­ra­tio­nen gene­rell nicht vorhan­den ist, weil für Viele die Zeit fehlt. Durch die Digi­ta­li­sie­rung ist alles stres­si­ger geworden.

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Johanna Weißl
82 Jahre
Wien
Johanna Weißl
82 Jahre
Wien

Inwiefern hat sich deine Kommunikation mit deinen Freund:innen durch Corona verändert?

Für mich hatte Corona auf mein Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten sogar eine posi­tive Auswir­kung. Durch die erzwun­gene Ausgangs­be­schrän­kung habe ich beschlos­sen, das ganze Jahr in unse­rem Neben­wohn­sitz in Klos­ter­neu­burg zu verbrin­gen (Nieder­ös­ter­reich). Dort habe ich einen Garten und dadurch auch mehr Frei­raum. Meine direk­ten Nach­barn sind eben­falls in ihren Häusern in Klos­ter­neu­burg geblie­ben, wodurch sich mehr Kontakt zu diesen aufgrund vieler „über den Zaun- Gesprä­che” erge­ben hat. Eine nette Abwechs­lung zum Alltag. Denn in Wien wäre ich ansons­ten nur alleine gewesen.

Verwendest du nun andere Kommunikationsmittel als zuvor? (Welche zum Beispiel? Nehmen diese Auswirkungen auf deine Kommunikation?)

Durch einen Zufall habe ich in der Corona-Zeit Whats­App bekom­men. Viel Unter­schied macht es in meinem Leben nicht, da ich nur mit meiner Fami­lie dieses Tool nutze. Aller­dings möchte ich es trotz­dem nicht mehr missen, da es sehr wohl die Kommu­ni­ka­tion verein­facht. Aller­dings würde ich die Video-Chat Funk­tion niemals nutzen. Sie ersetzt für mich keine „echte“ Kommu­ni­ka­tion und bietet auch keinen Mehr­wert. Entwe­der ich treffe mich mit Menschen persön­lich oder ich tele­fo­niere mit ihnen. Video-Chat ist irgend­wie so „halb- halb“. Das mag ich nicht. Mein allge­mei­nes Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten hat sich in der Corona-Zeit sehr wohl verän­dert: Nicht nur aufgrund der Nutzung von Whats­App, sondern auch durch die Tatsa­che, dass ich mit meinen Nach­barn in einem viel stär­ke­ren Austausch war und auch durch die regel­mä­ßi­gen Tref­fen mit meinen Kindern/​Enkelkindern. Diese versorg­ten mich wöchent­lich mit Einkäu­fen und verbrach­ten gele­gent­lich auch mal einen Tag bei mir auf dem Land.

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Bei den meis­ten Interviewpartner*innen verän­dert sich ihr Kommu­ni­ka­ti­ons­ver­hal­ten während der Pande­mie. Dies gilt jedoch nicht für die Kommu­ni­ka­tion zwischen den Gene­ra­tio­nen, trotz verstärk­ter Digi­ta­li­sie­rung. Die jungen Leute räumen beispiels­weise dem Video­te­le­fo­nie­ren einen größe­ren Stel­len­wert ein: Eine gute Möglich­keit mit seinen Freund*innen und Fami­lie in Kontakt zu blei­ben und sich zu sehen; wenn auch nur über den Bild­schirm. Im schu­li­schen Kontext wird die Kommu­ni­ka­tion zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen als nieder­schwel­li­ger empfun­den: Die Einfüh­rung digi­ta­ler Platt­for­men wie etwa MS Teams erleich­tert die Kommu­ni­ka­tion und die jungen Leute trauen sich mehr zu fragen. Sowohl zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen, als auch in Bezug auf das Spre­chen in und vor der Klasse. Ein Vorteil: Die Grup­pen vor Ort waren klei­ner und alle hatten Verständ­nis fürein­an­der. Alle wuss­ten, dass gewisse tech­ni­sche Probleme nicht beein­flusst werden können. Eben­falls hat sich die Vernet­zung unter den jungen Leuten verbes­sert. Der Austausch findet schnel­ler und einfa­cher statt.

Ein bemer­kens­wer­ter Aspekt: Die Corona-Pande­mie führt für einige dazu, dass sie (wieder) stär­ker Kontakt zu ihrem unmit­tel­ba­ren Umfeld pfle­gen. Analoge Gesprä­che zu den Nachbar*innen haben sich inten­si­viert und Freund­schaf­ten sind entstan­den. Gleich­zei­tig erge­ben sich Bezie­hun­gen, zu ehema­li­gen Freund*innen oder zu Verwand­ten, die weit entfernt leben, welche zuvor undenk­bar gewe­sen wären. Gut zu wissen ist: Der Kontakt zu den Freund*innen ist nicht abge­bro­chen. Freund­schaf­ten blei­ben auch dann bestehen, wenn man sich nicht so oft sieht.

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Perspektive gewinnen, was wissen wir?

Im Mai konnte ich mein Wissen im Bereich Kommu­ni­ka­tion und Digi­ta­li­sie­rung durch das Expert*inneninterview mit Marlena Koppen­dor­fer vertie­fen. Sie hat einen bunten Werde­gang und unter ande­rem auch eine sehr umfang­rei­che Ausbil­dung im Bereich der Sprach­wis­sen­schaf­ten. Mitt­ler­weile ist Frau Koppen­dor­fer zu ihrem Herzens­thema zurück­ge­kehrt: Der psycho­lo­gi­schen Bera­tung und Psycho­the­ra­pie. Sie arbei­tete viele Jahre bei “147 Rat auf Draht” als psycho­lo­gi­sche Bera­te­rin. Eben­falls gibt sie bis heute Work­shops zum Thema Safer Inter­net. Seit eini­gen Mona­ten ist sie im Kinder- und Jugend­psych­ia­tri­schen Ambu­la­to­rium in Wien Florids­dorf tätig sowie für den Verein Courage, für den sie im Bereich LGBTQ-Bera­tung aktiv ist.

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Expertinneninterview mit Marlena Koppendorfer

Marlena Koppen­dor­fer
Wien
Marlena Koppen­dor­fer
Wien

Susanne: Vielen lieben Dank, dass Sie sich heute für das Interview Zeit genommen haben. Mein Blogbeitrag bearbeitet das Thema „Kommunikation und Digitalisierung“, vor allem in Zeiten von Covid-19. Nun würde mich interessieren, ob Sie Erfahrungen damit gemacht, dass sich der Wortschatz oder die Ausdrucksweise von den Kindern und Jugendlichen durch die Nutzung von digitalen Medien verändert.

M.K.: Spra­che ist immer prozess­haft, sie befin­det sich stets im Wandel. Sie wird beein­flusst durch die jewei­lige Kultur, durch das Stadt- oder Land­le­ben aber auch durch unsere Bezugs­per­so­nen sowie unse­ren Freun­des­kreis. Spra­che verän­dert sich durch diese Kompo­nen­ten stän­dig. Auch die Jugend­spra­che befin­det sich aufgrund unter­schied­li­cher Einflüsse stän­dig im Wandel. Natür­lich wirkt sich die Nutzung der Medien eben­falls auf die Spra­che aus. Ein Beispiel: Vermehrt werden englisch­spra­chige Worte verwen­det. Wenn ich nach­frage: Woher hast du das Wort? Kommt ganz oft: Aus Tik Tok-Videos (die sehr oft englisch­spra­chig sind). Genauso sind auf Insta­gram viele Stories, Youtube-Videos oder Let‘s play-Anlei­­tun­­gen zum Gaming auf englisch. Sollte das der Fall sein, dann entsteht ganz oft ein “Misch-Slang” zwischen engli­schen, deut­schen, deutsch-öster­­rei­chi­­schen Wörtern und ganz spezi­fi­schen Ausdrü­cken von bestimm­ten Szenen. Das ist spürbar.

Susanne: Weil wir gerade von Sozialen Medien und den digitalen Medien sprechen: Social Media beinhaltet ja, dass die Kommunikation nur eingeschränkt auf der nonverbalen Kommunikationsebene stattfinden kann. Denken Sie, dass sich die Fähigkeiten im Bereich “nonverbaler oder paraverbaler Kommunikation” von jungen Menschen verändert oder verschlechtert hat?

M.K.: Das ist eine sehr gute Frage, die mich schon oft zum Nach­den­ken gebracht hat. Ich befürchte, dass ich diese Frage nicht ganz konkret beant­wor­ten kann. Ein Wunsch von mir ist, dass wir neben der digi­ta­len Kommu­ni­ka­tion auch noch andere „Bühnen der Kommu­ni­ka­tion“ haben. Unab­hän­gig ob in der Schule, im Kinder­gar­ten, im Freun­des­kreis oder aber auch in der Fami­lie. Das heißt, dass ein sozia­les Lernen von Mimik, Gestik und Ausdruck noch möglich ist. Denn in digi­ta­len Medien kann die Ausdrucks­weise schnell zur Verwir­rung führen. Das bedeu­tet: Ich kann nicht immer deuten, wie mein Gegen­über das Geschrie­bene meint. Sprach­nach­rich­ten können jedoch unter­stüt­zend wirken: Denn die Tonlage erlaubt es, dass ein biss­chen mehr heraus­ge­hört werden kann. Genauso wie Emojis: Wir alle denken, dass wir wissen, wann und für was wir sie verwen­den. Aber wie diese bei einer ande­ren Person ankom­men, ist mögli­cher­weise nicht immer so, wie wir uns das wünschen.

Das glei­che gilt für die Bilder­wel­ten, die eine immer größere Rolle spie­len. Teil­weise werden sehr unrea­lis­ti­sche Bilder vermit­teln: Wir alle versu­chen im Digi­ta­len nur unsere besten Seiten zu präsen­tie­ren. Deshalb sollte berück­sich­tigt werden: Diese Bilder entspre­chen nicht immer dem, wie wir uns im Alltag begegnen.

Ein ernst­zu­neh­men­des Thema: „Hass im Netz“, vor allem im Bereich Mobbing. Tritt der Fall ein, dass wir kein sicht­ba­res Gegen­über haben, trauen wir uns mehr. Das kann auch etwas Schö­nes sein, aber gerade, wenn es um Hass im Netz geht, auch sehr verlet­zend sein. Das bedeu­tet: Käme es dazu, dass wir so gut wie nur noch digi­tal kommu­ni­zie­ren, gehe ich davon aus, dass wir uns mit der Zeit neue Fähig­kei­ten antrai­nie­ren würden. Momen­tan ist es eine gemischte Form. Oftmals ist der wich­tigste Griff jener zum Tele­fon oder zum Video­chat. Dadurch kann man sich teil­weise sehen und es entste­hen mehr Möglich­kei­ten sich gegen­sei­tig einzuordnen.

Susanne: Glauben Sie, dass es schulische Auswirkungen haben kann, wenn Menschen schon jung sehr viel schreiben? Bzw. es sich negativ auf den Wortschatz und die Art der Kommunikation auswirken kann, wenn man viel über digitale Medien miteinander schreibt?

M.K.: Vermut­lich gilt auch hier die Möglich­keit zu beidem. Die meis­ten haben Auto­kor­rek­tur auf dem Handy. Diese setzt zwar keine Beistri­che für uns, aber manch­mal wird ange­zeigt, wie Wörter rich­tig geschrie­ben werden. Das heißt: Wir haben dadurch die Möglich­keit, uns ein biss­chen selbst zu korri­gie­ren. Dadurch geschieht eines aller­dings weni­ger: Dass wir den Korrek­tur­mo­dus in uns selbst haben! Was ich damit meine? Dass wir teil­weise weni­ger selbst­kri­tisch sind und unsere Fehler erken­nen können. Eine Hypo­these wäre deshalb: Die verstärkte Nutzung von digi­ta­len Medien könnte dazu verfüh­ren, dass Menschen weni­ger sorg­fäl­tig mit ihrer Spra­che umge­hen. Das ist am Mix von verschie­de­nen Spra­chen, Dialek­ten, einer Alltags­spra­che und einer schrift­li­chen Spra­che erkenn­bar. Denn auch die gespro­chene Spra­che unter­schei­det sich von der schrift­li­chen Spra­che. Denn die Text­form, die wir in der Schule kennen­ler­nen und vor allem für unser späte­res Leben sehr wich­tig sein kann, ist mögli­cher­weise eine andere, eine förm­li­chere Spra­che als im Alltag. Zwei­fels­ohne kann die gespro­chene Spra­che jedoch eine gute Option sein, in Kontakt zu kommen. Aber es ist wich­tig sich im Konkre­ten anzu­schauen, wie Spra­che funk­tio­niert: Eine Spra­che, die wir in der Schule und/​oder im Berufs­le­ben brau­chen, um beispiels­weise ein eige­nes Buch oder einen eige­nen Text zu schrei­ben, funk­tio­niert anders als die Alltags­spra­che. Ich denke, dass beides möglich ist. Gene­rell ist es wich­tig, egal in welchem Medium wir uns bewe­gen, dass wir bewusst mit der Spra­che umge­hen. Hier­bei nimmt die Schule sicher­lich eine bedeu­tende Rolle ein.

Eine weitere Entwick­lung, die bedeut­sam ist: Viele Kinder und Jugend­li­che sind nicht mehr so stark in der Hand­schrift veror­tet. Es gibt eine Hypo­these, die besagt, dass irgend­wann die hand­schrift­li­che Schreib­weise ausster­ben wird, weil wir über die Tasta­tur und über die Sprach­nach­rich­ten so viele unter­schied­li­che Optio­nen des “in den Kontakt Tretens” haben. Der Hand­schrift wird dann keine so große Bedeu­tung mehr beigemes­sen. Das könnte eine mögli­che Verän­de­rung sein.

Gleich­zei­tig gibt es eine Gegen­be­we­gung von Menschen, die gerne lesen, sich hinset­zen, schrei­ben und sich in die Mate­rie vertie­fen. Damit möchte ich sagen: Es gibt keinen gene­rel­len Trend, aber natür­lich gibt es Punkte, auf die man selbst achten kann.

In Bezug auf die verschie­de­nen Kommu­ni­ka­ti­ons­for­men möchte ich noch etwas einbrin­gen: Ich hoffe folgen­des Gefühl kommt nicht auf: Dass wir diese unter­schied­li­chen Text­for­men beherr­schen müssen. Viel­mehr würde ich mir wünschen, dass alle Menschen, ob jung oder alt, die Fragen „Wo befin­den wir uns?“ sowie „Mit wem möchte ich in Kontakt treten?“ und „Wie und in welcher Form?“ in ihre Gedan­ken mitein­be­zie­hen. Denn der Mensch verhält sich immer kontext­be­zo­gen. Ein Beispiel: Ich werde in diesem Inter­view auf eine andere Art kommu­ni­zie­ren, als wenn ich mich mit einer Freun­din am Tele­fon unter­halte. Umso besser ich meine Kommu­ni­ka­tion auf eine Person, auf eine Situa­tion sowie auf den Kontext zuschneide, desto höher sind meine Chan­cen, dass ich mit ande­ren Menschen gut in Kontakt treten kann und auch verstan­den werde. Und das ist meiner Meinung nach durch­aus ein anzu­stre­ben­des Ziel.

Susanne: Sie haben kurz das Thema Cyber-Mobbing angesprochen: Denken Sie, dass das physische Mobbing aufgrund dessen abgenommen und sich ausgeglichen hat oder hat sich Mobbing generell einfach nur verstärkt?

M.K.: Cyber-Mobbing stellt eine neue Form von Mobbing dar. Das Mobbing im Mitein­an­der wird dadurch leider nicht weni­ger. Wir nehmen in der Bera­tung und in der Arbeit mit Kindern und Jugend­li­chen wahr, dass Cyber-Mobbing seinen Ursprung nicht selten im Klas­sen­raum oder im Freun­des­kreis hat. Das bedeu­tet: Mobbing setzt sich online oder übers Handy einfach fort. Sprich über Text­nach­rich­ten, über Sprach­nach­rich­ten oder über Gruppen.

Die digi­tale Welt bietet noch mehr Optio­nen mit ande­ren Menschen in Kontakt zu kommen. Es können Likes verschickt, Freund­schafts­an­fra­gen versen­det und mitein­an­der in den Austausch getre­ten werden. Bedau­er­li­cher­weise ist es nicht immer so, dass alle dabei etwas Gutes im Sinn haben. Es kann passie­ren, dass auch die nicht so guten Erfah­run­gen weiter­ge­ge­ben werden. Und in Anbe­tracht dessen ist Cyber-Mobbing etwas Neues: Menschen, die sich noch nie gese­hen haben, treten in einer gewalt­tä­ti­ge­ren Form in Kontakt. Das hat es zuvor so nicht gegeben.

Susanne: Ich würde gerne auf die Lösungsansätze eingehen: Die momentane Zeit ist eine physisch sehr distanzierte. Das ist Fakt. Wie kann Kommunikation zwischen den Generationen – besonders auch zwischen den jungen Leuten – dennoch gut funktionieren? Haben Sie Tipps, wie diese am besten funktionieren kann?

M.K.: Alter­na­ti­ven wären: Online-Tref­­fen ausma­chen, um mitein­an­der Spiele zu spie­len und sich dabei zu sehen. Genauso wie Video zu tele­fo­nie­ren, um ins Gespräch zu kommen, um sich auszu­tau­schen, aber auch um gemein­sam Serien zu schauen oder um mitein­an­der Sport zu betrei­ben. Das kann mit einer App aufein­an­der abge­stimmt werden. Das Glei­che gilt für Verwandte und andere Bezugs­per­so­nen: Konkrete Tref­fen einpla­nen und bespre­chen: Was können wir mitein­an­der tun? Ein Vorschlag wäre: An einem Tag plant Person 1, wie die Zeit gestal­tet wird und am nächs­ten Tag Person 2. Hier­bei ist es gut zu wissen: Es ist okay, sich auf einen Vorschlag einzu­las­sen, vor allem wenn dieser der ande­ren Person am Herzen liegt, auch wenn ich die Akti­vi­tät selbst nicht so gerne mache. Das heißt: Bis zu einem gewis­sen Grad mit der Situa­tion zu experimentieren.

Es ist eben­falls wich­tig bei den vielen Versu­chen in Kontakt zu treten, nicht zu verges­sen, sich Zeit frei­zu­hal­ten, in der man sich selbst begeg­net. Damit ist gemeint: Zeit runter­zu­kom­men, Musik zu hören oder in die Natur zu gehen, um die Gedan­ken schwei­fen zu lassen und sich wieder im Raum orien­tie­ren zu können. Eine Frage: Kennst du das Gefühl, wenn du den ganzen Tag vor dem Bild­schirm oder vor dem Handy sitzt, und irgend­wann die Situa­tion eintritt, dass deine Augen nicht mehr in die Ferne fokus­sie­ren können? Oder man auf einmal spürt, dass man den Raum anders wahrnimmt?

Damit möchte ich sagen: Nicht nur schnell bewegte und bunte Bilder in Grup­pen­chats oder im Gaming zu erle­ben, sondern auch durch­zu­at­men und den Blick schwei­fen zu lassen. Bewusst aus der Situa­tion heraus­zu­ge­hen und sich selbst erleben.

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Lösungsansätze entwickeln und sichtbar machen. 

Was können wir selbst tun?

Die Kommu­ni­ka­tion von jungen Leuten verla­gert sich immer mehr in den digi­ta­len Raum, durch Corona wurde dieses Phäno­men noch verstärkt. Aus den Gesprä­chen mit den unter­schied­li­chen Gene­ra­tio­nen haben sich Lösungs­vor­schläge, wie Kommu­ni­ka­tion trotz zuneh­men­der Digi­ta­li­sie­rung gut funk­tio­nie­ren kann, erge­ben. Auch was bei konkre­ten Proble­men, die in der virtu­el­len Welt entste­hen, hilf­reich sein könnte.

Wie können digi­tale Medien unter­stüt­zend auf die Kommu­ni­ka­tion wirken?

  • in der einfa­chen Vernet­zung: junge Leute können sich stär­ker vernetzen
  • aufgrund der größe­ren Anony­mi­tät traut man sich mehr zu fragen
  • bei Proble­men, kann schnell Hilfe aufge­sucht werden
  • digi­tale Platt­for­men könn­ten die Kommu­ni­ka­tion (zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen) leich­ter machen
  • auf Corona bezo­gen: In einer distan­zier­ten Zeit hilft es per Video-Chat mitein­an­der zu kommu­ni­zie­ren, die ande­ren (jungen) Leute werden dadurch greifbarer

Was kann förder­lich sein für eine gute Balance zwischen digi­tal und analog?

  • Zeit­ein­tei­lung – Refle­xion: Wie lange bin ich am Tag digi­tal unter­wegs? Was macht es mit mir?
  • Sich bestimmte Hobbies suchen, die immer analog bleiben
  • Zeit für sich selber nehmen, wo man sich selbst begeg­net. Musik hören, Sport trei­ben, in die Natur gehen etc.
  • Ansprech­per­so­nen haben, die nicht nur in der digi­ta­len Welt sind. Um Mimik und Gestik gut erler­nen zu können. Geschrie­be­nes kann nicht immer rich­tig gedeu­tet werden.

Wie kann Kommu­ni­ka­tion gene­rell gut funktionieren?

  • Es ist wich­tig offen und ehrlich zu sein und zu versu­chen, seine Bedürf­nisse klar zu kommu­ni­zie­ren, ohne dabei verlet­zend zu sein.
  • Refle­xion der unter­schied­li­chen sprach­li­chen Ebenen — gespro­chene und geschrie­bene Spra­che machen einen Unter­schied. An den Kontext, Situa­tion und den/​die Adressat:in die eigene Kommu­ni­ka­tion anpassen.
  • Zwischen den Gene­ra­tio­nen: Tref­fen ohne digi­tale Medien einpla­nen und mitein­an­der persön­lich Zeit verbrin­gen. Auf die gegen­sei­ti­gen Wünsche eingehen.

Was kann man gegen Cyber­mob­bing tun?

  • Austausch mit ande­ren Betrof­fen (dies sollte jedoch jeden­falls profes­sio­nell beglei­tet werden)
  • Bera­tungs­stel­len, wie etwa “Hass im Netz” oder “147 Rat auf Draht” aufsu­chen und sich darüber infor­mie­ren, was dage­gen getan werden kann
  • Einschrei­ten und den “Mund aufma­chen”, wenn beob­ach­tet wird, dass ein Mensch gemobbt wird
  • Passiert (Cyber-)Mobbing in der Schule kann die Schul­so­zi­al­ar­beit oder der Klas­sen­vor­stand als Unter­stüt­zung ange­spro­chen werden

Wie können (junge) Menschen mit unrea­lis­ti­schen Bildern aus dem Inter­net umge­hen? (-> bearbeitet)

  • Wissens­ver­mitt­lung, dass es nur idea­li­sierte Bilder sind, keine realen (mögli­cher­weise das “Bild markie­ren”, wie es in Frank­reich schon der Fall ist)
  • Sich auch Influen­cer suchen, die reale Bilder posten, nicht nur die idea­lis­ti­schen — gibt es dafür Beispiele?
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Ist unsere Schule im 21. Jahrhundert angekommen?

Ein Beitrag der 4C , AHS

Bildungszentrum Kenyongasse
Mater Salvatoris

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Viele Schüler:innen sind ande­rer Meinung und haben das Gefühl, dass sie nicht zeit­ge­mäß auf ihr Leben nach der Schule vorbe­rei­tet werden. Wie macht man eine Steu­er­erklä­rung? Wie funk­tio­nie­ren Aktien oder wie sieht ein guter Miet­ver­trag aus? Solche Fragen kann wohl kaum ein:e Schüler:in beant­wor­ten. Aber dafür können sie berech­nen, wie lange es dauert, bis ein Stein aus einer bestimm­ten Höhe am Boden auftrifft. Oder sie lernen darüber, wie Römer Wahl­wer­bung gemacht haben. Das Problem ist: Selbst wenn sie wissen, wie damals Werbung gemacht wurde, kennen sie sich nicht gut genug mit poli­ti­schen Prozes­sen aus, um eine gute Wahl­ent­schei­dung tref­fen zu können. Oftmals fehlt den jungen Leuten die lebens­nahe Bildung und vielen kommt es so vor, als ob ihre Inter­es­sen und Stär­ken im Unter­richt nicht ausrei­chend geför­dert werden können. Dies sind nur zwei Gründe, warum eine Verän­de­rung statt­fin­den sollte, damit die Schule von morgen allen die best­mög­li­che Bildung bietet. Wir holen uns Ansich­ten von Schüler:innen und Pädagog:innen über das Schul­sys­tem ein, um mehr Einblick in das Thema zu bekommen.

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Sichtweisen der Generationen. 

Luka
14 Jahre
Luka
14 Jahre

Fühlst du dich durch die Schule ausreichend auf dein weiteres Leben vorbereitet? Begründe deine Antwort.

Nicht wirk­lich, da es keine Fächer gibt, welche spezi­ell darauf vorbe­rei­ten. Das Einzige, was einen etwas darauf vorbe­rei­tet hat, war eigent­lich die Zeit während des Lock­downs, da man viel mit dem Compu­ter arbei­ten musste.

Was sollte deiner Meinung nach verändert beziehungsweise verbessert werden?

Ich finde, dass es eben ein oder mehrere Fächer geben sollte, welche auf das spätere Leben vorbe­rei­ten und dass einige Neben­fä­cher Wahl­pflicht­fä­cher sein soll­ten, damit man das lernt, was einem Spaß macht und einen interessiert.

Was braucht es, dass die individuellen Stärken und Interessen im Unterricht besser gefördert werden können?

Die Lehrer:innen könn­ten am Anfang des Schul­jah­res Themen für den Unter­richt vorschla­gen und die Schü­le­rin­nen und Schü­ler stim­men dann ab und die Themen mit den meis­ten Stim­men werden dann bevorzugt

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Valen­tina
14 Jahre
Valen­tina
14 Jahre

Fühlst du dich durch die Schule ausreichend auf dein weiteres Leben vorbereitet? Begründe deine Antwort.

Nein, da das Berufs­le­ben meiner Meinung nach anders abläuft und der Tages­ab­lauf auch nicht so gere­gelt ist wie in der Schule. Auch können sich viele Schü­le­rin­nen und Schü­ler nach einer gewis­sen Zeit nicht mehr an den gelern­ten Stoff erin­nern und lern­ten diesen nur für einen gewis­sen Zeit­punkt und nicht für ihr Leben lang. Auch ist es so, dass sich das jetzige Schul­sys­tem bis zur Matura an Noten orien­tiert, jedoch ist dies nicht dieselbe Beur­tei­lung, die man nach dem Schul­ab­schluss erhal­ten wird. Dies ist eine sehr große Umstel­lung für viele Menschen. Eines der größ­ten Probleme ist meiner Meinung nach, dass fast alle Schüler:innen eine Vorstel­lung haben, wie ihr Leben nach der Absol­vie­rung der Schule sein könnte, nur glaube ich, dass diese meis­tens komplett anders ist, da man fast keine Vorstel­lun­gen von diesem „realen“ Leben hat.

Was sollte deiner Meinung nach verändert beziehungsweise verbessert werden?

Meiner Meinung nach soll­ten mehrere Wahl­pflicht­fä­cher dazu kommen, die den Schü­lern z.B. Kennt­nisse in Rechts­wis­sen­schaf­ten, Poli­tik und Wirt­schaft liefern. Auch sollte man den Schüler:innen die Möglich­keit geben, gewisse Fächer, die sie als nicht mehr notwen­dig empfin­den, abzu­wäh­len, um dafür mehr Zeit zum Lernen der gewähl­ten Fächer zu haben. Auch wäre es sinn­vol­ler die Schüler:innen auf das Berufs­le­ben vorzu­be­rei­ten, indem sie die Möglich­keit erhal­ten, Unter­neh­men in Form eines Prak­ti­kums kennenzulernen.

Was braucht es, dass die individuellen Stärken und Interessen im Unterricht besser gefördert werden können?

Es ist schwie­rig für viele Schüler:innen, die sehr verschie­dene Stär­ken und Inter­es­sen haben, ein neues Fach einzu­füh­ren, da man wahr­schein­lich nicht alle Inter­es­sen abde­cken kann. Deshalb wäre es meiner Meinung nach besser, wenn man mehr unver­bind­li­che Übun­gen oder Wahl­pflicht­fä­cher anbie­tet. Wenn dies jedoch nicht möglich ist, soll­ten die Lehr­per­so­nen weiter­hin versu­chen, die Inter­es­sen der meis­ten Schüler:innen in den Unter­richt einzu­bin­den, in dem sie das Erar­bei­ten in Work­shops fördern.

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Niki
14 Jahre
Niki
14 Jahre

Fühlst du dich durch die Schule ausreichend auf dein weiteres Leben vorbereitet? Begründe deine Antwort.

Ich denke, dass ich diese Frage mit Nein beant­wor­ten kann. Bis zu einem gewis­sen Alter wird nämlich allen Schü­le­rin­nen und Schü­lern derselbe Lehr­stoff beigebracht, bevor sie die Möglich­keit haben, einen ande­ren Schul­zweig oder Wahl­pflicht­fä­cher zu wählen. Dadurch werden die indi­vi­du­el­len Inter­es­sen und Stär­ken der einzel­nen Schü­ler nicht ausrei­chend geför­dert. Außer­dem sind einige grund­le­gende Fähig­kei­ten, wie zum Beispiel, worauf man bei einem Miet­ver­trag achten sollte, gar nicht im Lehr­plan vorhanden.

Was sollte deiner Meinung nach verändert beziehungsweise verbessert werden?

Ich würde Schüler:innen schon früher die Möglich­keit geben, einzelne Fächer frei zu wählen oder auch Schul­fä­cher abzu­wäh­len, um möglichst gut die persön­li­chen Stär­ken der Schüler:innen zu fördern. Außer­dem würde ich Schul­ar­bei­ten in den Haupt­fä­chern durch schrift­li­che Wieder­ho­lun­gen erset­zen, damit Schüler:innen über das ganze Jahr hinweg den Lehr­stoff mehrere Male wiederholen.

Was braucht es, dass die individuellen Stärken und Interessen im Unterricht besser gefördert werden können?

Ich glaube, dafür braucht man klei­nere Lern­grup­pen oder mehrere Lehr­kräfte in einem Klas­sen­raum. Somit können sich die Lehr­per­so­nen verstärkt um einzelne Schüler:innen und deren Stär­ken und Schwä­chen kümmern. Außer­dem sollte es mehr freie Projekt­ar­bei­ten in allen Fächern geben.

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Susanne
14 Jahre
Susanne
14 Jahre

Fühlst du dich durch die Schule ausreichend auf dein weiteres Leben vorbereitet? Begründe deine Antwort.

Nein, nicht wirk­lich. Gene­rell lernen wir in sehr vielen Fächern Lern­stoff, welchen wir in unse­rem späte­ren Leben nicht unbe­dingt benö­ti­gen werden. Viel­leicht zur Matura, aber nicht später in unse­rem Berufsleben.

Was sollte deiner Meinung nach verändert beziehungsweise verbessert werden?

In unse­rem Alter weiß man, denke ich, schon unge­fähr wofür man sich inter­es­siert bzw. was man später werden möchte. Deshalb gibt es Fächer die, wie ich finde, sehr über­flüs­sig sind. Es wäre besser, wenn nicht alle Fächer, die zurzeit Pflicht­fä­cher sind, solche blei­ben, sondern es soll­ten mehr Wahl­pflicht­fä­cher einge­führt werden.

Denn alle Fächer auszu­tau­schen, wäre ein wenig zu kompli­ziert und so könnte man sein Wissen auf einem bestimm­ten Gebiet erwei­tern und vertie­fen, ohne dass ein Fach zu kurz kommt.

Was braucht es, dass die individuellen Stärken und Interessen im Unterricht besser gefördert werden können?

Wie schon davor erwähnt, denke ich, dass Wahl­pflicht­fä­cher helfen würden, oder dass wir in gewis­sen Fächern mehr Themen bespre­chen, die wir später mal brau­chen werden wie. Ein Beispiel: In Geschichte könnte dann viel­leicht mehr über Poli­tik gespro­chen werden, damit wir mit 16 Jahren reif genug sind und ein brei­tes Wissen haben, um reflek­tier­ter wählen zu können.

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Oliver Schnit­zer
Lehrer für Geogra­phie und Geschichte
Leiter des Debattierclubs
Oliver Schnit­zer
Lehrer für Geogra­phie und Geschichte
Leiter des Debattierclubs

Wie gut können Sie im Unterricht die Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Schüler:innen fördern?

Es hängt von den Schüler:innen ab, doch ein guter Weg ist immer, sehr viele verschie­dene Themen zu bear­bei­ten und eine gewisse Metho­den­viel­falt zu haben.

Wie können Ihrer Meinung nach, die Stärken der Kinder und Jugendlichen besser gefördert werden?

Meiner Meinung nach müss­ten dafür einige Verän­de­run­gen im Schul­sys­tem vorge­nom­men werden, wie zum Beispiel eine Verlän­ge­rung der Schul­stun­den, um mehr Projekte möglich zu machen, mehr Frei­räume bei den Lehr­plä­nen und mehr Frei­hei­ten für SchülerInnen.

Wie soll sich Schule verändern, damit die Schüler:innen eher das Gefühl haben, auf Herausforderungen in der Zukunft vorbereitet zu sein?

Man sollte damit anfan­gen, Schüler:innen, aber auch Expert:innen zu befra­gen. Außer­dem sollte in den Schu­len die Digi­ta­li­sie­rung geför­dert werden, da sie in Zukunft eine große Rolle spie­len wird.

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Nicole Hofer
Lehre­rin für Spanisch und Geographie
Nicole Hofer
Lehre­rin für Spanisch und Geographie

Wie gut können Sie im Unterricht die Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Schüler:innen fördern?

Dadurch, dass ich Geogra­fie unter­richte, kann ich viele Themen, wie zum Beispiel Umwelt­schutz, Menschen­rechte und Ausbeu­tung des Bodens, mit den Schüler:innen bear­bei­ten, die bei diesen auch auf Inter­esse stoßen. Meiner Meinung nach ist die wich­tigste Fähig­keit, dass Dinge hinter­fragt werden und nicht alles so hinge­nom­men wird, wie es vorge­be­tet wird.

Wie können Ihrer Meinung nach, die Stärken der Kinder und Jugendlichen besser gefördert werden?

Es wäre toll, wenn man öfter Projekte mit den Schüler:innen machen würde und öfter Expert:innen von außen mit den Jugend­li­chen arbei­ten lässt.

Wie soll sich Schule verändern, damit die Schüler:innen eher das Gefühl haben, auf Herausforderungen in der Zukunft vorbereitet zu sein?

Da ich den Vergleich zu Kindern und Jugend­li­chen habe, die nicht so viel Schul­bil­dung bekom­men, finde ich, dass an unse­rer Schule diese sehr gut auf ihr späte­res Leben vorbe­rei­tet werden.

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Chris­tina Brandstätter 
Lehre­rin für Englisch und Spanisch
Chris­tina Brandstätter 
Lehre­rin für Englisch und Spanisch

Wie gut können Sie im Unterricht die Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Schüler:innen fördern?

In der Ober­stufe gelingt es mir meis­tens besser als in der Unter­stufe, da man als Lehre­rin sehr an den Lehr­plan gebun­den ist. In der Ober­stufe können die Schü­le­rin­nen und Schü­ler selber Wahl­pflicht­fä­cher wählen und daher selbst entschei­den, welche Themen bear­bei­tet werden. Als Englisch- und Spanisch-Lehre­rin versu­che ich außer­dem meine Schü­le­rIn­nen dazu zu moti­vie­ren, eine unver­bind­li­che Übung zu besu­chen, wenn ich merke, dass sie sprach­lich beson­ders begabt sind.

Wie können Ihrer Meinung nach, die Stärken der Kinder und Jugendlichen besser gefördert werden?

Der erste Schritt wäre auf alle Fälle klei­nere Schü­ler­grup­pen und klei­nere Klas­sen in allen Fächern und, wenn möglich, auch Teamteaching.

Wie soll sich Schule verändern, damit die Schüler:innen eher das Gefühl haben, auf Herausforderungen in der Zukunft vorbereitet zu sein?

Dies würde ich geteilt sehen. Zuerst würde ich vorschla­gen, dass Lehre­rin­nen und Lehrer wieder weni­ger admi­nis­tra­tive Tätig­kei­ten ausüben sollen, um mehr Zeit für den Unter­richt und die Vorbe­rei­tung zu haben. Außer­dem soll­ten sie natür­lich auch mehr Frei­heit in der Gestal­tung des Unter­rich­tes haben. Sicher­lich sind auch die klei­ne­ren Schü­ler­grup­pen förder­lich, welche ich schon eingangs erwähnt habe. Für die Schüler:innen sollte es mehr Wahl­mög­lich­kei­ten in den Fächer­grup­pen selbst und in der Ober­stufe ein sepa­ra­tes Fach geben, indem man Alltags­kom­pe­ten­zen, wie zum Beispiel das Abschlie­ßen eines Vertra­ges oder das korrekte Ausfül­len einer Steu­er­erklä­rung erlernt.

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Aus den Antwor­ten der Schüler:innen geht klar der Wunsch nach mehr Wahl­mög­lich­kei­ten hervor. Sie möch­ten sich aktiv für Fächer entschei­den dürfen, die sie inter­es­sie­ren. Sie hinter­fra­gen auch Wissens­in­halte, die sie lernen müssen, weil ihnen nicht klar ist, wofür ihnen dieses Wissen dien­lich ist. Eine weitere Forde­rung ist eine bessere Vorbe­rei­tung auf ihr Leben nach der Schule bezie­hungs­weise auf beruf­li­che Heraus­for­de­run­gen. Aus Sicht der Pädagog:innen kann auf die Inter­es­sen der Schüler:innen gut einge­gan­gen werden, sofern verschie­dene Themen bear­bei­tet werden und die Unter­richts­ge­stal­tung abwechs­lungs­reich ist. Es sollte in diesem Sinne auch mehr Projekt­ar­bei­ten geben und an die Schule soll­ten regel­mä­ßig Exper­tin­nen und Exper­ten kommen, die mit den Schüler:innen arbei­ten. Das Fördern von Stär­ken ist auch dann besser möglich, wenn die Grup­pen klei­ner sind. „Schule von morgen“ muss auf den Umgang mit digi­ta­len Endge­rä­ten vorbereiten.

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Perspektive gewinnen, was wissen wir?

Gene­rell ist das öster­rei­chi­sche Schul­sys­tem folgen­der­ma­ßen aufge­baut: In den ersten Jahren wird man im besten Fall von den Eltern und im Kinder­gar­ten geför­dert und gebil­det. Indi­vi­du­elle Bildungs­wege können sich unter­schied­lich gestal­ten: Man tritt – meis­tens im Alter von sechs Jahren – in den Schul­all­tag ein. Im Normal­fall besucht man dann vier Jahre lang die Volks­schule. Danach hat man die Möglich­keit, eine Mittel­schule (MS) oder eine Allge­mein­bil­dende Höhere Schule (AHS) zu besu­chen. Dort kann man sich in der drit­ten Klasse für einen der vielen weiter­füh­ren­den Schul­zweige entschei­den. Nach Abschluss der Unter­stufe hat man nun mehrere Möglichkeiten:

  • einjäh­rige poly­tech­ni­sche Schule ➔ Nach diesem Schul­jahr kann man zum Beispiel eine Lehre machen,
  • Berufs­bil­dende Mitt­lere Schule ➔ Vorbe­rei­tung auf das Berufsleben
  • Berufs­bil­dende Höhere Schule ➔ Vorbe­rei­tung auf das Berufs­le­ben und Matura
  • Allge­mein­bil­dende Höhere Schule und Matura

Wie schon erwähnt finden wir, dass Schü­le­rin­nen und Schü­ler auf ihrem Bildungs­weg viel zu wenige Frei­hei­ten haben, sich persön­lich auf das spätere Berufs­le­ben vorzubereiten.

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Lösungsvorschläge der 4C

Die Schüler:innen der 4c haben konkrete Ideen und Wünsche, wie das öster­rei­chi­sche Schul­sys­tem verbes­sert werden könnte:

  • Beson­ders wünschen sie sich, dass im Unter­richt mehr Themen, wie etwa Aktien, Steu­ern und Poli­tik, behan­delt werden. Dadurch würden sie sich besser auf ihr späte­res Leben nach der Schule vorbe­rei­tet fühlen. Ein Leben, das auf Selbst­stän­dig­keit und Verant­wor­tungs­über­nahme beruht.
  • Vielen fehlt die Ausein­an­der­set­zung mit poli­ti­schen Themen, sie möch­ten in der Schule mehr poli­ti­sche Bildung erfah­ren, damit sie Wahl­ent­schei­dun­gen tref­fen können, die auf gut infor­mier­ten Grund­la­gen basieren.
  • Um Themen besser nach­voll­zie­hen zu können, hilft auch ein stär­ke­rer prak­ti­scher Bezug. Sie sollen „greif­ba­rer“ werden.
    Ein großer Wunsch: Fächer einfüh­ren, die die jungen Leute auf die Zukunft vorbe­rei­ten, ihre Fähig­kei­ten mehr in den Fokus nehmen und Raum dafür geben, Themen lang­fris­tig zu lernen und zu verstehen.
  • Um sich besser konzen­trie­ren zu können, wäre es hilf­reich, wenn die Pausen­zei­ten besser auf den Tag verteilt wären.
  • Ein konkre­ter Wunsch ist das Ange­bot mehre­rer Fremd­spra­chen, die je nach Inter­esse frei gewählt werden können.
  • Jede*r hat einmal einen schlech­ten Tag! Mehrere kleine Tests anstelle von weni­gen umfang­rei­chen Schul­ar­bei­ten würde es den jungen Leuten leich­ter machen, ihr Können immer wieder unter Beweis zu stellen.
  • Nicht-Schul­ar­beits­fä­cher als Wahl­fä­cher ausle­gen, damit die jungen Leute, abhän­gig von ihren Inter­es­sen, selbst entschei­den können, in welche Themen sie sich vertie­fen wollen.
  • Fächer, die die Schüler:innen für das weitere Leben als „unwich­tig“ empfin­den, würden sie gerne abschaf­fen. Doch wer bestimmt, welche Fächer abge­schafft gehö­ren? Eine sehr komplexe Frage mit keiner einfa­chen Antwort.
  • Es gibt Diskus­si­ons­be­darf, inwie­fern Schule und Reli­gion nicht getrennt vonein­an­der sein soll­ten? Ab dem Alter von 10 Jahren Ethik­un­ter­richt für alle Schüler:innen einfüh­ren, um wich­tige Fragen mitein­an­der behan­deln zu können.
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Weiterführende Links

Empfohlen von Welt der Kinder

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Ein Beitrag der 4C , AHS 

Bildungs­zen­trum Kenyongasse
Mater Salva­to­ris

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Steht auf

gegen Rassismus

Ein Beitrag von
Aaron Mafitabar, Amani Siddig, Hannah Dunkler und Linda Molnar

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Der 21. März wurde vor über 50 Jahren von der UNO zum Inter­na­tio­na­len Tag gegen Rassis­mus erklärt. Welt­weite Orga­ni­sa­tio­nen, Vereine wie auch bestimmte Grup­pen nehmen diesen Monat als Anlass, um die Bevöl­ke­rung gegen Rassis­mus zu akti­vie­ren. Auch wir jungen Leute wollen darauf aufmerk­sam machen, dass Rassis­mus immer noch im Alltag erlebt wird. Sei es in öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln, in der Schule, am Arbeits­platz oder im öffent­li­chen Raum. Wir woll­ten wissen: Haben Menschen aus unse­rem Umfeld selbst schon Rassis­mus erfah­ren? Wie sind sie damit umge­gan­gen? Was kann man gene­rell dage­gen tun? Die Ansich­ten der unter­schied­li­chen Gene­ra­tio­nen machen deut­lich: Das Thema ist noch längst nicht vom Tisch! Eben­falls konn­ten wir gute Lösungs­vor­schläge einho­len, wie man gegen rassis­ti­sche Diskri­mi­nie­rung vorge­hen kann.

Wir sind uns einig: Wir Menschen sind uns alle ähnli­cher als wir denken!

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Sichtweisen der Generationen. 

Aaron
16 Jahre
Wien
Aaron
16 Jahre
Wien

Was denkst du dir in Bezug auf das Thema Rassismus?

Früher habe ich mir nichts dabei gedacht, wenn ich die Haare einer schwar­zen Schul­kol­le­gin angrif­fen habe. Jedoch weiß ich heute, dass dies falsch ist und streng genom­men auch als rassis­tisch bewer­ten werden kann, obwohl dies niemals beab­sich­tigt war. Mir ist bewusst, dass wir Menschen uns durch unsere unter­schied­li­che Indi­vi­dua­li­tät unter­schei­den. Aller­dings zeich­net uns aus, dass wir alle Menschen sind! Viel­leicht schaf­fen wir es endlich nicht unsere Lebens­weise als “die voll­kom­menste” zu sehen und dafür mit und vonein­an­der zu lernen.

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Hannah
14 Jahre
Wien
Hannah
14 Jahre
Wien

Was denkst du dir in Bezug auf das Thema Rassismus?

Menschen aufklä­ren, sich mit dem Thema beschäf­ti­gen und aufste­hen, wenn man rassis­ti­sche Situa­tio­nen mitbe­kommt, sind für mich wich­tige Lösungs­vor­schläge. Ich weiß mitt­ler­weile, dass Rassis­mus jeden betref­fen kann. Oft sind Minder­hei­ten betrof­fen, die sich in den Regio­nen auf der Welt unter­schei­den. Das bedeu­tet, dass auch hell­häu­tige Menschen betrof­fen sein können. Dennoch betrifft es in vielen Ländern der Welt vor allem dunkel­häu­tige Menschen. Wich­tig ist zu erken­nen, dass Rassis­mus tief verwur­zelt ist und noch immer exis­tiert und oftmals unbe­wusst geschieht.

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Linda
14 Jahre 
Wien
Linda
14 Jahre 
Wien

Was denkst du dir in Bezug auf das Thema Rassismus?

Mir ist es sehr wich­tig, ande­ren Leuten klar zu machen, dass wir in einer Zeit leben, in der Rassis­mus nicht üblich ist und abso­lut vermie­den werden sollte. Ich verstehe nicht, warum man andere Leute in “Rassen” einteilt und dieje­ni­gen, zu denen man nicht gehört, so verur­tei­len kann. Ich würde auch gerne verste­hen: Warum diskri­mi­niert man Leute? Ich finde es wich­tig, die Meinung zu sagen und für die ande­ren Menschen einzu­ste­hen. Außer­dem sollte man die Leute über Rassis­mus aufklä­ren und darüber reden, wenn man die Chance dazu hat.

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Amani
14 Jahre 
Wien
Amani
14 Jahre 
Wien

Was kann man gegen Rassismus tun?

Was ich beson­ders wich­tig finde ist, dass man die Leute aufklärt und sich auch mal mit dem Thema beschäf­tigt, da Rassis­mus auch heute noch eine sehr große Rolle spielt. Wenn man Diskri­mi­nie­rung gegen­über Leuten, aufgrund ihrer Haut­farbe, Herkunft oder Reli­gion mitbe­kommt, muss man unbe­dingt einschrei­ten und etwas dage­gen tun und nicht nur zuse­hen. Wenn man etwas gegen Rassis­mus tun will, muss man handeln.

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junger Mann
13 Jahre
Wien
junger Mann
13 Jahre
Wien

Hast du schon mal Rassismus miterlebt?

Ja, schon. Es kam nicht zu schlim­men Über­grif­fen, aber Diskri­mi­nie­rung gegen­über Leuten mit ande­rer Haut­farbe, einer ande­ren Herkunft oder Reli­gion schon öfters. Auch ich wurde schon aufgrund meiner Haut­farbe diskri­mi­niert: Wenn ich zum Beispiel in ein Alters­heim gehe, schauen mich Leute aufgrund meiner Haut­farbe oft komisch an. Es fühlt sich abwer­tend an.

Was könnte man dagegen tun?

Ich weiß nicht, was man dage­gen tun könnte, weil man solche Einstel­lun­gen nur schwer ändern kann. Viel­leicht kann man seine Kinder schon von klein auf über Rassis­mus aufklä­ren. Am Besten man fängt schon im Kinder­gar­ten damit an. Ich persön­lich finde es sehr wich­tig, Leute darüber aufzuklären.

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Nina
12 Jahre
Wien
Nina
12 Jahre
Wien

Hast du Rassismus schon mal erlebt? Wie?

Nein, habe ich nicht. Ich bin Russin und lebe in Russ­land. Und Russen sind aus meiner Sicht sehr höflich. Ich persön­lich habe in Russ­land noch keine rassis­ti­schen Hand­lun­gen miterlebt.

Was ist Rassismus für dich?

Rassis­mus ist eine soziale Vorein­ge­nom­men­heit gegen­über einer „Rasse“. Die Person wird nicht als gleich­wer­tig betrachtet.

Wie würdest du Rassismus beschreiben?

Diese Einstel­lung verbinde ich nur mit schlech­ten Gefüh­len. Es ist ein so schwie­ri­ges Gefühl für mich, weil ich nicht verstehe warum Menschen andere Menschen nicht akzeptieren.

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Anto­nia
14 Jahre
Wien
Anto­nia
14 Jahre
Wien

Was bedeutet Rassismus für dich?

Rassis­mus bedeu­tet für mich, wenn Menschen beispiels­weise wegen ihrer Haut­farbe, ihrer Reli­gion oder ihrer Herkunft diskri­mi­niert werden, da sie aufgrund opti­scher Merk­male “anders” ausse­hen. Beispiels­weise habe ich einen Arti­kel gele­sen, in dem stand, dass Lehrer:innen ihre Schüler:innen aufgrund der Haut­farbe rassis­tisch behan­del­ten. Sie wurden benach­tei­ligt und beka­men schlech­tere Noten. Ich bin der Meinung, dass es auf einer Schule keinen Rassis­mus geben darf! Jede:r Schüler:in muss gleich behan­delt werden!

Was kann man gegen Rassismus tun?

Es gibt mehrere Möglich­kei­ten, um gegen Rassis­mus vorzu­ge­hen: Im Alltag soll­ten rassis­ti­sche Vorfälle beispiels­weise nicht einfach igno­riert werden. Sondern man sollte sich auf die Seite des Opfers stel­len und ihn oder sie vertei­di­gen. Wich­tig wäre es auch, die Menschen, die nichts vom heuti­gen Rassis­mus mitbe­kom­men, aufzu­klä­ren. Ihnen sollte erklärt werden, dass es immer noch Menschen gibt, die heut­zu­tage rassis­tisch belei­digt werden. Dadurch könnte man einen weite­ren Schritt gegen Rassis­mus setzen!

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Fabian Dunk­ler
27 Jahre
Wien

Fabian Dunk­ler
27 Jahre
Wien

Hast du selbst schon Rassismus miterlebt?

Ja, in meiner Wohn­ge­mein­schaft hat ein Bekann­ter anstelle von „Schwar­zer“ das N‑Wort für einen Schau­spie­ler im Fern­se­her verwen­det. Aber ich kenne eigent­lich nicht viele, die von Rassis­mus betrof­fen sind.

Was kann man gegen Rassismus tun?

Ich finde, dass in jungen Jahren mehr Aufklä­rung betrie­ben werden sollte. Dem Thema muss einfach mehr Aufmerk­sam­keit geschenkt werden. Genauso wich­tig ist es darüber nach­zu­den­ken, auch wenn es immer Menschen geben wird, die rassis­tisch sind.

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Elsadig
55 Jahre
Wien 
Elsadig
55 Jahre
Wien 

Hast du schon Erfahrungen mit Rassismus?

Ja, ich bin Rassis­mus schon oft begeg­net, auch im Alltag. Auch im Berufs­le­ben spielt Rassis­mus eine große Rolle. Beispiels­weise haben Leute, als ich noch Taxi­fah­rer war, aufgrund meiner Haut­farbe ein ande­res Auto ausge­sucht. In der Zeit vor der Digi­ta­li­sie­rung, waren sogar Job- und Wohnungs­in­se­rate „nur für Inländer:innen“ inse­riert. Ich selbst habe in Tele­fo­na­ten miter­lebt, dass ich aufgrund meiner Ausspra­che als “Auslän­der” abge­stem­pelt wurde. Mögli­che Vermieter:innen sagten dann: Nur für „Inländer:innen“ und legten auf. Ich habe auch erlebt, wie mich Firmen abge­lehnt haben. Die Begrün­dung dafür: Sie hatten Angst, dass sie durch mich Kunden verlie­ren würden. Aber nicht nur in solchen Situa­tio­nen, auch im Alltag trifft man stän­dig auf Rassis­mus. Egal ob in den öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln, in Loka­len oder in jungen Jahren in Discos. Rassis­mus ist aber gar nicht immer direkt adres­siert, heute gibt es vor allem vermehrt versteck­ten Rassis­mus. Rassis­mus hat viele Facetten.

Wie hast du gehandelt ?

In den Momen­ten, in denen du Diskri­mi­nie­rung ausge­setzt bist, kannst du nicht wirk­lich etwas tun bzw. oftmals weiß man einfach auch gar nicht was man dage­gen machen kann.

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Hamid
58 Jahre
Wien
Hamid
58 Jahre
Wien

Hast du Rassismus schon einmal miterlebt? Wenn ja, wie hast du gehandelt?

Ja, ich habe schon einmal Rassis­mus miter­lebt: Als ich vor langer Zeit in Los Ange­les war, ging ich mit meinem Freund spazie­ren. Auf der Straße befan­den sich dunkel­häu­tige Jugend­li­che, die laut waren. Mein Freund machte darauf­hin eine rassis­ti­sche Bemer­kung und sagte, dass dunkel­häu­tige Menschen oft aufdring­lich und laut sind. Ich redete mit ihm darüber und erklärte ihm, dass Jugend­li­che laut sein können und dürfen und deren Beneh­men nichts mit der Haut­farbe oder Ähnli­chem zu tun hat!

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Alois Dunk­ler
60 Jahre 
Wien
Alois Dunk­ler
60 Jahre 
Wien

Was bedeutet für dich Rassismus? Wie kann man dagegen ankämpfen?

Für mich bedeu­tet Rassis­mus die uner­träg­li­che Spal­tung der Rassen, welche kein Thema mehr sein sollte. Um gegen Rassis­mus ankämp­fen zu können, sind Aufklä­rung und Gesprä­che sehr wich­tig. Auch in den Schu­len wären diese Punkte bedeu­tend. Ich selbst war Lehrer in einer Schule, wo es einen großen Anteil von Migrant:innen gab.

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Marga­re­tha
82 Jahre 
Wien
Marga­re­tha
82 Jahre 
Wien

Was bedeutet Rassismus für dich?

Für mich ist Rassis­mus etwas ganz Unfai­res und Unmensch­li­ches. Ich habe den zwei­ten Welt­krieg miter­lebt und dadurch schon als klei­nes Kind viel Rassis­mus, insbe­son­dere gegen Roma, mitbe­kom­men. Momen­tan flammt das Thema wieder stark auf. Leider beob­ach­tet man rassis­ti­sche Hand­lun­gen auch öfters im Alltag. Es tut mir weh, mitan­se­hen zu müssen, dass Leute aufgrund ihrer Haut­farbe oder Herkunft benach­tei­ligt und diskri­mi­niert werden.
Rassis­mus wird meist und oft in der Fami­lie weiter­ge­ge­ben. Nicht immer ganz offen­sicht­lich und viel­leicht auch nur indi­rekt. Aber bestimmte Haltun­gen, Ausdrü­cke und Einstel­lun­gen werden den Kindern mitge­ge­ben und dadurch teil­weise weiter­ge­tra­gen. Die Erzie­hung spielt bei diesem Thema eine entschei­dende Rolle und wäre die Grund­lage dafür, um Rassis­mus in der Gesell­schaft zu beenden.

Was könnte man dagegen tun?

Man könnte viel dage­gen tun. Beispiels­weise soll­ten Leute sofort einschrei­ten und etwas dage­gen machen, wenn sie rassis­ti­sche Äuße­run­gen mitbekommen.

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Perspektive gewinnen, was wissen wir?

Rassis­mus bedeu­tet, wenn Menschen beispiels­weise aufgrund ihrer Haut­farbe, ihrer Reli­gion, oder ihrer Herkunft diskri­mi­niert werden. Manche unse­rer Interviewpartner:innen haben selbst schon rassis­ti­sche Diskri­mi­nie­rung erfah­ren. Der Ausschluss aufgrund der Haut­farbe oder des Namens kann sehr verlet­zend sein. Auch in den Schu­len kann es zu rassis­ti­schen Vorfäl­len gegen­über Schüler:innen kommen. Was hilft dage­gen? Viele Interviewpartner:innen sind der Meinung: Aufklä­rende Gesprä­che und Diskus­sio­nen über Rassis­mus sind von Kind auf bedeu­tend, auch in den Schu­len sollte das Thema im Unter­richt behan­delt werden. Das ist jedoch bei einem solch ernst­zu­neh­men­den Thema nicht genug: Aktiv werden und gegen Rassis­mus aufste­hen, empfin­den viele Interviewpartner:innen als abso­lute Notwendigkeit!

Dazu holen wir uns die Meinung eines Exper­tens ein, der selber schon rassis­ti­scher Diskri­mi­nie­rung ausge­setzt war.

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Experteninterview mit Mostafa Noori

Freizeitpädagoge mit Fluchterfahrung

Wir durf­ten mit Mostafa Noori, 25 Jahre alt, in Austausch gehen. Herr Noori ist als Frei­zeit­päd­agoge im Bereich Kinder- und Jugend­ar­beit in Wien tätig. Eben­falls arbei­tet er bei der Asyl­ko­or­di­na­tion in Wien. Seit 2015 beglei­tet er dort die Schul-Work­shops zum Thema Flucht & Asyl. Mit diesen soll das Bewusst­sein für die Situa­tion von geflüch­te­ten Menschen verstärkt werden.

Herr Noori kommt ursprüng­lich aus Afgha­ni­stan, verbrachte einige Zeit im Iran und lebt seit 2013 in Wien. Nach Öster­reich ist er als unbe­glei­te­ter, minder­jäh­ri­ger Flücht­ling gekom­men. 3 Jahre später hat er einen posi­ti­ven Asyl­be­scheid erhal­ten und ist seit­her als aner­kann­ter Geflüch­te­ter in fast allen Lebens­be­rei­chen gleich­ge­stellt mit öster­rei­chi­schen Staatsbürger:innen. Wählen darf er aller­dings nicht.

Mostafa Noori
25 Jahre
Wien
Mostafa Noori
25 Jahre
Wien

Amani: Haben Sie Tipps für junge Leute sich gegen Rassismus einzusetzen?

MN: Das ist eine sehr umfang­rei­che und schwie­rige Frage. Klar ist: Man kann in jedem Bereich aktiv werden. Wich­tig ist es, nicht zu schwei­gen, sondern seine Stimme zu erhe­ben, wenn man rassis­ti­sche Diskri­mi­nie­rung miter­lebt. Laut zu werden und die Betrof­fe­nen zu unter­stüt­zen, ist von großer Bedeu­tung. Denn die betrof­fe­nen Perso­nen trauen sich oftmals gar nicht, sich zu wehren. Das verlangt viel Mut und vor allem Soli­da­ri­tät von den ande­ren: Es ist hilf­reich, wenn Perso­nen aus dem Umfeld aufste­hen und sich dezi­diert äußern: „Das ist falsch.“ Dadurch wird auch die Person, die es betrifft, ermu­tigt sich zu wehren. Auch im öffent­li­chen Raum, im schu­li­schen Kontext oder im Freun­des­kreis können Zeichen gesetzt werden. In all diesen Berei­chen können alltäg­li­che Dialoge zum Thema helfen. Ein Beispiel dafür: Sich konkret äußern und sagen: „Dein Satz war gerade nicht poli­tisch korrekt und kann andere Menschen verlet­zen.“ Wir Menschen können einan­der auf solche Aussa­gen und Denk­wei­sen aufmerk­sam machen. Denn Diskri­mi­nie­rung kann sehr verlet­zend sein, vor allem im Schul­un­ter­richt. Noch einmal: Ihr jungen Leute müsst aktiv blei­ben und dürft euch auf keinen Fall den Mut nehmen lassen. Die Zukunft gehört uns jungen Menschen. Unsere Gesell­schaft wird immer bunter und viel­fäl­ti­ger. Somit bin ich der Über­zeu­gung, dass das Problem der rassis­ti­schen Diskri­mi­nie­rung in fünf­zig Jahren nicht mehr vorhan­den sein wird. Es liegt an uns gemein­sam, eine neue Welt zu erschaffen.

Aaron: Liegt Ihnen sonst noch etwas auf dem Herzen, dass Sie mit uns teilen möchten?

MN: Es ist wich­tig zu wissen, dass auch versteckte Rassis­men exis­tie­ren: Das bedeu­tet, dass diese nicht an offen­sicht­li­chen Merk­ma­len wie etwa der Haut­farbe oder der Haare fest­ge­macht werden. Deshalb ist es umso bedeu­ten­der eine Gesell­schaft gut zu kennen, um auch die versteck­ten Formen von rassis­ti­scher Diskri­mi­nie­rung zu begrei­fen. So diskri­mi­nie­ren nicht immer Hell­häu­tige, dunkel­häu­tige Menschen. Auch die Minder­hei­ten unter­ein­an­der haben teil­weise Probleme und diese müssen ange­spro­chen werden. In Öster­reich muss auch die rassis­ti­sche Diskri­mi­nie­rung zum Thema gemacht werden, die es inner­halb der einzel­nen (Volks-)Gruppen gibt. Auch hier ist es unum­gäng­lich, sich mit den Ausprä­gun­gen des Rassis­mus‘ ausein­an­der­zu­set­zen, um sie zu verste­hen. Das gilt beispiels­weise für die kurdi­sche Minder­heit in Öster­reich, die häufig Diskri­mi­nie­rung ausge­setzt ist und Unter­stüt­zung braucht. Spezi­ell in der Schule und im Unterricht.

Ein weite­res Beispiel für Diskri­mi­nie­rung: Es gibt Menschen aus der öster­rei­chi­schen Mehr­heits­ge­sell­schaft, die behaup­ten, dass Geflüch­tete nach Öster­reich kommen und für die Hilfe, die sie erhal­ten, nicht dank­bar sind. Wenn ich jedoch mit den Menschen, die solche Behaup­tun­gen aufstel­len, in den Dialog gehe, merke ich, dass sie selbst noch nie in Kontakt mit einem geflüch­te­ten Menschen waren. Sie sind medial nega­tiv beein­flusst. Ein gemein­sa­mes Gespräch kann Augen öffnen: Schon viele haben aufgrund einer gemein­sa­men Diskus­sion reali­siert, dass sie ihre Meinung über Geflüch­tete über­den­ken müssen. Wieder wird ersicht­lich: Menschen müssen stets mitein­an­der reden. Dann können sie Argu­mente und Gegen­ar­gu­mente austau­schen und Neues erfahren.

Hannah: Oftmals höre ich, dass Rassismus in Österreich — im Vergleich zu anderen Ländern — nicht so präsent ist. Aber mich würde interessieren, welche persönlichen Erfahrungen Sie in Österreich mit Rassismus gemacht haben?

MN: Dieser Meinung kann ich zustim­men. In alltäg­li­chen Situa­tio­nen habe ich in ande­ren Ländern Rassis­mus viel inten­si­ver wahr­ge­nom­men. Aus persön­li­cher Erfah­rung gespro­chen: In Öster­reich tritt eine andere Form des Rassis­mus‘ zu Tage, nämlich der Hass im Inter­net. Manch­mal lese ich ganz furcht­bar diskri­mi­nie­rende und rassis­ti­sche Kommen­tare im Inter­net. Ich gebe euch ein persön­li­ches Beispiel: Vor eini­gen Jahren habe ich Inter­views zum Thema „Flucht & Inte­gra­tion und das Leben in Öster­reich“ für öster­rei­chi­sche Print­me­dien gege­ben. Die Leser­schaft des jewei­li­gen Medi­ums konnte anschlie­ßend die Arti­kel online lesen und kommen­tie­ren. Teil­weise stan­den sehr verlet­zende Kommen­tare darun­ter. Das löste bei mir großes Unver­ständ­nis und Trau­rig­keit aus, weil die Gesprä­che eigent­lich vom „Ankom­men in Öster­reich“ handel­ten. Einige Menschen haben mir über das Inter­net sogar Todes­wün­sche geschickt und meine Fami­lie verbal belei­digt. Das war eine furcht­bare Zeit für mich. Die Kommen­tare haben mich sehr verletzt. Ein Problem ist hier­bei, dass die Menschen im Inter­net anonym schrei­ben und die hinter­las­se­nen Kommen­tare können nur schwer zurück­ver­folgt werden. Das war dann auch der Grund, warum ich aufge­hört habe, den Medien Inter­views zu geben.

Bezüg­lich Wohnungs­su­che möchte ich euch noch etwas erzäh­len. Mein Name, Mostafa Noori, reichte oftmals aus, damit mich andere spüren ließen: Okay, du musst wohl „ein musli­mi­scher Esel­trei­ber“ sein. Es war für mich sehr schwie­rig, eine Wohnung zu finden. Am Ende lief es darauf hinaus, dass ein Freund von mir eine Eigen­tums­woh­nung kaufte, in der ich jetzt auch wohnen kann. Auch im Bereich der Arbeits­su­che spielte der Name eine große Rolle.

Was ich damit sagen möchte: Im Bereich der Wohnungs- und Jobsu­che merkt man den versteck­ten Rassis­mus stark. Sehr häufig wurden mir Fragen gestellt, inwie­fern ich die Spra­che beherr­sche oder ob ich mich gut inte­griert habe. Ein posi­ti­ver Effekt ist mögli­cher­weise – versteck­ter Rassis­mus kann die Betrof­fe­nen krea­tiv machen.

Linda: Es gibt ja viele rassistische Begriffe: Wurden Sie schon einmal mit rassistisch beschimpft?

MN: Ich persön­lich wurde schon viele Male aufgrund meiner Herkunft diskri­mi­niert. Nicht aber aufgrund meiner Haut­farbe. Das liegt vermut­lich daran, dass ich eher hell­häu­tig bin. Beson­ders im Iran wurde ich aufgrund meiner afgha­ni­schen Herkunft diskri­mi­niert. Manch­mal auch in Öster­reich, wobei hier viel­mehr der isla­mi­sche Hinter­grund eine Rolle spielt(e).

Ich bin zwar Athe­ist, aber mein Name ist ja Mostafa und das war oftmals Grund genug, mich als „Scheiß Moslem“ zu beschimp­fen. Beispiels­weise hat mich meine Wirt­schafts­pro­fes­so­rin an der HAK drei Semes­ter lang immer Moham­med genannt. Das habe ich ebenso als diskri­mi­nie­rend empfun­den. Sie wollte sich meinen Namen offen­sicht­lich einfach nicht merken.

Hannah: Empfindest du es auch so, dass Menschen, vor allem in unserem Alter, sehr locker mit der Sprache umgehen und beispielsweise auch das N‑Wort verwenden? Ich persönlich verstehe aber nicht, warum man es überhaupt verwenden sollte. Es gibt keinen Grund dafür. Findest du auch, dass man damit vorsichtiger umgehen sollte, oder findest du, dass es „wichtigere Probleme“ gibt?

MN: Ich vertrete zu 100 Prozent die Ansicht, dass mit solchen Wörtern vorsich­ti­ger umge­gan­gen werden muss. Denn auch unge­wollt können diese sehr verlet­zend sein. Betrof­fene Menschen sagen mögli­cher­weise, dass für sie die Verwen­dung solcher Begriffe kein Problem sind. Dennoch gibt es genug Situa­tio­nen, in denen sie sich verletzt fühlen. Meiner Meinung nach haben wir solch ein Sprach­ge­brauch Anfang der 2000er weni­ger gehabt als gegen­wär­tig. Im Deutschrap wurden nicht so viele Begriffe wie etwa Ehren­wör­ter genutzt. Mitt­ler­weile werden Begriffe wie Ehren­mann oder ehren­los häufi­ger verwen­det. Dasselbe gilt für N‑Wörter. Leider hat die „neue“ Gene­ra­tion teil­weise frag­li­che Vorbil­der, aber auch das kann nicht verall­ge­mei­nert werden.

Bezo­gen auf diese Debatte fallen mir immer wieder die Worte meines Vaters ein, der zu sagen pflegte: “Lass dir ein Wort drei Mal durch den Kopf gehen und wende es erst dann an.” oder “Schme­cke dein Wort, wenn es gut schmeckt, dann sag es in die Welt hinaus.” In der persi­schen Spra­che gibt es sehr viele Gedichte über die Art und Weise wie Spra­che verwen­det werden sollte. Spre­chen empfinde ich als Kunst. Worte müssen gut und mit Bedacht gewählt sein, sonst könnte das Umfeld damit verletzt werden. Ich finde mit ande­ren Menschen mit Respekt zu spre­chen kann auch cool sein. So setzte ich mich viel mit jungen Leuten über ihre Spra­che ausein­an­der. Ich möchte sie verste­hen und in „ihren Schu­hen gehen“, damit wir gemein­sam einen ande­ren Weg ebnen können. Unab­ding­bar für mich ist es deshalb den Deutschrap zu hören, welchen ihr jungen Leute anhört, die sozia­len Medien zu verwen­den, die ihr jungen Leute verwen­det. Damit ich mich auskenne und ich Gesprä­che mit den jungen Leuten führen kann. Wer sich nicht auskennt, kann den heuti­gen Jugend­li­chen nichts beibrin­gen oder mit ihnen in den Dialog gehen, um Lösun­gen zu diskutieren.

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Was die (sozialen) Medien dazu sagen

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Kinder bringen es auf den Punkt. 

Es gibt 1.000 Antworten auf die Flüchtlingsfrage. Die einzig wahre liefert ein 4‑Jähriger! (HipHop​.de)

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Für uns ist es sonnen­klar: Biolo­gisch gese­hen gibt es keine Rassen, darüber ist sich heut­zu­tage auch die Wissen­schaft einig. Ursprüng­lich kann der Rassis­mus auf die Kolo­nia­li­sie­rung Afri­kas und Südame­ri­kas zurück­ge­führt werden. Weiße Euro­päer dran­gen in neue Länder vor und benö­tig­ten Menschen zur Ausbeu­tung der Rohstoffe in den erober­ten Gebie­ten. So wurden jahr­hun­der­te­lang Menschen versklavt, die unter den widrigs­ten Umstän­den leben und arbei­ten muss­ten. Der Gedanke, dass weiße Europäer:innen über­le­gen sind, berech­tigte ihre Vorge­hens­weise und verfes­tigte sich in den Köpfen. Die Idee, dass bestimmte Menschen aufgrund “ihrer Rasse” etwas Besse­res seien als andere, fand seinen Höhe­punkt ganz beson­ders in der grau­sa­men Vernich­tungs­po­li­tik des NS-Regimes.

Mitt­ler­weile ist es unum­strit­ten: Menschen in Rassen zu unter­tei­len ist falsch und basiert auf keiner wissen­schaft­li­chen Grund­lage. Dennoch wissen wir und haben durch die Meinun­gen der Gene­ra­tio­nen erfah­ren: Rassis­ti­sche Diskri­mi­nie­rung kommt auch noch heute in unter­schied­lichs­ter Gestalt vor! Gene­rell ist es wich­tig nicht zu verges­sen, dass Rassis­mus auch gegen­über hell­häu­ti­gen Menschen vorkom­men kann. Ein Beispiel: Auch Minder­hei­ten können Rassis­mus ausge­setzt sein, weil sie einer bestimm­ten (Volks-)Gruppe angehören.

Umso mehr müssen wir jungen Leute uns gegen Rassis­mus bekennen!

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Lösungsansätze entwickeln und sichtbar machen.

Was können wir selbst tun?

Ange­regt haben wir uns beim Walking&Talking darüber ausge­tauscht, welche Möglich­kei­ten es gibt, sich gegen Rassis­mus einzu­brin­gen. Durch das Einho­len der unter­schied­li­chen Ansich­ten und der Exper­ten­mei­nung wurden uns Lösungs­an­sätze noch­mals klar vor Augen geführt.

  • Infor­ma­tion und Aufklä­rung: Schon in den frühen Jahren, zB im Kinder­gar­ten, sollte man mit den Kindern begin­nen Rassis­mus zu thema­ti­sie­ren und aufzu­klä­ren, dass wir Menschen alle gleich sind und die glei­chen Rechte besit­zen. Je früher man damit beginnt, umso weni­ger werden rassis­ti­sche Hand­lun­gen von Kindern und Jugend­li­chen übernommen.
  • Nicht wegse­hen! Menschen, die nicht von rassis­ti­scher Diskri­mi­nie­rung betrof­fen sind, müssen für Betrof­fene einste­hen. Junge Leute sollen das Thema mit engen Bezugs­per­so­nen disku­tie­ren können. Beispiels­weise in der Schule mit dem Klas­sen­vor­stand oder mit der psycho­lo­gi­schen Pädago­gin. Sie können nach­fra­gen, ob Rassis­mus stär­ker im Unter­richt behan­delt werden kann.
  • Die Stimme erhe­ben, nicht schwei­gen und den Dialog suchen. Mit den Eltern und dem nahe­ste­hen­den Umfeld, wie etwa dem Freun­des­kreis, darüber spre­chen und sich austau­schen. Gut fundierte Argu­mente unter­stüt­zen die jungen Leute in der Diskus­sion gegen Rassis­mus. Ein gutes Beispiel: Rassis­mus passiert nicht nur gegen­über dunkel­häu­ti­ger Menschen.
  • Junge Leute können soziale Medien, wie etwa Insta­gram, nutzen, um gut recher­chierte Links zu Kampa­gnen und wich­ti­gen Arti­keln zu posten, die auf rassis­ti­sche Hand­lun­gen aufmerk­sam machen oder eine Anlei­tung geben, was dage­gen getan werden kann.
  • Work­shops mit Fachexpert:innen in der Schule wie etwa mit Mitarbeiter:innen vom Verein ZARA, machen das Thema für junge Leute greifbarer.
  • Allge­mein gilt in allen Lebens­si­tua­tio­nen: Die Stimme erhe­ben, wenn rassis­ti­sche Hand­lun­gen miter­lebt werden, ob beispiels­weise im Alltag oder in der Schule. Grund­sätz­lich ist es wich­tig: Nicht einschrei­ten, wenn die Situa­tion zu gefähr­lich erscheint. Dann lieber einen Erwach­se­nen oder die Poli­zei zu Hilfe holen.
  • Aufste­hen und aktiv sein! Junge Leute können laut werden und demons­trie­ren. Sie können auf die Straße gehen und sich fried­lich — aber auch mal aus vollem Halse für Gleich­be­rech­ti­gun­gen von allen Menschen und Grup­pen stark machen.
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Unterstützung holen.

Anlaufstellen für Betroffene und Menschen, die rassistische Diskriminierung miterleben

ZARA

Die öster­rei­chi­sche Bera­tungs­stelle ZARA, wurde 1999 gegrün­det, um jegli­che Arten von Rassis­mus zu bekämp­fen. Menschen, die Rassis­mus erle­ben können sich an den Verein wenden. Der Verein setzt sich außer­dem gegen Hass im Netz ein. Sie bera­ten dieje­ni­gen, welche von rassis­ti­schen Vorfäl­len betrof­fen sind!

Sollte jeman­den Rassis­mus im öffent­li­chen oder priva­ten Raum aufge­fal­len sein, kann man auf der Website um Rat fragen. Im Jahre 2020 haben sie mehr rassis­ti­sche Vorfälle, als in den letz­ten Jahren notiert. Dies ist jedoch, wie sie sagen, posi­tiv zu bewer­ten, weil es nichts darüber aussagt ob es tatsäch­lich zu mehr Über­grif­fen gekom­men ist sondern, dass Menschen öfter einge­schrit­ten sind. Wie etwa Black Lives Matter.

Link: https://​www​.zara​.or​.at/de

Change

Change ist eine Website bzw. Home­page, auf der Peti­tio­nen zu unter­schied­lich gesell­schaft­lich wich­ti­gen Themen bereit­ge­legt werden. Als die “Black Lives Matter” Welle begann, setzte sich Change stark für die Bekämp­fung von Rassis­mus ein. Auf dem Insta­gram Account posten sie beispiels­weise oft kleine Berichte von rassis­ti­schen Taten, die passie­ren. Dazu passende Peti­tio­nen gibt es auf der Homepage.

Link: change​.org

Hotline gegen Diskriminierung und Intoleranz

Die im Bürger­ser­vice des Bundes­kanz­ler­am­tes veror­tete Hotline stellt eine Platt­form zur Verfü­gung, wo Betrof­fene von Diskri­mi­nie­rung aufgrund ihrer ethni­schen Zuge­hö­rig­keit, Herkunft oder Reli­gion Vorfälle melden können. Diese werden an für sie rich­tige Stel­len weiter­ge­lei­tet, die für ihre Rechte einstehen.

Link: https://​www​.bundes​kanz​ler​amt​.gv​.at/​s​e​r​v​i​c​e​/​h​o​t​l​i​n​e​-​g​e​g​e​n​-​d​i​s​k​r​i​m​i​n​i​e​r​u​n​g​-​u​n​d​-​i​n​t​o​l​e​r​a​n​z​.​h​tml

Dokustelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus

Das Gespräch mit dem Exper­ten hat uns gezeigt, dass rassis­ti­sche Hand­lun­gen nicht nur wegen opti­schen Merk­ma­len statt­fin­det. Sondern auch aufgrund der Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit. Umso wich­ti­ger ist die Bera­tungs- und Doku­men­ta­ti­ons­stelle für Menschen, die von Islam­feind­lich­keit oder anti­mus­li­mi­schem Rassis­mus betrof­fen sind.

Link: https://​dokustelle​.at/

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Ein Beitrag von

Aaron Mafitabar, Amani Siddig, Hannah Dunkler und Linda Molnar

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Kinderarbeit — laut Kinderrechten nicht erlaubt

und jetzt?

Ein Beitrag von
Aaron Mafitabar und Hannah Dunkler

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218 Millio­nen Kinder und Jugend­li­che arbei­ten auf der Welt. Unge­fähr 152 Millio­nen darun­ter, arbei­ten unter schlech­ten Arbeits­be­din­gun­gen und/​oder ohne schu­li­sche Bildung. Die meis­ten arbei­ten, um Geld zu verdie­nen. Der Gehalt ist, im Vergleich zu dem was die Menschen dort voll­brin­gen, oft viel zu gering.

Oft unter­stüt­zen Kinder ihre Fami­lie, um zu über­le­ben, weswe­gen viele von ihnen arbei­ten müssen. Wenn dies notwen­dig ist, soll­ten sie aber nicht solch unzu­mut­ba­ren, gesund­heits­schäd­li­chen Arbeits­be­din­gun­gen ausge­setzt sein. Oft sind die arbei­ten­den Kinder viel zu jung, um solch einem Alltag zu bewäl­ti­gen und haben noch dazu keinen Zugang zu schu­li­scher Bildung. Wir glau­ben, glück­lich ist dabei kein Kind.

Auf der Suche nach Lösun­gen und Antwor­ten haben wir Menschen unter­schied­li­cher Alters­grup­pen dazu befragt:

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Gehört Kinderarbeit abgeschafft? 

Wenn ja, warum?

Esther
13 Jahre
Wien
Esther
13 Jahre
Wien

Kinder­ar­beit gehört meiner Meinung nach dann abge­schafft, wenn Betriebe schlechte Bedin­gun­gen bieten. Teil­weise werden nicht einmal Kran­ken­ver­si­che­run­gen zur Verfü­gung gestellt.

Was sind faire Arbeitsbedingungen?

Bedeut­sam finde ich ist es, dass die Arbeits­at­mo­sphäre ange­nehm ist. Genug Pausen, Schlaf und Essen muss auch vorhan­den sein. Ein wich­ti­ger Punkt ist auch, dass die Kinder frei­wil­lig arbeiten.

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Teni
16 Jahre
Wien
Teni
16 Jahre
Wien

Wenn man unter Kinder­ar­beit versteht, dass man ab 15 Jahren Erfah­run­gen im Berufs­le­ben sammelt, dann bin ich gegen eine Abschaf­fung. Aber Kinder­ar­beit wie sie in vielen 2. bzw. 3. Welt­län­dern exis­tiert, ist keine ange­mes­sene Situa­tion für Kinder.

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Angela
17 Jahre 
Wien
Angela
17 Jahre 
Wien

Viele Kinder arbei­ten in Berg­wer­ken, damit sie ihre Fami­lien weiter­hin unter­stüt­zen können. Doch meist sind die Arbeits­be­din­gun­gen auf den Arbeits­plät­zen schlecht. Ich bin davon über­zeugt, dass das Mithel­fen zum Beispiel im Haus­halt keine Kinder­ar­beit ist, da die Kinder in diesem Fall nicht um ihr Leben arbei­ten. Ich denke, dass Kinder mit 15 Jahren begin­nen können zu arbei­ten, solange die Verrich­tung, die sie leis­ten, sie nicht zu über­an­strengt. Außer­dem dürfen Kinder nicht wie Tiere oder wie einfa­che Arbeits­kräfte behan­delt werden.

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Hannah
14 Jahre 
Wien
Hannah
14 Jahre 
Wien

Ich habe viel über das Thema nach­ge­dacht und mir Meinun­gen von ande­ren Menschen ange­hört. Mitt­ler­weile bin ich zu dem Entschluss gekom­men, dass es eigent­lich kata­stro­phal ist, dass Kinder arbei­ten müssen, um ihre Fami­lien zu unter­stüt­zen und dann noch so schlimme und anstren­gende Arbeit. Alle Kinder soll­ten das Recht haben sich komplett auf ihre Bildung zu konzen­trie­ren und eine freie Kind­heit ohne schwere Arbeit, die norma­ler­weise Erwach­sene leis­ten zu haben.

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Aaron Mafita­bar
15 Jahre
Wien
Aaron Mafita­bar
15 Jahre
Wien

Wenn ich länger darüber nach­denke, denke ich, dass Kinder­ar­beit abge­schafft werden sollte, da die Kind­heit der Kinder dadurch nega­tiv und stark beein­flusst wird. Jedoch arbei­ten diese Kinder, damit sie ihre Fami­lien unter­stüt­zen! Ich finde man sollte die Länder, in denen Kinder­ar­beit exis­tiert, so gut wie möglich unter­stüt­zen, um Kinder­ar­beit zu stoppen.

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Lui
Vater von 3 Kindern
Wien
Lui
Vater von 3 Kindern
Wien

Kinder­ar­beit gehört abge­schafft! Jedoch ist die Frage welche Arbei­ten zur Kinder­ar­beit zählen. Ich denke es kommt darauf an, ob die Kinder in ihrer Frei­zeit arbei­ten und ob die Arbeit die Kinder dadurch mental und physisch beeinflusst.

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Magda­lena
Mutter von 2 Kindern
Wien
Magda­lena
Mutter von 2 Kindern
Wien

Grund­sätz­lich finde ich das Kinder­ar­beit abge­schafft gehört, da die Kind­heit ein wich­ti­ger Abschnitt im Leben ist. Die Kind­heit sollte einen geschütz­ten Rahmen haben! Ich denke, dass es gut ist, wenn ein Kind im Haus­halt etwas beiträgt. Ich finde jedoch, dass etwas grund­le­gen­des im System geän­dert werden muss, damit es gar nicht erst zu Kinder­ar­beit kommt.

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Marga­rita
Mutter von 3 Kindern
Wien
Marga­rita
Mutter von 3 Kindern
Wien

Ich finde schon, dass Kinder­ar­beit abge­schafft werden sollte, da es nicht den Menschen­rech­ten entspricht. Kinder befin­den sich in einer Wachs­tums­phase, in der sie geis­tig sowohl wie körper­lich sich entwi­ckeln und Kinder­ar­beit diese verhindert.

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Hertha (70+)
Wien
Hertha (70+)
Wien

Für Kinder ist es meiner Meinung nach, keine rich­tige Option zu arbei­ten! Selbst wenn es gute Arbeits­be­din­gun­gen geben sollte. Ich bin davon über­zeugt, dass Kinder bis 18 Jahren nicht arbei­ten sollten.

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Wir finden Kinder­ar­beit gehört abge­schafft, da man in solch jungen Jahren das Recht haben sollte sich voll­kom­men auf die Bildung und allge­mein auf die eige­nen Bedürf­nisse zu konzen­trie­ren. Außer­dem erlebt man eine Entwick­lungs­phase, in der Kinder­ar­beit einfach unvor­teil­haft und unpas­send ist. Dazu noch so schwere Arbeit. Jedes Kind sollte eine freie Kind­heit haben. Uns ist bewusst, dass die Fami­lien trotz­dem Geld brau­chen, weswe­gen wir es in Ordnung finden, wenn Jugend­li­che ab 15/16 mit fairen Arbeits­be­din­gun­gen und mit einer weite­ren schu­li­schen Bildung arbei­ten können, solange es sie nicht über­an­strengt oder mental beeinträchtigt.

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Perspektive gewinnen, was wissen wir?

In Bangla­desch zum Beispiel arbei­ten viele Menschen in Leder­fa­bri­ken, auch Kinder. Es kommen viele Chemi­ka­lien für die Bear­bei­tung des Leders zum Einsatz, welche ohne Schutz­klei­dung sehr aggres­siv auf die Haut reagie­ren. Die Arbei­ter und Arbei­te­rin­nen verbrin­gen mehrere Stun­den täglich in solchen Zustän­den, für einen inak­zep­ta­bel Lohn. Solche Unge­rech­tig­kei­ten gibt es aber leider nicht nur in der Arbeit in Leder­fa­bri­ken. Im Norden Indi­ens arbei­ten Kinder in der Gewin­nung und Herstel­lung von Ziegel­stei­nen, in der pral­len Sonne und das ohne Pausen. Kinder­ar­beit exis­tiert an sehr vielen Orten. Groß­teils ins Asien und Afrika, aber auch in Teilen von Südame­rika. Die meis­ten Kinder arbei­ten in der Land­wirt­schaft. Viele aber auch in Mode­bran­chen und in Gold­mie­nen oder Berg­wer­ken. Allge­mein exis­tiert Kinder­ar­beit vor allem in großen Firmen, also in Massen­pro­duk­tio­nen. Es gibt sehr viele Repor­ta­gen, die einem das Thema Kinder­ar­beit näher­brin­gen. Auf manchen Websites finden man auch Spen­den­ak­tio­nen, die die Fami­lien in ärme­ren Ländern unter­stüt­zen sollen.

Wieviele Kinder arbeiten auf der Welt?

Unge­fähr 218 Millio­nen arbeiten,152 Millio­nen unter sehr schlech­ten Bedingungen.

Wo auf der Welt gibt es Kinderarbeit?

Genau kann man es nie sagen, aber haupt­säch­lich in Afrika und Asien (stark in Bangla­desch und Indien) und in Teilen von Südamerika

In welchen Branchen gibt es besonders viel Kinderarbeit?

Oft in z.B. Gold­mi­nen, weil man da klei­nere Menschen braucht mit guter Ausdauer, dann groß­teils in der Land­wirt­schaft, aber auch in der Modeindustrie.

Gibt es in Österreich Kinderarbeit?

Kann man nicht immer genau sagen, aber Kinder­ar­beit wie sie in Bangla­desh exis­tiert, gibt es in Öster­reich nicht.

Was wird dagegen getan?

Menschen von Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen wie Kinder­not­hilfe helfen oft in ärme­ren Gebie­ten und unter­rich­ten Kinder, die Öffent­lich­keit wird über Repor­ta­gen infor­miert, mit Spen­den­ak­tio­nen soll gehol­fen werden.

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Experteninterview mit Herrn Dr. Krappmann

interviewt von Aaron und Hannah

Kinder­recht; Sozio­lo­gie; Pädago­gik; Theo­lo­gie; Soziale und mora­li­sche Entwick­lung von Kindern
Lothar Krapp­mann wurde 2003 als eines von 18 Mitglie­dern in den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes gewählt.

Lothar Krapp­mann, Deutschland
Lothar Krapp­mann, Deutschland

Aaron: Wir wollen Sie fragen, ob es Ihrer Meinung nach das Recht auf Arbeit für Kinder unter bestimmten Umständen geben sollte? Wenn ja, unter welchen?

Das ist ein sehr kompli­zier­tes Thema. Es hat viele unter­schied­li­che Aspekte: Es geht um Arbeit, um Schule & Bildung, um Armut sowie um Ausbeu­tung der Kinder. Die Kinder­rechts­kon­ven­tion lässt Kinder­ar­beit zu. In Arti­kel 32 steht: Die Staa­ten sollen fest­le­gen, ab welchem Alter Kinder arbei­ten dürfen. Damit ist eine Erwerbs­be­schäf­ti­gung gemeint, nicht das Mithel­fen zu Hause oder klei­nere Beschäf­ti­gun­gen, mit denen ein biss­chen Taschen­geld verdient wird. Die zweite Bestim­mung besagt, Kinder müssen immer vor ausbeu­te­ri­scher und unzu­mut­ba­rer Arbeit geschützt werden, weil sie unge­recht ist und ihrer Entwick­lung scha­det. Die Staa­ten entschei­den, welches Alter sie hier­bei anset­zen. Die Welt­ar­beits­or­ga­ni­sa­tion hat dafür Regeln ausge­ar­bei­tet. Erwerbs­ar­beit nicht unter fünf­zehn Jahren. Leich­tere Beschäf­ti­gun­gen können schon ab dem drei­zehn­ten oder sogar zwölf­ten Lebens­jahr zuge­las­sen werden.

Nach allge­mei­ner Meinung sollte die Voll­zeit­er­werbs­tä­tig­keit mit dem Ende der Schul­pflicht abge­stimmt werden. Schul­bil­dung wird in unse­rer kompli­zier­ten Welt immer wich­ti­ger. Sowohl im Bereich der Arbeit stei­gen die Anfor­de­run­gen, und auch für die demo­kra­ti­sche Betei­li­gung als Bürger muss man viel wissen und können. Aber – und jetzt kommt das aber – man muss auch (über)leben können. Kinder­ar­beit ist vor allem eine Folge von Armut. Fami­lien brau­chen Einkom­men und Auskom­men. Diese zwei Aspekte klaf­fen oftmals weit ausein­an­der. Gute Schul­bil­dung ist nötig, aber die Menschen brau­chen auch Geld zum Über­le­ben. In vielen Ländern dieser Welt ist es schwer, dies in einen befrie­di­gen­den Ausgleich zu bringen.

Zum einen sollen also Kinder so lange wie möglich in die Schule gehen, um gut auf die Arbeits­welt und auf ihre aktive Bürger­schaft vorbe­rei­tet zu werden. Zum ande­ren suchen Fami­lien Auswege, um ihren Lebens­un­ter­halt zu sichern. Und so kommt es, dass auch Kinder oft unter sehr schlim­men Bedin­gun­gen arbei­ten müssen.

Manche Staa­ten stehen unter beson­ders massi­vem Druck, wie etwa Boli­vien. Dort erlaubte man Kindern lange Zeit, schon ab zehn Jahren voll zu arbei­ten. Man wollte damit errei­chen, dass Kinder eine zuge­las­sene Möglich­keit haben, einen erträg­li­chen, kontrol­lier­ten Arbeits­platz zu finden und nicht in schlim­men Verhält­nis­sen ausge­beu­tet werden. Gene­rell bemü­hen sich viele Staa­ten darum, Kontrolle im Arbeits­be­reich von Kindern auszu­üben, aller­dings oft auch nach­läs­sig. Es gibt dennoch viele Grau­be­rei­che und üble Arbeits­ver­hält­nisse, in denen Kinder auf keinen Fall landen soll­ten. Daher meinte man, mit zuge­las­se­ner Arbeit ab 10 Schlim­me­res verhin­dern zu können. Noch einmal: Es ist drin­gend, dass Kinder so lange wie möglich in die Schule gehen. Die Poli­tik muss dieses Ziel verfol­gen, auch wenn das in bestimm­ten Staa­ten sehr schwie­rig ist.

Ein ganz wich­ti­ger Grund­satz ist, dass über alle Maßnah­men mit den betrof­fe­nen Kindern gespro­chen wird. Das verlangt mit Nach­druck die Kinder­rechts­kon­ven­tion. Sie verlangt, dass die Meinung der Kinder einge­holt wird. Kinder stehen unter Druck, sie wollen in die Schule gehen, sie wünschen sich sicher auch Kinder­le­ben. Aber sie wollen auch Verant­wor­tung für ihren Fami­lien mitüber­neh­men. Die Kinder haben Vorstel­lun­gen darüber, welche Art von Arbeit sie leis­ten können. Sie können Miss­stände nennen und haben auch Ideen, welche besse­ren Möglich­kei­ten es für sie geben könnte. Büro­kra­ti­sche Maßnah­men oder Gerichts­ent­schei­dun­gen liegen oft dane­ben. Wenn die Probleme nicht mit den Kindern gemein­sam gelöst werden, kann das großen Scha­den anrichten.

Hannah: Erachten Sie Spendenaktionen gegen Kinderarbeit als sinnvoll? Und falls nicht, können Sie uns dann begründen warum?

Die Probleme lassen sich nicht mit Spen­den­ak­tio­nen behe­ben. Fami­­lien- und Kinder­ar­mut kann nicht durch Spen­den besei­tigt werden. Da spie­len viele Aspekte eine Rolle, die nicht mit Spen­den­gel­dern beho­ben werden können. Es geht um Wirt­schafts­po­li­tik und soziale Ungleich­heit, um den Ausbau des Bildungs­we­sens und eine unter­stüt­zende Fami­li­en­po­li­tik. Für all das sind Gesetze, Arbeits­plätze, Kontrol­len, Gerichte erfor­der­lich, nicht Spendengelder.

In manchen Situa­tio­nen können Spen­den schnell helfen. Eine Reihe von Orga­ni­sa­tio­nen haben große Erfah­rung, in Notsi­tua­tio­nen oder Kata­stro­phen schnell das Nötigste herbei­zu­schaf­fen, etwa bei Erdbe­ben, Dürre, Krieg oder Vertrei­bung. Arme Staa­ten sind da oft über­for­dert. In diesen Notla­gen ist es drin­gend, gerade auch Kinder und ihre Fami­lien zu unter­stüt­zen. Kinder soll­ten auch möglichst bald wieder in die Schule gehen können. Einige dieser Orga­ni­sa­tion sagen, Ausrüs­tun­gen für Schu­len und nicht nur Zelte, Woll­de­cken und Lebens­mit­tel soll­ten zur ersten Hilfe gehö­ren. für grund­le­gende Probleme sind Spen­den nicht das geeig­nete Mittel.

Ich möchte jedoch noch auf etwas ande­res aufmerk­sam machen: Kinder arbei­ten oftmals mit einem gewis­sen Stolz. Sie bewei­sen, dass sie sich selber und ihren Fami­lien helfen können. Manch­mal leben Kinder auf der Straße, weil sie ihre Eltern entlas­ten wollen, die es nicht schaf­fen, für sie zu sorgen. Sie über­neh­men es selbst. Manch­mal unter schlim­men Bedin­gun­gen. Es kann aber durch­aus sein, dass sie durch diese Tätig­kei­ten manches Lernen, was sie fürs Leben gebrau­chen können, was aber die Schule nicht hätte vermit­teln können. Manch­mal sind diese Kinder sogar froh, einen guten Grund zu haben, die Schule zu verlas­sen, denn in vielen Ländern, wo die Armut groß ist, bieten auch die Schu­len nicht viel, schlecht ausge­bil­dete Lehrer, prügelnde Lehrer, kein Unter­richts­ma­te­rial, manch­mal kein Wasser, keine Toiletten.

Noch einmal: Kinder und ihre Arbeit: Da spie­len so viele Dinge mit. Unum­strit­ten bleibt, dass es wirk­lich wich­tig ist, dass alle Kinder lange genug in die Schule gehen können, um notwen­di­ges Wissen zu erwer­ben. Aber dieses Ziel darf nicht zu irgend­ei­ner Form der Abwer­tung dessen führen, was Kinder leis­ten, die zu einer Zeit, in der wir sie lieber in einer guten Schule sähen, mithel­fen, eige­nes Über­le­ben und oft auch das ihrer Fami­lie zu sichern. Das muss aner­kannt und wert­ge­schätzt werden. Manch­mal denke ich, man sollte nicht nur Kinder oder Jugend­li­che auszeich­nen, die bemer­kens­werte Schul­leis­tun­gen brin­gen, sondern auch junge Menschen, die es trotz schwie­ri­ger Umstände schaf­fen, für sich und andere Verant­wor­tung zu über­neh­men. Das darf für die Poli­tik aller­dings keine Ausrede werden. Die Regie­run­gen stehen in der Verant­wor­tung, den Kindern und Jugend­li­chen einen Entwick­­lungs- und Lebens­weg zu eröff­nen, der ihnen einen guten Platz in ihrer Gesell­schaft sichert.

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00:09​
Welche Maßnah­men soll­ten gegen Kinder­ar­beit gesetzt werden?

05:15​
Kinder­ar­beit und Fastfashion

08:50​
Der UN Kinder­rechts­aus­schuss weist darauf hin: Man muss mit den Kindern reden. Mit ihnen zusam­men muss nach Lösun­gen gesucht werden.

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Medienberichte / Videobeiträge zeigen unterschiedliche Perspektiven auf

Wie ist es nun mit der Kinder­ar­beit auf dieser Welt?

Es gibt viele Meinun­gen und Perspek­ti­ven. In Boli­vien hat man ein Recht auf Arbeit für Kinder beschlos­sen und begrün­det dies damit, dass die arbei­ten­den Kinder so bei der Arbeit geschützt wären. Aber ist das wirk­lich so? Und wie geht es den arbei­ten­den Kindern in ande­ren Ländern?

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Kinderarbeit | Fragestunde | ARTE Junior

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Was können wir selbst tun?

Esther
13 Jahre
Wien
Esther
13 Jahre
Wien

Wir könn­ten an Orga­ni­sa­tio­nen Geld spen­den, damit die nöti­gen Arbeits­be­din­gun­gen einge­führt werden und Kinder nicht mehr arbei­ten müssen.

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Hannah
14 Jahre
Wien
Hannah
14 Jahre
Wien

Ich finde, dass der Staat mit even­tu­ell sogar gespen­de­tem Geld ärmere Fami­lien, die auf das Geld ange­wie­sen sind, unter­stüt­zen sollte. Ille­gale, unfaire Kinder­ar­beit kann ich in meiner Posi­tion nicht abschaf­fen, aber ich kann mich näher mit dem Thema ausein­an­der­set­zen und andere Leute über dieses Thema aufklä­ren. Auch können wir unser Konsum­ver­hal­ten anpas­sen, um Betriebe die Kinder­ar­beit zulas­sen nicht mehr zu unterstützen.

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Aaron
15 Jahre
Wien
Aaron
15 Jahre
Wien

Span­nend wäre es, wenn verschie­dene Orga­ni­sa­tio­nen sich zusam­men­schlie­ßen und sich mit dem Thema Kinder­ar­beit beschäf­ti­gen würden. Demons­tra­tio­nen gegen Kinder­ar­beit, denke ich, könn­ten auch helfen.

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Lui
Vater von 3 Kindern
Wien
Lui
Vater von 3 Kindern
Wien

Die Euro­päi­sche Union sollte ernste und hohe Stra­fen einfüh­ren, wenn in Firmen Kinder­ar­beit existiert.

Magda­lena
Mutter von 2 Kindern
Wien
Magda­lena
Mutter von 2 Kindern
Wien

Um die Umstände unter diesen Kinder arbei­ten zu ändern, müsste man meiner Meinung nach, die Leute zu dem Thema erst­mal aufklä­ren und ihnen die nöti­gen Infor­ma­tio­nen geben.

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Marga­rita
Mutter von 3 Kindern
Wien
Marga­rita
Mutter von 3 Kindern
Wien

Um Kinder­ar­beit zu stop­pen, die Kinder daran hindert ihr Recht auf Bildung wahr­zu­neh­men, müsste man eine verpflich­tende Bildung und den Kindern eine gesi­cherte Exis­tenz geben.

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Wie kann lernen künftig gehen? 

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Sich selbst organisieren, in digitales Lernen eintauchen und niemanden zurücklassen.

Nach mehre­ren Wochen Lock­down sind die meis­ten Schüler*innen wieder in ihre Klas­sen zurück­ge­kehrt. Endlich. Klar ist, wer unter­rich­tet, lernt oder zu Hause unter­stützt: Schule online ist ein enor­mer Mehr­auf­wand. Nun dürfen die jungen Leute wieder ihrem Schul­all­tag nach­ge­hen. Neue Regeln stehen auf der Tages­ord­nung, wie etwa das Desin­fi­zie­ren der Hände oder das Abstand­hal­ten von mindes­tens einem Meter. Unzwei­fel­haft ist, dass digi­tale Kompe­ten­zen in Zukunft stär­ker in den Fokus rücken werden. Wir haben nach­ge­fragt. Die jungen Leute und die Erwach­se­nen­welt berich­ten, wie sie die Zeit im Home­schoo­ling erlebt haben.

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Was hat ihnen Kopfzerbrechen bereitet und wo sehen sie Lösungen 

für Herausforderungen, die durch das Online-Lernen entstanden sind? 

Vikto­ria Ganahl, 14 Jahre
Walgau
Vikto­ria Ganahl, 14 Jahre
Walgau

Die größte Verän­de­rung bei uns zu Hause ist, dass ich und meine kleine Schwes­ter nicht mehr zur Schule gehen. Ich lerne in meinem Zimmer, teile mir meine Aufga­ben selbst ein – habe aber nicht unbe­dingt weni­ger zu tun als sonst. Ich vermisse manch­mal die Schule, meine Freunde und meinen Geigen­un­ter­richt, der nur noch sehr einge­schränkt statt­fin­det. Mir ist bewusst gewor­den, dass es Luxus ist, zur Schule gehen zu können.

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Eldin Cause­vic, 15 Jahre
Bregenz
Eldin Cause­vic, 15 Jahre
Bregenz

Das E‑learning ist einfach eine große Heraus­for­de­rung, weil das ganz neu für mich ist. Meiner Meinung nach geben auch die Lehre­rIn­nen mehr Aufga­ben als davor. Wir müssen das alle noch lernen.

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Marie Perte­rer, 15 Jahre
Bregenz
Marie Perte­rer, 15 Jahre
Bregenz

Ich werde das wohl nie wieder sagen, aber ich vermisse die Schule und meine Freunde. Der Online­un­ter­richt ist sehr heraus­for­dernd, weil es viel schwe­rer ist, sich zu moti­vie­ren und an den Dingen dran zu blei­ben. Die Umstel­lung auf digi­ta­len Unter­richt ist für einige Schüler*innen eine Hürde.Viele von uns können den Laptop der Eltern verwen­den. Die, die aber die tech­ni­sche Ausrüs­tung zu Hause nicht haben, sind nicht erreich­bar und verpas­sen den Unter­richt. Das muss man lösen und die jungen Leute vor dem Durch­fal­len schützen.

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Noelia, 13 Jahre
Graz
Noelia, 13 Jahre
Graz

Ich wollte zuerst immer alles gleich machen: wenn ich eine Haus­auf­gabe bekom­men habe, habe ich sie immer direkt erle­digt. Das ist am Anfang auch gut gegan­gen. Bloß als dann viele Haus­auf­ga­ben gleich­zei­tig waren, war ich einfach gestresst und habe ange­fan­gen, mir die Sachen einzu­tei­len. Wir hatten dann das Problem, dass ich die ganze Zeit über auf dem alten Compu­ter arbei­ten musste. Das ist leider nicht so gut gegan­gen, alles war immer so langsam.

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Simon Cana­val
Lehrer BORG Hegelgasse 
Wien
Simon Cana­val
Lehrer BORG Hegelgasse 
Wien

Die Umstel­lung vom regu­lä­ren Unter­richt auf e‑learning birgt meiner Meinung nach Chan­cen und Risi­ken. Gerade SuS aus bildungs­fer­nen, einkom­mens­schwa­chen Fami­lien sind im Moment kaum oder gar nicht erreich­bar und fallen Woche für Woche weiter zurück. Am schwers­ten für mich als Lehr­kraft ist via e‑learning den realen Lern­fort­schritt zu über­prü­fen. Was mich posi­tiv stimmt sind die Stim­men der Schü­le­rin­nen, die die Schule vermis­sen und die sich schon wieder auf einen regu­lä­ren Schul­be­trieb und das soziale Mitein­an­der freuen.

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Susanne Himmel­bauer
Lehre­rin AHS Kenyongasse 
Wien
Susanne Himmel­bauer
Lehre­rin AHS Kenyongasse 
Wien

In der Phase des „Home­schoo­ling“ ist mir beson­ders klar gewor­den, wie wich­tig für mich als Pädago­gin der direkte Kontakt und das gemein­same Arbei­ten in der Schule ist. Was ich beim Erstel­len und Korri­gie­ren der Aufga­ben am Bild­schirm und auch beim virtu­el­len Zusam­men­tref­fen mit meinen Schüler*innen am meis­ten vermisse, ist das unmit­tel­bare und direkte Feed­back. An der Haltung, am Blick, lässt sich konti­nu­ier­lich Über- oder Unter­for­de­rung, Lange­weile, Ener­gie­lo­sig­keit genauso wie Lust, Verste­hen und Moti­va­tion ablesen.

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Für über zwei Monate wurde der gesamte Unter­richt in die virtu­elle Welt verla­gert. Den jungen Leuten entfällt die Schule als Lern‑, Austausch– und Lebens­raum. Von ihnen wird Eigen­stän­dig­keit und Selbst­or­ga­ni­sa­tion gefor­dert. Sorge berei­tet vielen: wenn Schüler*innen über lange Zeit nicht mehr erreich­bar sind. Die Lern­fort­schritte können nicht mehr rich­tig über­prüft werden und das persön­li­che Feed­back bleibt aus.

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Perspektive gewinnen: Was wissen wir?

Im Gespräch mit der Bildungspsychologin, Frau Prof. Dr. Spiel

1. Welche Auswir­kun­gen hat Home­schoo­ling auf die jungen Leute? Welche Hürden werden sicht­bar? Welche Chan­cen tun sich auf?

2. Welche Maßnah­men soll­ten sofort umge­setzt werden, um auf eine weitere Phase des Online-Lernens gut vorbe­rei­tet zu sein?

3. War die Wieder­eröff­nung der Schu­len, kurz vor den Sommer­fe­rien, eine gute Entscheidung?

4. Schüler*innen, die während der Corona-Zeit zurück­ge­fal­len sind: Wie können sie konkret unter­stützt werden?

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Was die Medien dazu sagen

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Erkenntnisse

Deut­lich wird: Wir müssen uns weiter­hin an Regeln wie an den Mindest­ab­stand halten. Warum? Um sich selbst und die Menschen im Umfeld zu schüt­zen. Deshalb gelten auch jetzt noch stren­gere Aufla­gen an den Schu­len. Der Schicht­be­trieb an den Schu­len wird eingeführt.

Die Krise zeigt, dass junge Leute in ihrer Selbst­or­ga­ni­sa­tion, im regu­lä­ren Schul­be­trieb schon, unter­stützt werden müssen. Wich­tig ist auch, dass digi­tale Fähig­kei­ten der Betei­lig­ten gestärkt werden.

Es steht außer Frage: die Schule bleibt uner­setz­bar. Sie gibt Raum für Struk­tur, Team­ar­beit und direkte Resonanz.

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Auf der Suche nach Lösungen

Nun müssen Wege gefun­den werden, wie wir über einen länge­ren Zeit­raum hinweg gut mit dem Virus leben können. Das betrifft auch die Schule und die Art des Lernens. Junge Leute erzäh­len was sie bei einem weite­ren Mal Home­schoo­ling verän­dern würden und auch die Erwach­se­nen­welt hält einige Lösun­gen bereit.

Julia Domig, 14 Jahre
Walgau
Julia Domig, 14 Jahre
Walgau

Wenn Home­schoo­ling wieder notwen­dig wäre, dann sollte von Anfang an die Möglich­keit bestehen, einen Laptop der Schule auszu­lei­hen um den Online­un­ter­richt abzu­hal­ten. Wenn das gut vorbe­rei­tet ist, dann funk­tio­niert es eigent­lich ziem­lich gut.

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Lene Gruber, 11 Jahre
Bregenz
Lene Gruber, 11 Jahre
Bregenz

Also eigent­lich soll­ten wir den Lehrer*innen, wenn wir wieder mal Zuhause sind, unsere Mathe­bü­cher und Hefte schi­cken können, damit sie sie dann kontrol­lie­ren können, damit nicht alles online statt­fin­den muss.

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Paulina Fraisl, 11 Jahre
Walgau
Paulina Fraisl, 11 Jahre
Walgau

Was mich persön­lich etwas gestört hat, war, dass man unzäh­lige Blät­ter ausdru­cken musste, einscan­nen und wieder verschi­cken. Danach lande­ten sie im Müll.

Die Lehrer soll­ten uns Schü­lern Lern­pa­kete gesam­melt schi­cken und einen Abga­be­ter­min verein­ba­ren, sodass wir uns die Zeit gut eintei­len können. Die Online Stun­den würde ich mir in regel­mä­ßi­gen Abstän­den vorstellen.

Auch wäre toll, wenn Schu­len hier zusam­men arbei­ten würden, um das Home­schoo­ling zu verein­fa­chen. Zum Beispiel einheit­li­che Platt­for­men für alle. Das ist nicht so verwirrend.

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Noelia, 13 Jahre
Graz
Noelia, 13 Jahre
Graz

Norma­ler­weise gehe ich zur Stunde hin und dann haben wir dort den Unter­richt. Und jetzt, daheim, hat mir niemand gesagt: „Du musst jetzt das machen“. Ich glaube, ich brau­che mehr den Druck von außen. Ich hab probiert, mich selber aufzu­raf­fen für solche Sachen. Ich glaube, das hat sich bei mir in der Coro­na­krise gebessert.

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Chris­tian Höpperger
Direk­tor NMS Mittelweiherburg 
Hard
Chris­tian Höpperger
Direk­tor NMS Mittelweiherburg 
Hard

Wollen wir künf­tig das Thema Home­schoo­ling im regu­lä­ren Unter­richt nutzen, dann müssen wir gewähr­leis­ten, dass alle Kinder die Vorset­zun­gen haben. Dann sind Land und Bund auch zustän­dig, dass Kinder funk­tio­nie­rende Geräte verfüg­bar haben. Die Form des Lernens ist eine völlig andere in diesem Bereich.
Das heißt auch: An den Schu­len muss das selbst­or­ga­ni­sie­rende Lernen viel stär­ker in den Fokus rücken. Wenn Kinder das nicht gelernt haben, dann schaf­fen sie das zu Hause nicht.

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Susanne Himmel­bauer
Lehre­rin AHS Kenyongasse 
Wien
Susanne Himmel­bauer
Lehre­rin AHS Kenyongasse 
Wien

Wir müssen auch sicher­stel­len, dass Kinder eigen­ver­ant­wort­li­ches Lernen IN der Schule lernen, dass in unse­ren Schu­len die Persön­lich­keits­ent­wick­lung der Schüler*innen ebenso wich­tig ist wie die Vermitt­lung des Stoffs und Schüler*innen von uns Lehren­den als Perso­nen in ihrer gesam­ten Lebens­wirk­lich­keit wahr­ge­nom­men werden. So können wir dafür sorgen, dass unsere Schüler*innen sich selbst moti­vie­ren können. Sie sollen lernen, dass Lernen ihre ganz persön­li­che Zukunft entschei­dend prägt.

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Welche Schritte sind dafür notwendig?

Lösungen

Eine tech­ni­sche Ausstat­tung, der darauf ange­wie­se­nen Schüler*innen, sollte von der Schule, Bund und Land bereit gestellt werden.

Im Austausch zwischen jungen Leuten und Pädagog*innen soll­ten die Online-Programme für die Schu­len verbes­sert werden. Dabei können sich benut­zer­freund­li­che und für alle verständ­li­che Formate entwi­ckeln. Gemein­sam mit IT Expert*innen könnte man alle Anlie­gen gemein­sam umsetzen.

Eine Beglei­tung der jungen Leute hin zum selbst­or­ga­ni­sier­ten Lernen ist unum­gäng­lich. Schüler*innen, die leich­ter für die Schule lernen, können dieje­ni­gen unter­stüt­zen, denen es schwie­ri­ger fällt. Die Zusam­men­ar­beit von Schüler*innen ermög­licht den Pädagog*innen den Fokus auf einzelne Schüler*innen.

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Wie wirkt sich die Pandemie auf meine Rechte aus? 

Ein Beitrag von
Muhammad Kudusov und Viktoria Ganahl

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Am 20. Novem­ber wurde der UN-Kinder­recht­e­tag gefei­ert. Doch wie steht es mit den Kinder­rech­ten während einer welt­wei­ten Pande­mie? Geschlos­sene Frei­zeit­be­triebe, abge­sagte Veran­stal­tun­gen und Ausgangs­sper­ren wirken sich auf jede Alters­gruppe unter­schied­lich aus. Wir alle wissen: Der massive Anstieg von Corona-Infek­tio­nen machte auch in Öster­reich einen zwei­ten Lock­down nötig. Die stren­gen Maßnah­men dienen zur Eindäm­mung des Virus. Und sie schrän­ken die Frei­hei­ten der Menschen enorm ein. Beson­ders betrof­fen von diesen Maßnah­men sind Kinder und Jugend­li­che. Statt im gemein­sa­men Spiel und bei Partys mit Freund*innen in Lebens­freude und Spaß einen Ausgleich zum Lernen zu schaf­fen, sitzen die jungen Leute im Home­schoo­ling isoliert vor dem Bild­schirm. Viele fühlen sich einsam und vermis­sen den Austausch mit Gleich­alt­ri­gen sehr. Bei Erwach­se­nen stoßen diese Gefühle mitun­ter auf Unver­ständ­nis oder werden über­haupt nicht wahr­ge­nom­men. Was denken Jugend­li­che über die Einschrän­kung ihrer Rechte und Freiheiten?

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Noelia Gutschi
13 Jahre
Graz
Noelia Gutschi
13 Jahre
Graz

Ist es schwierig, mit Freund*innen in Kontakt zu bleiben?

Im ersten Lock­down habe ich sehr viele Briefe geschrie­ben. Da die Leute mehr Zeit hatten und daheim waren, haben sie auch geant­wor­tet. Wenn Freunde in Quaran­täne waren, habe ich zum Beispiel eine Scho­ko­lade verpackt. Dann bin ich mit dem Fahr­rad zu ihnen hinge­fah­ren und habe sie in den Post­kas­ten gewor­fen. Man freut sich über solche klei­nen Gesten mehr als über eine Nach­richt auf Whats­App – so kommt es mir vor. Mit den meis­ten habe ich aber einfach nur tele­fo­niert oder digi­tal geredet.

Findest du, dass deine Rechte durch Covid-19 eingeschränkt werden?

Ich finde, dass Kinder in der Corona-Krise ein biss­chen vernach­läs­sigt werden. Baumärkte zum Beispiel haben vor den Schu­len und Spiel­plät­zen aufge­macht. Bei uns haben die meis­ten aber keinen Garten. Außer­dem haben Kinder weni­ger Kontakt mit Gleich­alt­ri­gen und Freun­den. Ich finde, Freunde sehen zu dürfen ist schon ein Recht. Eine Schü­le­rin aus meiner Klasse hat kein Handy und keinen Compu­ter. Ich habe sie ein halbes Jahr lang nicht gese­hen! Das ist dann trau­rig. Ich glaube schon, dass meine Rechte ein biss­chen einge­schränkt werden. Aber in einer Pande­mie muss wohl, glaube ich, zuerst an Pati­en­ten gedacht werden und erst an zwei­ter Stelle an Rechte.

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Julian Ganahl
17 Jahre
Walgau
Julian Ganahl
17 Jahre
Walgau

Kannst du deine Hobbys weiterhin ausführen?

Meine Hobbys sind haupt­säch­lich drei Bands. Mit einer Band sind wir auf Discord umge­stie­gen. Das heißt, wir versu­chen, an unse­rem eige­nen Zeug zu basteln, und jeden Sonn­tag tref­fen wir uns in einem Anruf. Jemand teilt das Audio­pro­gramm, dann können wir es uns gemein­sam anhö­ren und Verän­de­run­gen vorschla­gen. Es funk­tio­niert aber zeit­lich nicht so gut. Norma­ler­weise haben Schu­len und Proben einen Zeit­plan, jetzt vermischt sich alles.

Auf welche Rechte könntest du längerfristig kaum verzichten?

Eindeu­tig darauf, dass sich nicht mehr als zwei Perso­nen tref­fen dürfen. Als Jugend­li­cher gehört es dazu, dass man in Grup­pen unter­wegs ist. Man kann sich nicht gesund entwi­ckeln, wenn man stän­dig abge­schot­tet und isoliert ist. Es ist nicht natür­lich. Länger­fris­tig würde es auch nicht klap­pen, wenn ich auf die Schule verzich­ten müsste. Mein Tages­plan kommt durch­ein­an­der. Bisher musste ich mich nicht um einen struk­tu­rier­ten Tages­ab­lauf kümmern. Das ist jetzt anders.

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Susanne Weissl
15 Jahre
Schülervertreterin
Wien
Susanne Weissl
15 Jahre
Schülervertreterin
Wien

Am 20. November war der Tag der Kinderrechte. Werden diese während der Pandemie beachtet?

Natür­lich, denn unsere Rechte werden vom Bundes­mi­nis­te­rium nicht einschränkt. Es gibt kein Recht darauf, direkt in die Schule zu gehen, sondern ein Recht auf Bildung. Es gibt ein Recht, nicht in Abge­schie­den­heit zu leben. Aber unsere sozia­len Kontakte werden uns nicht komplett genom­men. Man muss mitden­ken, das ist wich­tig. Die Regie­rung versucht, uns so viel Rechte wie möglich zu einzu­räu­men, aber es ist nun mal eine Krisensituation.

Wie ist das als SV (Schülervertreter) in dieser Krise?

Gestern gab es eine Umfrage für die Ober­stufe. Dort sollen Schüler*innen Feed­back geben und von den Proble­men berich­ten. Sind die Aufga­ben viel­leicht zu viel? Wir machen das auch bald für die Unter­stufe. Unsere Schule hat auch dieses Jahr einen Insta­gram Account, wo neue Infos gepos­tet werden. Dann sind alle auf dem glei­chen Stand. Wir haben auch eine Platt­form für Fragen. Manche Fragen erhal­ten wir auch per Whats­App oder Insta­gram. Damit sind wir ein Teil des Krisen­teams, welches vom Direk­tor gegrün­det wurde. Wie das mit Lernen funk­tio­niert, ob es Schicht­be­trieb oder E‑Learning geben wird, wurde und wird mit uns bespro­chen. Wir geben auch Feedback.

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Max Ben Romdhane
13 Jahre
Bregenz
Max Ben Romdhane
13 Jahre
Bregenz

Hast du Stress wegen dem E‑Learning?

Ich finde es anstren­gend. Vor dem Compu­ter zu sitzen macht nicht so viel Spaß. Es macht rich­tig müde. Manch­mal tele­fo­niere ich mit der Schul­klasse. Das ist aber nicht dasselbe, wie gemein­sam an einem Tisch zu sitzen. Es ist stres­sig, wenn die Inter­net­ver­bin­dung spinnt oder es Probleme mit dem Link gibt. Was passiert, wenn ich zu spät rein­komme? Wir machen eher neuen Stoff und jeden Montag zu einer bestimm­ten Zeit bekom­men wir ein Arbeits­pa­ket, welches man später wieder abge­ben muss. Dann gibt es ein paar Aufga­ben für mehrere Fächer, auch Part­ner­ar­beit in Break-Out-Rooms auf Zoom. Das sind eigene Räume für Meetings, von denen man aber wieder ins Haupt­mee­ting zurück­keh­ren kann. Mit dem Stun­den­plan ist es jetzt besser. Davor wusste man von einem Tag auf den ande­ren nichts Genaues. Aber nun ist alles besser. Man wird auch entspann­ter, denn man hat nicht so viele Verpflich­tun­gen wie sonst.

Wie steht es mit euren Freiheiten? Werden diese eingeschränkt?

Es ist ein biss­chen blöd, dass man sein Hobby nicht ausüben darf. Meine Schwes­ter darf zum Beispiel nicht mehr zum Turnen und auch Profi­sport­ler brau­chen eine Berech­ti­gung. Ich kenne eine Sport­le­rin aus dem Ort, die mit dem Bürger­meis­ter Briefe hin und her schickt. Ich hatte davor im Verein 7 Jahre Klet­tern und bin zurzeit in einem Skiver­ein. Aber da können wir nicht trai­nie­ren, obwohl ich so gerne fahre. Ich werde aber zur Jugend­feu­er­wehr gehen, das wird interessant.

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E‑Learning und keine Freunde tref­fen – beides große Heraus­for­de­run­gen für die Jugend. Die jungen Leute aber finden neue Wege, um in Kontakt zu blei­ben: Sei es per Video­chat oder nur zu zweit unter Einhal­tung der Abstands­re­geln. Man vermisst dennoch seine Vereine und Akti­vi­tä­ten mit mehr als einer Person. Die Jugend­li­chen und Kinder sind sich auch ihrer Pflicht bewusst und halten sich an die Maßnah­men. Sie denken an die Betrof­fe­nen und erken­nen, dass die Maßnah­men und der Lock­down gute Gründe haben. Sie verzich­ten auf ihre Frei­hei­ten, um die betrof­fe­nen Menschen zu schützen.

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Perspektive gewinnen, was wissen wir? 

Expert*innen im Interview

Wie wirkt sich die Pandemie auf die Psyche der Jugendlichen aus? 

Hedwig Wölfl
Fach­li­che Leitung
Die Möwe
Hedwig Wölfl
Fach­li­che Leitung
Die Möwe

Heute wissen wir aus Daten von Studien, dass Kinder, welche vorbe­las­tet sind, ganz beson­ders leiden. Wir haben viel gelernt und die Kinder auch. Sie bilden bereits Resi­li­enz, also Wider­stands­kraft, um besser mit den Umstän­den umzu­ge­hen, aber es ist dennoch eine Ausnah­me­si­tua­tion. Sie können ihre Freun­dIn­nen und Peers nicht mehr tref­fen, obwohl es im Sommer in einer Unter­bre­chung noch möglich war. Kinder aus bildungs­är­me­ren Schich­ten verlie­ren den Anschluss bei der Bildung. Sie kommen oft in der Schule nicht gut mit oder bekom­men schwe­rer eine Lehr­stelle. Gewalt in der Fami­lie, psychi­sche Probleme und Stress durch die Eltern sind typi­sche Probleme für viele Kinder. Wenn die Eltern ein Video-Meeting haben, dann müssen sie leise sein. Gewalt im Haus­halt hat um 10 bis 20 Prozent zuge­nom­men, ebenso Ängste. Man hat vor vielem Angst, das ist auch nichts Schlech­tes und muss nicht direkt zur Suizi­da­li­tät führen. Wenn die Ängste den Alltag beein­träch­ti­gen, braucht man psycho­lo­gi­sche Hilfe. Für viele fällt auch eine normale Versor­gung weg, z. B. beim Zahn­arzt, mit dem Mutter-Kind-Besu­chen oder die Behand­lung bei einem Sprach­feh­ler. Es gibt darüber einen Bericht von der Öster­rei­chi­schen Liga für Kinder- und Jugend­ge­sund­heit (Bericht zur Lage der Kinder- und Jugend­ge­sund­heit in Öster­reich 2020)

Man spricht über den Lockdown als ein traumatisierendes Event für Kinder und Jugendliche. Wie sehen Sie das?

Man sollte aufpas­sen mit dem Begriff Trauma. Für manche kann dies der Fall sein. Psycho­lo­gisch gese­hen ist ein Trauma ein uner­war­te­tes Ereig­nis, welches über uns herein­bricht und wofür wir keine Bewäl­ti­gungs­for­men lernen können. Das ist auch für viele passiert, da Kinder mit einer neuen Situa­tion konfron­tiert waren. Viele haben eine Resi­li­enz, also eine psychi­sche Wider­stands­fä­hig­keit, gebil­det. Das Ausken­nen von vorher war nicht da, was auch zu einem Trauma führen kann. Aller­dings führt nicht alles zu einem Trauma. Für die einen ist die Pande­mie gefähr­lich, sie fühlen sich hilf­los und ohne Schutz. Die ande­ren nehmen die Situa­tion aber als sehr normal auf. Kinder mit einer guten Wider­stands­kraft (Resi­li­enz) und wenig Vulnerabi­li­tät (Verletz­lich­keit) sind dieje­ni­gen, die gut zurecht­kom­men. Es hängt von diesen zwei Fakto­ren ab. Womög­lich sind sie in der Vergan­gen­heit schon mit dem Tod der Oma konfron­tiert worden und haben es gut über­stan­den. Aber es gibt auch verletz­li­che Kinder, welche trau­rig sind wegen des Auszugs der Schwes­ter, keine Freunde haben wegen eines Schul­wech­sels, keine Lehr­stelle finden, die belas­tet sind, weil die Eltern strei­ten, oder frus­triert sind, weil der Sport­ver­ein ausfällt. Diese Kinder sind verletz­lich und dann kommt der Lock­down und die Kinder sind überfordert.

Was halten Sie von E‑Learning und dessen Umsetzung?

Prin­zi­pi­ell ist es super, dass es die Möglich­keit gibt, dass wir mitein­an­der in Kontakt blei­ben können. Das ist viel einfa­cher als früher. Aber man muss auch wissen, wie man damit umgeht. Wenn man zu viel Zeit virtu­ell kommu­ni­ziert und nicht im echten Leben, dann ist es was ande­res. Man kann das normale Gespräch nicht erset­zen und sollte das auch nicht. In unse­rer Konsum­ge­sell­schaft ist es nicht gesund für Kinder, so viel Zeit vor dem Bild­schirm zu verbrin­gen. Es gibt 7‑Jährige, die Fort­nite spie­len, und das ist nicht gesund. Wir leben alle mit tech­ni­schen Gerä­ten, aber man muss Kinder und Jugend­li­che darüber aufklä­ren, was erlaubt ist und was nicht. Ein Junge verschickt aus Rache die Nackt­bil­der seiner Freun­din und wundert sich dann über die Vorstrafe in seinem Register.

Wird sich der zweite Lockdown vom ersten unterscheiden?

Es ist eine poli­ti­sche Entschei­dung. Aber bevor unser aller Gesund­heit gefähr­det ist, weil die

Spitä­ler über­füllt sind, müssen wir zusam­men­hel­fen. Vor allem jetzt, wo Kinder­gär­ten und Schu­len zu sind. Kinder, welche Probleme und Stress haben, soll­ten trotz­dem gut von Lehre­rIn­nen betreut werden. Das Kind soll nicht nur den Laptop einge­schal­tet haben. Es soll nicht nur in die Einrich­tung gebracht werden. Dort soll nicht nur auf die Leis­tung geschaut werden, sondern auch, ob es den Kindern gut geht, emotio­nal oder mental. Und sie sollen fragen können. Viel­leicht haben sie kein stabi­les Zuhause, haben Sorgen, oder sie werden geschla­gen. Sie brau­chen Bezugs­per­so­nen. Vor allem jetzt, da sie keine ande­ren Kinder oder Freunde tref­fen können.

Am 20. November ist der Tag der Kinderrechte. Werden diese während der Pandemie beachtet?

Ich hoffe schon. Es ist eine Heraus­for­de­rung. Kinder haben ein Recht auf Frei­zeit, ein Recht auf Bildung, ein Recht auf ein Aufwach­sen ohne Gewalt etc. Jugend­li­che sollen nach­fra­gen, sich selbst einbrin­gen, wie bei „Mund auf, Ohren auf, Kinder spre­chen selbst“. Wie geht es ihnen wirk­lich? Nicht nur ich rede für die Kinder, sondern ihr selbst sagt, wie die Dinge sind: „Ich habe Angst, Wut oder Trauer.“ Das macht Mut, dass es Jugend­li­che gibt, die das in die Hand nehmen. Sie müssen hier in 50 Jahren noch leben und da sind alle Initia­ti­ven direkt von Jugend­li­chen äußerst hilfreich.

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Wie beeinflusst die Pandemie Kinderrechte in Österreich? 

Dr. Helmut Sax
Forscher am Ludwig-Boltz­mann-Insti­tut für Menschenrechte
Dr. Helmut Sax
Forscher am Ludwig-Boltz­mann-Insti­tut für Menschenrechte

Alles, was mit der Pande­mie zu tun hat, hat letzt­lich auch mit den Kindern zu tun und damit auch Auswir­kun­gen auf ihre Rechte. Ich glaube, es ist sehr deut­lich gewor­den, dass Covid-19 nicht nur eine Krank­heit ist, sondern dass die Auswir­kun­gen letzt­lich uns als ganze Gesell­schaft betref­fen. Die getrof­fe­nen Maßnah­men grei­fen zum Teil sehr stark in unser Privat­le­ben ein. Man kann nicht mehr jeden Tag raus­ge­hen, keine Freunde mehr tref­fen, und der Unter­richt funk­tio­niert weit­ge­hend über Distance Lear­ning. Das sind massive Auswir­kun­gen, die es so noch nie gege­ben hat.

Ganz gene­rell würde ich sagen: Die Auswir­kun­gen der Pande­mie hat alle Kinder und Jugend­li­chen betrof­fen, und zwar in vielen Berei­chen: Kinder­rechte, Gesund­heit, Bildung, im sozia­len Zusam­men­le­ben, bis hin zu Konflik­ten und mögli­cher Gewalt.

Wie beurteilen Sie die Schließungen der Schulen mit Umstieg ins Distance Learning?

Ich war selbst dage­gen, dass man Schu­len einfach zusperrt. Letzt­end­lich ist es so auch nicht gekom­men, aber statt­des­sen haben wir eine „halb­gute“ Lösung. Das Grund­pro­blem war, dass Schule für Kinder und Jugend­li­che viele Funk­tio­nen hat. Natür­lich geht es darum, dass man etwas lernt. Man geht aber auch hin, weil man Gleich­alt­rige trifft. Es ist erwie­sen, dass man in Grup­pen viele Dinge besser lernen kann. Schule hat viele Dimen­sio­nen, die für junge Leute sehr wich­tig sind — auch dass man einmal raus kann von zuhause. Aus meiner Sicht hat man vorher zu wenig über­legt, wie man verhin­dern kann, dass es zu solchen Schul­schlie­ßun­gen über­haupt kommt. Es ist sehr unter­schied­lich, wie die Schu­len mit der Situa­tion umge­hen und wie sich dies auf die Kinder auswirkt. Man über­lässt mehr oder weni­ger den Schu­len, wie die Lehrer damit zurecht kommen sollen. Das ist eine ziem­li­che Anfor­de­rung, würde ich sagen.

Könnten die aktuellen Einschränkungen der Kinderrechte auch längerfristige Folgen haben?

Wenn schon länger­fris­tige Folgen, dann hoffe ich, dass etwas Posi­ti­ves übrig bleibt. Das fängt auf einer ganz einfa­chen Ebene an: Gerade die Schu­len haben jetzt gese­hen, dass sie sich mit Tech­nik, Inter­net und digi­ta­len Medien beschäf­ti­gen müssen. Wenn es bisher um Handys in der Schule ging, war die einfachste Lösung immer: Am besten verbie­ten. Jetzt sieht man, wie extrem wich­tig digi­tale Medien sind und wie kurz­sich­tig bisher eigent­lich gedacht wurde.

Die andere Frage ist: Wer kann sich ein Handy oder ein Tablet leis­ten? Im Distance Lear­ning hat im Ideal­fall jedes Kind einen eige­nen Compu­ter. Den können sich viele nicht leis­ten. Kinder mit guten Rahmen­be­din­gun­gen können auch ganz gut von zu Hause aus für die Schule lernen. Aber wie geht es Kindern, die nicht solche Grund­vor­aus­set­zun­gen haben?

Ich habe in der Diskus­sion bis jetzt ganz wenig gehört, dass man sich Gedan­ken macht, wie es ärme­ren Fami­lien mit weni­ger Geld in Öster­reich geht. Oder ande­res Thema: Inte­gra­tion und Inklu­sion von Kindern mit Behin­de­run­gen, nicht nur auf die Bildung selber bezo­gen. Alle jene, die es extra­schwer haben, darf man jetzt nicht verges­sen und zurück­las­sen. Dass das nicht so sein soll, sagt sich schnell. Aber man wird sich in Zukunft sehr genau anschauen müssen: Was hat diese Pande­mie mit verschie­de­nen Grup­pen, gerade mit Kindern, Jugend­li­chen und Fami­lien, gemacht? Welche neuen Risi­ken sind entstan­den und wie kann man darauf reagieren?

Kinder spielen in dieser Pandemie keine Hauptrolle, sie sind keine Risikogruppe. Finden Sie dennoch, dass man mehr Rücksicht auf Kinder in der Pandemie nehmen sollte?

Ja, defi­ni­tiv. Junge Leute sind Teil unse­rer Gesell­schaft. Bis jetzt wurde zu wenig auf sie gehört. Es gibt zwar an sich Exper­tIn­nen, die auch die Regie­rung bera­ten, aber das sind alles letzt­lich Erwach­sene. Mir ist nicht bekannt, dass man in Öster­reich eine Umfrage gestar­tet hätte: Wie geht es den Kindern und Jugend­li­chen mit den Auswir­kun­gen mit der Pande­mie? Darum finde ich es auch super von euch, dass ihr über den Blog von jung&weise die Möglich­keit schafft, dass junge Leute, aber auch ältere wie ich (lacht), gehört werden.

Wenn es irgend­ein Wirt­schafts­thema gibt, dann setzen sich auch die Erwach­se­nen zusam­men, die in dem Bereich arbei­ten. Sie bespre­chen und orga­ni­sie­ren sich, melden sich zu Wort und stel­len Forde­run­gen. Genauso sollte es bei jungen Leuten sein, wenn es um Fragen wie Bildung, Kinder­kul­tur oder Frei­zeit­ein­rich­tun­gen geht.

Was würden Sie konkret für Kinder und Jugendliche verändern?

Wenn es um den Umgang mit der Pande­mie geht, soll­ten junge Leute mitein­be­zo­gen werden und zu Wort kommen. Ganz gene­rell finde ich auch, es wäre eine Gele­gen­heit, das Thema „Was heißt Gesund­heit?“ noch einmal etwas brei­ter zu disku­tie­ren. Es geht nicht nur darum, dass man schwere Lungen­krank­hei­ten bekom­men kann. Dass Leute zuhause blei­ben, sich isolie­ren, und gerade auch die jungen Leute davon betrof­fen sind: Das sind auch alles Gesund­heits­the­men. Auch die Inter­na­tio­nale Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion sagt: Gesund­heit defi­niert sich nicht nur durch das Fehlen einer Krank­heit. Man kann sich nicht krank fühlen und trotz­dem nicht gesund sein, weil man sich einfach nicht wohl­fühlt. Gesund­heit hängt auch damit zusam­men, dass man sich mit ande­ren Menschen trifft und sich austauscht.

Ich denke trotz­dem: Die Erfah­run­gen, die wir alle jetzt machen, sind auch etwas Einzig­ar­ti­ges. Hoffent­lich kann man sie auch für etwas Posi­ti­ves nutzen. Alle Leute, die diese Krise bewäl­tigt haben, können auch darauf stolz sein. Das ist nichts, was normal ist, nichts Selbst­ver­ständ­li­ches. Es freuen sich eh schon wieder alle auf die Zeit danach, wenn das normale Leben wieder weiter­geht. – Aber hoffent­lich mit ein paar Erfah­run­gen, die man in der Krise gemacht hat: Was gut funk­tio­niert hat, und was nicht gut funk­tio­niert hat. Dass wir halt „gschei­ter“ werden, als ganze Gesell­schaft, inklu­sive der jungen Leute.

Dr. Helmut Sax ist Forscher am Ludwig-Bolt­z­­mann-Insti­­tut für Menschenrechte.
Er arbei­tet zu den Berei­chen Frauen- und Kinder­rechte, Menschenhandel,
Menschen­würde und öffent­li­che Sicher­heit und ist im Vorstand des Netzwerks
Kinder­rechte Österreich.

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Eingeschränkte Kinderrechte in der Pandemie

Was sagen die Medien dazu?

Die Medien zeich­nen ein recht klares und einheit­li­ches Bild: Viele Kinder­rechte werden momen­tan einge­schränkt. Das betrifft nicht nur das Recht auf Bildung. Kontakt­ver­bote und geschlos­sene Frei­zeit­be­triebe verlet­zen darüber hinaus die Rechte auf Spiel, Frei­zeit und gesell­schaft­li­che Teil­habe. In den Medien wird aller­dings beson­ders das Recht auf Bildung betont. Unter­schied­lichste Voraus­set­zun­gen im Home­schoo­ling führen dazu, dass vor allem Schüler*innen mit Lern­schwä­chen noch weiter zurück­fal­len werden. Eine weitere Folge des Lock­downs, die Kinder trifft, ist die Zunahme psychi­scher und physi­scher Gewalt. Wenn Fami­lien viel Zeit auf engem Raum verbrin­gen müssen, können Konflikte schnel­ler eska­lie­ren. Gleich­zei­tig ist es für Außen­ste­hende während des Lock­downs oft schwie­rig, Probleme dieser Art zu bemerken.

In den Medien wird eines klar: Kinder und Jugend­li­che gehö­ren zwar keiner Risi­ko­gruppe an, leiden aber beson­ders unter den Folgen des Lock­downs. Selbst in einer Pande­mie darf man Kinder­rechte nicht aus den Augen verlie­ren. Auch wenn viele aktu­elle Einschrän­kun­gen notwen­dig sind: Ein wacher und kriti­scher Blick auf die getrof­fe­nen Maßnah­men bleibt unverzichtbar.

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selbst gezogen

Gemüse aus Satteins

Nach­dem wir den Film „Tomor­row“ gese­hen haben, kam uns die Idee, selbst Gemüse und Früchte anzu­bauen und einen Beitrag für eine gesunde Ernäh­rung zu leis­ten. Wenn man sich selbst um das Aufwach­sen der Pflan­zen kümmert, lernt man Lebens­mit­tel mehr zu schät­zen. Uns ist auch bewusst gewor­den, dass durch den eige­nen Anbau keine (Plastik)verpackungen anfal­len. Somit leis­ten wir auch einen Beitrag zur Klimaneutralität.

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Unser erstes Tref­fen galt vielen Fragen: Wo bauen wir an? Was bauen wir an? Welche Pflan­zen vertra­gen sich? Was tun wir mit der Ernte? Wie vermit­teln wir die Botschaft?

Am 12. April 2019 infor­mier­ten uns Andreas Werat­sch­nig (Land­wirt­schafts­kam­mer) und Heri­bert Insam (Unipro­fes­sor für Mikro­bio­lo­gie) über Kreis­läufe und das Zusam­men­spiel von Pflan­zen, Tieren und Menschen in der Land­wirt­schaft. Dann wurde es konkret: Im Pfarr­gar­ten und auf einem Stück Acker, das uns die Fami­lie Bieder­mann in der Au über­ließ. Im Pfarr­gar­ten setz­ten wir wetter­be­dingt eher spät Salate, Pasti­na­ken, Brok­koli, Kräu­ter und Erdbee­ren, im Acker Kartof­feln, Weiß­kohl, Zucchini, Kürbis und Lauch. Am 08. Juni setz­ten wir im Pfarr­gar­ten noch­mals Kohl­rabi, Spros­sen­kohl und Mangold.

Bei der Pflege wech­seln wir uns ab. Das Anpflan­zen von Gemüse und Früch­ten ist nicht schwer, man muss aber regel­mä­ßig gießen und das Jäten ist harte Arbeit. Es lohnt sich jedoch (hoffen wir). Das Gemüse wird nach der Ernte (plas­tik­frei) bei der Biblio­thek zur Entnahme angeboten.

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TOMORROW — DIE WELT IST VOLLER LÖSUNGEN

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Die reich­li­che Ernte wurde von Ende Juni bis Ende Septem­ber zur freien Entnah­men ange­bo­ten: Mitten im Ort, bei der Biblio­thek in Satt­eins bauten die jungen Leute ihren schmu­cken Stand auf. Über eine Spen­den­box wurde darum gebe­ten, die Deckung der Kosten für Setz­linge mitzu­tra­gen. Am Ende der zwei Garten­sai­so­nen fehlte es nicht am Spendengeld!

Nicht nur die Ernte, auch die Freude über das gelun­gene Projekt sollte geteilt werden.

Zum Abschluss berei­te­ten die Generationen*innen gemein­sam die letz­ten Kartof­feln und Kürbisse zu, woraus sich eine fröh­li­che Feier entwickelt.

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Jugendbeteiligung Satteins – Gemüse vom eigenen Feld

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»Wir finden das Gartenprojekt sehr gut, weil die Jugendlichen spüren, mit welchem Aufwand – einmal mehr einmal weniger – wunderbares Gemüse geerntet werden kann. 

Damit die Jugendlichen gerade jetzt zur Zeit des Corona-Virus, wieder Kontakte knüpfen können, finden wir das gemeinsame Projekt „Garten unter Gleichaltrigen“, wichtig.« 

Nicole Rhomberg (Mutter einer Jugendlichen) 

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Ein Beitrag von
Dilet Marin­gele und Norea Nenning

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Wie engagieren sich Jugendliche in der Politik?

Ein Beitrag von
Muhammad Kudusov

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Seit den „Fridays for Future“-Demos stehen enga­gierte Jugend­li­che im Fokus der Medi­en­auf­merk­sam­keit. Auch die „Black Lives Matter“-Proteste werden eher von jungen Leuten ange­trie­ben. Sie lenken die Aufmerk­sam­keit auf kontro­verse, seriöse Themen, die aus ihrer Sicht nicht ausrei­chend ernst genom­men werden. Ich wollte wissen: Wie bewer­ten junge Leute in meinem Umfeld diese Bewe­gun­gen? Was denken sie über Poli­tik? Was sagen erfah­rene Erwach­sene dazu? Dazu konnte ich Inter­views führen. Bgm. Georg Bucher (Ansprech­part­ner für Jugend­li­che / Regio ImWal­gau), Landes­rä­tin Vero­nika Marte und die Jour­na­lis­tin Jutta Berger haben sich Zeit genommen.

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Svenja Walser
16 Jahre
Bregenz
Svenja Walser
16 Jahre
Bregenz

Wie findest du Jugendliche, die sich in der Politik engagieren?

Ohne Poli­tik gäbe es Chaos, siehe die Corona-Maßnah­­men. Jugend­li­che sind die Gene­ra­tion von morgen. Sie haben auch eine Stimme. Öster­reich ist eine Demo­kra­tie, die Bevöl­ke­rung soll entschei­den und dazu gehö­ren auch Jugend­li­che. Das ist super.

Was erreichen junge Leute etwa von Fridays for Future?

Sie haben viel Aufse­hen in den Medien bekom­men und sind zum wich­ti­gen Thema gewor­den, auch aktu­ell. Man redet mehr über das Klima, auch im eige­nen Umfeld. Zum Beispiel essen meine Schwes­ter und ich öfters vege­ta­risch, kaufen mehr regio­nal und saiso­nal und sparen Strom und gehen mehr zu Fuß oder benut­zen Öffis. Und im Früh­jahr haben wir sogar ein Kräu­ter­beet ange­legt im Garten.

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Joachim Stöcke­ler
16 Jahre
Bregenz
Joachim Stöcke­ler
16 Jahre
Bregenz

Wie ist der politische Einfluss von jugendlichen Lehrlingen?

Sehr gut. Es gibt ‚Lehr­lings­par­teien‘, poli­ti­sche Grup­pen die sich für Themen der Lehr­linge einset­zen. Sie schauen z.B., dass Essen in der Kantine zu redu­zier­ten Prei­sen ausge­ge­ben wird. Sie kommu­ni­zie­ren gut mit der Gewerk­schaft. Es gibt Lehr­lings­ver­tre­ter und wenn man einen Vorschlag oder ein Problem hat, kann man dort auch anonym in Kontakt treten. Alle zwei Jahre gibt es Neuwahlen.

Was wünscht du dir von den Politiker*innen?

Dass man sich nicht immer gegen die Ideen der ande­ren stellt oder gute Ideen ‚klaut‘. Das ist so rich­tig krie­ge­risch. Besser ist es, die Idee zu über­neh­men und Respekt zu geben dafür. Die Poli­tik dreht sich zu sehr um die Parteien, statt um die Lösungen.

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Alima Bonen­kamp Furtado
16 Jahre
Bregenz
Alima Bonen­kamp Furtado
16 Jahre
Bregenz

Worum ging es bei „BlackLivesMatter“?

Gegen Poli­zei­ge­walt und Rassis­mus gene­rell. In den USA begann die Bewe­gung wegen der Diskri­mi­nie­rung. Hier in Öster­reich gibt es zwar nicht viele Menschen mit dunk­ler Haut­farbe, aber die Demo war allge­mein gegen Rassis­mus. Egal welche Haut­farbe, das ist nicht das Thema. Ich habe Fami­lie in Amerika, sie haben Angst. Ich bin Mixed. Ich will die Leute beschüt­zen und meine Fami­lie beschüt­zen. Viele mein­ten, dass das Demons­trie­ren unnö­tig war. Aber es geht um Soli­da­ri­tät und es ist nicht okay, vor allem wenn die Gewalt von jenen ausgeht, die die Bevöl­ke­rung schüt­zen sollen. Da hat man nur noch Angst.

Wirst du ernstgenommen?

Viele tun nur so, als würde sie uns ernst nehmen, weil sie die Wähler­stimme brau­chen. Vertreter*innen einer Partei haben Snacks zu den „Fridays for Future“- Demos gebracht. Aber es geht darum, dass die ganze Bevöl­ke­rung und Regie­rung zusam­men­ar­bei­tet und nicht nur die eine Partei allein. Die Probleme der Gegen­wart kann man nur zusam­men lösen. Wenn sich die Parteien bekämp­fen, kommen keine Lösun­gen raus dabei. Wenn die Partei das nur als Werbung benutzt, nützt es nichts.

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Jugend­li­che enga­gie­ren sich in den verschie­dens­ten Weisen. Manche orga­ni­sie­ren etwas auf eigene Faust und veran­stal­ten eine Demons­tra­tion auf der Straße. Andere bewir­ken im nahen Umfeld etwas und über­re­den die Schwes­ter weni­ger Fleisch zu essen oder selbst mehr zu Fuß zu laufen. Und manche machen bei Initia­ti­ven wie jung&weise mit und schrei­ben im Blog darüber und inter­viewen Poli­ti­ker. Enga­ge­ment zeigt sich auf viele Arten und Weisen. Was alle Jugend­li­chen verbin­det: Sie wollen gehört und verstan­den werden. Man soll sie ernst nehmen und mit Respekt behan­deln. Auch sie sind ein Teil der Bevöl­ke­rung und wollen mitbestimmen.

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Perspektive gewinnen, was wissen wir?

Expert*innen im Interview

Was sind die Voraussetzungen dafür, dass Kommunikation zwischen den Generationen stattfindet? 

Georg Bucher
Bürger­meis­ter Bürs
Georg Bucher
Bürger­meis­ter Bürs

Zuerst einmal ist es wich­tig auf welcher Ebene mitein­an­der gespro­chen wird. Es braucht Akzep­tanz und Ernst, dann gibt es mal eine wich­tige Basis und alles andere kommt dazu. Da gibt es viele Spek­tren. Es ist wich­tig, dass die Kommu­ni­ka­ti­ons­re­geln einge­hal­ten werden, dass man auf Augen­höhe mit Erwach­se­nen redet und sie auch kriti­sie­ren darf, dann passiert es auch im großen Umkreis.

Beeinflusst die Meinung der Kinder ihre Entscheidung innerhalb der Politik? Also wird sie berücksichtigt?

Wir haben ein Kinder­be­tei­li­gungs­pro­jekt in der Gemeinde und auch Jugend­be­tei­li­gungs­pro­jekte wie jung&weise. Jetzt gerade in den letz­ten Jahren verstärkt, dass wir einen konti­nu­ier­li­chen Lern­pro­zess für Jugend­be­tei­li­gung haben. Bis jetzt haben wir immer kurz­fris­tige Projekte gehabt, die aber bereits meist nach 2 Mona­ten abge­schlos­sen waren. Aber es sollte ein laufen­der, natür­li­cher Prozess sein, der fach­lich beglei­tet wird. Einem Jugend­par­la­ment gegen­über bin ich aber skep­tisch: Soll es dann auch ein Senior*innenparlament geben? Oder ein Mittel­klas­se­par­la­ment? Ich bezweifle, dass dies das rich­tige Format ist. Sie soll­ten lieber eine gemein­same Stimme sein. Zusam­men Projekte schaf­fen und präsen­tie­ren wie bei jung&weise. Die Jugend soll man nicht abkap­seln, sondern aktiv beteiligen.

Sie wünschen sich, dass Kinder- und Jugendbeteiligung ein Fixpunkt in der Politik wird. Wie sehen sie die Umsetzung davon?

Ein wich­ti­ger Punkt sind offene Schu­len. Ein wich­ti­ger Weg ist es, auf Schü­le­rin­nen und Schü­ler zuzu­ge­hen. Wenn ich die jungen Leute bis zum Pflicht­schul­al­ter betei­lige, erwi­sche ich einen Groß­teil der Jugend­li­chen. Wenn ich Klas­sen einbinde, dann profi­tie­ren alle von der poli­ti­schen Bildung.

Wie sehen Sie die politische Bildung bei den Kindern und Jugendlichen?

Demo­kra­tie ist ein ewiger Lern­pro­zess. Ein Klas­sen­ver­band macht Themen­fin­dung und Prio­ri­tä­ten­set­zung. Wenn ich meine Meinung vertre­ten will, muss ich mich durch­set­zen können z.B. bei der Frage: „Gehen wir ins Schwimm­bad oder wandern?“ Dafür muss ich Argu­mente finden und bereits das ist poli­ti­sche Bildung. Klas­si­sche poli­ti­sche Bildung ist eher histo­risch mit Daten und Zahlen. Im Schul­ab­lauf wäre der Betei­li­gungs­pro­zess sehr wich­tig. Der Kontrast zu aktu­el­len Themen muss auch da sein.

Was würden Sie gerne bei den Jugendlichen sehen?

Ich wünsche mir, dass die Jugend­li­chen nicht nur einen Wunsch­zet­tel schrei­ben, sondern auch Pflich­ten über­neh­men, indem sie Vorschläge machen und auch gewisse Dinge orga­ni­sie­ren und bei Initia­ti­ven wie zum Beispiel jung&weise mitmachen.

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Sie setzen sich stark für politische Bildung bei jungen Menschen ein. Was sind Ihre Visionen? 

Vero­nika Marte
Landesrätin
Vero­nika Marte
Landesrätin

Ich bin in einem Haus­halt aufge­wach­sen, indem man immer disku­tiert hat und wo es wich­tig war, dass man sich eine Meinung bilden konnte. Im Beruf bin ich Lehre­rin und habe viel mit Jugend­li­chen zu tun, ich habe auch poli­ti­sche Bildung unter­rich­tet. Im Grunde passiert Poli­tik in ganz vielen Berei­chen. Und doch hört man oft: „Nein, nein, ich will poli­tisch nichts machen.“ Obwohl man doch längst dabei ist, etwa wenn man sich im Verein enga­giert oder mit der Entschei­dung, wo man einkauft. Das sind auch poli­ti­sche Entschei­dun­gen. Eine Vision von mir ist, dass man junge Menschen befä­higt, sich selbst ein Bild von gewis­sen Dingen zu machen, statt vorge­sagt zu bekom­men: „So ist es.“ Wir können nicht einfach das Wahl­al­ter ab 16 Jahren einfüh­ren, aber keine poli­ti­sche Bildung anbie­ten. Es wäre eine Grund­bil­dung nötig in Form eines Faches.

Wie stellen Sie sich so ein Fach vor?

Ich war selbst Lehre­rin. Meine Schüler*innen wuss­ten nicht, dass ich bei einer Partei bin. Ich stimme zwar nicht allem zu, was die ÖVP macht, doch sie vertritt meine Inter­es­sen am besten. Mir war aber wich­tig, dass die jungen Leute auch andere Parteien kennen­ler­nen und den histo­ri­schen Hinter­grund dazu: Wie sind diese Parteien entstan­den, welche Geschichte haben sie mitein­an­der. Das wich­tigste als Lehr­per­son ist, unab­hän­gig zu unter­rich­ten. Man muss alle Schüler*innen fair behan­deln. Egal welches Thema behan­delt wird, man muss unab­hän­gig blei­ben und den Jugend­li­chen die Chance geben, sich selbst ein Bild zu machen.

Was können junge Menschen in der Politik bewirken?

In der Poli­tik muss man versu­chen alle Grup­pen einzu­be­zie­hen. Man versucht senio­ren­freund­lich und fami­li­en­freund­lich vorzu­ge­hen, aber man muss Poli­tik auch jugend­freund­lich machen. In der Stadt Leben verschie­dene Gene­ra­tio­nen und je mehr man einbe­zieht, ein umso diffe­ren­zier­te­res Bild entsteht. Ich kann zwar versu­chen für Jugend­li­che zu spre­chen, aber Ich bin erwach­sen und meine Bedürf­nisse sind heute anders als die euren. Ausgleich bewirkt man, indem man junge Kandi­da­ten auf die Listen holt und mit Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen zusammenarbeitet.

Wie involviere ich Jugendliche als Politikerin?

In Bregenz arbei­ten wir schon lange mit Carmen Feucht­ner von Welt der Kinder und jung&weise zusam­men. Das Wich­tigste ist es, die Hemm­schwelle abzubauen

Was würden Sie gerne bei der Jugend sehen?

Es gibt gewisse Regeln des Zusam­men­le­bens, Gesetze. Man hat nicht nur Rechte, sondern auch Pflich­ten. Jeder kann auch einen Beitrag leis­ten und unsere Jugend­li­che leis­ten beson­ders viel. Wir haben viele Vereine mit guter Jugend­be­tei­li­gung, das Youn­gArt zum Beispiel oder die Stoff­ta­schen im Walgau, die anstelle von Plas­tik­sä­cken verkauft wurden, die Orga­ni­sa­tion von Zero­Waste Pick­nicks. Das Youn­gArt wird über­wie­gend von jungen Menschen orga­ni­siert. Das ist lässig und gut und es freut mich, so etwas zu sehen.

Finden Sie, dass ein Wahlrecht ab 16 Jahren zu früh ist?

Das ist ein schwie­ri­ges Thema. Man darf zwar mit 16 wählen, aber auf keiner Liste kandi­die­ren. Da gibt es sicher noch Verbes­se­rungs­be­darf. Wenn man das Wahl­al­ter senkt, ist es auch wich­tig, poli­ti­sche Bildung mit einzu­be­zie­hen. Das Wahl­al­ter mit 16 Jahren ist ausrei­chend jung, auch 18 Jahre würde passen. Ich finde es schade, weil auch viele 16-Jährige sehr poli­tisch enga­giert sind, aber viele junge Leute unter 18 Jahren setzen sich mit dem Fach Poli­tik nicht konkret ausein­an­der: Man hat zwar das Wahl­al­ter gesenkt, aber keine poli­ti­sche Bildung einge­führt. Ich würde sagen, das ist ein Versäumnis.

Sie waren auch bei jung&weise dabei, was haben sie von dort mitgenommen?

Ich war zwei­mal bei jung&weise dabei, einmal in einer größe­ren Runde, einmal in einer klei­ne­ren Runde. Ich finde es inter­es­sant, wie sich junge Leute ausdrü­cken und ihre Stand­punkte mit Argu­men­ten vertei­di­gen. Es ist einfach ein ande­rer Blick­win­kel. Vor jung&weise war meine Einstel­lung anders. Ich habe viel mit Jugend­li­chen zu tun und denke, dass viele Jugend­li­che ein unglaub­li­ches Poten­tial haben, dass sie bestimmt sind und auch etwas frech. Das Frech­sein ist natür­lich das Vorrecht der Jugend.

Welches sind die aktuellen Schritte der Jugendpolitik in Bregenz?

Das aktu­el­len Jugend­pro­jekte sind die Zusam­men­füh­rung von Between und West­end, daran wird gear­bei­tet. In den letz­ten 3 Jahren gingen es darum, beide Orga­ni­sa­tio­nen unter einer Leitung zusam­men­zu­füh­ren, mit einem Vorstand, und daraus schließ­lich einen Verein zu machen. Hinter der Idee steht immer die Frage: „Was braucht die Jugend in Bregenz?“ Ein klei­ne­res Projekt, das wir umge­setzt haben, ist der Spiel­platz neben dem Rieden­bur­ger Bahn­hof. Bei solchen Prozes­sen ist es immer wich­tig eine Gruppe Jugend­li­che dabei zu haben, die mitreden.

„BlackLivesMatter“ ist ein brisantes und wichtiges Thema bei jungen Menschen. Von Seiten der Politik kam es kaum Reaktionen. Wieso?

Ich habe zwar die ganzen Ausschrei­tun­gen über die Medien mitver­folgt. Es ist wich­tig, die Diskus­sion über struk­tu­rel­len Rassis­mus zu führen. Den gibt es auch hier. Man muss sich immer wieder selbst über­le­gen, wie man redet, wie man ande­ren begeg­net. Ich weiß, dass es Demons­tra­tio­nen auch während der Hoch­phase von Corona gab. Da finde ich es gene­rell grenz­wer­tig, solche Veran­stal­tun­gen zu machen. Es ist schwie­rig. den Sicher­heits­ab­stand und die erfor­der­li­chen Maßnah­men einzu­hal­ten. Auf Bundes­ebene hat man sich sehr wohl vom struk­tu­rel­lem Rassis­mus distan­ziert, aber nicht unter dem Namen „Black­Li­ve­s­Mat­ter“. Das war viel­leicht für Jugend­li­che nicht nach­voll­zieh­bar? Für mich ist es unver­ständ­lich, wie Menschen in der Lage sind, rassis­tisch vorzu­ge­hen. Es ist doch völlig unbe­deu­tend, welche Haut­farbe oder welchen Hinter­grund man hat. Wir sind alle gleich. Grund­sätz­lich sollte man einen großen Bogen span­nen und allge­mein gegen Into­le­ranz angehen.

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Sie waren im Landtag. Sind ihnen dabei Organisationen mit Jugendlichen aufgefallen? 

Jutta Berger
Journalistin
Jutta Berger
Journalistin

Es gab ein Jugend­land­tag, welcher aus Schü­lern und Schü­le­rin­nen von verschie­de­nen Schu­len bestand. Mir gefiel dieser Land­tag nicht, er wirkte mehr wie eine Kari­ka­tur der echten Parteien war. Er war durch­or­ga­ni­siert und die Jugend­li­chen vertra­ten eher die Meinung der Parteien als ihre eigenen.

Sehen sie einen Nutzen vom Diskurs mit Kindern und Jugendlichen über Politik?

Ich halte das für ganz wich­tig, sowohl wirt­schaft­lich wie auch poli­tisch und für die, welche sich für die Zukunft schlau machen. Die Poli­tik ist nicht die Poli­tik für heute, sondern eine Poli­tik mit Folgen für mehrere Gene­ra­tio­nen. Es liegen Welten zwischen der Perspek­tive von Erwach­se­nen und einem Kind.

Wie können sich Kinder und Jugendliche engagieren?

Jeder kann sich enga­gie­ren. Bei Initia­ti­ven, Kommu­nen, Schu­len, uva.

Wie kann man als Politikerin Kinder und Jugendliche involvieren?

Man muss das Gespräch suchen, sie ernst nehmen, Vorschläge aufneh­men und umset­zen. Falls man mit Jugend­li­chen Projekte star­tet, soll man diese nicht nach­her in Schub­la­den stecken, sondern durch­zie­hen. Sonst besteht die Gefahr, dass die Jugend­li­chen bezie­hungs­weise Kinder kein Inter­esse mehr an der Poli­tik haben könnten.

Gibt es genug politische Bildung für Kinder und Jugendliche?

Bereits damit, eigene Akti­vi­tä­ten im Kinder­gar­ten zu entwi­ckeln, mit der Möglich­keit, seine Meinung laut zu äußern und sich zutrauen, diese zu äußern, fängt die poli­ti­sche Bildung an. Da findet ein Umden­ken statt.

Was würden sie gerne bei der Jugend sehen?

Enga­ge­ment und dass die Jugend­li­chen für ihre Ideen eintre­ten und laute, aktive und mutige Jugend­li­che sind.

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Berichte zum Thema – junge Stimmen im Young Corner (WANN & WO)

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Wie wirkt sich Sport auf das Selbstbewusstsein aus?

Ein Beitrag von
Muhammad Kudusov

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Sport – für den einen heißt das Bank­drü­cken im Fitness­stu­dio, für den ande­ren ist es eine Leiden­schaft oder sogar ein Lebens­stil und so manchem graust es regel­recht davor. Das Spek­trum der Meinun­gen ist breit und in Inter­views haben Jugend­li­che ihre Meinung kund­ge­tan und erzäh­len uns aus verschie­de­nen Perspek­ti­ven, was Sport für sie bedeu­tet. Diese Meinun­gen stehen im Kontrast zu den Aussa­gen von Fach­ex­per­ten und recher­chier­ten Fakten. Die Frage ist nun: Was bewirkt Sport bei Jugend­li­chen und deren Selbst­be­wusst­sein? Wie sehen das die Jugend­li­chen? Und was ist die Meinung der Exper­ten dazu?

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Chiara Hubner
17 Jahre
Chiara Hubner
17 Jahre

Wieso machst du Sport?

Ich habe es von daheim stark mitbe­kom­men, meine Fami­lie ist sehr sport­lich, und es gibt sozu­sa­gen eine gewisse Konkur­renz. Und ich mache es haupt­säch­lich für mich selbst. Früher galten dünne Frauen als schön, aber das Schön­heits­ideal wandelt sich auch zuguns­ten musku­lö­se­ren Frauen. Und das will ich auch erreichen.

Wie beeinflusst Sport dein Selbstbewusstsein?

Man fühlt sich in seinem Körper wohl und es pusht das eigene Ego natürlich.

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Eva Egle
18 Jahre
Eva Egle
18 Jahre

Wann machst du Sport?

Eher zur Fort­be­we­gung wie Fahr­rad fahren. Meist mache ich Sport bei Fami­li­en­ak­ti­vi­tä­ten wie Wandern oder Schwim­men mit Freun­den, also als Freizeitbeschäftigung.

Macht Sport einen Unterschied für dein Leben?

Es ist besser fürs Selbst­be­wusst­sein, aber eigent­lich hat es keine starke Auswir­kung, weil Sport kein fester Bestand­teil im Leben für mich ist. Es ist nicht meine Leiden­schaft, deswe­gen bin ich davon nicht abhängig.

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David Ange­rer
16 Jahre 
David Ange­rer
16 Jahre 

Was ist deine Motivation für Sport?

Sehr unter­schied­lich. Der Grund zum Anfan­gen war mein schie­fer Rücken und die Rücken­übun­gen dafür und danach kam die Frage: Wieso nicht die ande­ren Körper­teile auch trai­nie­ren? Es ist gesund­heit­lich eine große Hilfe, hält fit, man kann Ener­gie frei­set­zen, man arbei­tet an sich, es ändert den Lebens­stil und man hat Spaß.

Würdest du Sport anderen empfehlen?

Ja, ich empfehle es, weil es nicht nur gesund, sondern auch natür­lich für uns ist, da wir früher in der Stein­zeit Jäger und Samm­ler waren und Sport sozu­sa­gen etwas Selbst­ver­ständ­li­ches ist. Und bei rich­ti­ger Anwen­dung hat es keinen Nachteil.

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Arthur Potura
16 Jahre
Arthur Potura
16 Jahre

Wie fühlst du dich nach Sport?

Ausge­laugt, aber auf eine posi­tive Art und Weise oder moti­vier­ter noch etwas zu tun.

Was interessiert dich am meisten beim Sport?

Die Ästhe­tik, die Körper­kon­trolle, was eine gewisse Körper­kraft voraus­setzt, und die Präzi­sion des Spor­tes spornt an diesen zu machen.

Was bringt dir Sport?

Sport berei­chert mein Leben, sowohl psychisch als auch physisch, ermög­licht es mir an meine Gren­zen zu kommen und zu über­kom­men. Mein Selbst­be­wusst­sein ist posi­tiv beein­flusst, da ich mit Leis­tung gewisse Erfolge erziele und meinen Körper verändere.

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Wie schon gesagt sind die Meinun­gen der Jugend­li­chen unter­schied­lich. Sport wird als Möglich­keit ange­se­hen, sich zu entwi­ckeln und sich zu verbes­sern. Man fühlt sich wohl in seinem Körper, da man ihn zu einem gewis­sen Grad selbst gestal­tet. Für andere ist Sport einfach ein Zeit­ver­treib, eine spaßige Akti­vi­tät mit Freun­den und Fami­lie. Aber alle sind sich einig, dass Sport fit hält und gesund ist. Alles darüber hinaus ist individuell.

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Perspektive gewinnen, was wissen wir?

Expert*innen im Interview

Ivo Bösch
Trainer
Judo­club Bregenz
Ivo Bösch
Trainer
Judo­club Bregenz

Persönliche Frage: Welche Sportart machen Sie denn und warum?

Ich mache Judo, seit ich 4 Jahre alt bin. Für mich ist es ein Lebens­weg, es hilft dabei nach schwe­ren Situa­tio­nen wieder aufzu­ste­hen, was immer wieder im Leben geschieht.

Wie beeinflusst Sport dein Leben?

Zu 95 Prozent. Umgang, Körper­be­herr­schung und Respekt habe ich durch den Sport erfah­ren. Es stei­gert mein Selbst­be­wusst­sein, verleiht einem eine gewisse Stärke und spie­gelt sich im Verhal­ten, sowie im Leben allge­mein wider und es ist jedem zu empfehlen.

Macht Sport für Kinder/​Jugendliche einen Unterschied als für Erwachsene?

Es gibt eigent­lich keinen Unter­schied. Beispiels­weise ist bei Judo das Mitein­an­der wich­ti­ger als pure Kraft, und wir stär­ken uns gegenseitig.

Sport für Freizeit oder als Beruf?

Ich mache Sport als Ergän­zung und Ausgleich zum Job. Ich habe dadurch viel mitbe­kom­men und trai­niere und gebe diesen Weg an Heran­wach­sende weiter. Wir machen Sport inter­na­tio­nal, jeder mitein­an­der, und das erfüllt mich sehr. Es gibt immer Tage, die besser und schlech­ter sind, aber wenn man dran ist und den Weg der Kinder sieht, freut man sich umso mehr.

Wie ist das ein Vorbild zu sein?

Jeder Jugend­li­che, Erwach­se­ner und jedes Kind haben Vorbil­der, gemein­sam erle­ben. Du selbst hast nie die höchste Vorbild­funk­tion. Man lernt von klein und groß und man sieht sich nie als den Schwächs­ten oder Stärks­ten. Ich will den Heran­wach­sen­den etwas beibrin­gen und sie weiter­brin­gen. Die Kultur­form 睦み合う, auf Deutsch „gemein­sam gedei­hen“, ist die höchste Art von Judo, alle sind gleich­ge­sinnt und nur so kann man stär­ker werden.

Was hat es für Vorteile (Fakten)?

Jeder Sport hat Vorteile und es ist wich­tig für die heutige Jugend, um sich zu entwi­ckeln und zu lernen sich durch­zu­set­zen. Was ich aber oft kriti­sie­ren muss, ist der Leis­tungs­druck, der nicht immer posi­tiv ist. Eltern machen sich mehr Kopf darüber, dass ihre Kinder stär­ker, schnel­ler und besser als sie werden und nicht das Prin­zip des Spor­tes verste­hen. Die Kinder können diesen Leis­tungs­druck nicht lange stand­hal­ten. Jeder muss besser werden, aber nicht so.

Sport im Verein oder alleine?

Zum Beispiel alleine joggen oder Judo hat einen Unter­schied. Im Verein lernt man mitein­an­der aus Fehlern, dafür stehen die 10 Regeln aus Judo. Man hat das beim allei­ni­gen Joggen nicht, man hat nicht die Möglich­keit mit ande­ren zu lernen. Alleine Sport zu machen ist gut, wenn man für sich etwas versu­chen will, aber mit dem Verein lernt man mit allen. Man lernt von den ande­ren und die ande­ren lernen von einem und man geht mit einan­der den Weg des Lebens.

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Was die Medien dazu sagen

Was sagen die Medien dazu? Wenn man nach gesund­heit­li­chen Themen googelt, sollte man immer kritisch mit den Infor­ma­tio­nen umge­hen, denn es gibt keine Wahr­heits­ga­ran­tie für diese. Jedoch stim­men die meis­ten Arti­kel dem Fakt zu, dass Sport gesund­heit­li­che Vorteile hat. Bei nicht ausrei­chen­der Bewe­gung wird Muskel­masse abge­baut und dann können im hohen Alter schwer­wie­gende Probleme auftre­ten, wie Gelenk­be­schwer­den und Herz­pro­bleme. Als Präven­tion wird einstim­mig Sport verschrie­ben. Und wie hilfst das den Jugend­li­chen? Die Puber­tät ist die Zeit der größ­ten Verän­de­rung und das bringt auch Heraus­for­de­run­gen mit sich. Sport hilft da nicht nur körper­lich, sondern stärkt auch das Selbst­be­wusst­sein, das während der Teen­ager­jahre sehr fragil sein kann. Man knüpft Sozi­al­kon­takte und lernt mitein­an­der umzu­ge­hen. Entge­gen der Meinung vieler prak­ti­zie­ren äußerst viele Jugend­li­che Sport und das regelmäßig.

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Zeit der Krise ist auch eine Chance! 

Erfahrungen aus der Zeit von COVID 19.

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Wir werden uns bewußt, wie wir gelebt haben; was blei­ben und was anders werden soll.

Wir geben beson­ders acht auf ältere und gesund­heit­lich belas­tete Menschen. Für Viele hat sich das Leben verlang­samt, andere haben in dieser Zeit beson­ders viel zu tun. Es verstär­ken sich die Unter­schiede zwischen den sozia­len Grup­pen. Unser Mitein­an­der ist hohem Stress ausge­setzt. Gleich­zei­tig wächst an vielen Orten die Hilfsbereitschaft.

Ausge­hend von ihren Hoff­nun­gen, Wünschen und konkre­ten Vorstel­lun­gen fragen wir die Menschen:

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Wie soll es weitergehen? Welche Schritte möchten wir setzen, für eine Zukunft, die wir uns MITEINANDER wünschen?

Anna Dingler, 12 Jahre
Walgau
Anna Dingler, 12 Jahre
Walgau

Ich glaube, dass die Erwach­se­nen in dieser Zeit sehen, dass die Kinder in der Lage sind, Eigen­ver­ant­wor­tung für ihr Tun und ihr Nicht-Tun zu über­neh­men und sehr viel mehr Zeit zum Spie­len brau­chen als ange­nom­men und dass es wunder­bar ist, Kinder begeis­tert beim Lernen zu erle­ben und Home­schoo­ling auch viel Freude berei­tet kann. Ich finde, dass die Erwach­se­nen in Zukunft, besser auf die Umwelt achten soll­ten, dass man nicht immer alles und zu jeder Zeit kaufen kann und mit dem Vorhan­de­nen zurecht­kom­men kann und sie soll­ten sich wieder viel mehr Zeit für ihre Kinder nehmen.

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Jakob Dobler, 16 Jahre
Walgau
Jakob Dobler, 16 Jahre
Walgau

In den letz­ten Wochen war sehr viel auf die Innen­räume verlegt und in den Öffis war fast nichts los, das war schon komisch. Mit der Fami­lie hatte man aber mehr Zeit und man konnte die Zeit zuhause sinn­voll nutzen, da man nicht fort­ge­hen „musste“. Ich bin der Meinung, dass wir auf andere Perso­nen Rück­sicht nehmen, verstärkt mehr aufein­an­der aufpas­sen und mit offe­nen Augen durchs Leben gehen, soll­ten wir beibe­hal­ten. Doch auch mir stellt sich die Frage, wann hört das Chaos wieder auf.

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Julian Gebhart, 16 Jahre
Walgau
Julian Gebhart, 16 Jahre
Walgau

Als IT-Lehr­­ling hatte ich es in den letz­ten Wochen sehr stres­sig , da jeder ins Home-Office umstei­gen musste. Auch ich war dann selber einige Tage im Home-Office. Obwohl die Berufs­schule geschlos­sen war, habe ich trotz­dem an diesen Tagen gear­bei­tet. Ich finde für die ältere Gene­ra­tion war die Situa­tion nicht einfach, da sie nicht selber einkau­fen soll­ten und nur einge­schränkt spazie­ren durf­ten. Wir soll­ten aus der Situa­tion lernen, dass wir die Natur respek­tie­ren und in Zukunft weni­ger mit Schif­fen und Flug­zeu­gen unter­wegs sein sollten.

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Lilly Rhom­berg, 14 Jahre 
Walgau
Lilly Rhom­berg, 14 Jahre 
Walgau

Ich habe in den letz­ten Wochen meine Freunde sehr vermisst. Um Kontakt zu halten, habe ich mehr Zeit am Handy verbracht und um mir die Zeit zu vertrei­ben, bin ich alleine spazie­ren gegan­gen. Mich hat die Frage beschäf­tigt, wie es in der Schule weiter­geht, da ich einen Schul­wech­sel im Herbst habe. Können wir da einfach weiter­ma­chen, wie vor der Pause? Dass alle gleich­zei­tig zuhause waren, war zwar nicht immer einfach, aber die gemein­sa­men Mahl­zei­ten sind schon schön. In Zukunft sollte sich jeder gut über­le­gen, dass man weni­ger mit Autos und Flug­zeuge unter­wegs ist, da das der Umwelt gut tut.

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Patrick Pasqu­alini, 16 Jahre
Bludenz
Patrick Pasqu­alini, 16 Jahre
Bludenz

Es war schon lang­wei­lig, die letz­ten Wochen daheim zu sein und die Kolle­gen nicht zu tref­fen. In der Schule sind wir auf Live-Unter­richt umge­stie­gen, das war eine neue Erfah­rung. Außer­dem muss ich mich gut orga­ni­sie­ren und mir alles selber eintei­len. Ich finde das gar nicht so schlecht. Persön­lich beschäf­tigt mich aber, ob ich eine gute Lehr­stelle in dieser Zeit bekomme, da auch Bewer­bun­gen teil­weise nur online ablau­fen. Mich erstaunt, dass die Menschen gut zusam­men­hal­ten und ich finde viele Menschen sind spür­ba­rer freund­li­cher gewor­den, das sollte man aus der Krise lernen.

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Paulina Fraisl, 11 Jahre
Walgau
Paulina Fraisl, 11 Jahre
Walgau

Ich stelle mir die Frage, ob man wirk­lich so viele Sachen braucht. Mir macht es Angst, dass sich viele Menschen anzei­gen, nichts hinter­fra­gen und alles blind machen, was man ihnen sagt. Die Angst, die verbrei­tet wird, macht krank und ich finde, viele reagie­ren zu panisch. Die Leute weichen sogar mir aus. Zuhause sind wir vier Kinder und wir brau­chen viel Unter­stüt­zung, dadurch kam die Arbeit unse­rer Mama zu kurz. Blei­ben sollte die Zeit, die wir gewon­nen haben, um mit der Fami­lie zu spie­len. Ich möchte nicht, dass aufgrund der vielen Aufla­gen, der Plas­tik­müll vermehrt wird.

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Alina Stark, 19 Jahre 
Innsbruck
Alina Stark, 19 Jahre 
Innsbruck

Man muss sich im Moment viel selbst struk­tu­rie­ren, die Zeit eintei­len. Die Kontakte sind nicht selbst­ver­ständ­lich, man muss sich um die Kontakte kümmern. Man ist mehr online, mehr am Handy und am PC. Güns­tig erlebe ich, dass ich neue Sachen auspro­biere (wie z.B. Work­out, Yoga, beim Kochen), acht­sa­mer bin und relax­ter. Mich beschäf­tigt: Wie man die Span­nung zwischen dem Gemein­sa­men und den persön­li­chen Frei­räu­men als Fami­lie und im Weite­ren als Gesell­schaft hinbe­kom­men kann.

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Lean­der Stark, 23 Jahre 
Innsbruck
Lean­der Stark, 23 Jahre 
Innsbruck

Der Alltag ist nicht so viel­schich­tig im Moment. Die Heraus­for­de­rung ist, es nicht eintö­nig werden zu lassen. Der Alltag muss struk­tu­riert werden, die Alltags­kon­takte sind redu­zierte, aber auch konzen­trier­ter. Mich beschäf­tigt: wie kann man über­haupt und gerade in diesen Zeiten offen und mutig bleiben.

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Pauline Bieder­mann, 15 Jahre
Satteins
Pauline Bieder­mann, 15 Jahre
Satteins

Ich hatte in den letz­ten Wochen endlich Zeit meine vielen Ideen umzu­set­zen. Ich habe einen Hühner­stall, eine Schau­kel und einen Tisch gebaut und habe immer neue Ideen. Die Dinge für die Schule erle­dige ich am Vormit­tag und am Nach­mit­tag bin ich drau­ßen bei den Tieren am Hof. Da ich einen Schul­wech­sel vor mir habe, stelle ich mir die Frage, ob ich mich schu­lisch noch verbes­sern kann. Außer­dem habe ich nicht wirk­lich verstan­den, warum die Menschen am Höhe­punkt der Krise so viele Hams­ter­käufe mach­ten, obwohl es genug Nahrung gab. Posi­tiv fand ich, dass die Leute mehr zusam­men halten und wie gut das funktioniert.

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